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Unbekanntes
Finnland Finnland
ist für viele ein weisser Fleck auf der Weltkarte. „Irgendwo da
oben im Norden“ reihen wir es in die Reihe der skandinavischen Länder
mit viel Wald und Seen ein. Was es „da oben“ auch gibt, ist jede
Menge Platz. Finnland ist nur geringfügig kleiner als das
wiedervereinigte Deutschland, zählt aber nur ca. fünf Millionen
Einwohner. Eine Entwicklung der letzten Jahre ist die Verschiebung
der Population von ländlichen Gebieten in die grösseren Städte
wie Helsinki, Tampere, Turku und Oulu. Dies führte dazu, dass heute
rund achtzig Prozent der Bevölkerung auf zwei! Prozent des
finnischen Territoriums leben. Davon wiederum wohnen rund eine
Million in und um Helsinki. Schon
für den römischen Geschichtsschreiber Tacitus waren die Finnen
Unbekannte. In seinem Werk über die Germanen um 100 n.Chr.
berichtete er über sie lediglich, dass sie ein friedliches und
bescheidenes Leben als Sammler führten. Erst die Wikingerzüge, während
des 9. Jh. eröffneten regelmässige Kontakte zu den Nachbarländern.
Das spärlich besiedelte Finnland weckte die Begierde fremder Mächte.
Erik lX., ein missionarischer Eiferer auf schwedischem Königsthron,
gelobte, die Finnen zu christianisieren. 1155 kam es so zu einem
Kreuzzug im hohen Norden und die mehr als 650 Jahre währende Epoche
schwedischer Herrschaft in Finnland begann. Die schwedischen
Machthaber versuchten zwar, eine straffe Verwaltung im neuen
Territorium einzuführen. Angesichts der riesigen Ausmasse des
Landes und der verstreut lebenden Einwohner gelang dies nicht. So
kamen die Schweden zur Einsicht, dass die Finnen am besten mittels
Autonomie zu regieren waren und liessen sie in Ruhe leben. Die
Geschichte von Helsinki begann erst im Jahre 1747 mit dem Bau der
Festung Sveaborg wirklich. Obwohl es schon zweihundert Jahre früher
(1550) vom Schwedenkönig Gustav Vasa gegründet worden war,
entwickelte sich die Stadt am Meer nie so richtig. Zuerst blieb es
bei einem Provisorium in sumpfigem Gebiet. Einmal auf festen Grund
umgesiedelt, wurde die Stadt immer wieder von Brandkatastrophen
heimgesucht. Mit der Festung wurden jedoch erstmals Steingebäude
gebaut und ein bescheidener Wohlstand etablierte sich. Als die
Schweden im Krieg mit den Russen 1809 die Festung aufgaben, endete
ihre Herrschaft über die Finnen und die Russen übernahmen das
Nachbarland als autonomes Grossfürstentum. Nach einem weiteren
verheerenden Brand, wurde Helsinki 1812 von den Russen zur
Hauptstadt Finnlands erklärt und ein Team aus Stadtplaner und
Architekt wurde beauftragt, ein Stadtzentrum im Stil der Zeit zu
bauen. Wie der buchstäbliche Phönix aus der Asche entstand damit
in wenigen Jahren der architektonisch einheitliche Stadtkern
Helsinkis, wie er sich heute noch präsentiert. Um die
Jahrhundertwende wurde in Helsinki noch einmal kräftig gebaut und
Gebäude im Stil der Nationalromantik entstanden. So heisst die
finnische Interpretation des Jugendstils. 1917 erklärten die ihre
nationale Unabhängigkeit und nach einem erbittert geführten Bürgerkrieg
trat 1919 Friede ein und die republikanische Verfassung wurde
angenommen. Helsinki wurde zur Hauptstadt des jungen Staates.
