
|
|||
|
Die
Geschichte Münchens als Stadt beginnt im Jahr 1158 als der Welfe
Heinrich der Löwe am Ufer der Isar an der Stelle einer alten Mönchssiedlung
eine Brücke erbauen liess, einen Markt und eine Münzanstalt
errichtete und diese befestigen liess. Knapp hundert Jahre später
wurde München wittelsbachische Residenzstadt unter Ludwig ll.
Bereits im 15. Jahrhundert erlebt München eine ausgesprochene Blütezeit,
in der zum Beispiel auch mit dem Bau der Frauenkirche begonnen
wurde. Schmuckgeschichtlich
interessanter ist hingegen das 16. Jahrhundert. Unter Herzog
Albrecht V. hatte die Gegenreformation in München ihren wichtigsten
Stützpunkt. Bedeutende Künstler der Renaissance wirkten in der
bayerischen Landeshauptstadt. Auch wurde in dieser Zeit mit dem
Aufbau der umfangreichen Bayerischen Staatsbibliothek begonnen.
Herzog Albrecht V. ist für uns deshalb eine wichtige Figur, weil er
den Maler und Miniaturist Hans Mielich beauftragte, ein
Schmuckinventar anzufertigen. Dieses „Kleinodienbuch der Herzogin
Anna“ wird noch heute
in der bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt und ist ein überaus
interessantes, historisches Zeugnis. Andererseits war Herzog
Albrecht V. auch der Begründer der Schatzkammer der Residenz. Er
verfügte 1565, dass besonders kostbare „erb- und haus clainoder“
zu einem unveräusserlichen Schatzfonds vereinigt werden und
„darin sovil möglich in ewig zeit bei gedachtem unserem fürstlichen
hauss der neuen vest allhie zu München bleiben“ sollten. Diese
Stiftung des ersten grossen Mäzens und Kunstsammlers aus dem Hause
Wittelsbach erweiterten nachfolgende Herrscher, bis die Sammlung im
frühen 19. Jahrhundert mit den Kroninsignien des neugeschaffenen Königreichs
und einer Reihe hervorragendster mittelalterlicher Kunstwerke aus säkularisiertem
Dom- und Klosterbesitz seinen Abschluss fand. Der Besuch der
Schatzkammer lohnt sich auf jeden Fall. Die
durch den Humanismus geförderte Aufgeschlossenheit für die Dinge
der Natur und die Entdeckung fremder Länder erweckte die Vorliebe für
Kuriositäten und besondere Materialien aus aller Welt. Bevorzugt
wurden unter diesen Stoffen neben dem Elfenbein der Bernstein und
Narwalzahnplatten. In den Kunst und Wunderkammern der Fürsten
sammelten sich diese Stücke, meist kunstvoll zu Trinkgefässen,
Tafelaufsätzen u.a. verarbeitet. Grosser Beliebtheit erfreuten sich
auch Emailarbeiten. Vom Beginn des 17. Jahrhundert an traten die
kunstvollen Montagen aus organischen Materialien und
Schmuckfassungen gegenüber Arbeiten aus Silber, Gold und
Edelsteinen zurück. Zunächst
stand Nürnberg als Goldschmiedestadt an erster Stelle in
Deutschland, wurde aber seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert von
Augsburg überflügelt. Daneben traten seit Mitte des 16. Jh. auch Münchner
Werkstätten mit hervorragenden, meist für den herzoglichen Hof
gelieferten Hof gelieferten Arbeiten in Erscheinung. Die Namen
dieser Goldschmiede sind jedoch in den erhaltenen Dokumenten nicht
verzeichnet. Das Schmuckgeschäft war schon zur damaligen Zeit sehr
international. Schmuckgegenstände wurden von Händlern und auf
Messen erworben. Besonders wichtig war die Messe in Frankfurt,
daneben auch Leipzig. Auch zu Paris und Antwerpen, dem Zentrum für
Edelsteinschleiferei, bestanden rege Handelskontakte. Die
nachfolgende Zeit des Rokoko war eine Blütezeit Münchens, in der
viele bedeutende Bauwerke entstanden und die Isar-Stadt zu einem
Brennpunkt des künstlerischen Lebens in Europa wurde. Die
Schmuckszene wurde beherrscht von den Augsburger Goldschmieden. Auch
Schmuck aus Italien und Frankreich ist erhalten. Aus der Münchner
Goldschmiedeszene ist lediglich Johann Staff bekannt, der
Hofgoldschmied von Maximilian lll. Joseph war. Die Kroninsignien von
König Maximilian l. Joseph wurden dem Hofjuwelier Borgnis in
Frankfurt in Auftrag gegeben und in Paris ausgeführt. Renaissance des
Kunsthandwerks Von
Mitte des 19. Jahrhunderts an erhielt das Kunsthandwerk eine enorme
Aufwertung. Maximilian ll. und später sein Sohn Ludwig ll. förderten
das Handwerk und vor allem das traditionelle Kunsthandwerk. Viel
Schmuck ist allerdings aus dieser Zeit vor der Jahrhundertwende
nicht erhalten geblieben. Gegen Ende des ausgehenden 19. Jahrhundert
zeichneten sich zwei Tendenzen in Münchens Schmucklandschaft ab.
