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Geschichte,
die eigentlich keine ist Johann
Calvin, der gestrenge Genfer Reformator war es, der es den Holländern
untersagte, sich zu schmücken. Und das, obwohl Amsterdam über
Jahrhunderte der wichtigste Handelsplatz für Diamanten in Europa
war. 1566 war es, als die Calvinisten nach einem zwei Monate
dauernden Aufstand der Bevölkerung eine Kirche zugesprochen
erhielten. Das damals noch katholische Holland stand unter der
Herrschaft von Habsburg und die Machthaber zögerten nicht lange und
begannen einen Krieg, der ganze achtzig Jahre dauern sollte
(1568-1648). Dass es den Holländern dabei nicht nur um den Glauben
ging, leuchtet ein. Denn sie waren es, die all die teuren Kriege der
Habsburger mitfinanzierten. Diese Belastung wollten sie nur allzu
gerne loswerden. Dafür nahmen sie letztendlich die strengen Regeln
der Calvinisten auf sich. Die Tugend der Arbeit und der umsichtigen
Geschäftstüchtigkeit zum Wohle Gottes war fester Bestand der
reformatorischen Lehre Calvins. Diese Mentalität lag den
Handelsleuten wohl auch
gar nicht so fern. Damit war aber jeglicher Tand und Schmuck in der
Öffentlichkeit mit aller Strenge untersagt. In Amsterdam trug man
schwarz mit weissen, gestärkten Spitzenhalskrausen. Holland ist
auch das einzige Land, in dem jemals Diamantrosen in Holzkohle
gefasst wurden. Damit wurde ihnen der Glanz genommen und sie sahen
dunkel und grau aus. Das
Siebzehnte Jahrhundert war das „Goldene Zeitalter“ Hollands.
Eine eindrückliche Ausstellung im Rijksmuseum über diese Zeit lässt
den Besucher spüren, wie wohlhabend die Bürger Amsterdams damals
gewesen sein müssen. Auffallend sind die vielen Perlen, die die
Damen auf den Gemälden schmücken. Klaas Martijn Akkermann, Inhaber
eines Geschäfts mit Antikschmuck in Amsterdam und
Schmuckhistoriker, meint dazu, dass die Mehrheit der Perlen im
besten Fall Imitationen waren. Im schlimmsten Fall seien sie der
Fantasie und dem Pinsel des Malers entsprungen. Nach seinen
Recherchen gibt es heute noch sechs oder sieben Perlenketten, die
eindeutig auf das Siebzehnte Jahrhundert zurückdatiert werden können.
Wie die Imitationen damals ausgesehen haben, zeigen Exemplare im
Besitz von Klaas Akkermann. Sie wurden bei Ausgrabungen in Amsterdam
gefunden. Es handelt sich um Glaskugeln, die mit Wachs gefüllt und
mit einer Farbe aus Fischschuppen überzogen wurden. Perlen waren
zur damaligen Zeit etwas vom Seltensten und Teuersten überhaupt.
Man schätzt, dass für eine schöne Perle rund 20'000 Austern geöffnet
werden mussten. Ein Dokument belegt, dass Prinz Friedrich Hendrik
von Oranjen im Jahr 1635 für eine Perlenkette die unglaubliche
Summe von 35'000 Gulden bezahlt hat. Ebenfalls
in dieser Ausstellung zu sehen ist das Gemälde mit den
Zunftmeistern der Amsterdamer Goldschmiedezunft von Thomas de Keyser
aus dem Jahre 1627. Das reiche Amsterdam lockte Künstler und
Kunsthandwerker an. Denn obwohl das öffentliche Tragen von Schmuck
verboten war, hinter den Türen der Stadtpalais war jeder Luxus
erlaubt. Silbergeschirr, unter denen sich die Tische bogen, edle
Toilettengarnituren oder Kinderrasseln aus Gold mit Bergkristall
waren gang und gäbe. Das alles vollendeten die Gemälde der berühmtesten
Maler ihrer Zeit. Die Schatzkammer des Rijksmuseums enthält eine
sehenswerte Sammlung feinster Goldschmiedearbeiten. Im
Gegensatz zu Amsterdam war in Den Haag durch das Leben am Hof eine
etwas lockerere, luxuriösere Ausstattung möglich. In den reichen
Provinzen auf dem Land trugen die Leute Trachten und dazu gehörte
Schmuck, der von den gestrengen Reformatoren geduldet wurde. Aber
auch da konnte man nicht beliebig Schmuck tragen. Die Art des
Schmucks war an die Anzahl Kühe im Besitz einer Familie gebunden.
