|
Diese Kunden sind typisch für Zürich.
Banken, Versicherungen und internationale Großfirmen ziehen Geschäftstouristen
aus aller Welt an die Limmat. Auch sonst sind Zürichs Besucher überwiegend
Einzeltouristen, der Massentourismus hingegen strömt vom Flughafen
Kloten in Busladungen direkt nach Luzern oder Interlaken.
Diskretion, Kontinuität und
Sicherheit sind das Fundament von Zürichs Erfolg auf dem
internationalen Finanzparkett. Hohe Qualität und umfassender
Service das Rezept der Zürcher Einzelhändler.
Zürichs Kunden
Diskretion ist eine Tugend im
Geschäftsleben. Sie kann allerdings zum Problem werden wenn es um
Statistiken geht. Im Fall Schweiz und Zürich gibt es schlichtweg
keine Erhebungen zum Schmuckmarkt. In früheren Zeiten wurden
Marktdaten von De Beers, Platingilde und WGC erhoben. Seit sich
jedoch diese Organisationen zurückgezogen haben, ist die Schweiz
zum statistischen Niemandsland geworden. Die einzigen Zahlen, die
zur Verfügung stehen, betreffen Einwohner- und Besucherzahlen. Groß-Zürich,
das heißt die Stadt und ihr Einzugsgebiet umfassen rund 1.5
Millionen Einwohner. Zusätzlich besuchten im vergangenen Jahr etwa
1.4 Millionen Touristen die Stadt an der Limmat.
Um den Kunden und den Markt in Zürich
zu charakterisieren, bleiben deshalb nur einige qualitative
Merkmale. In Gesprächen mit Juwelieren und Goldschmieden ergaben
sich einige, wiederkehrende Merkmale, die typisch zu sein scheinen für
Zürichs Schmuckkunden. Sie sind anspruchsvoll, qualitätsbewusst
und setzen sich intensiv mit Schmuck auseinander. Sie suchen das
Besondere und Individuelle, lassen auch gerne Schmuck anfertigen.
Der bevorzugte Stil ist von Understatement und moderner
Zeitlosigkeit geprägt. Zürichs Kunden sind treu, manchmal schon in
der dritten Generation mit dem gleichen Geschäft verbunden. Sie
sind überall auf dieser Welt zu Hause, nicht nur in Zürich.
Schmuck wird überwiegend zu klassischen Geschenkdaten wie
Hochzeits- und Geburtstagen sowie an Weihnachten verschenkt.
Einmalige Schmuckkultur
Was
dem interessierten Flanierer in Zürich besonders auffällt, ist die
unglaubliche Menge und Vielfalt des Uhren- und Schmuckangebots. Die
klassische Richtung ist in jeder Preislage großzügig abgedeckt,
die Schweizer Uhrenhersteller vollzählig präsent und
internationale Luxusmarken an prominenten Lagen vertreten. Das ist für
sich betrachtet schon sehr attraktiv. Das ganz Besondere an Zürich
jedoch ist die Vielzahl an selbständigen Goldschmieden, die
individuellen Schmuck auf höchstem Niveau anbieten.
Diese ungewöhnlich starke Präsenz
von unabhängigen Schmuckschaffenden verdankt Zürich sicher zum
Teil dem hohen Ausbildungsniveau der Schweizer Goldschmiede. Für
die Menge der herausragenden Berufsleute sind nicht genügend
Arbeitsstellen vorhanden, so daß der Schritt in die Unabhängigkeit
für viele naheliegend ist. Auch die Kunstgewerbeschule bringt viele
Talente von außerhalb nach Zürich.
Ein weiterer Grund für diese
Besonderheit könnte auch in der Geschichte von Zürich begründet
sein. Denn bei einem Blick in die Vergangenheit stellt man fest, daß
in Zürich schon seit vielen Jahrhunderten Schmuck produziert wird.
Reformation Kontra
Lebenslust
Das
Goldschmiedehandwerk schaut in Zürich auf eine lange Tradition zurück.
Die frühesten Dokumente führen uns ins Jahr 972 zurück und erwähnen
in damals üblicher Art Goldschmiede im Zusammenhang mit dem Münzwesen.
Die ersten urkundlich überlieferten Namen von Goldschmieden stammen
aus dem 13. Jahrhundert. Aus dem Zeitraum zwischen 1225 und 1525
kennen wir nicht weniger als 125 Goldschmiede, 7 Goldschläger, eine
Goldspinnerin, 3 Münzer und 2 Gesellen namentlich. Im
Hochmittelalter lassen sich in Zürich mehr Goldschmiede nachweisen
als in jeder anderen Stadt des oberrheinischen Kulturraumes, etwas
mehr sogar als im blühenden bischöflichen Konstanz und den beiden
anderen Bischofsstädten Basel und Straßburg.