Seither üben sich die Finnen in der Rolle des Vermittlers zwischen
Ost und West. Die finnische Initiative für die Gründung der KSZE
im Jahr 1952 war dazu ein wichtiger Schritt. Leben
im „Zweiphasenrhythmus“ Das
Leben in Finnland ist bestimmt vom Rhythmus der Jahreszeiten. Der
warme Sommer mit seinen nicht enden wollenden Tagen holt die
Menschen aus ihren Häusern auf die Strassen und in die Cafés. Der
Winter treibt sie mit Dunkelheit und beissender Kälte genau dahin
zurück. Das öffentliche Leben kommt zum Stillstand. Obwohl auch
hier die Urbanisierung der Gesellschaft neue Möglichkeiten eröffnet
gegenüber dem traditionellen Leben auf dem tief verschneiten,
eiskalten Land. Dieses „Zweiphasen-Leben“ im Jahresrhythmus erklärt
auch, warum den Finnen so viel an ihrem häuslichen Leben liegt. Mit
einem behaglich eingerichteten Haus lässt sich so ein Winter
einfach besser überstehen. Es erklärt auch, warum Schmuck auf der
Liste der Anschaffungen nicht unbedingt Priorität geniesst. Im
Sommer leben die Finnen ein sportliches Leben im Wochenendhäuschen
auf dem Land und im Winter geht man sowieso nicht vors Haus. Wer
braucht da schon Schmuck? Auch
historisch gesehen, haben die Finnen und Finninnen nie zu den
grossen Schmuckträgern gehört. Schmuck gehörte zwar zur
einheimischen Tracht und hatte vor allem zur Zeit der Merowinger und
Wikinger spirituellen Charakter. Amulette verliehen dem Träger Kräfte
und hielten gleichzeitig böse Geister in Schach. Aber ein höfisches
Leben kannte man nicht in Finnland, denn die Herrscher wohnten
zuerst im fernen Stockholm, danach in St.Petersburg. Einzig die
Kirchen und Klöster waren immer prunkvoll geschmückt.
Nichtsdestotrotz hat Finnland ganze Generationen von Goldschmieden
hervorgebracht. Die ersten Goldschmiede kamen zusammen mit
hanseatischen Händlern im 14. Jahrhundert nach Finnland und
siedelten sich in der damaligen Hauptstadt Turku an. Goldene Zeiten
für das Handwerk waren die zweite Hälfte des 17. Jh., sowie das
18.Jh. Damals regierte der kulturell aufgeschlossene König Gustav
lll. Finnland. Die Goldschmiede in Finnland genossen grosses Ansehen
und bildeten eine eigentliche Handwerker-Aristokratie. Sie
verkehrten mit den Adeligen und sassen zusammen mit den Buchbindern,
Hutmachern, Gerbern und Handschuhmachern in der Kirche gleich hinter
den Würdenträgern der Stadt. Alle anderen Handwerker hatten ihren
Platz bei den normalen Bürgern. In der Mitte des 19. Jahrhunderts
beschäftigten rund dreihundert Schmuckbetriebe in St. Petersburg
etwa dreitausend Angestellte. Ein Viertel davon waren Finnen. Fünfzehn
der fünfundzwanzig Meistergoldschmiede, die für Carl Fabergé
arbeiteten, waren finnischer Abstammung. Finnischer
Goldschmied als Nachbar von Fabergé Eine
finnische Erfolgsgeschichte in St.Petersburg ist diejenige von
Alexander Tillander. 1837 als Sohn einer armen Bauernfamilie
geboren, wurde er wie so viele andere finnische Knaben und Mädchen
jener Zeit schon als Kind nach St.Petersburg geschickt, um dort ein
Auskommen zu finden. Alexander sollte zu einem Friseur in die Lehre
gehen. Dies gefiel ihm jedoch gar nicht und er fand eine neue
Lehrstelle bei einem finnischen Goldschmied namens Fredrik Adolf
Holstenius in Tsarskoe Selo. Als ausgebildeter Goldschmied kehrte er
nach St. Petersburg zurück und beschloss 1860, sein eigenes
Unternehmen zu gründen und begann mit der Fertigung von einfachen
Armreifen, die damals in Mode und daher einfach zu verkaufen waren. Langsam
begann das Unternehmen zu wachsen und die Zahl der Angestellten und
das Prestige der Kunden nahm kontinuierlich zu. Bald gehörten auch
