Concept Design Logo

Home  Beratung Seminare Trendforschung Publikationen  Susan Sagherian Kontakt  English Website






Die
GZ
trendline
erschien monatlich in der
Goldschmiede Zeitung



Weitere Artikel aus dieser Reihe:



Das Wunder Natur
(Erschienen im Mai 2000 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Das alljährliche Wunder ist wieder geschehen. Die Erde hat wieder angefangen zu atmen. Blütenduft vermischt sich mit dem vertrauten Geruch feuchter Erde. Die Welt verändert ihr Antlitz fast stündlich, wenn mit den milden Temperaturen und dem Regen zartes Grün hervorschiesst und Blumen ihre leuchtenden Köpfe entfalten. Fürs Akkustische sind die Singvögel zuständig, die mit vollen Kehlen jeden Morgen den erwachenden Tag begrüssen. Die öde Spätwinterlandschaft entfaltet sich und betäubt uns mit wohltuenden Sinneseindrücken. Und wir – geniessen es in vollen Zügen.

Die Vorstellung, all dies würde nicht geschehen, wäre peinigend und deprimierend. Der Gedanke, dass die Urgewalt Natur zur Frühlingszeit tot und lautlos verharren würde, wäre kaum zu ertragen. Und doch, für die Anwohner der Theiss präsentiert sich die Lage in diesen Monaten etwa so. Ein toter, vergifteter Fluss wälzt sich an ihnen vorbei und vergiftet in weitem Umfeld alles Leben weiterhin mit. Die Nahrungskette sorgt dafür, dass grosse Gebiete links und rechts des Flusses in Mitleidenschaft gezogen werden. Einmalige Lebensräume mit seltenen Tierarten wurden für immer ausgelöscht. Den Menschen an der Theiss wurde mit einem Schlag ihre Lebensgrundlage auf Jahre hinaus zerstört.

Der erste Unfall passierte am 30. Januar in den Goldminen von Baia Mare in Rumänien. Beim Abbau von Gold wird Zyanid eingesetzt, um das feinstverteilte Edelmetall aus dem Erz zu lösen. Beim Dammbruch in Baia Mare gelangten fast hunderttausend Kubikmeter Flüssigkeit aus Zyanid und Schwermetallen in die benachbarten Gewässer und zogen eine tödliche Spur durch Osteuropa.

Natürlich tragen wir Schmuckleute nicht die geringste Verantwortung für Unfälle dieser Art. Denn Baia Mare ist nicht die einzige Umweltkatastrophe, die im Zusammenhang mit Goldminen stattfand. Es sind in erster Linie die Betreiber der Minen und die politischen Verantwortlichen, die auf die Sicherheit der Minenanlagen pochen müssen. Aber in gewisser Art tragen wir eine moralische Verantwortung. Als Abnehmer grosser Mengen von Edelmetallen darf es uns nicht egal sein, wenn anderswo ganze Landstriche auf Jahre hinaus verseucht werden.

Es wäre zum Beispiel vorstellbar, ein Ökolabel einzuführen, das Edelmetalle bezeichnet, die von verantwortungsvollen Minenbetreibern mittels umweltschonender Methoden gewonnen werden. Dies würde zu einem zweifachen Goldpreis führen. Aber warum nicht? Wir sind uns mittlerweile alle gewohnt, dass Bio- oder Ökoprodukte mehr kosten, als die Massenware.

Eine Geste besonderer Verbundenheit mit den betroffenen Regionen wäre es, von jedem verkauften Goldschmuckstück einen "Theiss-Thaler" auf ein Konto zu stiften. Lokal könnten Aktionen durchgeführt werden, um Geld für die Hilfe vor Ort zu sammeln. Die Kunden könnten dafür sicher gewonnen werden, denn solche Initiativen werden geschätzt und beachtet. Der gute Willen der Industrie würde mit Wohlwollen von der Öffentlichkeit aufgenommen. Wenn die ganze Deutsche Schmuckindustrie zusammenstehen würde in einer solchen Aktion wäre das, bei noch so kleinen Beträgen des Einzelnen, eine wertvolle Hilfe bei der Wiederbelebung der vergifteten Gewässer und ihrem Umland.

Denken Sie dran, wenn Sie heute vors Haus treten, den Blütenduft einatmen und der Amsel bei ihrem Abendgesang zuhören. Es kann uns Schmuckleuten nicht egal sein, wenn irgendwo auf diesem Planeten die Erde im Namen des Goldrauschs verseucht wird.

Ihre Susan Sagherian


Home  Beratung Seminare Trendforschung Publikationen  Susan Sagherian Kontakt  English Website


Copyright © 1998-2007 Concept Design, Susan Sagherian