Überblickt man die aus den Archiven gewonnenen Nachrichten über Zürcher
Goldschmiede im Mittelalter, so überrascht einerseits ihre hohe
Zahl, andererseits wissen wir, daß die Berufsleute damals sehr
beweglich waren und einen regen künstlerischen Austausch mit ihren
Kollegen zum Teil bis nach Wien, Frankfurt, Brüssel, Nürnberg und
Straßburg pflegten. Zürich darf daher mit Recht als eines der
bedeutenden, europäischen Zentren der Goldschmiedekunst der
damaligen Zeit genannt werden.
Zürich hat eine lange und
ungebrochene Tradition als unabhängige und reiche Stadt. Es gab nie
eine Nobilität, aber immer ein wohlhabendes Bürgertum. Die Kirche
gehörte bis zur Reformation zu den Auftraggebern der Goldschmiede,
danach waren es die an Wohlstand gewinnenden Zünfte und Bürger.
Der gepredigte und gesetzlich verankerte Puritanismus der
Reformatoren verbot jeglichen zur Schau gestellten Luxus. Silber
jedoch war interessanterweise akzeptiert als krisensichere und
wertbeständige Kapitalanlage und wurde als sinnvolle Investition
eines weitsichtigen Geschäftsmannes angesehen. Das erklärt, warum
die Häuser der reichen Bürger außen schlicht gestaltet waren, das
Tafelsilber aber nicht zahlreich und schwer genug sein konnte.
Die Reformation hat es mit den Zürchern
sehr schwer gehabt. Sie fanden immer wieder Mittel und Wege, die
geltenden Bestimmungen zum Luxus zu umgehen. In den Gerichtsarchiven
der Stadt finden sich ungezählte Prozesse wegen Übertretung dieser
Gesetze. So fuhren reiche Bürger und Bürgerinnen mit Vergnügen
nach Baden, wo sie eigens gefertigte, aufwendige Garderoben mit
passendem Schmuck spazieren führten. Die Neigung, Reichtum nicht
nach außen zur Schau zu stellen, hat sich in Zürich bis heute
erhalten. Im Schmuckbereich manifestiert sich dies darin, daß ein
Kunde einen kleinen, hochfeinen Edelstein einem größeren, weniger
feinen in der Regel vorzieht.
Zürich Bahnhofstrasse
Im
Gegensatz zu vielen anderen Prachtstrassen ist die Bahnhofstrasse
noch gar nicht so alt. Sie entstand erst mit dem Bau des Bahnhofs
Mitte der 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Bis dahin war an
dieser Stelle Wasser geflossen - im sogenannten „Froschgraben“!
Damals aber wurde sie relativ schnell gebaut, so daß die
einheitliche Architektur - abgesehen von ein paar „Bausünden“ -
sehr zum eleganten Erscheinungsbild der „Nobelmeile“ Zürichs
beiträgt.
Traditionsfirmen wie Beyer und Türler
haben hier ihren Sitz. Beide präsentieren sich als Spezialisten im
Uhrenbereich. Nebst einem eindrücklichen Sortiment bieten sie aber
ihren Kunden noch mehr. Die Chronometrie Beyer ihrerseits hat für
ihre interessierten Kunden ein Uhrenmuseum im Untergeschoß des
Geschäfts eingerichtet.
Franz Türler seinerseits hat
zusammen mit Uhrmachermeister Jörg Spöring und Wissenschafts- und
Technikhistoriker Ludwig Oechslin in neunjähriger Arbeit ein
uhrmacherisches Meisterwerk geschaffen. Die Türler Uhr, das Modell
des Kosmos darf als die letzte, große astronomische Uhr dieses
Jahrhunderts bezeichnet werden. Sie verbindet Planetarium, Tellurium,
Horizont, Kalender und Globus und zeigt als einzige Uhr die richtige
Zeit Zürichs an, nämlich die wahre Sonnenzeit, berechnet auf den
Standort Paradeplatz. Seit dem 21. Juni 1995 kann dieses Wunderwerk
während der Öffnungszeiten im Eingang der Firma Türler am
Paradeplatz frei besichtigt werden.
Die Tradition im Juwelenbereich
vertritt die Firma Meister. Bereits in der vierten Generation in
Familienbesitz, ist das Geschäft seit 1897 an der Bahnhofstrasse 33
ansässig und damit - meines Wissens - das älteste noch bestehende
Schmuckgeschäft Zürichs. Die Meister-Handschrift erkennt man an
den außergewöhnlichen Kombinationen feiner Farbsteine, die im
Hause selbst in bester Juwelenmanier verarbeitet werden.
