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Schmuckszene Zürich
(Erschienen im Juli 1998 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Mögen Sie Schokolade? Dann lieben Sie bestimmt auch Trüffel, diese zarten, kugeligen Versuchungen aus feinsten Zutaten, die mit Liebe und Können in Handarbeit hergestellt werden. Zürich ist wie ein Trüffel. Klein aber fein.

Little Big City

Zürich bietet im Westentaschenformat fast alle Annehmlichkeiten einer Metropole, ausgenommen den Nachteilen einer wirklichen Großstadt. Geographisch reizvoll gelegen, offeriert Zürich Aussicht auf die Limmat, den See und die Voralpen. In einer Viertelstunde kann man die Innenstadt gemütlich durchschreiten. Oper, Theater, Museen und eine Vielzahl von Boutiquen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft voneinander. Internationale Markennamen sind fast vollzählig vertreten und traditionelle Zürcher Geschäfte runden das Angebot mit lokalen Spezialitäten ab. Eine ideale Ausgangslage für Kunden mit wenig Zeit, hohen Ansprüchen und einem großzügigen Budget.

 

Teil einer Artikelreihe über die Schmuckszenen bedeutender Städte. Weitere Artikel aus dieser Reihe:

- Amsterdam
- Barcelona
- Florenz
- Helsinki
- London
- München
- New York
- Paris
- Zürich

 


Diese Kunden sind typisch für Zürich. Banken, Versicherungen und internationale Großfirmen ziehen Geschäftstouristen aus aller Welt an die Limmat. Auch sonst sind Zürichs Besucher überwiegend Einzeltouristen, der Massentourismus hingegen strömt vom Flughafen Kloten in Busladungen direkt nach Luzern oder Interlaken.

Diskretion, Kontinuität und Sicherheit sind das Fundament von Zürichs Erfolg auf dem internationalen Finanzparkett. Hohe Qualität und umfassender Service das Rezept der Zürcher Einzelhändler.

Zürichs Kunden

Diskretion ist eine Tugend im Geschäftsleben. Sie kann allerdings zum Problem werden wenn es um Statistiken geht. Im Fall Schweiz und Zürich gibt es schlichtweg keine Erhebungen zum Schmuckmarkt. In früheren Zeiten wurden Marktdaten von De Beers, Platingilde und WGC erhoben. Seit sich jedoch diese Organisationen zurückgezogen haben, ist die Schweiz zum statistischen Niemandsland geworden. Die einzigen Zahlen, die zur Verfügung stehen, betreffen Einwohner- und Besucherzahlen. Groß-Zürich, das heißt die Stadt und ihr Einzugsgebiet umfassen rund 1.5 Millionen Einwohner. Zusätzlich besuchten im vergangenen Jahr etwa 1.4 Millionen Touristen die Stadt an der Limmat.

Um den Kunden und den Markt in Zürich zu charakterisieren, bleiben deshalb nur einige qualitative Merkmale. In Gesprächen mit Juwelieren und Goldschmieden ergaben sich einige, wiederkehrende Merkmale, die typisch zu sein scheinen für Zürichs Schmuckkunden. Sie sind anspruchsvoll, qualitätsbewusst und setzen sich intensiv mit Schmuck auseinander. Sie suchen das Besondere und Individuelle, lassen auch gerne Schmuck anfertigen. Der bevorzugte Stil ist von Understatement und moderner Zeitlosigkeit geprägt. Zürichs Kunden sind treu, manchmal schon in der dritten Generation mit dem gleichen Geschäft verbunden. Sie sind überall auf dieser Welt zu Hause, nicht nur in Zürich. Schmuck wird überwiegend zu klassischen Geschenkdaten wie Hochzeits- und Geburtstagen sowie an Weihnachten verschenkt.

