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Schmuckszene Paris
(Erschienen im November 1998 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Paris hat im Herbst einen ganz eigenen Charme. Die Nebel liegen noch über der Seine und trotzdem sieht man von der Place de la Concorde aus schon die großartigen Silhouetten des Eiffelturms, der Assemblée Nationale und der Invalides aufsteigen. Unter den sich verfärbenden Blättern der Bäume spaziert man durch den Garten der Tuileries, bevor man links in die Rue de Castiglione einbiegt und auf der Place Vendôme landet, dem Nabel der Welt der hohen Juwelierskunst.  

Die Meisterliga der Juweliere

Tritt man aus dem Haupteingang des Hotel Ritz heraus, hat man gleichsam wie auf einer Bühne die großen Namen der „Haute Joaillerie“ vor sich. Am Eingang zur Rue de la Paix stehen sich Alexandre Reza und Boucheron gegenüber. Neben Boucheron paradiert man unter anderem an Van Cleef & Arpels, Nina Ricci, Mauboussin, Chanel, Piaget, Chaumet, Bulgari, Repossi, Mikimoto und Gianmaria Buccellati vorbei. Auf der gegenüberliegenden Seite ist Cartier vertreten, und in Kürze wird Fred sein neues Geschäft eröffnen.

 

Teil einer Artikelreihe über die Schmuckszenen bedeutender Städte. Weitere Artikel aus dieser Reihe:

- Amsterdam
- Barcelona
- Florenz
- Helsinki
- London
- München
- New York
- Paris
- Zürich

 


Wenn man nun in Richtung Oper geht, ist man sofort auf der Rue de la Paix. Hier waren um die Jahrhundertwende die exklusivsten Schmuck- und Modehäuser von Paris versammelt. Eine der geschichtsträchtigsten Adressen ist die Nummer 9. Hier hat Mellerio sein Geschäft. Es handelt sich dabei um eine der ältesten Firmen der Welt, die noch immer im Besitz der Familie sind. Mellerio besteht seit 375 Jahren. Auch die Nummer 13 ist eine berühmte Adresse. Cartier hat hier seit 1899 seinen Hauptsitz. Die Nummer 7 beherbergt Jean Dinh Van, der sich schon früh mit seinem Schmuck auf die Grundformen beschränkte. Kreis und Viereck sind die Basis seiner Kreationen, die als moderne Klassiker gelten. An der Nummer 1 hat Poiray seinen Sitz. Das Unternehmen steht für Jugendlichkeit und modernen, entspannten Luxus. Zum Markenzeichen des Hauses wurde das Herz, das an Motive der Popart erinnert und an bunten Seidenkordeln um den Hals getragen wird.

Die klassische Eleganz der Place Vendôme ist ein Sinnbild für das französische Schmuckschaffen. Viele der anwesenden Juweliere bestehen schon seit Generationen und haben Schmuckgeschichte geschrieben. Die Reichsten und Mächtigsten gehören noch heute zu ihren Kunden. Soviel Tradition und Renommee verpflichtet. Die Juweliere gehen durchaus mit der Zeit und lassen sich von zeitgenössischen Tendenzen beeinflussen. Sie vergessen darüber aber nie, der großen Tradition der Handwerkskunst mit ihren neuen Schöpfungen Referenz zu erweisen.

Hier wurde Schmuckgeschichte geschrieben

Die Schmuckgeschichte von Paris erzählen zu wollen, würde den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen, denn über lange Zeiträume hinweg hat Paris das Schmuckgeschehen weltweit dominiert. Unter welchem Gesichtspunkt man die Geschichte der Juweliere von Paris auch betrachten mag, ob Kreativität, Prestige oder weltweite Bedeutung, man spricht immer von Superlativen. Die mächtigsten und reichsten, berühmtesten und skandalträchtigsten Kunden und Kundinnen aus aller Welt gaben sich seit jeher ein Stelldichein bei den Juwelieren in Paris. Das Paris der Künstler und Kunsthandwerker, Modehäuser und Parfümeure vibrierte zu Anfang des Jahrhunderts wie keine andere Stadt. Diese Atmosphäre war Nährboden für neue und revolutionäre Kunst- und Stilrichtungen, wovon gerade der Schmuck stark beeinflußt wurde. Jugendstil und Art Déco entstanden, und die bedeutendsten Schmuckstücke jener Epochen wurden von Pariser Juwelieren gefertigt.