Hochwertigen Schmuck bieten aber
auch die Firmen Gübelin, Bucherer, Juwelier Gut und Les
Ambassadeurs. Gübelin hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr
auf Diamanten konzentriert. Bucherer hält das ganz breite Sortiment
in allen Preislagen auf mehreren Stockwerken bereit, während sich
Les Ambassadeurs als Vertreter internationaler Uhren- und
Schmuckmarken etabliert hat. Juwelier Gut hingegen hat den Mut,
modernes Schmuckschaffen verschiedenster Künstler an der
Bahnhofstrasse zu präsentieren. Die großen internationalen Marken
sind mit Cartier, Bulgari und Tiffany vertreten. Antikschmuck findet
man bei La Serlas, Harry Hofmann und Lährm (In Gassen).
Klassische Juwelen und moderne
Schmuckmarken ist noch nicht alles, was Zürichs Prestigeadresse zu
bieten hat. Ausgerechnet hier begann vor etwas mehr als fünfzig
Jahren eine neue Ära der Schmuckgeschichte.
Eine neue Ära beginnt
Anfangs
der 40er Jahre eröffnete Meinrad Burch-Korrodi sein Geschäft an
der Bahnhofstrasse 44. Zusammen mit dem Designer Kurt Aepli
revolutionierte er nicht nur das Schmuckdesign, sondern auch die Art
und Weise wie Schmuck präsentiert wurde. Vor seiner Zeit war es
noch nicht üblich gewesen, Schmuck in Schaufenstern auszustellen.
In Europa herrschte Krieg und weite Teile der Schmuckindustrie waren
für Jahre lahmgelegt. Nicht so in der Schweiz. Die Kriegsjahre
waren zwar entbehrungsreich, aber Kunst und Handwerk konnten sich
dennoch weiterentwickeln. Die Konkrete Kunst hatte einen
hervorragenden Vertreter in Zürich: Max Bill, gelernter
Silberschmied und Plastiker. Seine Theorie der Guten Form beeinflußte
das Kunsthandwerk ganz entscheidend. Burch-Korrodi und Aepli nahmen
dieses neue Formenverständnis in ihre Arbeit auf und schufen
Schmuck, der weit über Zürich hinaus Beachtung fand. Sie waren
aber nicht die Einzigen, die damals neue Wege gingen. Max Fröhlich
und Antoinette Riklin-Schelbert gehörten auch zu dieser Generation.
Frau Riklin-Schelbert eröffnete 1946 als erste Frau in der Schweiz
ein Atelier mit Laden in der Zürcher Altstadt. Ihre Arbeiten fielen
auf und fanden sehr schnell Anklang bei Schauspielern,
Schriftstellern und Architekten. Zürich war zum Mekka modernen
Schmuckschaffens geworden.
Das Geschäft von Meinrad
Burch-Korrodi existiert übrigens noch heute und wird von Herrn
Trudel geführt. Er fühlt sich noch immer dem Vorbild seines berühmten
Vorgängers verpflichtet und gestaltet wie dieser schlichten,
formschönen Schmuck mit hochfeinen Edelsteinen.
Haute Joaillerie auf Zürcher
Art
Zürichs
Anziehungskraft auf Goldschmiede mit Mut zur Selbständigkeit war
unwiderstehlich und seither haben sich immer neue Generationen von
Individualisten aufs Zürcher Parkett gewagt. Mitte der Sechziger
Jahre war das Paul Binder. Zuerst an der Strehlgasse und zehn Jahre
später an der Storchengasse baute er sich einen treuen Kundenkreis
auf, der sich immer wieder von seinen gewagten Kreationen
faszinieren läßt. Im persönlichen Gespräch verrät er sein
Erfolgsrezept. Originalität und Eigenwilligkeit in Schmuckdesign
und Schaufenstergestaltung; und zwar das ganze Jahr über. Tolle
Fenster zur Weihnachtszeit allein reichen nicht. Der Kunde soll rund
ums Jahr die besondere Atmosphäre eines Geschäftes spüren. Zudem
bietet Herr Binder seinen Kunden etwas ganz Besonderes. Bei Einzelstücken
fertigt er die Entwürfe jeweils gleich vor den Kunden an, so daß
diese den Werdegang ihres Schmuckstücks schon von den ersten
Pinselstrichen an mit verfolgen können.