Einmalige Schmuckkultur

Was dem interessierten Flanierer in Zürich besonders auffällt, ist die unglaubliche Menge und Vielfalt des Uhren- und Schmuckangebots. Die klassische Richtung ist in jeder Preislage großzügig abgedeckt, die Schweizer Uhrenhersteller vollzählig präsent und internationale Luxusmarken an prominenten Lagen vertreten. Das ist für sich betrachtet schon sehr attraktiv. Das ganz Besondere an Zürich jedoch ist die Vielzahl an selbständigen Goldschmieden, die individuellen Schmuck auf höchstem Niveau anbieten.

Diese ungewöhnlich starke Präsenz von unabhängigen Schmuckschaffenden verdankt Zürich sicher zum Teil dem hohen Ausbildungsniveau der Schweizer Goldschmiede. Für die Menge der herausragenden Berufsleute sind nicht genügend Arbeitsstellen vorhanden, so daß der Schritt in die Unabhängigkeit für viele naheliegend ist. Auch die Kunstgewerbeschule bringt viele Talente von außerhalb nach Zürich.

Ein weiterer Grund für diese Besonderheit könnte auch in der Geschichte von Zürich begründet sein. Denn bei einem Blick in die Vergangenheit stellt man fest, daß in Zürich schon seit vielen Jahrhunderten Schmuck produziert wird.

Reformation Kontra Lebenslust

Das Goldschmiedehandwerk schaut in Zürich auf eine lange Tradition zurück. Die frühesten Dokumente führen uns ins Jahr 972 zurück und erwähnen in damals üblicher Art Goldschmiede im Zusammenhang mit dem Münzwesen. Die ersten urkundlich überlieferten Namen von Goldschmieden stammen aus dem 13. Jahrhundert. Aus dem Zeitraum zwischen 1225 und 1525 kennen wir nicht weniger als 125 Goldschmiede, 7 Goldschläger, eine Goldspinnerin, 3 Münzer und 2 Gesellen namentlich. Im Hochmittelalter lassen sich in Zürich mehr Goldschmiede nachweisen als in jeder anderen Stadt des oberrheinischen Kulturraumes, etwas mehr sogar als im blühenden bischöflichen Konstanz und den beiden anderen Bischofsstädten Basel und Straßburg.

Überblickt man die aus den Archiven gewonnenen Nachrichten über Zürcher Goldschmiede im Mittelalter, so überrascht einerseits ihre hohe Zahl, andererseits wissen wir, daß die Berufsleute damals sehr beweglich waren und einen regen künstlerischen Austausch mit ihren Kollegen zum Teil bis nach Wien, Frankfurt, Brüssel, Nürnberg und Straßburg pflegten. Zürich darf daher mit Recht als eines der bedeutenden, europäischen Zentren der Goldschmiedekunst der damaligen Zeit genannt werden.

Zürich hat eine lange und ungebrochene Tradition als unabhängige und reiche Stadt. Es gab nie eine Nobilität, aber immer ein wohlhabendes Bürgertum. Die Kirche gehörte bis zur Reformation zu den Auftraggebern der Goldschmiede, danach waren es die an Wohlstand gewinnenden Zünfte und Bürger. Der gepredigte und gesetzlich verankerte Puritanismus der Reformatoren verbot jeglichen zur Schau gestellten Luxus. Silber jedoch war interessanterweise akzeptiert als krisensichere und wertbeständige Kapitalanlage und wurde als sinnvolle Investition eines weitsichtigen Geschäftsmannes angesehen. Das erklärt, warum die Häuser der reichen Bürger außen schlicht gestaltet waren, das Tafelsilber aber nicht zahlreich und schwer genug sein konnte.

Die Reformation hat es mit den Zürchern sehr schwer gehabt. Sie fanden immer wieder Mittel und Wege, die geltenden Bestimmungen zum Luxus zu umgehen. In den Gerichtsarchiven der Stadt finden sich ungezählte Prozesse wegen Übertretung dieser Gesetze. So fuhren reiche Bürger und Bürgerinnen mit Vergnügen nach Baden, wo sie eigens gefertigte, aufwendige Garderoben mit passendem Schmuck spazieren führten. Die Neigung, Reichtum nicht nach außen zur Schau zu stellen, hat sich in Zürich bis heute erhalten. Im Schmuckbereich manifestiert sich dies darin, daß ein Kunde einen kleinen, hochfeinen Edelstein einem größeren, weniger feinen in der Regel vorzieht.

