Die
GZ
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erschien
monatlich in der
Goldschmiede Zeitung
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20 Mark + grosse
Liebe + unvergesslicher Moment = ?
(Erschienen im September
1999 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)
Kommt eine Dame in ein Schmuckgeschäft und präsentiert dem Verkaufspersonal einen
Citrin. Sie möchte einen Ring mit diesem Stein anfertigen lassen. Die Verkäufer schauen
sich den Stein stirnrunzelnd an und raten der Frau eindringlich von diesem Vorhaben ab.
Einen Citrin in Gold zu fassen, meinen sie, wäre viel zu teuer. Unter 1000 Mark wäre da
nichts zu machen und das würde sich im Falle eines Citrins nicht lohnen. Dies passiert
der Dame ganze fünf Mal, bis sie endlich einen Schmuckmenschen trifft, der ihr Anliegen
ernst nimmt und eine Anfertigung mit ihr bespricht.
Diese Frau verdient für ihre ganz ausserordentliche Charakterstärke einen Orden. Manch
einer hätte schon viel früher kapituliert und den Traum, seinen Citrin an der Hand zu
tragen, voll Kummer begraben. Fünf von sechs Schmuckgeschäften - das sind 83.3%! -
lehnten es ab, mit dem Citrin einer Kundin einen Ring anzufertigen. Sie alle wussten, dass
man unmöglich einen "billigen" Stein "teuer" fassen kann. Und das,
obwohl die Dame gerne bereit war, den genannten Preis zu bezahlen.
Wir Fachleute wissen, dass ein Citrin nicht viel kostet und es ist sicher richtig, einen
Kunden auf elegante und respektvolle Art darauf aufmerksam zu machen. Was nicht richtig,
beziehungsweise kreuzfalsch ist, den Besitz eines Kunden nach seinem Materialwert zu
bewerten. Was wissen wir denn über diesen Stein. Vielleicht gefällt er der Kundin
einfach ganz ausserordentlich gut. Vielleicht ist es ein Erinnerungsstück von einer
Reise. Oder das einzige Erbstück von einer geliebten Person. Wer sind wir, um darüber zu
befinden, ob es sich lohnt, diesen Citrin zu fassen?
Wert erfährt heute ganz neue Definitionen. Billiges Grundmaterial wird aufwendig
bearbeitet. Umgekehrt belässt man teures Material im Rohzustand. Neue Materialien werden
laufend erfunden oder für den Schmuck neu entdeckt. Dies lässt sich am Beispiel von
Perlen sehr gut zeigen. Wo früher Akojazuchtperlen den Markt beherrschten, ist heute eine
nie gekannte Vielfalt entstanden. Wo früher runde, gleichmässige Perlen das Mass der
Dinge waren, sind heute alle möglichen Formen akzeptiert. Es ist eine Frage des
Geschmacks, ob man eine gleichmässige oder barocke Perle wählt. Nicht eine Frage der
Konvention. Die Gleichmässigen sind halt teurer, weil es weniger davon gibt. Das leuchtet
jedem ein. Wo laufend neue Dimensionen entstehen, kann man nicht mehr mit altbackenen
Ellen messen. Die herkömmlichen Wertsysteme versagen schlicht und einfach ihren Dienst.
Dazu kommt, dass die Menschen kurz vor der Jahrtausendwende eine andere Beziehung zu
Werten haben. Nicht mehr Statussymbole zählen, sondern die Bedeutung, die ein
Schmuckstück für einen selber hat. Ist ein Kiesel etwas wert? Wenn er mir gefällt, ja.
Wenn er mein persönlicher Talisman ist, ja. Wenn er ein Geschenk von meinem Mann ist, ja.
Sein Materialwert hingegen ist null, das ist klar.
Die Ausweitung des Wertbegriffs bedeutet, dass Schmuckleute an vorderster Front ihre
eigenen Wertvorstellungen je länger je weniger als allgemeingültig erachten können.
Vielmehr kommt es darauf an, sich in die Wertvorstellungen des Kunden einzufühlen. Denn
diejenigen des Kunden sind die einzig massgeblichen Werte. Alle anderen sind nicht
relevant.
Das sechste Schmuckgeschäft hat eine Anfertigung für weit über DM 1000 verkauft und
eine Kundin auf Lebzeit gewonnen.
Ihre Susan Sagherian
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