Bei zwanzig Kühen war es einer Frau gestattet, Silberschmuck zu
tragen. Bei vierzig Kühen durfte sie Goldschmuck tragen, bei
sechzig Kühen sogar Diamantschmuck. Erbte eine Frau Schmuck, hatte
aber nicht die erforderliche Menge Kühe, durfte sie diesen nicht
tragen. Der Holländische Trachtenschmuck hat ein reiches, vielfältiges
Erbe. Filigranschmuck mit Granaten, Rubinen und Korallen war sehr
typisch und hatte je nach Gegend seine Eigenarten. Diamantschmuck
war überwiegend mit Rohdiamanten oder Rosen gefasst. Als
die Holländerinnen begannen, ihre Trachten abzulegen, war damit
auch das Ende der einzigen Schmuckkultur Hollands gekommen. Danach
in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam dann erst einmal
nichts. Der Krieg beutelte das Land auch derart, dass niemand an
Schmuck denken mochte. In den Fünfziger Jahren gab es zaghafte
Schritte in Richtung Schmuck, der damals meistens aus Belgien und
Deutschland importiert wurde. Die Holländer produzierten selbst
auch Schmuck, der meist auf historische Vorbilder zurückgriff. In
den Sechziger und Siebziger Jahren trat eine neue Elite von jungen
Schmuckdesignern an, um die Holländer und die Welt zu erobern. Ihre
Kreationen, waren gewagt, radikal avantgardistisch und bestanden
prinzipiell aus unedlen Materialien. Diese vielfältige Designkultur
hat sich weltweit einen Namen geschaffen und ihre Vertreter feiern
in Galerien, Museen und Publikationen grosse Erfolge. In
den Jahren seit circa 1985 haben die Holländer begonnen, die
Schmuckwelt in ihrer Gesamtheit für sich zu entdecken. In diesen fünfzehn
Jahren haben viele ausländische Firmen und Marken in Holland Fuss
gefasst und die einheimischen Designer entdecken mehr und mehr die
klassischen Schmuckmaterialien für sich. Diese Entwicklung
intensiviert sich laufend und lässt aus dem ehemals spröden
Holland eine zusehends farbige Schmucklandschaft werden. Zahlen
belegen dies eindrücklich. Der Umsatz im Echtschmuckbereich in
Holland ist in den Jahren zwischen 1994 und 1998 um 25% auf zwei
Milliarden Gulden gestiegen. Schmucker
Winkel Wer
in Amsterdam auf den Spuren des Schmucks unterwegs ist, kommt am
Namen Lyppens nicht vorbei, denn man trifft ihn immer wieder an. Wer
endlich am Langebrugsteeg ankommt, landet nicht nur mitten in einem
eigentlichen Schmuckviertel, sondern auch im Herz des
Familienbetriebs Lyppens. Dieses Geschäft ist angetreten, sämtliche
Theorien, die jemals über Schmuckpräsentation und
Sortimentsgestaltung aufgestellt wurden, über den Haufen zu werfen.
Die Grösse der Verkaufsräume steht im umgekehrten Verhältnis zur
Menge der ausgestellten Schmuck- und Silberwaren. Dasselbe gilt im
übrigen auch für die Kundschaft. Sobald das Geschäft morgens
seine Türen öffnet, strömt die Kundschaft herein und dieser Strom
bricht erst bei Ladenschluss wieder ab. Vom Clochard bis zur
Prinzessin gibt sich tout Amsterdam hier ein Stelldichein. Lyppens
hat alles. Von Tahitiperlencolliers, modernem italienischem
Designschmuck, der Onyxkugelkette, dem silbernen Tafelservice (neu
und antik) in vielerlei Varianten, antikem Schmuck aller Zeiten bis
zum prächtigen Trachtenschmuck in Form eines Goldhelms mit
Filigranrosetten. Wer das nicht findet, was sein Herz ausserdem noch
begehren könnte, der wird mit einer Anfertigung aus dem hauseigenen
Atelier bedient. Kaputtgegangenes wird repariert und wenn man etwas
nicht mehr mag, dann tauscht man es bei Lyppens gegen etwas anderes
ein. Darüber hinaus leiht das Haus auch historischen Schmuck an
Filmproduktionen aus. Und das alles auf kleinstem Raum, über
vielerlei Stockwerke, in einem kleinen Eckhaus aus dem 16.