1897 wurden die „ Vereinigten Werkstätten für Kunst im
Handwerk“ gegründet, deren Mitglieder sich einer „material- und
stilgemässen Sachlichkeit“ verschrieben. Diese Sachlichkeit kann
als eigentliche Gegenbewegung zum Jugendstil verstanden werden und
lehnte auch die Vorbilder der Pariser Juweliere ab. Der daraus sich
entwickelnde Stil wurde typisch für München und war vermutlich
auch der Anfang einer noch immer herrschenden Tendenz zur
Schlichtheit und Zurückhaltung im Schmuckdesign in München. Diese
Stilrichtung wurde vor allem von Kunsthandwerkern verfolgt. Im
Gegensatz dazu standen zwei herausragende Juweliere der
Jahrhundertwende: Karl Rothmüller und Theodor Heiden. Rothmüller
wurde weit über die Grenzen Münchens hinweg bekannt und stellte
seine vom Jugendstil beeinflussten Werke auch an der Pariser
Weltausstellung im Jahre 1900 aus. Theodor Heiden’s Nachfahren führen
noch heute ein Juweliergeschäft am Promenadeplatz. Seit
dem Beginn des Jahrhunderts waren Schulen eine treibende Kraft
hinter der Entwicklung des Schmuckhandwerks. Der Einbezug zeitgenössischer
formaler Tendenzen und die Loslösung von historischen Vorbildern
stellte den Schmuckbegriff auf eine neue Ebene. 1902 wurden in München
die „Lehr- und Versuchs-Ateliers für freie und angewandte
Kunst“ von Hermann Obrist und Wilhelm v. Debschitz gegründet.
Hier bildete sich ein Stil heraus, der das Organische des Jugendstil
in eine abstraktere Ornamentik hinein entwickelte. Nach dem Zweiten
Weltkrieg entstand die „Akademie der Bildenden Künste“, die
seither zu einem der international renommiertesten Lehrstühle für
Schmuckgestalter wurde. Der erste Lehrer Franz Rickert (1946 –
1972), war ein sehr handwerklich orientierter Lehrer. Ihm folgte
sein Schüler Hermann Jünger (1972-1990). Er führte den
Schmuckbegriff näher an die Kunst heran und prägte damit eine
ganze Generation von Schmuckdesignern. Seit 1991 steht der Fakultät
Otto Künzli, der seinerseits ein Schüler von Hermann Jünger ist,
vor. Seit den Zeiten Hermann Jünger hat die Zahl der ausländischen
Studenten an der Akademie stetig zugenommen. Heute beträgt ihr
Anteil rund fünfzig Prozent. Traditionell bleiben viele Schüler
nach ihrem Studium in der bayrischen Metropole hängen und
bereichern die Schmuckszene mit ihren Arbeiten. Grösste
Goldschmiededichte Deutschlands Wer
heute in München unterwegs ist, wird fast erschlagen von der Dichte
der Goldschmiede. Wie sagte jemand so schön? In München fällt es
leichter, ein Schmuckstück zu kaufen als eine Butter. Ganz unabhängig
davon, in welchem Stadtteil man herumschlendert, Schmuckläden sind
allgegenwärtig. Das ist aber noch nicht alles. Denn hinter den
Kulissen gibt es noch eine ganze Anzahl Etagengeschäfte und
Ateliers, die ohne Schaufenster auskommen. Die genaue Zahl der
Schmucktätigen in München lässt sich nicht eruieren, aber allein
bei der Innung der Goldschmiede und Juweliere sind über 300
Betriebe eingetragen. Damit weist München eindeutig die grösste
Dichte an Goldschmieden Deutschlands auf. Die Bandbreite des
Gebotenen ist ebenfalls beeindruckend. Vom Juwelenschmuck auf höchstem
Niveau bis zum Schmuck, der sich als Kunstwerk versteht, vom
Trachtenschmuck bis zum exzentrischen Einzelstück und vom
Anspruchsvollsten bis zum Banalsten findet sich hier alles. München
ist ein Muss für Schmuckfans. Das