die einflussreichen Kreise des St.Petersburger Zarenhofes zu seinen
Auftraggebern. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam zur
Schmuckproduktion die Fertigung von Schmuckobjekten dazu. Die
orthodoxe Tradition, am Ostermorgen jedem weiblichen Mitglied der
Familie ein Ei zu überreichen, inspirierte die Schmuckmacher zu
phantasievollen Geschenkobjekten. Diese fanden über den Zaren und
sein Gefolge ihren Weg zu den adligen Kreisen in aller Welt und
waren gleichzeitig die beste Werbung von der Kunstfertigkeit der
St.Petersburger Goldschmiede. Fabergé gelangte damit zu Weltruhm,
aber auch die anderen Werkstätten waren damals weitherum hochgeschätzt. Anfang
der 90er Jahre trat dann der Sohn des Firmengründers Alexander
Junior ins Unternehmen ein. Nachdem er in Moskau bereits Erfolge mit
dem Verkauf von Diamantschmuck aus Paris hatte, begann er die Geschäftstätigkeit
des Vaters mit neuen Aktivitäten zu ergänzen. Er bekam das
exklusive Verkaufsrecht für russische Demantoide und begann einen
Handel mit Schmuck und Objets d’Arts aus Privatbesitz. Später kam
dazu auch noch die Vertretung für Boucheron in Russland. Die
Feiern zum 300jährigen Bestehen des Hauses Romanoff war in
St.Petersburg ein Grossereignis. Vor allem die Goldschmiede
profitierten von den Aufträgen des Zarenhofs. Unzählige Schmuckstücke
wurden zum Andenken an das Jubiläum verschenkt. Gleichzeitig läutete
dieses Jubiläum das Ende einer friedlichen Epoche ein. Europa
versank bald darauf im Ersten Weltkrieg. 1917 nahm die
bolschewistische Revolution ihren Anfang, Bürgerkrieg brach aus und
Finnland erklärte seine Unabhängigkeit von der Regierung in
Russland. Alexander Junior brachte sich selbst und seine Familie
nach Finnland in Sicherheit. Sein Vater jedoch verstarb an den
Nachfolgen eines Raubüberfalls im Alter von 81 Jahren noch am Ort
seines persönlichen Erfolgs, in St.Petersburg. Nachdem
sich die politische Situation des jungen finnischen Staates im Jahr
1918 geklärt hatte, entschloss sich Alexander Junior das Haus
Tillander in Helsinki wieder zu eröffnen. Mit der Hilfe von
anderen, emigrierten Goldschmieden gelang es nach harten
Anfangsjahren, die grosse, russische Schmucktradition aufleben zu
lassen. Später ergab es sich, dass mehrere Familienmitglieder die
Goldschmiedetradition weiterführten. So gibt es heute im Zentrum
Helsinki‘s zwei hochwertige Schmuckgeschäfte mit dem Namen
Tillander, die ihre Kunden mit handgefertigten Preziosen bedienen. Der
finnische Stil Vor
dem Hintergrund der finnischen Geschichte lässt sich die
Schmuckgeschichte des Landes nachvollziehen. Im Laufe des 19.
Jahrhunderts erstarkte das nationale Gefühl in Finnland. Das
finnische Nationalepos "Kalevala“, das zuvor jahrhundertelang
in mündlicher Tradition weitergegeben worden war, wurde erstmals
niedergeschrieben. Das Epos bringt Sage und Geschichte zusammen und
definiert bis heute die Volksseele Finnlands. Schmuckstücke, die
zur Zeit des finnischen Jugendstils - der Nationalromantik –
entstanden, hatten auch durchaus einen politischen Charakter. Die
Werkstätten, die von finnischen Goldschmieden aus St.Petersburg
gegründet worden waren, mussten ihre Geschäftstätigkeit mit dem
Zweiten Weltkrieg aufgeben. Die Schmuckproduktion kam zum
Stillstand. 1940 rief die finnische Regierung die Bürger dazu auf,
ihren Goldschmuck zum Wohle des Vaterlands zu spenden. Nach den
Entbehrungen der Kriegsjahre war dann das Bedürfnis gross, den
gespendeten Schmuck wieder zu ersetzen. Es entstand nostalgischer
Schmuck, basierend auf antiken Vorbildern der finnischen Geschichte.