Zürich Bahnhofstrasse

Im Gegensatz zu vielen anderen Prachtstrassen ist die Bahnhofstrasse noch gar nicht so alt. Sie entstand erst mit dem Bau des Bahnhofs Mitte der 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Bis dahin war an dieser Stelle Wasser geflossen - im sogenannten „Froschgraben“! Damals aber wurde sie relativ schnell gebaut, so daß die einheitliche Architektur - abgesehen von ein paar „Bausünden“ - sehr zum eleganten Erscheinungsbild der „Nobelmeile“ Zürichs beiträgt.

Traditionsfirmen wie Beyer und Türler haben hier ihren Sitz. Beide präsentieren sich als Spezialisten im Uhrenbereich. Nebst einem eindrücklichen Sortiment bieten sie aber ihren Kunden noch mehr. Die Chronometrie Beyer ihrerseits hat für ihre interessierten Kunden ein Uhrenmuseum im Untergeschoß des Geschäfts eingerichtet.

Franz Türler seinerseits hat zusammen mit Uhrmachermeister Jörg Spöring und Wissenschafts- und Technikhistoriker Ludwig Oechslin in neunjähriger Arbeit ein uhrmacherisches Meisterwerk geschaffen. Die Türler Uhr, das Modell des Kosmos darf als die letzte, große astronomische Uhr dieses Jahrhunderts bezeichnet werden. Sie verbindet Planetarium, Tellurium, Horizont, Kalender und Globus und zeigt als einzige Uhr die richtige Zeit Zürichs an, nämlich die wahre Sonnenzeit, berechnet auf den Standort Paradeplatz. Seit dem 21. Juni 1995 kann dieses Wunderwerk während der Öffnungszeiten im Eingang der Firma Türler am Paradeplatz frei besichtigt werden.

Die Tradition im Juwelenbereich vertritt die Firma Meister. Bereits in der vierten Generation in Familienbesitz, ist das Geschäft seit 1897 an der Bahnhofstrasse 33 ansässig und damit - meines Wissens - das älteste noch bestehende Schmuckgeschäft Zürichs. Die Meister-Handschrift erkennt man an den außergewöhnlichen Kombinationen feiner Farbsteine, die im Hause selbst in bester Juwelenmanier verarbeitet werden.

Hochwertigen Schmuck bieten aber auch die Firmen Gübelin, Bucherer, Juwelier Gut und Les Ambassadeurs. Gübelin hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr auf Diamanten konzentriert. Bucherer hält das ganz breite Sortiment in allen Preislagen auf mehreren Stockwerken bereit, während sich Les Ambassadeurs als Vertreter internationaler Uhren- und Schmuckmarken etabliert hat. Juwelier Gut hingegen hat den Mut, modernes Schmuckschaffen verschiedenster Künstler an der Bahnhofstrasse zu präsentieren. Die großen internationalen Marken sind mit Cartier, Bulgari und Tiffany vertreten. Antikschmuck findet man bei La Serlas, Harry Hofmann und Lährm (In Gassen).

Klassische Juwelen und moderne Schmuckmarken ist noch nicht alles, was Zürichs Prestigeadresse zu bieten hat. Ausgerechnet hier begann vor etwas mehr als fünfzig Jahren eine neue Ära der Schmuckgeschichte.