scheint auch Kunden im näheren und weiteren Umkreis von München
bekannt zu sein. Nach Angaben von Ladeninhabern, stammen nur gut fünfzig
Prozent der Kunden aus München. Über die Kunden und deren Wünsche
etwas zu erfahren, war sehr schwierig. Denn so unterschiedlich die
Geschäfte sind, so verschieden sind auch deren Kunden. Immerhin
liess sich erfahren, dass viele Frauen Schmuck für sich selbst
kaufen und das bis zu Preislagen bis DM 10'000. In anderen Geschäften
wiederum kaufen noch immer überwiegend Männer den Schmuck für
ihre Frauen ein. Zeitgenössischer Schmuck scheint vor allem
Architekten und Ärzte anzusprechen. Die beiden Berufsgruppen wurden
in vielen Galerien als hauptsächliche Kundengruppe genannt. Wer mit
grossen Schmuckansprüchen nach München kommt, der wird nicht enttäuscht.
Neben der Korona der Weltmarken, die selbstverständlich hier präsent
ist, hat München auch den – im wahrsten Sinn des Wortes –
hausgemachten Luxus anzubieten. Goldschmiedekunst auf höchstem
Niveau, sowohl was die technischen als auch die kreativen Aspekte
anbelangt. Die Tradition herausragender Juweliere und Goldschmiede
hat sich bis heute in München erhalten. Herr der Steine Man
braucht Stefan Hemmerle nur auf das Thema Edelsteine anzusprechen.
Damit kann man ihn selbst im grössten Trubel in eine angeregte
Konversation verwickeln. Seine Begeisterungsfähigkeit für
Edelsteine kennt keine Grenzen. Am liebsten jagt er Raritäten wie
die riesige braune Conchperle von 111.76ct und „alte“ Steine.
Mit Vorliebe solche, die in den Dreissiger Jahren geschliffen
wurden. Beharrlich sammelt er Pärchen, um diese anschliessend in
seine unverkennbaren Ohrringe zu verarbeiten. Sie sind so schlicht,
dass man sie ohne weiteres auch im Supermarkt tragen kann, ohne dass
jemand ahnen würde, welch ausserordentliche Rarität sie
darstellen. Nur die Trägerin weiss es - und sie schätzt es. Stefan
Hemmerle’s Schmuck ist weit über die Grenzen Münchens hinaus
bekannt. Sein Stil, den er selbst als „Neue Sachlichkeit“
bezeichnet, ist unverkennbar. Die
Wurzeln des heutigen Geschäfts reichen weit ins vorige Jahrhundert
hinein. Im Jahr 1896 übernahmen die Gebrüder Hemmerle das Geschäft
des Juwelier-Ehepaares Elchinger, damals führend in der
Goldschmiedekunst und Herstellung von Orden, zu deren Kunden auch
das bayerische Königshaus zählte. Die beiden Brüder Hemmerle überzeugten
mit ihren Arbeiten und wurden bald selbst zu Hoflieferanten. 1937 übernahm
Stefans Vater Carl die alleinige Führung des Geschäfts und Stefan
folgte 1971 nach einigen Jahren Auslandsaufenthalt in Frankreich,
Italien und Dänemark als Juniorchef nach. Das Geschäft an der
Maximilianstrasse bildet den perfekten Rahmen für den
Hemmerle-Schmuck. Schlicht und edel mit sorgfältig aufeinander
abgestimmten Materialien ausgestattet, ist es eine Insel luxuriösen
Understatements. Seit zehn Jahren fertigt das Unternehmen auch
eigene Uhren an. Ganz im Stile des Hauses, mit Farbedelsteinen
besetzt und doch diskret. Das Logo findet sich nur auf dem Gehäuseboden.
Eine Art Hobby von Stefan Hemmerle sind die Juwelenschmuckstücke in
Tier- und Pflanzenformen. Sie sind perfekte Kleinodien mit
lebendigem Ausdruck in herausragender Handarbeit gefertigt und mit
minutiös gewählten oder eingeschliffenen Edelsteinen gefasst. Schmuck – aus
Charme geboren Madame
de Sévigné war eine charismatische Frau zur Zeit des Sonnenkönigs.