Gleichzeitig begann langsam die Entwicklung der „Skandinavischen
Moderne“, die aber einige Zeit brauchte, um im Schmuckbereich Fuss
zu fassen. Dieses
Verdienst steht dem Künstler und Goldschmied Björn Weckström und
dem visionären Schmuckunternehmer Pekka Anttila zu. Weckström
hatte nach seinem Studium begonnen, seine künstlerischen Fähigkeiten
in den Entwurf von Schmuckstücken einfliessen zu lassen. Der Wunsch
einer Kundin, Goldnuggets aus Lappland zu verarbeiten, brachte ihn
auf die Beschäftigung mit der natürlichen Oberfläche von Gold. Zu
Beginn der 60er Jahre markierte er damit die Abwendung vom
Konstruktivismus der 50er Jahre. Die Vision eines Schmucks, der von
der wilden Schönheit der Natur Lapplands geprägt war, entstand.
Weckström reiste von nun an jedes Jahr nach Lappland, wusch Gold
und liess sich inspirieren. Seine Kreationen erhielten Namen. 1969
wurde das Buch „Welcome to Finland“ veröffentlicht, indem
Finnland vorgestellt wurde und die Werke namhafter finnischer
Designer veröffentlicht wurden. Die Schmuckstücke Weckströms prägten
so das Bild Finnlands in den Augen der Welt mit. Pekka
Anttila hatte die Entwicklung Weckströms interessiert mit verfolgt
und es war für beide der Beginn einer erfolgreichen Partnerschaft,
als Anttila 1966 begann, den „Schmuck aus Lappland“ aktiv zu
bewerben. Mit visionärer Klarsicht vermarktete er von Anfang den
Schmuck nach allen Regeln der Kunst. Ein starker Slogan,
Schaufensterdekorationen, Broschüren und Verpackungsmaterial und
einer Geschichte zu jedem Schmuckstück etablierte das Unternehmen
„Lapponia Jewelry Oy“ nach und nach international. 1971 erhielt
die amtierende Miss World ein Schmuckstück von Lapponia, 1972 trug
Yoko Ono bei einem Fernsehinterview einen Lapponia-Ring und 1977
zierte das Collier „Planetoid Valley“ den Hals von Prinzessin
Leia im Film „Star Wars“. Damit hatte das finnische Design endgültig
weltweite Aufmerksamkeit und eine wachsende Fangemeinde erlangt. Seit
1971 arbeitete ein weiterer Designer für Lapponia Jewelry. Poul
Havgaard war Schmied, Restaurator und arbeitete mit Keramik. Er
hatte bereits Gürtelschnallen für den Pariser Couturier Pierre
Cardin entworfen und mit seinem erotischen Körperschmuck die Öffentlichkeit
für sich eingenommen. In seinem Heimatland Dänemark jedoch nahm
niemand von ihm Notiz. Seine erste Kollektion für Lapponia hiess
„3-D Silver“ und bestand aus Schmuckstücken, die in ihrer
dreidimensionalen Wirkung von jeder Seite betrachtet werden konnten.
Die Stücke erinnerten an natürlich geformte Steine in schlichten,
asymmetrischen Formen. Der
ungarische Bildhauer und Schmuckdesigner Zoltan Popovits stiess 1975
zur Künstlergarde von Lapponia Jewelry Oy und entwarf als erste
Arbeit ein silbernes Schachspiel. Er strebt an, seinen Schmuckstücken
dieselbe Individualität und Naturnähe zu geben, die sich in der
Schmuckphilosophie der Urvölker wieder spiegelt. Schmuck soll den
Träger mit einer bestimmten Zeit, einem bestimmten Ort und
bestimmten Menschen verbinden. Der
vierte im Bunde der Lapponia-Designer ist Christophe Burger. Der
Schmuckdesigner und Künstler entwirft seit 1989 Schmuck für das
finnische Haus. Nach Abschluss seines Studiums der englischen
Philologie studierte er an der Strassburger Kunstgewerbeschule
Schmuckdesign und Goldschmiedekunst. Er hat in Colmar eine eigene
Galerie, in der er Schmuckunikate und –objekte zeigt. Schmuck ist
für ihn ein Kommunikationsmittel. Die Namen seiner Schmuckstücke
und deren Formen fordern den Betrachter zu einem assoziativen
Gedankenspiel heraus. Heute
ist das Unternehmen international vertreten und beschäftigt in
Helsinki rund hundert Angestellte in Produktion und Vermarktung. Das
Jahr 2000 markiert das vierzigjährige Jubiläum des Hauses und eine
Ausstellung im Herzen Helsinkis lässt das Design von vier
Jahrzehnten Revue passieren. Exklusiv zu diesem Anlass wurden auch
einige der frühen Designs neu aufgelegt. Schmuck
auf den Spuren der Antike Im
Februar 1935 wurde in Helsinki das 100. Jubiläum des finnischen
Nationalepos Kalevala begangen. Die Schriftstellerin Elsa Heporauta
liess sich von den Feierlichkeiten zu einer kühnen Idee
inspirieren, die heute den Namen Kalevala Koru Oy trägt. Das Jubiläum
regte die Schriftstellerin zu Überlegungen an, wie man die
kalevalanische Kultur am besten in die Neuzeit übertragen könne.
