
|
Dass
die Schweiz nicht nur Käse, Schokolade und Uhren anzubieten hat,
weiss die Schmuckwelt schon lange. Die Schweizer Goldschmiede haben
weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Nicht umsonst haben viele
Schmuckmacher in der Schweiz eine treue Fangemeinde in der ganzen
Welt. Der Schmuckgeschmack der Schweizer Kundinnen reflektiert die
Position der Schweiz auf der Europakarte. Nicht ganz so verspielt
und opulent wie in Italien, nicht ganz so streng wie in Deutschland
und bitteschön etwas weniger klassisch als es die Französinnen
lieben. Sie meinen, das sei dann ein Birchermüsli? Falsch, es ist
ein gut Schweizerischer Kompromiss und dazu extrem tragbar. Schmucklandschaft
Schweiz Wer
die Schweiz bereist, findet auf kleinstem Raum eine grossartige,
landschaftliche Vielfalt, die Bauart der traditionellen Häuser
passt sich ihr an, das Klima verändert sich und der unverständliche
Schweizer Dialekt tönt selbst für ausländische Ohren allemal
etwas unterschiedlich. Diese Vielfalt ist auch typisch für die
Schweizer Schmucklandschaft. Dafür sorgen vor allem die vielen
unabhängig arbeitenden Goldschmiede. Sie verleihen der Schweizer
Schmuckszene mit ihrer Individualität diesen einmaligen Charakter.
Sogar kleine Ortschaften haben hier ganz selbstverständlich ihren
eigenen Goldschmied oder Bijoutier, wie hier ein Juwelier genannt
wird. Während sich die Goldschmiede in den meisten Fällen ganz auf
ihr Handwerk konzentrieren, bietet der Bijoutier Schmuck und Uhren
an. Das Schmucksortiment setzt sich dabei aus eingekauftem und
selbstproduziertem Schmuck aus dem eigenen Atelier zusammen. Bei den
Uhrenmarken stehen die einheimischen Markennamen im Vordergrund. Filialunternehmen
gibt es in der Schweiz eine ganze Anzahl. Schweizer
Traditionsunternehmen im hochwertigen Sektor sind die Firmen Gübelin
und Bucherer. Daneben stehen Namen wie Les Ambassadeurs und Türler,
ebenfalls im ganz exklusiven Sektor. Im kommerzielleren Bereich
angesiedelt sind die Unternehmen Kurz, Christ und Rhomberg. Zudem
bieten die grossen Warenhäuser der Schweiz in eigenen
Schmuckcorners Schmuck in erschwinglichen Preislagen an. Galerien
scheinen in der Schweiz erst in jüngster Zeit auf breiter Ebene zu
entstehen. Natürlich gab es schon immer Galeristen, aber in letzter
Zeit sind einige neue Namen aufgetaucht, die sich mit einem jungen,
unkonventionellen Auftritt bemerkbar machen. Genauere Zahlen für den Schweizer Markt sind keine zu haben. Marktforschungen gibt es neben den Erhebungen des Bundesamts für Statistik und der Oberzolldirektion keine. Der Verband ZVSGU der Schweizer Goldschmiede- und Uhrenfachgeschäfte kann ausser den Zahlen zum gesamten Mitgliederbestand (laut Verbandspublikation The Golden Times 953 Mitglieder im Jahr 1996) keine weiteren Zahlen nennen. Um eine Vorstellung der Grösse der Branche zu erhalten, lohnt sich ein Blick in den aktuellen Adressbestand des Schweizer Telefonbuches. Die Einträge zu verschiedenen, branchenrelevanten Stichworten lassen auf die ungefähre Zahl von 3000 Betrieben im Schmuck- und Uhrenfachhandel schliessen. Geschmack und
Trends Der
Schweizer Markt ist grundsätzlich einmal ein zahlenmässig sehr
kleiner Wirtschaftsraum. Die Bevölkerung umfasst rund 7.1 Mio.
Einwohner und damit hat unser ganzes Land weniger Einwohner als eine
Grossstadt wie London. Erschwerend kommt dazu, dass die einzelnen
Regionen der Schweiz stark unterschiedlich sind. Die
Deutschschweizer heben sich geschmacklich von den französisch
sprechenden Schweizern ab und die Tessiner sind von ihrer Lebensart
wiederum stark von den italienischen Nachbarn und dem südlichen
Klima geprägt. Obwohl die Schweizer Wirtschaft eben erst aus den
vergangenen, mageren sieben Jahren herausfindet, ist das
Volkseinkommen pro Kopf nach wie vor eines der Höchsten weltweit.
Durchschnittlich verfügt jeder Schweizer über ein Einkommen von
Sfr 44'500 pro Jahr (Zahlen 1998), das entspricht etwa DM 53'400.
Dabei darf nicht übersehen werden, dass diese Zahlen je nach Region
stark variiert. Wie
bereits eingangs erwähnt haben die Schweizerinnen und Schweizer
einen Schmuckgeschmack, der sich gut mit der geographischen Lage
unseres Landes vergleichen lässt. Dazu kommt, dass Herr und Frau
Schweizer traditionell dem eher Kleineren und Feineren zuneigen. Das
heisst, anstelle eines oder mehrerer grosser Klunker von minderer
Qualität ziehen sie ein hochwertiges und dezentes Schmuckstück
vor. Dem Angebot entsprechend geht man hier gerne zum Goldschmied
und lässt sich von diesem etwas Individuelles fertigen. Viele
Goldschmiede haben es zudem geschafft, einen eigenen Stil zu
kreieren, den sie auf sehr hohem Niveau mit allem Drum und Dran
zelebrieren. Eine eigenständige, moderne Ladengestaltung gehört
dazu ebenso wie Logo, Verpackung - und eben ein unverkennbarer
Schmuckstil. Von Goldschmiedemarken zu reden wäre übertrieben,
aber starke Namen gibt es in der ganzen Schweiz. Trends sind daher nur sehr generell zu formulieren. Eindeutig festhalten lässt sich allenfalls, dass die „Weisse Welle“ auch die Schweiz eingenommen hat. Die weissen Metalle, genauso wie Diamanten und Perlen sind allgegenwärtig. Positionierung im
weltweiten Handel Im
internationalen Marktgefüge nimmt die Schweiz eine Nische in, die
wenig erstaunt. Hohe Löhne, aber auch hohe Qualität machen sie zum
Lieferanten für exklusive Produkte für reiche Länder weltweit.