Sie bezauberte ihre Zeitgenossen nicht mit ihrer Schönheit, sondern
mit ihrer Intelligenz, ihrem Witz und unendlichem Charme. Die kunst-
und schmucksinnige Marquise gab dem extravaganten Geschäft seinen
Namen, ihre berühmte Schleifenbrosche war anfänglich das
Firmensignet. An sie und an alle anderen Frauen, die das Leben mit
Charme und Intelligenz meistern, denkt Renate Schrems, wenn sie
Schmuck entwirft. Ihr Geschäftspartner Robert Fink setzt die Entwürfe
im hinter dem Geschäft gelegenen Atelier auf unverkennbare Weise
um. Wer kleinen, unauffälligen Schmuck sucht, geht besser nicht zu
Sévigné. Denn Unauffälliges findet sich kaum in den kleinen
Vitrinen – die bei meinem Besuch mit lila Nerz verbrämt waren -
des eleganten Geschäfts am Promenadeplatz. Sévigné trifft mit
seinen Kreationen den Stil unserer Zeit. Die Schmuckstücke
bezaubern mit ihren klaren Formen und dem feinen Gefühl für
Ornamentik und Theatralik. Sie sind glamourös, ein kleines bisschen
dekadent und selbstironisch, und sprechen all diejenigen Frauen an,
die selbstbewusst, kapriziös und weiblich genug sind, um aussergewöhnlichen
Schmuck auch im Alltag zu tragen. Renate
Schrems lässt sich mit Vorliebe von antiken Motiven und archaischen
Symbolen zu ihren Kreationen anregen. Von Blüten, Tieren, Amphoren,
Pyramiden und Kreuzen. Letztere haben es ihr besonders angetan:
„Kreuze besitzen für mich eine ungeheure Dynamik. Sie spiegeln
das männliche, aufstrebende und das weibliche, ruhende Prinzip
wieder. Sie enthalten das dramatischste Energiepotential überhaupt
in sich und sind unerschöpflich in den Gestaltungsmöglichkeiten.“ Zu wissen es
ist Platin Ein
besonderes Geschäft liegt am Maximiliansplatz. Max. Platin feiert
in diesem Jahr zwanzigjähriges Jubiläum. 1980 gründete Monika
Schweiger-Büse das Geschäft, das sich bis heute dem Platin
verschrieben hat. Damit eröffnete sie das erste „Platin-Studio“
Deutschlands. Als Besucher sitzt man im ersten Stock über einem
baumbestandenen Dreieck, sozusagen dem Alltag entrückt. Heute ist
die Werkstatt in das helle, lichtdurchflutete Geschäft im ersten
Stock integriert. Durch eine Glasscheibe vom Verkaufsraum getrennt,
entsteht hier ein grosser Teil der verkauften Schmuckstücke.
Gleichzeitig kann der Kunde am Entstehungsprozess der weissen
Preziosen teilhaben. Zum
Platin fand Monika Schweiger-Büse mehr zufällig. Wegen einer
Hautallergie war ihr das Tragen von Goldschmuck unmöglich. Auf
einer Reise durch die USA hatte sie die Idee, dem edlen Metall zu
Hause in München ein exklusives Geschäft zu widmen. Zu Anfang war
sie vor allem einmal Botschafterin und Aufklärerin. Denn der Markt
für Platinschmuck hatte gerade erst angefangen, sich zu entwickeln.
Heute ist Max.Platin in der komfortablen Lage, vom Markt eingeholt
zu werden. Platin als edelstes der weissen Metalle ist voll im
Trend. Das Sortiment umfasst eine Bandbreite von Stilen. Die
zeitlosen, modernen Klassiker mit Diamanten und Perlen bilden das
Fundament für den andauernden Erfolg des Platinspezialisten.