Einige der Namen, die eine treibende Kraft der Erneuerung waren, gibt es heute nicht mehr. Zum Beispiel die Häuser Fouquet und Vever, die exzellente Meisterwerke des Jugendstils schufen. Andere hingegen sind heute zu internationalen Grosskonzernen geworden mit Niederlassungen rund um den Globus. Es ist interessant zu sehen, welche Strategien die Firmen anwenden, um der sich wandelnden Gesellschaft gerecht zu werden und ihre Imperien in ein weiteres Jahrhundert hinein zu führen. An einigen Beispielen soll dieser Weg nachgezeichnet werden.

Vom Schmuckgeschäft zur Schmuckmarke

Im vergangenen Jahr feierte Cartier sein 150jähriges Jubiläum unter anderem mit einer großartigen Ausstellung mit Werken von 1900 – 1930 und einer Jubiläumskollektion. 1847 hatte sich Louis-François Cartier selbständig gemacht und eröffnete ein Geschäft für Schmuck und Objets d’Art. 1899 zog das Geschäft in die Rue de la Paix Nr. 13, die prestigeträchtigste Straße von Paris, an der alle großen Schmuck- und Modehäuser vertreten waren. Zu diesem Zeitpunkt zählte Cartier bereits alle großen Namen der Zeit zu seinen Kunden, denn sowohl Louis-François, als auch sein Sohn Alfred verstanden es, die einflußreichsten Kreise anzusprechen. 1902 wird die Filiale in London an der New Bond Street eröffnet, rechtzeitig um alle Aufträge der Adeligen zur Krönung von Edward VII zu erfüllen. Edward VII soll es gewesen sein, der Cartier „Juwelier der Könige, König der Juweliere“ nannte und das Haus ermunterte, in London einen Sitz zu eröffnen. 1909 wird dann das dritte Cartiergeschäft in New York an der Fifth Avenue eröffnet. Bis 1962 bestand Cartier aus diesen drei unabhängigen Geschäften mit unabhängigen Ateliers und Designern.

Danach fiel das Unternehmen auseinander, um erst im Jahre 1979 als Cartier Monde wiederaufzuerstehen. In der Zwischenzeit war allerdings viel passiert. Robert Hocq und Alain Dominique Perrin hatten zusammen im Jahre 1974 das Konzept „Les Must de Cartier“ lanciert, das Cartier einer jungen Generation öffnen sollte. Uhren, Lederwaren, Feuerzeuge, Schreibwaren und Parfums sind seither unter diesem Namen auf dem Markt. Damit war der Grundstein für das weltweite Cartier-Imperium als bestbekannte Schmuck- und Uhrenmarke gelegt.

Cartier’s Erfolg kommt nicht von ungefähr. Immer war das Unternehmen ganz nah an den Strömungen der Zeit. Gleichzeitig baute es unermüdlich am Mythos Cartier mit der Erstellung eines umfangreichen Archivs und Rückkäufen von historischen Stücken. Vor kurzem hat Cartier den ewigen Klassiker, den „Trinité“-Ring – 1924 für den Schriftsteller Jean Cocteau von Louis Cartier entworfen - mit einem ganz neuen Werbekonzept versehen. Cartier reagierte damit auf den Imageverlust, den das Produkt durch die unzähligen Nachahmungen auf dem Markt erfahren hat. Die neue Werbekampagne spricht junge Leute an und zeigt auf humorvolle und sinnliche Art die Symbolkraft dieses Ringes.

Napoleons Hausjuwelier

Die Geschichte des Hauses Chaumet liest sich nicht weniger prestigeträchtig. Der Stern von Chaumet begann gleichzeitig mit demjenigen von Napoleon aufzugehen. Marie-Etienne Nitot, dem Gründer des Hauses gelang es, dem Mythos Napoleons mit seinen Schmuckstücken Glanz zu verleihen. Anläßlich der Inthronisierung von Napoleon im Jahre 1802 wurde Nitot dann beauftragt, die Kronjuwelen anzufertigen, unter Verwendung des berühmten „Regent“-Diamanten. Die Brüder Fossin übernahmen das Geschäft von Nitot und setzten dessen Arbeit fort, indem sie Schmuck und Luxusobjekte für die Königshäuser der ganzen Welt fertigten. Von den Brüdern Fossin ging das Geschäft auf den Werkstattchef Morel über, der in London ansässig wurde und zum Hoflieferant von Königin Viktoria avancierte. Seit 1907 hat das Haus seinen Sitz an der 12, place Vendôme. Vom Schwiegersohn von Morel erhielt das Unternehmen seinen heutigen Namen: Chaumet.