Eine neue Ära beginnt

Anfangs der 40er Jahre eröffnete Meinrad Burch-Korrodi sein Geschäft an der Bahnhofstrasse 44. Zusammen mit dem Designer Kurt Aepli revolutionierte er nicht nur das Schmuckdesign, sondern auch die Art und Weise wie Schmuck präsentiert wurde. Vor seiner Zeit war es noch nicht üblich gewesen, Schmuck in Schaufenstern auszustellen. In Europa herrschte Krieg und weite Teile der Schmuckindustrie waren für Jahre lahmgelegt. Nicht so in der Schweiz. Die Kriegsjahre waren zwar entbehrungsreich, aber Kunst und Handwerk konnten sich dennoch weiterentwickeln. Die Konkrete Kunst hatte einen hervorragenden Vertreter in Zürich: Max Bill, gelernter Silberschmied und Plastiker. Seine Theorie der Guten Form beeinflußte das Kunsthandwerk ganz entscheidend. Burch-Korrodi und Aepli nahmen dieses neue Formenverständnis in ihre Arbeit auf und schufen Schmuck, der weit über Zürich hinaus Beachtung fand. Sie waren aber nicht die Einzigen, die damals neue Wege gingen. Max Fröhlich und Antoinette Riklin-Schelbert gehörten auch zu dieser Generation. Frau Riklin-Schelbert eröffnete 1946 als erste Frau in der Schweiz ein Atelier mit Laden in der Zürcher Altstadt. Ihre Arbeiten fielen auf und fanden sehr schnell Anklang bei Schauspielern, Schriftstellern und Architekten. Zürich war zum Mekka modernen Schmuckschaffens geworden.

Das Geschäft von Meinrad Burch-Korrodi existiert übrigens noch heute und wird von Herrn Trudel geführt. Er fühlt sich noch immer dem Vorbild seines berühmten Vorgängers verpflichtet und gestaltet wie dieser schlichten, formschönen Schmuck mit hochfeinen Edelsteinen.

Haute Joaillerie auf Zürcher Art

Zürichs Anziehungskraft auf Goldschmiede mit Mut zur Selbständigkeit war unwiderstehlich und seither haben sich immer neue Generationen von Individualisten aufs Zürcher Parkett gewagt. Mitte der Sechziger Jahre war das Paul Binder. Zuerst an der Strehlgasse und zehn Jahre später an der Storchengasse baute er sich einen treuen Kundenkreis auf, der sich immer wieder von seinen gewagten Kreationen faszinieren läßt. Im persönlichen Gespräch verrät er sein Erfolgsrezept. Originalität und Eigenwilligkeit in Schmuckdesign und Schaufenstergestaltung; und zwar das ganze Jahr über. Tolle Fenster zur Weihnachtszeit allein reichen nicht. Der Kunde soll rund ums Jahr die besondere Atmosphäre eines Geschäftes spüren. Zudem bietet Herr Binder seinen Kunden etwas ganz Besonderes. Bei Einzelstücken fertigt er die Entwürfe jeweils gleich vor den Kunden an, so daß diese den Werdegang ihres Schmuckstücks schon von den ersten Pinselstrichen an mit verfolgen können.

Etwa zeitgleich zu Paul Binders Geschäftseröffnung, fand im Hause Péclard ein Generationenwechsel statt. Das Haus an der Strehlgasse 33 wurde damals vollkommen umgebaut, um eine ideale Kulisse für die technisch anspruchsvoll gefertigten Schmuckstücke abzugeben. Der Stil von Péclard ist unverkennbar. Moderne Juwelen mit charmanten Details, die auch noch nach Jahren gefallen. Die Schaufenster sind stets betont schlicht, aber äußerst raffiniert mit wenigen Elementen dekoriert. Das Haus Péclard schaut auf eine lange Familientradition über mehrere Generationen im Schmuckbereich zurück. Ein berühmter Vorfahre von Philippe F. Péclard ist der Schwäbisch-Gmünder Schmuckfabrikant Hermann Bauer. Er stellte in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts „Renaissance-Bijouterien“ her. Sein Lebenswerk blieb beispielhaft vollständig erhalten. Zusammen mit seiner selbstverfassten Biographie ist es eine der besten Quellen zum Verständnis des damaligen Schmuckgeschehens.