Daneben überrascht Frau Schweiger-Büse, der seit kurzem in der
Person von Jens Schniedenharn ein Geschäftspartner zur Seite steht,
ihre Kunden immer wieder mit raffinierten Kreationen mit
Farbsteinen. Mit der Kraft
des Widders Wer
auf den Nobelmeilen Münchens unterwegs ist, dem entgeht ein
leuchtendes Grün und der Name Fochtmann nicht. Werner Fochtmann’s
Familie ist seit sechs Generationen mit Schmuck beschäftigt. 1979
schloss er seine vielseitige Ausbildung als Gold- und Silberschmied
und Designer ab. Bereits 1981 gründete er ein erstes Juweliergeschäft
am Altheimer Eck in München. 1982 übernahm er ein bereits
bestehendes Schmuckgeschäft in der Kardinal Faulhaber-Strasse und
1989 wagte er den Sprung an die Maximilianstrasse, wo das
Unternehmen mittlerweile zwei Mal vertreten ist. Werner Fochtmann
hat in den vergangenen knapp zwanzig Jahren nicht nur seine Präsenz
in München laufend verbessert, sondern auch eine starke
Produktidentität aufgebaut. Seine Kollektionen „Schnecke“ und
„Akanthus“ sind schmuckgewordene Naturimpressionen, bei denen
der Name Programm ist. Warmes Gelbgold in Kombination mit
Farbsteinen und Perlen ist typisch. Die Kollektion „Palladio“
hat einen architektonischen Charakter und erweist mit ihrem Namen
dem italienischen Renaissance-Baumeister Andrea Palladio die Ehre.
In diesem Jahr tritt der dynamische Schmuckunternehmer Fochtmann mit
seiner Kollektion an, den deutschen Markt zu erobern. Er ist
erstmals an der Inhorgenta vertreten. Denn dass sein Schmuck auch
ausserhalb von München seine Anhänger hat, weiss er längst. In
Zukunft soll er auch bei renommierten Juwelieren in grossen Städten
Deutschlands vertreten sein. Erlesenes auf
der Etage Um
erlesenen Schmuck zu finden, braucht man nicht durch schwere
Juwelierspforten zu treten. Wer den Charme einer
Goldschmiedewerkstatt dem noblen Ambiente des Schmuckgeschäfts
vorzieht, der kommt in München nicht zu kurz. Hoch über dem geschäftigen
Treiben in der Perusastrasse sitzen sich Hans Ufer und Christina
Langes gegenüber. Ihr gemeinsames Atelier „Langes & Ufer“
im fünften Stock ist eine Oase der Kreativität. Mitten im Zentrum
und doch abgeschieden, verbindet es intensives Arbeiten mit
Lebensqualität in Form einer grosszügigen Dachterrasse. Typisch München
halt. Hans
Ufer ist der stille, ruhende Pol im langjährigen Team. Er lässt
seine Arbeiten für sich sprechen. Seine Handschrift lässt sich am
besten mit den Worten schlicht, zurückhaltend und sensibel
charakterisieren. Dazu kommt, dass die Werke des
Goldschmiedemeisters immer technische Entwicklungen vom Feinsten
darstellen. Christina Langes ist die Kommunikative und
Extrovertierte im Team. Ihre Arbeiten bilden einen subtilen Gegenpol
zu denjenigen von Hans Ufer. Eindeutig weiblich und zum Teil frech
verspielt verraten sie die impulsive Persönlichkeit, die hinter
ihnen steckt. Gemeinsam ist ihren Arbeiten der hohe technische und
formale Anspruch. Entwürfe werden gemeinsam begutachtet und
kritisch beurteilt. Eine Arbeitsweise, die sich bewährt hat. Der
Schmuck von Langes & Ufer findet weit über die Grenzen Münchens
hinaus Beachtung. Erreicht haben dies die Beiden mit einer
kontinuierlichen, jahrelangen Präsenz auf den internationalen
Messen. Seit langer Zeit ist das Designerduo auch Teil von „Aspects“,
einer viel beachteten Gruppe von Schmuckgestaltern. Herrin der
Ringe Angela
Hübel hat sich voll und ganz dem Ring verschrieben. Die ehemalige
Schülerin von Hermann Jünger schafft es, die Schmuckwelt konstant
mit immer neuen Variationen eines ewigen Themas zu überraschen.