Chaumet hat es bis heute verstanden, mit zeitgemäßen und glamourösen Kreationen immer wieder neue Generationen anzusprechen. Mit großem Werbeaufwand gelang es Chaumet gerade in den vergangenen zwei Jahren, sich als aktives und junges Unternehmen darzustellen. Chaumet hat an der Place Vendôme im Unterschied zu anderen Häusern eine vorwiegend Französische Kundschaft. Dieser Umstand ist deshalb erwähnenswert, weil die Französinnen und vor allem Pariserinnen wiedererkennbare Markenprodukte als nicht sehr geschmackvoll ansehen. Jede Pariserin, die etwas auf sich hält, würde lieber auf eine Uhr verzichten als eine Rolex zu tragen, und eine Plastiktüte einer Louis Vuitton Tasche eindeutig vorziehen. Bei Chaumet werden sie hingegen zu Wiederholungstäterinnen und kaufen oft mehr als ein Stück.

Mademoiselle Chanel – Eine Legende wird zu Schmuck

Coco Chanel schaffte es, während ihrer langen Schaffenszeit, immer wieder zu überraschen. Nachdem es ihr gelungen war, in den 20er Jahren den Modeschmuck salonfähig zu machen, war es ausgerechnet sie, die im Jahre 1932 einem kleinen exquisiten Kreis in ihrem Privathaus eine eigene Schmuckkollektion präsentierte. Sie war bekannt dafür, daß sie echten Juwelenschmuck als geschmacklos und ostentativ ablehnte. Daher erstaunte sie ihre Besucher um so mehr mit ihren Diamantkreationen. Befragt nach ihrem Sinneswandel, antwortete sie, daß echter Schmuck in Zeiten des Überflusses ein Zeichen von Arroganz sei, während in Zeiten einer Depression Diamanten eine sinnvolle Investition darstellten.

Zusammen mit ihrem Lebenspartner, dem Designer Paul Iribe, hatte Chanel eine Kollektion entworfen, die auf drei Hauptthemen basierte: Knoten, Sterne und Federn. Motive, die im 18. Jahrhundert und vor der Jahrhundertwende aktuell gewesen waren. Die Schmuckstücke hatten keine Verschlüsse und konnten auf verschiedenste Weise getragen werden. Präsentiert wurde der Schmuck wurde an lebensgroßen Wachspuppen auf schwarzen Marmorsockeln, von der jede einen anderen Gesichtsausdruck hatte. Die Puppen trugen opulente Pelzmäntel, die von Diamantbroschen zusammengehalten wurden. Diese Kollektion blieb der einzige Ausflug von Mademoiselle in die Welt der Haute Joaillerie.

Seit vier Jahren tritt das Haus Chanel als Juwelier auf. Basierend auf der Ausstellung von 1932, dem reichen Erbe an Schmuck und Edelsteinen von Coco Chanel und der berühmten Vergangenheit der Schöpferin, wurde eine Schmuckkollektion zusammengestellt. Extravagante Einzelstücke sind darin genauso vertreten wie durchaus erschwingliche Schmuckstücke, die berühmte Chanelmotive, z.Bsp. die Kamelie darstellen. Seit wenigen Monaten ist das Haus an der Place Vendôme mit einer überaus eleganten Boutique vertreten. Obwohl Chanel Joaillerie erst seit vier Jahren besteht, hat es mit seinen Kreationen bereits die Welt erobert. Zeichen dafür waren die vielen „Nachempfindungen“ von Chanel-Klassikern auf der Basler Messe im Frühling.

Joaillier mit einem Schuß Zen

Fred Joaillier ist seit 1936 an der Rue Royale ansässig. Den heutigen Look erhielt das Haus aber erst, als es von der Französischen Luxusgruppe LVMH gekauft wurde. Heute präsentiert sich Fred mit einem ganz eigenen Konzept. Die Fenster reichen vom Fußboden bis zur Decke. Die freigelegten Wände des uralten Hauses in warmem Beigeton kontrastieren mit organisch anmutenden Eisen-Glas-Skulpturen. Kleine, freistehende Vitrinen zeigen jeweils nur wenige Schmuckstücke. Die Räume strahlen trotz der Hektik auf der breiten Rue Royale Ruhe und Authentizität aus. Der Schmuck ist modern und eigensinnig, verleugnet aber nie die Tradition. Die Stücke sind angenehm schwer und erinnern so die Trägerin daran, daß sie etwas Besonderes trägt. Mit dem neuen Geschäft an der Place Vendôme wird sich Fred endgültig in die Reihe der ganz Großen stellen. Hoffentlich gelingt es, die besondere Atmosphäre ihres bisherigen Hauptsitzes hierher zu tragen.