Sie versammelte fortschrittlich gesinnte finnische Frauen um sich,
die ein gemeinsames Ziel hatten: Sie wollten mit einer konkreten
Geste eine Verbindung zu einer imposanten Gestalt, zu Louhi,
der mächtigen Herrscherin des Nordens, herstellen. Also gründeten
sie ein Komitee, das Mittel für ein Denkmal der finnischen Frau
aufbringen sollte. Zuerst
versuchten sie es mit einer öffentlichen Spendenaktion, die jedoch
nicht viel einbrachte. Im Frühjahr 1937 wurde ein neuer Vorschlag
unterbreitet, der vorsah, mit industriell gefertigten Nachbildungen
von prähistorischen Schmuckstücken das Denkmalprojekt zu
realisieren. Die Projektleiterin Aino Mari Mecklin wählte vierzig
Modelle aus dem Nationalmuseum aus, für die Germund Paaer
entsprechende Muster fertigte. Die Schmuckstücke kamen im Herbst
1937 auf den Markt. Die ersten wurden bei einer Teeparty der Präsidentengattin
Kaisa Kallio am 8.12.1937 präsentiert. Der ursprüngliche Plan,
Mittel für ein Denkmal aufzutreiben, zerschlug sich angesichts des
Ausbruchs des 2. Weltkriegs. Man war nunmehr der Meinung, dass die
Gelder eher Wohltätigkeitszwecken zugute kommen sollten. Nach und
nach bildete sich der „Verband der Kalevala-Frauen“ heraus, der
Notleidende unterstützte und 1941 wurde die Firma Kalevala Koru Oy
ins Handelsregister eingetragen. Im
Laufe der Jahre konzentrierte sich das Unternehmen auf die
Herstellung von Bronze-, Silber- und Goldschmuck. Heute ist Kalevala
Koru Oy ein renommierter Edelmetallverarbeiter und mit 160
Mitarbeitern der grösste Schmuckproduzent in Finnland. Kalevala
Koru Oy ist nach wie vor mit dem Verband der Kalevala-Frauen liiert,
dem heute über 4000 Mitglieder angehören. Er konzentriert sich auf
die Pflege des kulturellen Erbes Finnlands. Die
meisten Modelle von Kalevala Schmuck stammen aus der Wikingerzeit
(rund 800-1025 n.Chr.), aber zu der breitgefächerten Kollektion gehören
auch Stücke vom Beginn unserer Zeitrechnung. Andere haben Vorbilder
aus dem 19. Jahrhundert. Die Schmuckstücke sind Nachbildungen,
Varianten oder Kombinationen ihrer Vorbilder und werden in
Zusammenarbeit mit Archäologen hergestellt. Als
Kontrast zu dem figürlichen Schmuck der Kalevala-Kollektion bietet
das Unternehmen eine zweite Linie mit dem Namen Kaunis Koru Oy an.
Finnischen Design-Schmuck unter diesem Namen gibt es seit 1956.
Typisch für diese Kollektion ist die Verwendung von Spektrolith,
dem Nationalstein Finnlands. Chefdesignerin ist heute Kirsti Doukas,
die 1999 zum Goldschmied des Jahres in Finnland ernannt wurde und
mit ihrer eigenen Kollektion zum Kreis der Union Designer gehört.