Keinen ihrer Ringe hat je jemand vor ihr gemacht. Zugegeben, auf den
ersten Blick mögen ihre Kreationen zuweilen überraschen. Da kommt
es schon vor, dass eine Kundin vor einer Vitrine steht und
vorsichtig fragt, worum es sich denn bei diesem Objekt handle. Aber
spätestens, wenn sie den Ring an der Hand trägt, erübrigen sich sämtliche
weiteren Fragen. Angela
Hübels Ringe sind nicht nur fürs Auge gedacht, sondern auch immer
auf maximalen Tragkomfort hin entwickelt. Raffinierte Proportionen
und ausgefeilte Linienverläufe sind Schmuck genug. Die meisten
Ringe kommen daher ohne zusätzlichen Materialien aus und wirken
allein im Edelmetall. Nur selten akzentuiert die Designerin ihre
Werke mit Perlen, einer Reihe von Diamanten oder einem
Farbedelstein. Angela Hübels Arbeit findet viel Interesse. Bei
regelmässigen Messeauftritten trifft sie ihre internationalen
Kunden. Ihre Ringe sind in wichtigen Schmuckgalerien vertreten und
haben auch bereits in mehreren
Museumskollektionen Eingang gefunden. Mysterium
Schmuck Für
Frank Schrems ist jedes Schmuckstück gleichzeitig ein kleines
Geheimnis. Verborgene Details, eingravierte Gedichte und formale
Anspielungen machen aus den prächtigen Kleinodien tiefsinnige oder
auch humorvolle Zitate der Kulturgeschichte. Frank Schrems‘ Liebe
gilt der Renaissance. Als Student der Kunstgeschichte beschäftigte
er sich mit dieser an Verfeinerung so überreichen Zeit, in der die
Künste blühten. Seine bevorzugten Schmuckthemen, sein Sinn für
Proportionen, die Materialien und selbst goldschmiedische Techniken
beziehen sich ganz direkt auf die Renaissance. Warmes
Gelbgold, tiefe satte Edelsteinfarben und auch immer wieder
Barockperlen stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Daraus
entstehen Kreuze, Herzen, Kinderköpfe, Säulenteile, Ringe in der
Form eines vollendeten Palazzos, Flammen und Bourbonenlilien von
unverhohlener Prächtigkeit. Sein Atelier im Hinterhof der
Nymphenburger Strasse 40 atmet den Geist seines Besitzers. Persönliche
Sammlerstücke, das Modell eines Flugzeugträgers, alte Werkzeugkästen
und Schwarzweissaufnahmen aus eigener Hand lassen die kreativen
Inspirationen von Frank Schrems nachvollziehen. Wie seine geistigen
Vorfahren der Renaissancezeit, lässt auch er sich nicht von einer
Disziplin vereinnahmen. Seine Interessen sind weitgefächert und
vielseitig und liegen zum Teil denkbar weit vom Schmuck entfernt.
Gerade damit haucht er letztendlich seinen Werken ihr Mysterium ein,
bevor sie sein Atelier verlassen. Reiche
Galerienlandschaft Ein
ganz besonderes Merkmal Münchens ist die Dichte seiner
Schmuckgalerien. Es ist unmöglich, alle zu nennen. Pars pro toto
sollen die nachfolgenden einen Geschmack geben für die
Vielseitigkeit dieser Szene. Nicht
nur Schmuckliebhaber pilgern von weit her, um ihre Galerie zu
besuchen. Auch Architekten finden aus beruflicher Neugier ihren Weg
an die Schäfflerstrasse mitten im Zentrum Münchens. Die Rede ist
von Isabella Hund’s Galerie. Der Begriff „Kompromisslose
Modernität“ passt in vielerlei Hinsicht, denn die Galeristin ist
traditionellen Schmuckwerten gegenüber eher kritisch eingestellt.
Ihr Schmuck-Credo verpflichtet sie einer zeitgenössischen
Schmuckphilosophie, die „schmücken“ als Wechselbeziehung
zwischen Schmuck und Trägerin versteht. In dieser Linie arbeitet
sie seit fünfzehn Jahren als Schmuckdesignerin und seit zehn Jahren
als Galeristin. Die von ihr vertretenen über zwanzig
Schmuckgestalter folgen allesamt dieser Philosophie. Auch die
Architekten Gerhard Landau und Ludwig Kindelbacher orientierten sich
an diesem Begriff und schufen einen Raum, der von der Schönheit der
Proportionen, dem Zusammenwirken der Materialien und Flexibilität
geprägt ist. Die Architektur unterstützt den gezeigten Schmuck in
seiner Wirkung optimal und tritt doch hinter diesen zurück. Die
Ausstrahlung der wunderschönen Galerie ist geprägt von
Understatement und Chic. Eine
ganz andere Atmosphäre herrscht bei Dr. Eva D. Plickert an der
Prannerstrasse. Die Kunsthistorikerin lässt bei sich zeitgenössischen
Schmuck auf Schmuckantiquitäten aus dem 19. und 20. Jahrhundert
treffen. Aus der Galeristin strahlt Wissen und eine kultivierte
Leidenschaft für Schmuck. Sie liebt es, über ihre Schmuckstücke
zu erzählen. Diese in einen ungewöhnlichen Zusammenhang zu
stellen. Ihnen Leben einzuhauchen. Und tatsächlich, in ihren
Vitrinen scheint die Zeit gegenstandslos zu werden. Was ist alt und
was ist neu? Die Schmuckstücke erscheinen je nach dem erstaunlich
modern oder unerwartet klassisch. Gegensätze verschwimmen und
formieren sich zu ganz neuen Einsichten. In der kleinen, aber feinen
Galerie sind - unter anderen - Schmuckdesigner wie Daniel Kruger,
Erico Nagai, Alexandra Bahlmann und Irmgard Zeitler vertreten. Im
Stadtteil Haidhausen, unweit des Max-Weber-Platzes befindet sich die
Schmuckwerkstatt mit Galerie „Ventil“. Die Besitzer Doris Sacher
und Hans Gericke, sind beide ehemalige Schüler von Hermann Jünger.