Zauberer der Farben

René Lalique war unbestritten einer der maßgeblichsten Künstler des Jugendstils. Technische Meisterschaft, grenzenlose Neugier für Neues, die Liebe zur Natur und ein überragendes, künstlerisches Talent vereinten sich in seiner Person. Seine Meisterwerke berühren heute nicht weniger als damals. Ihre Kraft und Poesie bleibt ungebrochen. Er begann 1882 als Schmuckzeichner für die großen Juweliere, bevor er sich 1886 selbständig macht. Seine Werke fanden sofort ihre Käufer und Sarah Bernhardt gehörte fortan zu seinen treusten Kundinnen. Die Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 wurde zu einem Triumph für den Schmuckkünstler Lalique. Seine überragende Bedeutung für den Jugendstil wurde schon damals anerkannt und seine Schmuckstücke wurden von Sammlern, Schmuckliebhabern und Museen gleichermaßen gekauft.

Soviel Erfolg provozierte die Nachahmer, die Laliques poetische Kunstwerke skrupellos kopierten. Der Künstler war über diese „Karikaturen“ so verärgert, daß er nach einer Gesamtausstellung seines Schmuckschaffens im Jahre 1912 beschloß, keinen weiteren Schmuck mehr zu fertigen. Fortan widmete er sich voll und ganz seinen Glasobjekten.

Seit 1936 ist das Haus Lalique an der 11, rue Royale ansässig. Hier werden noch heute die Glasobjekte präsentiert. Mittlerweile wird auch wieder Schmuck produziert. Farbenfrohe Schöpfungen aus Glas, zum Teil mit glatten Oberflächen, zum Teil mit modellierten Oberflächen im typischen Lalique-Stil.

Individuelles Schmuckschaffen

Man fragt sich zu Recht, ob denn die Zahl der gewichtigen Namen in Paris junges, unabhängiges Schmuckschaffen überhaupt zulässt. Die Antwort ist ja. Zwei Beispiele präsentieren sich ausgerechnet an der noblen Rue Saint Honoré, bzw. an deren Verlängerung, der Rue du Faubourg Saint Honoré. Als Nachbarin der berühmtesten Couturehäuser von Paris hat sich Christina Richard niedergelassen. Sie ist bekannt für ihre schlichten Ringe, in deren sich öffnender Ringschiene Perlen, Diamanten und Farbsteine eingeklemmt sind. Ganz in der Nähe der Place Vendôme hat vor kurzem Patrice Fabre sein neues Geschäft eröffnet. Er hat sich einen Namen geschaffen mit Schmuck, der Gold und Diamanten mit Beton verbindet. Mit einem von ihm geschaffenen Spiralcollier gewann er den Diamond International Award. Seine Schöpfungen verbinden ungewöhnliche Techniken mit dem Gefühl für tragbaren Schmuck der besonderen Art.

Schmuck von Heute

Wer Lust hat, mit der Juwelentradition zu brechen, muss weit gehen in Paris. Bruno Livrelli präsentiert in seiner kleinen, feinen Galerie Aurus ein Kontrastprogramm von Niessing, Michael Zobel und Michael Good. Ganz in der Nähe des Centre Pompidou gelegen, bietet er den interessierten Parisern Schmuck der ganz anderen Art. Bruno Livrelli leistet mit seiner Galerie viel Aufklärungsarbeit. Der Durchschnittskunde in Frankreich ist sich gewöhnt, Gold zum Grammpreis einzukaufen. Dass Schmuck darüber hinaus einen künstlerischen Wert haben könnte, leuchtet vielen nicht auf Anhieb ein.

Die Lieblingsadresse der Pariser ist zur Zeit ganz eindeutig „Colette“. Das kleine „Warenhaus“ an der Rue Saint Honoré wartet mit der totalen Avantgarde auf. Mode, Einrichtung, Bücher und auch Schmuck gehören immer zum Allerneusten. Das ganze Haus präsentiert sich sehr „unpariserisch“ im „Minimalstil“ und einem Café im Untergeschoss. Der Schmuck kommt zum Beispiel von „La Molla“. Der Modedesigner Issey Miyake machte die Kreationen der Italienerin Tiziana Redavid zum Renner der Saison. Ihre Armbänder aus Stahlfedern gingen als absolutes „Muss“ diesen Sommer um die Welt.

