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Die
GZ
trendline
erschien monatlich in der
Goldschmiede Zeitung



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Ein neues Kapitel beginnt
(Erschienen im Januar 2001 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest hat der grosse Uhrenmeister noch die ultimative Katze aus dem Sack gelassen. Die Bahnhofstrasse in Zürich ist um ein Luxusgeschäft reicher. Wo früher feine Häppchen über die Theke gingen, werden dem Liebhaber von renommierten Tickern jetzt Omega-Uhren in der ersten, eigenen Boutique serviert. Was lange absehbar war, ist Realität geworden. Mit dem breit gefächerten Marken-Portfolio der Swatchgroup war der Schritt zu eigenen Verkaufspunkten zu erwarten. Um von einer Marke zum erlauchten Kreis der internationalen Luxusmarken aufzusteigen, braucht es die sogenannten Flagshipstores. Künftig sollen bis zu 30 Prozent aller Omega-Uhren in eigenen Läden oder Joint-Ventures mit Partnern verkauft werden. Weltweit sind in rund 50 Metropolen solche Omega-Vorzeigeläden an bester Lage geplant.

Auch für Breguet und Blancpain will Hayek Mono-Marken-Shops einrichten. Und unter dem Namen „Tourbillon“ wird eine Ladenkette für die Prestigemarken der Swatch Group lanciert, die Breguet, Blancpain, Omega und Léon Hatoto umfasst. Das erste Tourbillon-Geschäft wird im nächsten Frühjahr in Paris eröffnet, weitere Lokale sollen in London und New York folgen. Für die mittleren Marken wie Longines und Tissot existieren laut Hayek ähnliche Projekte. 500 bis 700 Millionen Franken will der Uhrenkönig in den Ausbau des eigenen Vertriebsnetzes stecken.

Die Konzentrationswelle, die in diesem Jahr den Luxusbereich erfasst hat, hält nun also auch Einzug in den traditionellen Uhren- und Schmuckhandel. Die Nachrichten über den Kauf ehrwürdiger Couturehäuser, traditioneller Schuhmanufakturen, Modelabels, Uhrenmarken und Schmucknamen erschien für die meisten unserer Branche weit ausserhalb ihrer eigenen Sphären. Diese Zeiten dürften für immer vorbei sein. Schmuck ist nur noch nicht in diesen Konzentrationsstrudel geraten, weil es als Luxuriösestes aller Luxusgüter zualleroberst auf dem Gipfel der Bedürfnishierarchie erscheint. Zudem bilden sich erst ganz zaghaft Markennamen heraus, die für die Finanzstrategen der Luxusgruppen interessant sein könnten.

Gerade für Schmuckmarken, die sich international gefestigt und einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben, dürfte es angesichts der sich abzeichnenden Kräfteverhältnisse auf dem Markt schwierig werden, mit den ganz Grossen mitzuhalten. Nach dem Prinzip „Go Big or Go Down“ werden daraus weitere Zusammenschlüsse erfolgen. Und sie werden, dem Beispiel der Swatch Group und anderen Luxusgruppen folgend, eigene Verkaufspunkte aufbauen.

Wieder einmal stellt sich für den traditionellen Schmuckeinzelhandel die Frage, welche Strategie angesichts dieser Entwicklungen langfristig Erfolg garantiert. Einmal mehr stellt sich damit auch die Frage, was jeder Einzelne seinen Kunden anbietet. Ist diese Leistung so einzigartig, dass sie auch im Gegenwind der grossen Marken bestehen kann? Oder wird diese Leistung im neuen Umfeld überflüssig? Neu sind diese Fragen nicht. Neu sind nur die Umstände darum herum. Ein neues Kapitel der Einzelhandelsgeschichte beginnt.

Ihre Susan Sagherian


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