Etwa zeitgleich zu Paul Binders
Geschäftseröffnung, fand im Hause Péclard ein Generationenwechsel
statt. Das Haus an der Strehlgasse 33 wurde damals vollkommen
umgebaut, um eine ideale Kulisse für die technisch anspruchsvoll
gefertigten Schmuckstücke abzugeben. Der Stil von Péclard ist
unverkennbar. Moderne Juwelen mit charmanten Details, die auch noch
nach Jahren gefallen. Die Schaufenster sind stets betont schlicht,
aber äußerst raffiniert mit wenigen Elementen dekoriert. Das Haus
Péclard schaut auf eine lange Familientradition über mehrere
Generationen im Schmuckbereich zurück. Ein berühmter Vorfahre von
Philippe F. Péclard ist der Schwäbisch-Gmünder Schmuckfabrikant
Hermann Bauer. Er stellte in der zweiten Hälfte des letzten
Jahrhunderts „Renaissance-Bijouterien“ her. Sein Lebenswerk
blieb beispielhaft vollständig erhalten. Zusammen mit seiner
selbstverfassten Biographie ist es eine der besten Quellen zum Verständnis
des damaligen Schmuckgeschehens.
Einige Jahre später eröffnete
Gilbert Albert sein Geschäft an der Bahnhofstrasse 10. Als
zehnfacher Diamond Award Gewinner ist er seit langem eine
internationale Größe. Sein Schmuck wurde rund um den Globus
ausgestellt. Eine besondere Ehre widerfuhr ihm, als er 1991 als
erster lebender Künstler seit 1917 mit einer Einzelausstellung in
den Kreml eingeladen wurde. Seine Geschmeide aus Skarabäen,
Muscheln, Kristallen und Meteoriten zusammen mit Perlen und
Diamanten sind einzigartige und immer wieder überraschende
Kunstwerke.
Zauberhafte Schmuckwelten
Vor
dreizehn Jahren machte sich eine jüngere Generation daran, Zürichs
Kunden zu erobern. Francine Böhler hatte den Mut, an der
Niederdorfstrasse ein Geschäft mit dem Namen „Comme les
Millionaires“ (Wie die
Millionäre) zu eröffnen und ihren Modeschmuck anzubieten. Sie
machte gleich den ganzen Laden zum Schmuckstück. Der Verkaufsraum
wird dominiert von einem großen, eisernen Brunnen. Die gleichen
Eisenplatten bilden das Schaufenster. Es war das erste Geschäft, in
dem Schmuck offen ausgestellt wurde. Dies ermöglichte der zumeist
jungen Kundschaft, ohne Schwellenängste den Schmuck direkt
kennenzulernen. Francine Böhler macht heute keinen Modeschmuck
mehr. Sie ist zusammen mit ihren Kunden aus diesen Anfängen
herausgewachsen und verarbeitet heute nur noch edle Materialien.
Sie geht aber nach wie vor eigene
Wege, indem sie zusammen mit ihren Geschäftspartnern nicht nur
Schmuck, sondern auch Möbel und anderes entwirft. Zudem bietet sie
jetzt auch Goldschmiedekurse an. Die Kursteilnehmer haben die
Gelegenheit, unter professioneller Aufsicht Schmuck zu gestalten und
im Laden selbst zum Abschluß des Kurses eine Ausstellung ihrer
Arbeiten zu machen.
Eine ganz andere Welt trifft man
bei Franz Marfurt aus Luzern. Er ist seit zehn Jahren am Münsterhof
zu Hause. Seine Star Symbols sind kleine, poetische Skulpturen.
Schmuckstücke, die sich ums Thema Sterne drehen. Franz Marfurt
verbindet die Pracht seines Lieblingssymbols mit kleinen, gewollten
Unfertigkeiten in der Metallbearbeitung. So entstehen charaktervolle
Einzelstücke, die das Gefühl vermitteln, eine persönliche Widmung
des Künstlers in sich zu tragen. Sein Geschäft ist modern, offen
und zugänglich. Zugleich wecken die weichen Farben und Strukturen
der Wände Erinnerungen an den „Kleinen Prinzen“ von Saint-Exupéry.