Jahrhundert. Geleitet wird das Haus heute von Joost Lyppens und
seiner Frau Willemijn. Joost ist der Sohn von Gründer Hermann
Lyppens, der in diesem Haus vor gut vierzig Jahren sein Schmuckgeschäft
aufnahm. Seine beiden Brüder betreiben ebenfalls Schmuckgeschäfte,
auf die ich später noch zurückkommen. Nicht
weit entfernt vom Lyppens’schen Reich, liegt dasjenige von Hans
Appenzeller. Sein ruhiges und luftiges Geschäft am Grimburgwal 1
lebt von schönen Proportionen, kleinen Vitrinen und dem Schmuck des
Meisters. Im vergangenen Jahr feierte der Hausherr sein 30jähriges
Firmenjubiläum und schenkte sich und der Welt eine phantastische
CD, die es ermöglicht, virtuell die Karriere von Appenzeller
nachzuerleben. Obwohl sein Name das Potential hat, eine Schweizer
Besucherin zu verwirren, ist Hans Appenzeller ein waschechter
Amsterdamer und hat auch an der renommierten Gerrit Rietveld
Academie in Amsterdam studiert. Er gehörte damals zur jungen Garde
der Schmuckdesigner, die angetreten war, Schmuck neu zu definieren
und das vor allem in innovativen, unedlen Materialien. Nach
einigen Jahren in einheimischen Gefilden zog es ihn dann in die
weite Welt und er eröffnete eine Galerie in New York. Die
Einstellung zum Schmuck im Heimatland war ihm kurzzeitig zu eng
geworden. Nach neun Jahren im Big Apple kehrte er dann anfangs der
Neunziger Jahre wieder in seine Heimatstadt zurück. Denn
mittlerweile hatten die Holländer entdeckt, dass zeitgenössischer
Schmuck durchaus auch aus edlen Materialien bestehen durfte. Seither
ist nach den Worten von Hans Appenzeller das Klima fast ideal für
einen Schmuckdesigner. Das Publikum ist aufgeschlossen für modernes
Design und traut sich heute auch durchaus grössere und edlere Stücke
zu. Nebenan
im Haus Grimburgwal 9 tut sich wiederum eine andere Schmuckwelt auf.
Grimm Sieraden (Sieraden ist das holländische Worte für Schmuck)
heisst das Geschäft von Elize Lutz. Bei ihr findet man Schmuck von
überwiegend holländischen Schmuckmachern in tieferen Preislagen.
Elize Lutz ist bereits seit fünfundzwanzig Jahren am Platz und hat
in dieser Zeit den Weg des Schmucks begleitet. Sie bedauert es, dass
die ganz farbigen Zeiten des Kunststoffschmucks etwas vorbei sind.
Denn Humor und Lebensfreude gehören für sie zum Schmuck. Sie, die
in ihrem früheren Leben in der Stellenvermittlung tätig war,
erlebt Schmuckverkaufen ganz ähnlich. Mensch und Schmuck müssen
zusammen passen. Dass sie dies bei ihren Kunden immer schafft, nimmt
man ihr sofort ab. Aber, so sagt sie, die Holländer könnten leider
Spass nicht mit teurem Schmuck verbinden. Es gelingt ihr aber
trotzdem, sensiblen, liebevollen Schmuck zu präsentieren und so ist
ihr Geschäft eine kleine Schmucktruhe mit einer wundervollen,
warmen Atmosphäre. Die
Nachbarn von Elize Lutz sind Goldschmiede. Rita Burgersdijk und Bep
Peters nennen ihr Geschäft mit Atelier „Beaufort“. Sie fertigen
tragbaren, modernen Schmuck im eigenen Atelier an. Ihr Stil ist
schlicht und eher kleinformatig. Die Ausnahme bilden grosse, massive
Armbänder. Hier wird ausschliesslich in Gold und Silber gearbeitet.