Mekka für Sammler und Jäger

Paris ist für Antiquitätenhändler mehmals pro Jahr ein obligatorisches Reiseziel. Das Gleiche gilt Liebhaber von antikem Schmuck. Eine Vielzahl von Auktionshäusern, Händlern und kleinen, uralten Geschäften bietet Schmuckantiquitäten an. Originale der grossen Häuser werden ebenso wie charmante Einzelstücke ohne besondere Herkunft gehandelt. Die Rue Saint Honoré bietet Einiges an Auswahl. Genauso die Händler um die Rue Drouot und das Palais Royal.

Fantasie für wenig Geld

„Bijoux fantaisie“ nennen die Franzosen den Modeschmuck. Davon herrscht ein reiches Angebot in Paris. Die Couturehäuser sind berühmt für ihre gewagten Kreationen, allen voran Yves Saint Laurent, Christian Lacroix und Dior. Besuche lohnen sich aber auch bei Agatha und Biche de Bere. Traumhafte Objekte findet man bei Daniel Swarovski. Zarte Abendtäschchen und glamouröser Schmuck sind Spezialitäten des Hauses.

„Paris ist aus Intelligenz und Charme gemacht“

Befragt man jemanden in Paris nach seiner Meinung, was die Anziehungskraft von Paris ausmacht, wird der Blick des Gegenübers meistens träumerisch und nachdenklich. Nach einer Weile der gedankenvollen Versunkenheit, erhält man Antworten wie Schönheit, Kultur, Architektur oder Kreativität. Paris ist ein Lebensgefühl, getragen von Visionen für die Zukunft und dem Stolz auf die strahlende Vergangenheit. Keinem echten Pariser würde es jemals in den Sinn kommen, es könnte eine kreativere und einflussreichere Stadt als Paris geben. Dieses Selbstbewusstsein mag für Aussenstehende befremdend wirken. Tatsache ist jedoch, dass Paris im Bereich der Luxusgüter weltweit eine Spitzenstellung inne hat. Tatsache ist aber auch, dass bis vor kurzer Zeit viele berühmte Namen mit rapide schwindenden Kundenzahlen und einem veralteten Image kämpften.

Die Firmen reagierten schnell. Sie holten sich junge Designer und überholten ihre Sortimente komplett. Sie veränderten ihre Kommunikationsstrategie und tauchten mit einem ganz neuen Image auf. Sie sind daran, neue Ladenkonzepte zu studieren, um den Kunden die Schwellenängste zu nehmen. In den ehrwürdigen Häusern um die Place Vendôme bewachen noch immer die Türsteher den Eingang eines Juweliers. Auf der anderen Seite der Seine entsteht jedoch zur Zeit ein ganz neues Einkaufsgefühl. In den Strassen um St-Germain des Prés lassen sich in rasendem Tempo die grossen Marken nieder. Kleine Boutiquen bedienen Kunden mit Luxusartikeln auf ganz entspannte Weise. Es herrscht eine lockere, lebensfrohe, urpariserische Atmosphäre. Die Demokratisierung des Luxus bedeutet für die traditionellen Firmen, zu ihren Kunden in deren Quartier zu gehen und sie ganz persönlich anzusprechen.

Ein weiterer Schritt, auf die Kunden zuzugehen, ist die Ausstellung „Joaillerie“, die in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet. Auf dieser Show präsentieren sich die Juweliere der Place Vendôme, der Rue de la Paix, aber auch Galerien wie Galerie Aurus dem Publikum. Sie wollen damit Wünsche für Weihnachten wecken. Sie wollen aber auch den Konsumenten die Gelegenheit geben, ohne Schwellenängste etwas anzuprobieren oder Fragen zu stellen. Die Ausstellung findet vom 20. – 23. November 1998 im Hotel Dassault auf den Champs Elysées statt.

Paris ist eine faszinierende Stadt. Der Besucher ist bezaubert von ihrer Schönheit, Kultur und Grandezza. Man ärgert sich über die Arroganz und Unfreundlichkeit der Pariser und schwört sich, nie mehr zu kommen. Tut’s dann aber trotzdem. Wer langfristig Erfolg haben möchte im gehobenen Schmuckbereich, tut gut daran, das Beispiel der Pariser Juweliere eingehend zu studieren. Sie sind schon sehr lange da und das hat seine guten Gründe.

Mit freundlichen Grüssen aus Paris

Susan Sagherian


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