Einige Jahre später eröffnete Gilbert Albert sein Geschäft an der Bahnhofstrasse 10. Als zehnfacher Diamond Award Gewinner ist er seit langem eine internationale Größe. Sein Schmuck wurde rund um den Globus ausgestellt. Eine besondere Ehre widerfuhr ihm, als er 1991 als erster lebender Künstler seit 1917 mit einer Einzelausstellung in den Kreml eingeladen wurde. Seine Geschmeide aus Skarabäen, Muscheln, Kristallen und Meteoriten zusammen mit Perlen und Diamanten sind einzigartige und immer wieder überraschende Kunstwerke.

Zauberhafte Schmuckwelten

Vor dreizehn Jahren machte sich eine jüngere Generation daran, Zürichs Kunden zu erobern. Francine Böhler hatte den Mut, an der Niederdorfstrasse ein Geschäft mit dem Namen „Comme les Millionaires“ (Wie die Millionäre) zu eröffnen und ihren Modeschmuck anzubieten. Sie machte gleich den ganzen Laden zum Schmuckstück. Der Verkaufsraum wird dominiert von einem großen, eisernen Brunnen. Die gleichen Eisenplatten bilden das Schaufenster. Es war das erste Geschäft, in dem Schmuck offen ausgestellt wurde. Dies ermöglichte der zumeist jungen Kundschaft, ohne Schwellenängste den Schmuck direkt kennenzulernen. Francine Böhler macht heute keinen Modeschmuck mehr. Sie ist zusammen mit ihren Kunden aus diesen Anfängen herausgewachsen und verarbeitet heute nur noch edle Materialien.

Sie geht aber nach wie vor eigene Wege, indem sie zusammen mit ihren Geschäftspartnern nicht nur Schmuck, sondern auch Möbel und anderes entwirft. Zudem bietet sie jetzt auch Goldschmiedekurse an. Die Kursteilnehmer haben die Gelegenheit, unter professioneller Aufsicht Schmuck zu gestalten und im Laden selbst zum Abschluß des Kurses eine Ausstellung ihrer Arbeiten zu machen.

Eine ganz andere Welt trifft man bei Franz Marfurt aus Luzern. Er ist seit zehn Jahren am Münsterhof zu Hause. Seine Star Symbols sind kleine, poetische Skulpturen. Schmuckstücke, die sich ums Thema Sterne drehen. Franz Marfurt verbindet die Pracht seines Lieblingssymbols mit kleinen, gewollten Unfertigkeiten in der Metallbearbeitung. So entstehen charaktervolle Einzelstücke, die das Gefühl vermitteln, eine persönliche Widmung des Künstlers in sich zu tragen. Sein Geschäft ist modern, offen und zugänglich. Zugleich wecken die weichen Farben und Strukturen der Wände Erinnerungen an den „Kleinen Prinzen“ von Saint-Exupéry.

Christophe Graber an der Rämistrasse hat sich einer ganz anders gelagerten Ästhetik verschrieben. Seine Liebe gilt der Biologie. Er greift Inspirationen aus der Natur auf und „inszeniert“ damit Schmuck. Wirbelsäulen werden zu Ringen, Seesterne zu Collierschliessen und stilisierte Blattmotive zu prächtigen Ohrgehängen. Seine Kreationen reflektieren sein Gefühl für aktuelle Tendenzen, ohne modisch zu sein. Ungewöhnliche Materialien werden von ihm ungewöhnlich eingesetzt. Horn, Koralle, Perlen und sehr viel Onyx prägen seine aktuelle Kollektion. Wichtig ist ihm das Umfeld seines Schmuckes. Auf die Präsentation und die richtige Ambiance kommt es an. Sein Geschäft ist das perfekte Beispiel. Der hohe Raum ist nur mit dem nötigsten eingerichtet: eigens entworfene Vitrinen, eine lange Theke und eine Sitzbank. Die Materialien sind warm, sensibel ausgesucht und reflektieren behutsam die Formen des Schmucks. Die Balance von Zurückhaltung und barocker Üppigkeit ist Christophe Grabers Spezialgebiet.

