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Die
GZ
trendline
erschien monatlich in der
Goldschmiede Zeitung



Weitere Artikel aus dieser Reihe:



Schuhpsychologie für Schmuckverkäufer
(Erschienen im November 1999 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Schuhe sind ein Thema, das die Menschheit polarisiert. Entweder Sie gehören zu derjenigen Fraktion, die noch nie verstehen konnte, warum der Mensch mehr als drei Paar Schuhe braucht. Oder Sie gehören zur Gruppe der absoluten Schuhfestischisten, zu der - unbestätigten Statistiken zufolge - rund neunzig Prozent aller Frauen zu zählen sind.

Wie auch immer, Schuhe sind ein probates Mittel, mehr über den wahren Geschmack seines Gegenübers herauszufinden. Die Augen eines Menschen mögen ein Fenster zu seiner Seele sein, die Schuhe sind der direkte Weg zu seiner oder ihrer Psyche. Nicht nur die soziale Stellung, auch Dinge wie die Einstellung eines Menschen zur Pflege von Ausserlichkeiten und der Grad der Individualität eines Menschen lassen sich an den Schuhen ablesen. Sie werden sich fragen, was das alles mit Schmuck zu tun haben soll. Eine ganze Menge, denn an den Schuhen können Sie erkennen, welchen Schmuck ein Kunde oder eine Kundin wirklich tragen würde.

Ein Beispiel: Eine Kundin kommt herein und trägt einen eleganten blauen Hosenanzug, der geeignet ist für den Arbeitsalltag einer Frau in gehobener Stellung. Ein diskreter Blick auf ihre Schuhe zeigt, dass es ein Paar absolut unauffällige, mittelhohe, dunkelblaue Pumps sind. Wenn diese Dame nun nach einem modernen Damenring mit einem Diamanten fragt, dann will sie mit Sicherheit im gewagtesten aller Fälle einen zargengefassten Solitär. Sie ist die Frau, die nicht auffallen, aber immer korrekt gekleidet sein möchte. Kommt eine andere Kundin mit einem vergleichbaren Hosenanzug herein und trägt dazu ein Paar sehr moderne Schuhe zum Beispiel im Stil von Prada’s aktuellen Tretern, dann könnte man ihr vielleicht sogar vom Diamanten abraten und ihr als das Neuste vom Neusten einen Ring mit Perle oder Farbstein empfehlen. Sie ist die Trendsucherin, immer auf dem Laufenden über das, was man haben muss, um vorne bei der Modeelite dabei zu sein. Ihr Anzug ist übrigens ganz sicher von Helmut Lang oder Jil Sander. Kommt eine dritte Frau herein, wiederum im vergleichbaren Anzug und trägt ein Paar absolut ausgefallene Schuhe, dann sollten sie auf keinen Fall irgend etwas empfehlen, das ein zweites Mal existiert. Sie will das Individuelle. Sie trägt zwar das blaue Kostüm, weil sie weiss, dass es ihr weiterhilft, wenn sie seriös gekleidet auftritt. Aber im Innern ihrer Seele ist sie eine Rebellin. Wahrscheinlich trägt sie nicht nur verrückte Schuhe, sondern auch gewagte Unterwäsche. Schmuck ist für sie ein weiteres Mittel, ihre Individualität und Unangepasstheit zu demonstrieren. Übrigens, der blaue Anzug könnte von Gaultier sein.

Schuhe sind wie alles andere ständigem Wandel unterworfen. Sie sind Ausdruck ihrer Zeit und des herrschenden Lebensgefühls. Die Schuhe 99/2000 sind sehr dynamische Modelle. Eher flach, ergonomisch geformt und vom Sportschuhdesign beeinflusst. Hergestellt werden sie aus sündhaft luxuriösen Materialien. Was heisst das? Frauen leben schnellfüssig. Sie wünschen sich Luxus der praktischen Art, der mit ihrer dynamischen Lebensführung im Einklang steht. Genauso wünschen sie sich auch ihren Schmuck. Keine Förmlichkeiten, sondern legerer Luxus aus Diamanten, Tahitizuchtperlen und Platin, den man im hektischen Alltag vielseitig tragen kann.

Viel Verkaufserfolg wünscht Ihnen

Ihre Susan Sagherian


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