Wellenreiten im Zuge der Eleganz
(Erschienen im November 2000 in der
GZ - Goldschmiede Zeitung)
Die Modezeitschriften schreien es wie aus einem Mund von den Kioskregalen. Frau braucht
Accessoires! Handtaschen und Schuhe werden schon gar nicht mehr gross verargumentiert. Im
Zuge der neuen Damenhaftigkeit wird viel mehr auf die Wichtigkeit des richtig gewählten
Hutes, der feinen Abstimmung der Handschuhe auf die Handtasche hingewiesen. Zu guter Letzt
sind Gürtel wieder ein Thema. Breite Gürtel in der Taille getragen.
Den minimalistischen Neunzigern sei es gedankt. Sei haben mit ihren alljährlich
wiederkehrenden Modemix von Grau mit Grau die Bedeutung der Accessoires so richtig
hervorgebracht. Wo man sich kleidermässig nicht mehr unterscheiden konnte, wollte man
wenigstens mit der Handtasche einen Rest Persönlichkeit beweisen. Ausserdem, was wollten
die Modedesigner denn noch verkaufen, wenn schon wieder der gleiche Einheitslook angesagt
war? Der Aufstieg der Accessoires zum "Must" kam allen recht. Mancher
Modekonzern konnte die Zeit wahrscheinlich nur dank der Accessoires überleben. In die
ultraschlanke Mode passte nicht unbedingt jede Kundin hinein. Schuhe und Handtaschen
passen jedoch allemal zu jeder Hüftweite.
In diesem Winter ist der Accessoirekult in vollem Gang. Für besondere Modelle muss das
Kaufrecht auf einer Warteliste hart erduldet werden. Notabene bei Preisen, die manchen
Juwelier vor Neid erblassen lassen. In diesem Winter ist der Luxus unüberbietbar. Schwere
Handstickereien, Pelze, Kroko, Schlangenleder: die Pracht und Opulenz ist ungezügelt.
Was fällt uns Schmuckleuten dazu ein? Wie beraten wir die neue Dame von Welt, wenn sie zu
ihrem neuerstandenen Tweedkostüm mit passender bedruckter Schleifenbluse das richtige
Accessoire sucht? Ist uns schon klar geworden, dass wieder einmal goldene Zeiten
angebrochen sind? (Gold meine ich übrigens wörtlich.) Nach einer langen Durststrecke
für den Schmuck ist dieser Winter der Auftakt zu einer neuen Schmuckmode. Wer als
gepflegte Personifizierung von Eleganz und Luxus einherkommt, kann dies nicht ohne Schmuck
tun. Wer Mantel, Handtasche und Hut sorgfältig kombiniert, kann keinen freien Hals
zeigen. Diese Blösse wäre unverzeihlich.
Nur, wer sagt das den Frauen? Wo ist der Ratgeber in Sachen Schmuck als Accessoire zur
neuen Mode? Wer vermag Schmuck so attraktiv zu positionieren, dass sich die Kundinnen auf
eine Warteliste setzen lassen? Hier heisst es, keine Zeit zu verlieren. Weihnachten rückt
näher. Die ersten grossen Budgets für den winterlichen Garderobenkauf sind schon
ausgegeben. Überlegen Sie sich gut, wie Sie Ihre Kundinnen auf den Geschmack bringen
wollen. Eine Modenschau im Geschäft könnte vielleicht eine Idee sein, um zu
demonstrieren, wie die Wintermode tagsüber und abends mit Schmuck bereichert werden kann.
Verlieren Sie keine Zeit, denn die Zeiten des Rollkragenpullovers kündigen sich schon
wieder an. Packen Sie die Welle der Eleganz und reiten Sie auf ihr.
Ihre Susan Sagherian