Das Schöne hier ist, dass die Fertigung zwar nicht im Zentrum des
Geschäfts ist, aber doch sehr präsent. So entsteht für den Kunden
wirklich das Gefühl für den angefertigten Schmuck. Wiederum
ein Haus weiter gibt es „Ongewone Sieraden“, ungewöhnlichen
Schmuck von Roos, Sandra, Monique und Marianne. Die vier Frauen von
„Roos En Laloli“ machen Schmuck, der auffällt. Das Geschäft am
Grimburgwal besteht erst seit einem Jahr, die drei Schwestern Laloli
betreiben aber an der Kinkerstraat schon seit fünfzehn Jahren ihr
Atelier mit Laden. So unterschiedlich die Spezialgebiete der
einzelnen Frauen sind, so ergibt sich aus ihren Schmucksachen doch
ein sehr einheitliches Bild. Monique liebt es, in ihren Schmuck
versteckte technische Feinheiten einzubauen. Marianne ist die präzise
Goldschmiedin. Sandra arbeitet gerne mit Fotos und hat einen Hang
zum Rechteck und Roos strickt zauberhafte Kragen und bemalt mit
leuchtenden, transparenten Emailfarben antike Ornamente. Der schmucke Winkel von Langebrugsteeg und Grimburgwal befindet sich unweit vom Dam. Dieser Platz ist der Ort, an dem die Stadtgeschichte Amsterdams vor rund achthundert Jahren begann. Hier war auch über die Jahrhunderte immer das Handelszentrum der Stadt gewesen. Die Börse hatte hier ihren Sitz und auch die frühere Scheideanstalt. Aus der alten Scheideanstalt wurde irgendwann ein Hotel und der Zufall wollte es, dass die Autorin ausgerechnet dort nächtigte. Schmuck
von Goldschmiedehand Nicht
nur in dieser Ecke von Amsterdam findet der geneigte Käufer sein
ganz persönliches Schmuckstück sozusagen frisch ab Werkbank. Auch
anderswo haben Goldschmiede ihre Geschäfte. Zum Beispiel das Trio
von BLGK an der Hartenstraat. Marijke te Loo, Marit de Koomen und
Wouter de Gruijter sind drei Goldschmiede, die gemeinsam ihre
Schmuckunikate ausstellen. Ihrem äusserst tragbaren Schmuck sieht
man die liebevolle Handarbeit an. Mitten
im „Spiegelkwartier“, dem Kunst- und Antiquitätenzentrum
gelegen, begegnet man Anneke Schat. Wer ihr kleines Geschäft
betritt, betritt ein ganzes Universum. Die Künstlerin beschäftigt
sich nicht nur mit Schmuck, sondern auch mit Metallplastik, Malerei
und Kalligraphie. Die japanische Kunst des Schreibens ist eine der
grossen Inspirationsquellen im Werk von Anneke Schat. Darüber
hinaus aber ist es das Leben selbst, aus dem die Künstlerin schöpft.
So befasste sie sich vor kurzem in ihrem Werk mit der
weltumspannenden Kommunikation via Internet. Anfang des Jahres fand
zu diesem Thema eine Ausstellung mit dem Namen „Kommunikation
durch ein Fenster der Zeit“ im Singer Museum in Laren, Holland
statt. Anneke Schat ist einer breiten Öffentlichkeit in Holland ein
Begriff, weil alljährlich der begehrteste TV-Award des Landes –
der TeleVizier-Award - aus ihrer Hand kommt. Dabei wird das beste
Programm ausgezeichnet und mit einem eigens entworfenen Goldring aus
Schat’s Werkstatt beehrt. Die Künstlerin tritt im Fernsehen auf
und übergibt den Preis auch selbst. Am 15. September dieses Jahres
verleiht sie diesen Preis bereits zum fünfundzwanzigsten Mal in
Folge. Die
Edeladressen Amsterdams Direkt
am Dam befindet sich das Diamond Center. Das grossräumige Geschäft
bietet längst nicht nur Diamanten an, sondern auch verschiedenste
Edelmarken der Uhren- und Schmuckwelt. Unweit davon auf Rokin 88-90
trifft man auf Bonebakker & Zoon. Das ehrwürdige Geschäft ist
das älteste am Platz und existiert schon seit 1792. Hier sind heute
vor allem edle Uhrenmarken vertreten, besonders Piaget mit einem
eigenen Corner. Das Geschäft verfügt aber nach wie vor noch über
eigene Uhrmacher und Goldschmiede. Einmal
um die Ecke und auf dem Weg zum Blumenmarkt liegt der Heiligeweg,
eine der teuersten Adressen Amsterdams. Man erhält den Eindruck,
dass die ehrwürdigen Ladenfronten viele Geschichten aus früheren
Zeiten erzählen könnten. Hier geben sich gleich mehrere Juweliere
die Ehre. Zunächst einmal das Geschäft Lyppens & Schipper, das
seit 1946 existiert und neben einem eher traditionellen Schmuck- und
Silberangebot auch Niessing und Lapponia vertritt. Etwas weiter oben
trifft man auf Jos Jonkergouw, der sein Geschäft ganz der
puristischen Schmuckphilosophie gewidmet hat. Ein paar Schritte
davon steht das grosse, exklusive Geschäft von Schaap + Citroen mit
einem grossen Angebot mit zahlreichen bekannten Namen im Uhren- und
Schmuckbereich. Die
absolute Edelmeile Amsterdams ist heute die P.C.Hooftstraat, unweit
des Rijksmuseums. Hier geben sich die grossen Luxusmarken die Ehre
und locken ein zahlungskräftiges und modebewusstes Publikum an. Den
Schmuck zur Mode bietet hier neben Cartier das Geschäft von Lyppens
Diamantairs an. Mit den Marken Pasquale Bruni, Pomellato, Bulgari,
dem Schmuck von Frank Schrems und den Uhren von Ikepod trifft man
hier haargenau den Schmucknerv von selbständigen und vermögenden
Frauen, die ihren Schmuck selbst kaufen. Die typische Kundin
beschreibt Arian Tensen von Lyppens Diamantairs als anspruchsvolle,
vielgereiste Frau, die auffallend oft als Headhunterin tätig ist.