Andere Designer sind Marja Suna, Marko Mäkelä, Mari Saari, Tony
Granholm, um nur einige zu nennen. Der Schmuck von Kaunis Koru Oy
wird immer unter dem Namen des verantwortlichen Designers angeboten. Junge
Betriebsamkeit Seit
etwa zehn Jahren entwickelt sich in und um Helsinki eine junge,
innovative Schmuckszene. Talentierte und ambitionierte Gold- und
Silberschmiede treten gemeinsam in die Öffentlichkeit und präsentieren
frischen, zeitgemässen Designschmuck. Abgesehen davon, dass man den
Finnen seit den Sechziger Jahren die Kompetenz für modernes Design
neidlos zugesteht, brauchen die Jungdesigner keine
Vorschusslorbeeren. Man nimmt ihnen die Begeisterung für ihren
Beruf ohne weitere Fragen spontan ab und ihre Kombination von
Handwerk, Gestaltung und einer gehörigen Portion Geschäftssinn
macht Eindruck. Seit
Beginn des finnischen Schmuckfrühlings vorne mit dabei sind die
beiden Designer von OZ jewel, die Goldschmiedin Tiina Arkko und der
Silberschmied Vesa Nilsson. Beide haben in der Vergangenheit für
Georg Jensen in Dänemark gearbeitet. Daher kommt ihr Sinn für hohe
Design- und Fertigungsqualität. Vor zehn Jahren wagten sie den
Schritt in die Selbständigkeit. Ihr Geschäft an der Unioninkatu
repräsentiert ihr gesamtes Schaffen. Weiche und doch klare,
bestimmte Formen sind ihr Markenzeichen. Tatsächlich haben sie es
geschafft, eine deutliche Wiedererkennbarkeit auf dem Markt zu
etablieren und das mit einer vielfältigen, abwechslungsreichen
Kollektion. Daneben entwerfen sie für ihre Kunden Einzelstücke und
auf Firmen zugeschnittene Geschenkideen. Ein
ganz junges Unternehmen ist Alfred K. Henrik Kihlmann, seines
Zeichens Silberschmied, eröffnete seine Galerie im vergangenen Mai
mit dem Ziel, jungen, finnischen Silberschmieden eine Plattform zu
bieten. Das Ambiente der Galerie ist sehr ansprechend, mit
freigelegten Wandstrukturen, die als Hintergrund in den Vitrinen
dienen. Sie befindet sich an bester Lage im Nobelwohnviertel von
Helsinki und in unmittelbarer Nähe des Museums für industrielle
Gestaltung, in dem auch regelmässig Schmuckdesign gezeigt wird.
Henrik Kihlmann‘s Entschluss, eine Silbergalerie zu eröffnen,
hatte zwei Ursachen. Zum einen stellte er immer wieder fest, dass
traditionelle Schmuckgeschäfte nicht den Mut besassen, modernes
Silberdesign zu zeigen und zum anderen bestand ein grosser Aufklärungsbedarf.
Die Öffentlichkeit in Finnland nimmt Schmuck im Allgemeinen und
zeitgenössischen Schmuck im Besonderen viel zu wenig wahr. In der
Galerie werden sowohl Schmuck als auch Geräte und Objekte gezeigt.
Besonders gefallen haben mir der zauberhafte, filigrane Schmuck von
Inni Pärnänen, die grossformatigen Silberobjekte von Matti Tainio
und die eigenwilligen Tischobjekte von Pekka Koponen. Die
Union der Designer Für
internationales Aufsehen haben die Designer von Union Design bereits
seit zwei Jahren gesorgt. In Basel sind sie mit ihrem innovativen
Schmuckstil in den aufsehenerregenden Hängevitrinen – die
ebenfalls eine Eigenentwicklung des Hauses sind - sofort
aufgefallen. Union Design ist eine Erfindung der Brüder Eero und
Hannu Taskinen. Die Beiden waren bereits im Schmuck- und
Edelsteinhandel tätig, als sich für sie die Möglichkeit ergab,
grosse Räume in der alten Markthalle unweit des Hafens in Helsinki
zu übernehmen. Damit war der Platz für die Umsetzung einer neuen
Idee gewonnen. Insgesamt sechzehn Arbeitsplätze wurden in den
hohen, authentisch renovierten Räumen eingerichtet und können von
Gold- und Silberschmieden gemietet werden. Die vorhandenen Maschinen
und die gesamte Infrastruktur stehen allen gemeinsam zur Verfügung.
