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Die
GZ
trendline
erschien monatlich in der
Goldschmiede Zeitung



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Von der Qual, im Frühling eine Frau zu sein
(Erschienen im April 1999 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, die Vögel trillern sich die Seele aus dem Leib, kurz es wird Frühling. Wir Frauen spähen verzweifelt in unsere Kleiderschränke und stellen fest, dass uns der ganze Winterkleiderkram zum Halse heraushängt. Was uns in ein echtes Dilemma versetzt, denn für die ganzen leichten Sommersachen ist es doch noch ein wenig zu kühl. Da gibt's nur Eines: eine neue Handtasche muss her.

Der Aufstieg der Handtasche zum Statussymbol und unverzichtbaren Modeaccessoire erklärt sich nicht nur damit, dass Frauen partout immer den halben Haushalt dabei haben müssen. Ausschlaggebend war vor allem der minimalistische Modestil der vergangenen Jahre. Jede Frau hatte irgendwann mal die schwarze Hose, das dunkelblaue Kostüm und den anthrazitfarbenen Rollkragenpulli. Das brauchte man nicht jede Saison neu zu kaufen. Mit dem richtigen Accessoire konnte man der "Minimaluniform" jedoch regelmässig einen neuen Akzent verleihen. Dazu kommt, dass nicht jede Frau mit den Idealmassen für einen Gucci-Outfit daherkommt. Eine Handtasche oder auch ein paar Schuhe des Designerlabels passen jedoch allemal zu jeder Hüftweite.

Wenn man sich die chicsten der chicen Handtaschenlabels in diesem Frühling anschaut, kann man eine Tatsache nicht übersehen. Die neusten Modelle sind "schmucker" denn je. Dior zum Beispiel hat seine zauberhafte "Krinolinenkreation" mit einem halbrunden Henkel aus "Edelsteinen" gekrönt. Die schwarzen und bernsteinfarbenen, unregelmässig geformten Kugeln (aus Plastik) wirken überraschend modern und zeitgemäss. Das "must" jedes echten Modefans ist zur Zeit die Fendi Baguettetasche. Jede ist anders, individuell, phantasievoll und aufwendig mit Perlen, Spiegelchen, Stickereien und Patchwork gestaltet. Sie ist ein echtes Sammlerstück, wunderschön schmückend und trotzdem sofort wiedererkennbar. Ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste der "Fashionistas" ist die neue Gucci-Handtasche, die in leuchtenden Farben wie grünblau und orange daherkommt. Die Avantgarde der Designerlabels wie Prada und Helmut Lang bieten hingegen körpernahe Taschen im Stilmix von Streetware, Sport- und Militarylook für die alltagskampferprobte Frau der Jahrtausendwende.

Was aber haben Gedanken zu Handtaschen mit Schmuck zu tun? Sehr viel, wenn wir den Preis einer Designerhandtasche zwischen DM 700 und 2'700 ansetzen. Wie viele Frauen denken zweimal im Jahr darüber nach, ob sie mit einem neuen Schmuck ihre Garderobe aufpeppen könnten? Sehr wenige, was aber auch verständlich ist. Handtaschen werden ausgiebig beworben und medial abgedeckt. Wer aber sagt den Frauen, welcher Schmuck das Accessoire-sine-qua-non der Saison sein wird? Da hält sich die Schmuckbranche zu bedeckt und lässt ganz gewaltige Bekleidungsetats an sich vorbeiziehen.

Dazu kommt, dass die aktuellen Handtaschendesigns in traditionelle Schmuckbereiche hineingreifen. Der Umgang mit Edelsteinen, Farben und individuellem Handwerk sind doch eigentlich unsere Stärken, oder nicht?



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