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Die
GZ
trendline
erschien monatlich in der
Goldschmiede Zeitung



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Vom Trendmachen
(Erschienen im Februar 2000 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Seit die Temperaturen auf winterliche Werte gesunken sind und Schnee und Eis Einzug gehalten haben, lässt sich klar erkennen, wie die Frauen der Kälte in diesem Jahr trotzen. Das Luxusthema des Winters 99/00 ist ohne Wenn und Aber Pelz. Allen Tierschützern und Modelkampagnen zum Trotz schwelgen die Frauen ohne falsche Scham in edlen Tierhäuten. Was noch vor kurzer Zeit politisch absolut unkorrekt und gesellschaftlich inakzeptabel war, ist zum Saisonrenner geworden. Die Damen, die bereits vor der grossen Pelzhatz einen Fifi besessen hatten, haben diesen voll Freude aus dem Kühlhaus geholt. Alle anderen leisten sich je nach Kaufkraft ein Krägelchen, eine Handtasche oder den klassischen Mantel. Die Frauen scheinen nur darauf gewartet zu haben, dass sich der moralische Bann über den herrlich verführerischen Naturprodukten hebt.

Aber wie war diese plötzliche Kehrtwendung möglich? Woher kam das geheimnisvolle Startzeichen für den kollektiven Pelzrausch? Die Gründe dafür liegen auf verschiedenen Ebenen. Einerseits hat sich die Einstellung der Gesellschaft zum Luxus verändert. Nicht mehr die selbst auferlegte Bescheidenheit und allseits korrektes Bewusstsein prägen diese Einstellung, sondern das Gefühl, dass man sich ja sonst nichts gönnt -  und vor allem lange nichts gegönnt hat. Andererseits hat sich das Lebensgefühl der Frauen verändert. Als aufgeklärte Konsumentinnen wissen sie, dass Pelztragen ein umstrittenes Thema ist. Sie machen sich jedoch keine Illusionen mehr darüber, dass alle tierischen Produkte von Zuchttieren stammen und diese das Leben lassen müssen, um unsere Bedürfnisse zu stillen. Aber welche Frau kann im Ernst dem kostbaren Gefühl von Pelz auf Dauer widerstehen.

All das hätte jedoch nicht gereicht, um die Dogmen der Tierschützer über den Haufen zu werfen. Dem Erfolg wurde vielmehr an der Basis unter die Arme gegriffen. Skandinavische Tierzüchter haben vor einiger Zeit damit begonnen, den Modedesignern ihre Produkte schmackhaft zu machen. In eigens eingerichteten Werkstätten, in denen die besten Pelznäher ihrer Zunft arbeiten, haben Designer aus aller Welt die Möglichkeit, die edlen Materialien besser kennen zu lernen. Als Gäste des Tierzuchtverbandes können sie nach Herzenslust experimentieren und ihre Visionen direkt von den fleissigen Profis in den Ateliers umsetzen lassen. Behandlungsmethoden aller Art können vor Ort ausprobiert und neue Ideen getestet, sämtliche Fragen zum Umgang mit Pelz von Grund auf eingehend besprochen werden. Die Resultate dieser umsichtig geförderten Kreativität schlagen sich schon seit einiger Zeit in Haute-Couture-Kreationen der grossen Modeschöpfer nieder. Jetzt ist der Funke endgültig auf die grosse Masse übergesprungen und hat der Modebranche zu willkommenen Umsätzen verholfen.

Was hat das nun alles wieder mit Schmuck zu tun? Die Ausgangslage der Pelzindustrie und der Schmuckbranche gleichen sich. Teure Materialien werden aufwändig und mit grosser Sachkenntnis von Hand verarbeitet. Kreativen Köpfen beides anzubieten ist ein äusserst schlauer Schachzug. Vor allem, wenn diese einen zugkräftigen Namen im Hintergrund haben. Die Ergebnisse dieser Experimentierstuben fliessen direkt in neue Kollektionen ein. Diese wiederum treffen in der Öffentlichkeit und bei den Medien auf Interesse und kreieren im Idealfall einen neuen Trend. Dazu kommt, dass die Zusammenarbeit der Profis einer Branche mit Kreativen aus aller Welt einen beidseitigen Wissenstransfer ermöglicht. Wie oft lösen „unschuldige“ Fragen von Aussenstehenden neue Entwicklungen aus, die der Fachmann ohne diese Herausforderung nie versucht hätte? Umgekehrt führt die bessere Sachkenntnis der Designer zu einem überlegeneren und vielseitigeren Umgang mit dem Rohstoff.

Vor allem Rohstofflieferanten und deren Marketingorganisationen in unserer Branche könnten das Modell der Pelzindustrie genauer studieren. Gezielte Wissensvermittlung an Designer im Schmuckbereich, aber auch die Ansprache verschiedenster anderer Branchenvertreter könnte sich für die Schmuckindustrie lohnen. Dann würde der nächste Trend vielleicht ja Goldrausch heissen.

Ihre Susan Sagherian


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