Die Import-/Export-Statistiken des vergangenen Jahres sprechen eine
deutliche Sprache. Eingeführt wurden vor allem Schmuckprodukte, die
in der Schweiz nicht zu den geforderten Preisen hergestellt werden können.
Insgesamt wurden 27.7t Waren im Wert von SFr 1.34 Mia. importiert.
Dies vor allem aus Italien, Deutschland, Frankreich, Singapur und
den USA. Die Exportzahlen ergeben, dass aus der Schweiz 11.2 Tonnen
Schmuckwaren im Wert von SFr 1.7 Mia. ausgeführt wurden. Die
Hauptabnehmer dieser Exporte waren Deutschland, USA, Frankreich,
Grossbritannien, Japan und der mittlere Osten (Arab. Emirate,
Kuwait, Saudi-Arabien). Die berücksichtigten Schmuckkategorien
umfassen Schmuck in edlen Materialien ohne Silber. Nicht
unwesentlich an den hohen Werten dieser Exporte dürfte der Anteil
der Auktionshäuser sein, die alljährlich mehrere hochwertige
Auktionen in der Schweiz durchführen. Der
Handel mit der Schweiz gestaltet sich an und für sich relativ
unkompliziert. Das Edelmetallkontrollgesetz der Schweiz legt fest,
dass sämtliche Waren mit einer Feingehalts- und einer
Verantwortlichkeitspunze versehen sein müssen. Dies wird
stichprobenartig kontrolliert. Im Bereich der zugelassenen
Legierungen hat die Schweiz die internationalen ISO-Normen
angenommen und akzeptiert Goldlegierungen 375, 585, 750, 916 und
999. Dazu kommen drei verschiedene Platin-Feingehalte, Palladium und
die Warenkategorie „Mehrmetallwaren unedel-edel“ für
Kombinationen wie Stahl-Gold. Zölle gibt es eigentlich keine, die
MWSt. beträgt 6.5%. Mit
Frankreich, Spanien und Österreich bestehen bilaterale Abkommen und
mit insgesamt elf Ländern (Finnland, Norwegen, Dänemark, Schweden,
Grossbritannien, Irland, Österreich, Portugal, Tschechien und
Holland) hat sich die Schweiz im Rahmen der sogenannten Wiener
Konferenz zusammengeschlossen. Diese Abkommen besagen, dass Waren,
die in diesen Ländern bereits von der Edelmetallbehörde
kontrolliert wurden, im Exportland nicht noch einmal kontrolliert
werden. Die für Handeltreibende unangenehmste Regelung ist das Carnet ATA für Reisekollektionen. So müssen sämtliche Reisekollektionen peinlich genau aufgeführt werden und bei Ein- und Ausreise überprüft werden. Diese Regelung, wie alle anderen werden sich auch im Zug der bilateralen Abkommen mit der EU bis auf weiteres nicht verändern. Ausbildungssystem Das Fundament der Schweizer Schmuckindustrie ist die Ausbildung der Goldschmiede im Rahmen einer 4-jährigen Lehre. Diese wird in der deutschsprachigen Schweiz traditionellerweise in Lehrbetrieben absolviert. In der französischsprachigen Schweiz wird diese Lehre eher an Schulen absolviert. Diese Lehre endet mit dem Fachausweis und kann vom Lehrling mit einer begleitenden oder einjährigen, anschliessenden Zusatzausbildung mit einer Berufsmaturität abgeschlossen werden. Pro Jahr werden in der Schweiz rund fünfzig junge Goldschmiede und Goldschmiedinnen ausgebildet. Mit dieser Berufsmatura kann der Goldschmied seine Ausbildung dann an einer der Fachhochschulen (vor allem Zürich und Genf) fortsetzen. Das Designstudium dauert weitere drei Jahre und endet mit einem Diplom. In der Schweiz gibt es derzeit noch keine Fortbildung zum Goldschmiedemeister. Die Berufsbildungskommission des Verbandes ZVSGU arbeitet jedoch an einer entsprechenden Zusatzausbildung für die Zukunft. Potential Markt
Schweiz Das
Potential des Schweizer Schmuckmarktes liegt ganz sicher im Bereich
Hochwertigkeit, Individualität und Qualität. Das muss nicht
heissen, dass nur exklusiver Schmuck in hohen Preiskategorien
gemeint sein muss. Aber in der internationalen Konkurrenz muss sich
ein Schweizer viel einfallen lassen und technisch ungemein kreativ
sein, um gegen Schmuckproduzenten von Niedriglohnländern
anzukommen. Darin liegt eine Chance, aber auch eine
Riesenherausforderung an die jungen Goldschmiede. Dass es weltweit
eine Klientel für die kreativen und individuellen Arbeiten der
hiesigen Schmuckmacher gibt, beweisen die treuen Kunden aus aller
Welt, die gerne in der Schweiz ihren Schmuck einkaufen. |
Home
Beratung
Seminare
Trendforschung
Publikationen
Susan Sagherian
Kontakt
![]()
Copyright © 1998-2007 Concept Design, Susan Sagherian