Die Reihe der Schmuckzauberer läßt  sich beliebig fortsetzen. Beatrice Rossi an der Weiten Gasse macht moderne Juwelen mit weiblicher Grandezza. Jürg Frech an der Bahnhofstrasse zeigt, wie man den Begriff moderne Juwelen auch verstehen kann. Philippe Pfeiffer hat sich unlängst am Limmatquai ein Reich geschaffen, wo seine Goldschmiedekunst den würdigen Rahmen erhält. Doris Binders Geschäft an der Schlüsselgasse mit seinen patinierten Kupferwänden ist für mich immer einen Umweg wert. Der Kontrast dieser phantastischen, meergrünen Oberfläche zum großflächigen Schmuck ist umwerfend. Auch ihr Nachbar gegenüber, Robert Vogelsang überrascht einen immer von neuem mit großartigen Schmuckschöpfungen. Die allerneueste Bereicherung der Zürcher Schmuckszene ist Georg Hornemann und Majo Fruithofs gemeinsames Geschäft an Zürichs renommierter Adresse In Gassen. Sie haben zusammen einen Traum verwirklicht und ein Ambiente geschaffen, das ohne weiteres auch in New York beeindrucken würde.

Die jungen Wilden

Und bereits ist wieder eine neue Generation daran, den Begriff Schmuck neu zu erfinden. Friends of Carlotta ist ein Projekt der Goldschmiedin Bruna Hauert. Sie stellt humorvolle, zuweilen lustvoll boshafte Schmuckobjekte her, die immer eine Geschichte erzählen. Ihre Lieblingsthemen sind zum Beispiel Zwerge und Zwerginnen (was ihr einen Streit mit einem Nanologen sprich Zwergenhistoriker bescherte, da Zwerginnen wissenschaftlich nicht nachweisbar sind), aber auch Eisbären in Schneekugeln, auf eine Hochzeit verirrte Pinguine, ahnungslose Schweine und Lockenwickler.

Daneben bietet sie in ihrer Atelier-Galerie einer Vielzahl von jungen und junggebliebenen Schmuckschaffenden eine Plattform. Sie hat ein erfrischendes Sortiment von Schmuck in edlen und weniger edlen Materialien ausgestellt und ermuntert jeden Kunden, nach Herzenslust in den Schubladen und Schublädchen zu kramen. Ein wunderbares Schaufenster im doppelten Sinn für die Avantgarde der Schmuckszene.

Varga’s Art am Limmatquai hält für seine Kunden auch ein hautnahes Erlebnis mit Schmuck bereit. Ringe auf einem Tisch, mit Gewichten beschwert erlauben völlig selbständiges Probieren, ohne immer einer Verkaufsperson ausgesetzt zu sein. Der barocke Stil des Schmucks liegt voll im Trend, die Ausführung der Stücke in Silber und Silber vergoldet spricht ein junges Publikum an.

Klare Profile

Ich möchte mich an dieser Stelle bei all denjenigen entschuldigen, die in diesem Bericht nicht genannt werden. Es war im Rahmen dieses Artikels leider unmöglich, allen gerecht zu werden. Im Gegenteil, eine kleine Gruppe soll als Beispiel für die unglaubliche Vielfalt und Qualität in der Zürcher Schmuckszene dienen.

Konkurrenz spornt an. Der Nachbar mit seiner umwerfenden Dekoration inspiriert und setzt die Meßlatte, die es zu übertreffen gilt. In Zürich findet Profilierung im besten Sinn statt. Unternehmer besinnen sich auf die eigenen Stärken und schaffen auf höchstem Niveau eine Welt für sich und ihre Kunden. Sich vom Kollegen klar abzuheben und zu unterscheiden, heißt das Spiel. Ein spannendes Spiel. Die Kunden genießen es.

Mit herzlichen Grüßen aus Zürich

Susan Sagherian


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