Christophe Graber an der Rämistrasse
hat sich einer ganz anders gelagerten Ästhetik verschrieben. Seine
Liebe gilt der Biologie. Er greift Inspirationen aus der Natur auf
und „inszeniert“ damit Schmuck. Wirbelsäulen werden zu Ringen,
Seesterne zu Collierschliessen und stilisierte Blattmotive zu prächtigen
Ohrgehängen. Seine Kreationen reflektieren sein Gefühl für
aktuelle Tendenzen, ohne modisch zu sein. Ungewöhnliche Materialien
werden von ihm ungewöhnlich eingesetzt. Horn, Koralle, Perlen und
sehr viel Onyx prägen seine aktuelle Kollektion. Wichtig ist ihm
das Umfeld seines Schmuckes. Auf die Präsentation und die richtige
Ambiance kommt es an. Sein Geschäft ist das perfekte Beispiel. Der
hohe Raum ist nur mit dem nötigsten eingerichtet: eigens entworfene
Vitrinen, eine lange Theke und eine Sitzbank. Die Materialien sind
warm, sensibel ausgesucht und reflektieren behutsam die Formen des
Schmucks. Die Balance von Zurückhaltung und barocker Üppigkeit ist
Christophe Grabers Spezialgebiet.
Die Reihe der Schmuckzauberer läßt
sich beliebig fortsetzen. Beatrice Rossi an der Weiten Gasse
macht moderne Juwelen mit weiblicher Grandezza. Jürg Frech an der
Bahnhofstrasse zeigt, wie man den Begriff moderne Juwelen auch
verstehen kann. Philippe Pfeiffer hat sich unlängst am Limmatquai
ein Reich geschaffen, wo seine Goldschmiedekunst den würdigen
Rahmen erhält. Doris Binders Geschäft an der Schlüsselgasse mit
seinen patinierten Kupferwänden ist für mich immer einen Umweg
wert. Der Kontrast dieser phantastischen, meergrünen Oberfläche
zum großflächigen Schmuck ist umwerfend. Auch ihr Nachbar gegenüber,
Robert Vogelsang überrascht einen immer von neuem mit großartigen
Schmuckschöpfungen. Die allerneueste Bereicherung der Zürcher
Schmuckszene ist Georg Hornemann und Majo Fruithofs gemeinsames
Geschäft an Zürichs renommierter Adresse In Gassen. Sie haben
zusammen einen Traum verwirklicht und ein Ambiente geschaffen, das
ohne weiteres auch in New York beeindrucken würde.
Die jungen Wilden
Und
bereits ist wieder eine neue Generation daran, den Begriff Schmuck
neu zu erfinden. Friends of Carlotta ist ein Projekt der
Goldschmiedin Bruna Hauert. Sie stellt humorvolle, zuweilen lustvoll
boshafte Schmuckobjekte her, die immer eine Geschichte erzählen.
Ihre Lieblingsthemen sind zum Beispiel Zwerge und Zwerginnen (was
ihr einen Streit mit einem Nanologen sprich Zwergenhistoriker
bescherte, da Zwerginnen wissenschaftlich nicht nachweisbar sind),
aber auch Eisbären in Schneekugeln, auf eine Hochzeit verirrte
Pinguine, ahnungslose Schweine und Lockenwickler.
Daneben bietet sie in ihrer
Atelier-Galerie einer Vielzahl von jungen und junggebliebenen
Schmuckschaffenden eine Plattform. Sie hat ein erfrischendes
Sortiment von Schmuck in edlen und weniger edlen Materialien
ausgestellt und ermuntert jeden Kunden, nach Herzenslust in den
Schubladen und Schublädchen zu kramen. Ein wunderbares Schaufenster
im doppelten Sinn für die Avantgarde der Schmuckszene.
Varga’s Art am Limmatquai hält
für seine Kunden auch ein hautnahes Erlebnis mit Schmuck bereit.
Ringe auf einem Tisch, mit Gewichten beschwert erlauben völlig
selbständiges Probieren, ohne immer einer Verkaufsperson ausgesetzt
zu sein. Der barocke Stil des Schmucks liegt voll im Trend, die Ausführung
der Stücke in Silber und Silber vergoldet spricht ein junges
Publikum an.
Klare Profile
Ich möchte
mich an dieser Stelle bei all denjenigen entschuldigen, die in
diesem Bericht nicht genannt werden. Es war im Rahmen dieses
Artikels leider unmöglich, allen gerecht zu werden. Im Gegenteil,
eine kleine Gruppe soll als Beispiel für die unglaubliche Vielfalt
und Qualität in der Zürcher Schmuckszene dienen.
Konkurrenz spornt an. Der Nachbar
mit seiner umwerfenden Dekoration inspiriert und setzt die Meßlatte,
die es zu übertreffen gilt. In Zürich findet Profilierung im
besten Sinn statt. Unternehmer besinnen sich auf die eigenen Stärken
und schaffen auf höchstem Niveau eine Welt für sich und ihre
Kunden. Sich vom Kollegen klar abzuheben und zu unterscheiden, heißt
das Spiel. Ein spannendes Spiel. Die Kunden genießen es.
Mit herzlichen Grüßen aus Zürich
Susan Sagherian
|