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Die
GZ
trendline
erschien monatlich in der
Goldschmiede Zeitung



Weitere Artikel aus dieser Reihe:



Die Wiederauferstehung der Schönheit
(Erschienen im Juni 2000 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Über das Wesen der Schönheit zu sprechen, heisst, sich einzureihen in eine unendliche Reihe von Geistern, die sich dem Thema schon seit Menschengedenken widmeten. Jeder erkennt Schönheit, wenn sie ihm begegnet, aber kaum jemand vermag sie zu erklären. Wenn wir die Schönheitsideale vergangener Jahrhunderte vor dem inneren Auge Revue passieren lassen, erkennen wir, wie stark sich diese verändert haben. Wenn wir Fotos von uns selber anschauen, können wir meist nicht mehr verstehen, warum wir einmal diese Frisur oder jenes Kleid getragen haben. Obwohl wir uns damals selber als ungemein schön und attraktiv empfanden. Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das gilt auch für unterschiedliche Kulturen. Wenn Punks zur Schönheitskonkurrenz antreten, bleiben Normalsterbliche oft ratlos. Das Gleiche passiert, wenn wir mit Angehörigen von Afrikanischen Stämmen zusammentreffen, die sich mit - für uns Zentraleuropäer schwer nachvollziehbaren – körperlichen Eingriffen verschönern.

Die letzten dreissig, vierzig Jahre waren aus der Sicht der Kunsthistoriker keine guten Jahre für die Schönheit. Die Künstler wandten sich von ihr ab. Zu vordergründig erschien ihnen diese. Zu materialisiert, zu instrumentalisiert, zu banalisiert. Die Mode hat in dieser Zeit ebenfalls einige Gegenpole zur Schönheit formuliert. Der Casual-Look hat uns alle – Mann oder Frau – in eine geschlechtsneutrale Einheitsklamotte gesteckt. Der Trash-Look liess uns absichtlich schlampig und zerrissen daherkommen. Überbreite Schultern machten aus zierlichen Frauen Aspirantinnen für eine Amerikanische Football-Mannschaft. Der Grunge-Look zu guter Letzt war die totale Abkehr vom Luxus und die Huldigung an unscheinbare Büssergewänder. Die Schönheitsikonen der Gegenwart – die Models – sahen zeitweise aus, als ob ihnen soeben im Hinterhof etwas Grässliches passiert sei und sie vierzehn Tage nicht mehr gegessen und geschlafen hatten.

Diese Zeiten scheinen endgültig der Vergangenheit anzugehören. Auf einmal ist die Schönheit per se als Kunstthema wieder salonfähig. Museen widmen ihr Ausstellungen. Die Poesie, die für lange Jahre schwer wie Blei in den Regalen lag, ist wieder auferstanden. Die bösen Buben der Rapszene haben sie ihren jugendlichen Fans nähergebracht. Die Mode zu guter Letzt schlägt den Frauen den diskreten Chic der Bourgeoisie vor und spielt mit der zurückhaltenden Eleganz, die Modeschöpfer wie Yves Saint-Laurent oder Valentino in den 70ern pflegten.

Ja, und der Schmuck? Wo bleiben die ewigen, unverzichtbaren Begleiter aller menschlichen Schönheit? Welche Rolle kommt uns Schmuckleuten zu? Nach einer langen Zeit, in der Schmuck klein und diskret, einfarbig und blass, abgespeckt auf ein formales Minimum und am besten matt sein musste, drehen sich die Vorzeichen. Formulieren Sie einfach die Gegenteile des vorhergehenden Satzes und sie haben die Vorgaben für Ihre Designabteilung schon beieinander.

Ihre Susan Sagherian


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