Ihre emotionale Intelligenz ist stark ausgeprägt und sie gibt sich
ganz als Geschäftsfrau, auch in ihren Ansprüchen an die
Dienstleistung des Juweliers. Die Marke Pomellato ist für sie der
Inbegriff vom Chic. Wer zu seinem neuerstandenen Dolce & Gabbana
statt italienischer Moderne lieber feinen Antikschmuck tragen möchte,
den bedient vis-à-vis Klaas Martijn Akkermann mit auserlesenen
Preziosen. Der Schmucksammler und –geschichtsforscher ist weit über
die Grenzen der Branche hinaus bekannt und hat sich in der Öffentlichkeit
Hollands einen Namen gemacht mit Publikationen und Interviews zum
Thema Schmuck. Diamantmythos
Amsterdam Ebenfalls
in der Gegend um das Rijksmuseum befinden sich einige der
Diamantschleifereien Amsterdams. Die bekanntesten und wichtigsten
Firmen sind Gassan, Van Moppes & Zoon, Stoeltie und Coster, die
jeweils zwischen hundert und zweihundert Schleifer beschäftigen.
Ihr Geschäft sind die Touristen, die buslandungsweise die
Schleifereien besichtigen. Es ist erstaunlich, wie hartnäckig sich
der Ruhm der Diamantindustrie in Amsterdam hält. Die Wurzeln des
Diamantgeschäfts gehen auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts
zurück, als den Juden Amsterdams die Ausübung eines Gewerbes
gestattet wurde: das Diamantschleifen. In den Jahrhunderten danach
wurde Amsterdam zum bedeutendsten Handelsplatz für Diamanten in
ganz Europa. Einige der grössten und berühmtesten Diamanten, wie
z.B. der Cullinan und der Koh-I-Noor wurden hier geschliffen,
genauso wie der weltweit kleinste Brillant von 0.0012ct, der bei Van
Moppes & Zoon besichtigt werden kann. Mit dem zweiten Weltkrieg
kam dieses blühende Gewerbe zu einem abrupten Ende. Von den 80'000
Juden, die vor den Deportationen in die Konzentrationslager in
Amsterdam gelebt hatten, blieben nur 5'000 nach Kriegsende übrig.
Nach diesem Aderlass hat das Diamantgeschäft Amsterdams nie mehr
die Bedeutung von einst erlangt. Antwerpen ist an seine Stelle
getreten. Nichtsdestotrotz leben die ansässigen Firmen noch heute
vom vergangenen Ruhm. Schmuckkunst Amsterdams
Schmuckgalerien sind weit über die Grenzen Hollands hinaus bekannt.
Hier trifft nicht nur die einheimische Avantgarde auf ein
interessiertes Publikum. Auch internationale Schmuckschaffende
werden regelmässig ausgestellt. Eine der renommiertesten
Schmuckgalerien weltweit ist die Galerie ra von Paul Derrez an der
Vijzelstraat, die seit 1976 der Schmuckavantgarde ein Forum bietet.