Hier herrscht eine warme und freundliche Atmosphäre. Die beiden
Inhaber zeigen neben ihrem eigenen Schmuck die Werke von
befreundeten Goldschmieden. Sie bezeichnen ihr Programm als „Goldschmiedisch
geprägte, moderne Klassik mit grosser Bandbreite“. Und tatsächlich
kann man sich bei der Vielseitigkeit des Gezeigten kaum vorstellen,
dass ein Kunde mit unerfüllten Wünschen das Geschäft verlässt.
Denn nicht nur der Schmuck im Geschäft steht zur Auswahl, ganz nach
Wunsch können auch Einzelanfertigungen bei jedem vertretenen
Schmuckkünstler bestellt werden. Die Werkstattgalerie besteht schon
seit 1980 und hat seither ein stetig wachsendes, gemischtes Publikum
für zeitgenössisches Schmuckschaffen begeistern können. Die
Galerie Spektrum an der Türkenstrasse ist seit ihrer Gründung im
Jahre 1981 kontinuierlich näher an das Stadtzentrum herangerückt.
Zweimal zog die Galerie um, heute hat sie die Hausnummer 24 und ist
so denkbar günstig gelegen, wenn die neue Pinakothek der Moderne
2001 ihre Pforten öffnen wird. Ein stimmiger Ort für die Galerie,
denn Schmuck und Kunst war für Spektrum schon immer ein und
derselbe Begriff. Die beiden Inhaber Marianne Schliwinski und Jürgen
Eickhoff eröffneten vor fast zwanzig Jahren ihre Galerie mit dem
Ziel, Schmuckkünstlern eine Plattform zu bieten. Sie wollten
Schmuck als freie Kunst präsentieren. Mit durchschnittlich vier
Ausstellungen pro Jahr gelang es der Galerie weit über München
hinaus ein Begriff zu werden. Nicht nur die ausgestellten Schmuckstücke
sorgten regelmässig für Aufsehen, sondern auch die Präsentation
des Schmucks. Für jede Ausstellung wurde der Raum vollständig neu
gestaltet, um so dem gezeigten Schmuck eine erhöhte Eigenständigkeit
zu verschaffen. Viele der Ausstellungen wurden von Publikationen im
eigenen Verlag der Galerie begleitet. So zum Beispiel die
Ausstellung von Gerd Rothmann’s Ohr-Schmuck 1984, die
anschliessend noch im Hessischen Landesmuseum Darmstadt und im
Museum Bellerive in Zürich gezeigt wurde. Heute vertritt die
Galerie - neben den Arbeiten der Galeristen selbst - rund zwanzig Künstler
aus dem In- und Ausland. Eine
Galerie der besonderen Art befindet sich an der Pacellistrasse. Die
1992 gegründete Galerie für angewandte Kunst des Bayerischen
Kunstgewerbevereins ist ein Forum für hochwertiges zeitgenössisches
Kunsthandwerk. In sieben Ausstellungen pro Jahr werden die Arbeiten
von Mitgliedern des Vereins und international anerkannten
Kunsthandwerkern präsentiert, wobei verschiedenste Handwerksarten
Berücksichtigung finden. Diese Anlässe umfassen neben Einzel- und
Gruppenausstellungen auch thematische Ausstellungen. Seit 1992 gibt
der BKV begleitend zu den Ausstellungen eine eigene Katalog- und
Schriftenreihe heraus. Im Eingangsbereich der grosszügigen
Verkaufsräume fällt die grosse Auswahl handgefertigten modernen
Schmucks und Geräts auf. International renommierte Gold- und
Silberschmiede zeigen ihr handwerkliches Können und ihre
phantasievollen Kreationen. Die
Geschichte des Bayerischen Kunstgewerbevereins reicht zurück bis
zur Einweihung der „Bavaria“ auf der Theresienhöhe Mitte des
vorigen Jahrhunderts. Um Kunst und Handwerk auf nationaler Eben zu fördern,
