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Die
GZ
trendline
erschien monatlich in der
Goldschmiede Zeitung



Weitere Artikel aus dieser Reihe:


Von Menschen für Menschen
(Erschienen im Juni 1999 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Basel 99 hat seine Tore zur letzten Vorstellung dieses Jahrtausends geschlossen. Acht Tage Messe Basel, einige hundert Gespräche, Tausende von visuellen Eindrücken. Na – und – was ist das Destillat all dessen? Welches ist die ultimate Erkenntnis? Wo geht’s lang?

Das Zauberwort heißt Marketing. Die professionelle Vermarktung von Produkten hält nun endgültig Einzug in den Schmuckbereich. Am augenfälligsten war diese Entwicklung in den Uhrenhallen. Es wäre interessant gewesen, das Raumvolumen aller ausgestellten Uhren zu messen und dieses anschließend mit demjenigen der entsprechenden Standbauten zu vergleichen. Der daraus resultierende Faktor wäre ein Gradmesser für die Wichtigkeit des Produkts im Verhältnis zu Image und Marketing. Verstehen Sie mich nicht falsch. Die Produkte einer Firma sind nicht unwichtig geworden, im Gegenteil. Sie sind das, was der Kunde in letzter Konsequenz mit nach Hause nimmt und für lange Zeit tragen wird. Nur die Anforderungen an ein Produkt sind heute gegeben. Eigenständiges Design, qualitativ hochstehende Verarbeitung und der richtige Preis wird vorausgesetzt. Das ist in der Luxusbranche einfach so.

Was jedoch darüber hinaus geht, wie Ambiente, Präsentation, Serviceleistungen, Lebensgefühl, Image und die Menschen hinter dem Produkt, da wird heute Kreativität verlangt. Von Designern wird nicht mehr künstlerische Selbstverwirklichung, sondern Einfühlungsvermögen in das Leben der zukünftigen Schmuckträgerin erwartet. Was gibt es Schöneres, als ein Produkt in Händen zu halten, von dem man spürt, daß jemand einen wundervollen Gedanken Gestalt hat werden lassen? Wie wohltuend ist es doch, ins Universum einer Luxusmarke einzutauchen, viel Geld auszugeben und trotzdem das Gefühl zu haben, beschenkt worden zu sein. Dieser "Wohlfühl-Faktor" ist gerade bei weiblichen Kunden immer wichtiger. Frauen werden in ihrem Kaufentscheid stark von der Atmosphäre um ein Produkt herum beeinflußt.

Daß die Uhrenfirmen uns Schmuckleuten in puncto Marketing einige Jahre voraus sind, darüber sind wir uns einig. Es gibt aber auch Schmuckfirmen, die diese Wege beschreiten. Ein eindrückliches Beispiel dafür war in Basel Casa Damiani. Die Mailänder Firma benutzte den geräumigen Stand in der Prestigehalle nicht dazu, massenweise Produkte zu zeigen. Vielmehr überraschte sie uns mit großflächigen, verwischten Aufnahmen von schmucktragenden Frauen und räumlich angeordneten, wenigen Schmuckstücken. Das Beeindruckendste war jedoch das Video vom Photoshooting mit Isabella Rosellini. Nicht der Star selbst stand im Video im Mittelpunkt, sondern die Menschen darum herum. Die Szenen aus dem Arbeitsalltag im Photostudio waren erfrischend menschlich und nachvollziehbar. Die Message war klar: Damiani macht nicht nur Schmuck für die Stars auf der Leinwand, sondern auch für die ganz normalen Stars des Alltags wie Sie und ich.

Für die Schmuckbranche wird es nicht einfach sein, im geltenden Preisgefüge noch genügend Marketingkosten einzubauen. Strukturänderungen auf allen Handelsstufen werden notwendig sein, um diesen Erwartungen entgegen zu kommen. Unabhängig davon, wie die Branche in den nächsten Jahren reagieren wird, eines ist klar. Konsumenten und Konsumentinnen - gerade der jüngeren Generation - haben sich inzwischen daran gewöhnt, von Luxusanbietern umworben zu werden. Warum also sollten sie gerade bei Schmuck nicht das Gleiche erwarten?


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