Im grosszügigen Eingangsbereich hat zudem jeder Schmuckmacher seine
eigene Vitrine. Hier findet Verkauf und Beratung statt. Das
Besondere an dieser Organisation ist, dass Aufträge auch im Hause
weitergegeben werden können. Die Gold- und Silberschmiede haben
einander ergänzende Spezialgebiete, die übergreifendes Bearbeiten
von Aufträgen möglich machen. Zur Zeit sind neun Designer bei
Union Design aktiv: Carina Blomquist, Kirsti Doukas, Pekka Kulmala.
Sami Laalo, Sami Makkula, Petri Pulliainen, Kaisa Vuorinen und Pia
Westerberg. Die Aktivitäten von Union Design schliessen auch die Förderung von jungen und ausländischen Kollegen mit ein. Vier von sechzehn Arbeitsplätzen stehen Praktikanten und ausländischen Gästen zur Verfügung. Vier mal pro Jahr finden Ausstellungen statt. Für die Brüder Taskinen ist es wichtig, ihren Mietern ein optimales und wirtschaftlich interessantes Arbeitsumfeld zu ermöglichen. Sie legen aber auch grossen Wert darauf, der zeitgenössischen finnischen Schmucklandschaft ein „fröhliches, intelligentes Gesicht“ zu geben. Und das gelingt ihnen ohne Zweifel. Die
Schmiede der Schmiede Wer
mit den Jungdesignern in Finnland ins Gespräch kommt, der hört
sehr oft den Begriff „Lahti Polytechnikum“. Die
Goldschmiedeschule rund hundert Kilometer von Helsinki entfernt, hat
einen sehr guten Ruf. Die Schule verfügt über einen
beeindruckenden Maschinenpark und ermöglicht ihren Studenten alle
erdenklichen Techniken der Schmuckfertigung kennen zu lernen. Auch
modernste computerunterstützte Verfahren sind möglich. Daneben
erhalten die Studenten eine breite Ausbildung im kreativen Bereich. Eine
Gruppe von Studenten des Lahti Polytechnikums haben sich in Lahti
selbst zusammengetan. Die Gruppe X8 besteht aus fünf Gold- und
Silberschmieden: Heli Kauhanen, Soili-Riika Andersson, Eero
Hintsanen, Juha Loikala und Marjut Viitanen. Ihre Gemeinschaft aus
gleichberechtigten Mitgliedern teilt ein Atelier mit Verkaufsraum.
Jedes Mitglied hat seinen eigenen Stil und trägt mit seinen
Kreationen zu einem vielfältigen und innovativen Mix an Schmuckstücken
bei. Dazu werden Objekte und Schmuck von anderen Designern, wie zum
Beispiel von Maija Pitz und Pekka Koponen gezeigt. Kunden können
hier auch Schmuck nach Wunsch bestellen. Die Jungunternehmer zeigen
ihren Schmuck in der Zwischenzeit auch bei Alfred K in Helsinki und
stellen fest, dass die Schmuckkunden in der Metropole ganz anders
einkaufen als in Lahti. Die Unterschiede scheinen überwiegend
geschmacklicher Natur zu sein, weniger ein Frage des Budgets oder
eines ländlichen Konservatismus. Weltbürger
mit Nationalstolz Der
Nationalstolz der Finnen kann im Gespräch nicht überhört werden.
Auch die finnischen Goldschmiede legen grossen Wert auf ihre
Ausbildung im eigenen Land. Trotzdem machen sich vor allem die
jungen Schmuckmacher angesichts eines nur fünf Mio. umfassenden
Heimmarktes keine Illusionen. Alle verfügen über eigene
Internetauftritte und beobachten genau, was sich im Ausland
abspielt. Sie wissen, dass ihre Arbeit auf internationaler Ebene
bestehen muss, um langfristig Erfolg zu garantieren. So gehen sie
den pragmatischen Weg des „Eines-tun-und-das-Andere-nicht-lassen“.
Sie umwerben die Finnen mit fröhlichem und intelligentem Design und
zeigen der Welt, dass in der Skandinavischen Schmuckmoderne ein
neues Kapitel geschrieben wird. Mit
besten Grüssen aus Helsinki Susan
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