wurde 1851 der BKV gegründet. Die Qualität kunsthandwerklichen
Schaffens sollte durch Ausbildung und Austausch zwischen den Künstlern
und Handwerkern verbessert werden und der industriellen Fertigung
als Vorbild dienen. Das Zusammenwirken von Architekten und
Kunsthandwerkern der verschiedenen Richtungen zielte auf eine
umfassende, hochwertige Gestaltung der Lebenswelt. Nach der Reichsgründung
1871 erlebte der Verein eine Blütezeit. Die Zahl der Mitglieder
wuchs auf 2175 (im Jahre 1887) an, unter ihnen bedeutende Künstler
und Architekten, zahlreiche Handwerksbetriebe sowie wichtige Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens. Zu den vielfältigen Aktivitäten des BKV
zählten die Organisation eigener Ausstellungen und die erfolgreiche
Teilnahme an den Weltausstellungen in Wien und Chicago,
Fortbildungsveranstaltungen und die Förderung des Nachwuchses.
Seither ging der Verein in seiner fast 150jährigen Geschichte durch
verschiedenste Phasen, hörte aber nie auf zu existieren. Heute zählt
er rund 400 Mitglieder, die in den Werkbereichen Gold- und
Silberschmiede, Glas, Keramik, Metall, Holz, Textil, Papier und
Puppengestaltung tätig sind. Gutes
Schmuckklima Die
Gründe für die Vielfalt der Münchner Schmuckszene sind vielfältig.
Institutionen wie der Bayerische Kunstgewerbeverein stehen für die
150jährige gezielte Förderung des Kunsthandwerks. Die Akademie als
international angesehene Lehranstalt bildet einen Anziehungspunkt für
herausragende Talente. Die jährliche Handwerksmesse bietet den
Schmuckschaffenden ein Fenster zur Welt. Dazu kommt, dass die Stadt
München aktive Atelierförderung betreibt und so jungen Einsteigern
den Start in die Selbständigkeit erleichtert. Zusätzlich verleiht
die Stadt attraktive Förderpreise. Eine besonders wertvolle
Einrichtung ist die renommierte Danner-Stiftung. Die Stiftung der
Witwe Terese Danner im Andenken an ihren Mann Benno konzentriert
sich auf die Förderung des Goldschmiedehandwerks. Sie vergibt alle
vier Jahre einen Preis, unterstützt Schulen, gewährt
Schmuckschaffenden Darlehen und besitzt eine umfangreiche
Schmucksammlung, die in Kürze in die Neue Sammlung der Pinakothek
der Moderne eingehen wird. Nicht unerheblich ist sicher auch, dass München
eine reiche Stadt ist, die überdies eine grosse Anziehungskraft
hat. Die über drei Millionen Besucher pro Jahr stellen einen
wesentlichen Wirtschaftsfaktor für die Stadt und ihre Geschäfte
dar. Münchens Schmuckszene ist einzigartig. Sie ist ein Zusammenschluss verschiedenster Schmuckwelten, die nicht unbedingt immer etwas miteinander zu tun haben. Innerhalb der Gruppen aber besteht ein reger Austausch über das Wesen des Schmucks, seine Bedeutung, seine Wertigkeit, sein Anspruch, kurz über alle Aspekte dieses ewigen Menschheitstraums. Vielleicht sind es gerade diese vielfältigen, ineinanderfliessenden, einander ausgrenzenden, sich überlagernden, neuen, alten, überraschenden und persönlichen Schmuckphilosophien, die Schmuck - an und für sich - so allgegenwärtig in dieser Stadt macht. Mit
freundlichen Grüßen aus München Susan
Sagherian |
Home
Beratung
Seminare
Trendforschung
Publikationen
Susan Sagherian
Kontakt
![]()
Copyright © 1998-2007 Concept Design, Susan Sagherian