Das Zauberwort heißt Marketing. Die
professionelle Vermarktung von Produkten hält nun endgültig Einzug in den
Schmuckbereich. Am augenfälligsten war diese Entwicklung in den Uhrenhallen. Es wäre
interessant gewesen, das Raumvolumen aller ausgestellten Uhren zu messen und dieses
anschließend mit demjenigen der entsprechenden Standbauten zu vergleichen. Der daraus
resultierende Faktor wäre ein Gradmesser für die Wichtigkeit des Produkts im Verhältnis
zu Image und Marketing. Verstehen Sie mich nicht falsch. Die Produkte einer Firma sind
nicht unwichtig geworden, im Gegenteil. Sie sind das, was der Kunde in letzter Konsequenz
mit nach Hause nimmt und für lange Zeit tragen wird. Nur die Anforderungen an ein Produkt
sind heute gegeben. Eigenständiges Design, qualitativ hochstehende Verarbeitung und der
richtige Preis wird vorausgesetzt. Das ist in der Luxusbranche einfach so.
Was jedoch darüber hinaus geht, wie Ambiente, Präsentation,
Serviceleistungen, Lebensgefühl, Image und die Menschen hinter dem Produkt, da wird heute
Kreativität verlangt. Von Designern wird nicht mehr künstlerische Selbstverwirklichung,
sondern Einfühlungsvermögen in das Leben der zukünftigen Schmuckträgerin erwartet. Was
gibt es Schöneres, als ein Produkt in Händen zu halten, von dem man spürt, daß jemand
einen wundervollen Gedanken Gestalt hat werden lassen? Wie wohltuend ist es doch, ins
Universum einer Luxusmarke einzutauchen, viel Geld auszugeben und trotzdem das Gefühl zu
haben, beschenkt worden zu sein. Dieser "Wohlfühl-Faktor" ist gerade bei
weiblichen Kunden immer wichtiger. Frauen werden in ihrem Kaufentscheid stark von der
Atmosphäre um ein Produkt herum beeinflußt.
Daß die Uhrenfirmen uns Schmuckleuten in puncto Marketing einige Jahre
voraus sind, darüber sind wir uns einig. Es gibt aber auch Schmuckfirmen, die diese Wege
beschreiten. Ein eindrückliches Beispiel dafür war in Basel Casa Damiani. Die Mailänder
Firma benutzte den geräumigen Stand in der Prestigehalle nicht dazu, massenweise Produkte
zu zeigen. Vielmehr überraschte sie uns mit großflächigen, verwischten Aufnahmen von
schmucktragenden Frauen und räumlich angeordneten, wenigen Schmuckstücken. Das
Beeindruckendste war jedoch das Video vom Photoshooting mit Isabella Rosellini. Nicht der
Star selbst stand im Video im Mittelpunkt, sondern die Menschen darum herum. Die Szenen
aus dem Arbeitsalltag im Photostudio waren erfrischend menschlich und nachvollziehbar. Die
Message war klar: Damiani macht nicht nur Schmuck für die Stars auf der Leinwand, sondern
auch für die ganz normalen Stars des Alltags wie Sie und ich.
Für die Schmuckbranche wird es nicht einfach sein, im geltenden Preisgefüge noch
genügend Marketingkosten einzubauen. Strukturänderungen auf allen Handelsstufen werden
notwendig sein, um diesen Erwartungen entgegen zu kommen. Unabhängig davon, wie die
Branche in den nächsten Jahren reagieren wird, eines ist klar. Konsumenten und
Konsumentinnen - gerade der jüngeren Generation - haben sich inzwischen daran gewöhnt,
von Luxusanbietern umworben zu werden. Warum also sollten sie gerade bei Schmuck nicht das
Gleiche erwarten?