Acht Einzelausstellungen – jeweils zur Hälfte von holländischen
und internationalen Künstlern bilden das Jahresprogramm der
Galerie. Daneben werden ganzjährig die mittlerweile zu Klassikern
gewordenen Schmuckrebellen der ersten Stunde gezeigt. Gijs Bakker
und Annelies Planteijdt gehören dazu und selbstverständlich Paul
Derrez selbst. Die
zweite bedeutende Galerie ist diejenige von Louise Smit am
Prinsengracht. Hier wird Schmuck als Kunstwerk verstanden. Das
Interesse von Louise Smit und ihrem Partner Rob Koudijs liegt nicht
so sehr am schmückenden, sondern viel mehr am künstlerischen Wert
einer Arbeit. So gehört Ted Noten zu den Favoriten der Galerie.
Seine Objekte sind unverkennbar. Die Handtasche aus Plexi mit
eingegossenen Schmuckstücken ist ebenso unverkennbar wie sein Anhänger
mit der kleinen, perlenkettengeschmückten Maus. Auch Evert Nijland
Werke sind hier zu finden. Er zieht seine Inspirationen aus
Renaissancegemälden und arbeitet aus Leinen, Glasperlen und Eisen
fantastische Colliers und Broschen, die eine Aura von Zeitlosigkeit
umschwebt. Daneben beunruhigt Iris Eichenberg mit ihren
Kompositionen aus Gummi, Silber und anderen Materialien. Ihre
Inspirationen kommen aus dem Reich der Anatomie und evozieren das
Unerklärliche, das unter der Haut steckt. Im eigentlichen und übertragenen
Sinn. Zur
Geschichte der holländischen Schmuckavantgarde in den vergangenen fünfzig
Jahren stellte das Museum Het Kruithuis in s’Hertogenbosch eine
umfangreiche Ausstellung zusammen, die auch in Amsterdam haltmachte.
Dort wird nachvollziehbar, wie zu Beginn das traditionelle
Goldschmiedehandwerk vom Schmuckdesign überrollt wurde. Die
klassischen Materialien wurden verbannt und Glas, Plexi, Holz,
Papier und vieles mehr nahm ihren Platz ein. Schmuck wurde zum
Kunstobjekt, Werte neu definiert. Die Ausstellung zeigt aber auch,
dass nach und nach die edlen Materialien von den Schmuckschaffenden
wieder entdeckt wurden. Heute treffen sich Designavantgarde und
Goldschmiedetradition an einem neuen Ort. Gold, Silber, Diamanten,
Perlen und Farbsteine kommen zum Einsatz und es entsteht Schmuck mit
ganz neuen Impulsen. Die Ausstellung zeigt auch auf faszinierende
Weise, wie vielgestaltig das holländische Schmuckschaffen ist. Es lässt
sich schwerlich eine Stilrichtung festlegen, man lernt vielmehr
viele persönliche Schmuckuniversen kennen. Zukunftsvision Die
holländische Schmuckkultur hatte in den vergangenen Jahrhunderten
wenig Möglichkeiten, sich zu entfalten. Umso mehr Visionen für die
Zukunft scheint sie hervorzubringen. Die holländischen
Schmuckdesigner haben in den 60‘er und 70‘er Jahren einen
radikal neuen Weg eingeschlagen mit ihren Ideen. Heute fliessen
diese Ideen unvermindert weiter. Sie werden aber in wertvolleren und
traditionelleren Materialien umgesetzt. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit,
einen Graben zu schliessen. Nicht mehr Tradition hier und Avantgarde
da, sondern etwas Neues. Schmuck mit Geist und Charakter (so der
Titel der Ausstellung zur holländischen Avantgarde), der den Sprung
zu einer breiteren Öffentlichkeit schafft. Um
diesen Weg zu beschreiten, sind in diesem Jahr zehn Absolventen der
Gerrit Rietveld Academie angetreten. Ihre Diplomarbeiten waren geprägt
von Persönlichkeit und Experimentierlust. Stellvertretend sei hier
Wiebke Meurer genannt. Sie hat ein grossartiges Werk gezeigt. Ihr
Tisch mit Tischdecke aus Feinsilber schickt selbst hartgesottenen
Schmuckmenschen ein Kribbeln die Wirbelsäule hinunter. Die
Reminiszenz an die Vergangenheit einer bürgerlichen Welt, die sie
auf subtilste und gleichzeitig glamouröse Weise überhöht, hat
eine beispiellose Gültigkeit. Mit der Erwartung, was sie und ihre
Kollegen und Kolleginnen an Impulsen für uns bereithalten, kann man
getrost eine glänzende Vorhersage für Hollands Schmuckzukunft
wagen. Mit
freundlichen Grüssen aus Amsterdam Susan
Sagherian |
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