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Schmuckszene New York
(Erschienen im Februar 1999 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

New York hat viele Namen. „Big Apple“, Metropolis, „the city that never sleeps“. Sie ist der Archetyp aller Städte, ein faszinierender Moloch, die glitzernde Verheissung von unermesslichem Reichtum oder gnadenlosem Untergang. Wer in New York ankommt, den befällt eine leichte Gänsehaut. Alles ist möglich in dieser Stadt.

Erste Adresse Amerikas

New York ist ein erstaunlicher Marktplatz. Allein die Grösse lässt einen schwindlig werden. 7.3 Millionen Menschen leben in New York City. 18 Millionen sind es, wenn man die umliegende Agglomeration mit einbezieht. 32 Millionen Besucher verzeichneten zudem die Touristenbehörden im Jahre 1997. Angezogen wird dieser Strom von Reisenden von dem grenzenlosen Angebot an Museen, Theatern, Restaurants und den unerschöpflichen Shoppingmöglichkeiten. Gleichzeitig ist New York international eines der wichtigen Zentren in den Bereichen Finanz, Mode, Werbung und Kunsthandel.

 

Teil einer Artikelreihe über die Schmuckszenen bedeutender Städte. Weitere Artikel aus dieser Reihe:

- Amsterdam
- Barcelona
- Florenz
- Helsinki
- London
- München
- New York
- Paris
- Zürich

 


New York ist eine Stadt der Einwanderer. Bunt zusammengewürfelt leben hier Menschen aus der ganzen Welt, die gemeinsam eine neue, urbane Lebensart kreieren. Seit jeher ist die riesige Stadt Anziehungspunkt für besonders Begabte, unbequeme Querdenker und fleissige Erfolgsträumer gewesen. Denn hier erhalten alle die Chance, sich in der Anonymität der Grossstadt selbst zu erfinden und Erfolg zu haben. Und wer es hier schafft, der schafft es überall.

Hip and cool

Seien wir ehrlich, wenn wir Europäer über Amerikanischen Geschmack reden, dann geht es meistens um gross, bunt und auffallend. Dieses Klischee ist 1999 mehr als überholt. New Yorker und New Yorkerinnen fallen schon auf der Strasse durch ihren unglaublichen Chic auf. Von Kopf bis Fuss in edlem, minimalistischem Look gestylt und den neusten Accessoires geschmückt, rauschen sie im typischen New Yorker Eilzugstempo an einem vorbei. Niemand gibt in Amerika mehr Geld aus als die Bewohner von New Jersey und New York und gemäss einer Umfrage ist ihre beliebteste Freizeitbeschäftigung Modeshopping.

Wer so modebewusst ist, sucht auch mit viel Sorgfalt seinen Schmuck aus. New York’s Kunden und Kundinnen wissen heute sehr gut Bescheid in Schmuckdingen. Sie informieren sich über die neusten Trends, sie kennen sich aus bei Edelsteinen und wissen Bescheid, worauf man bei der Qualität eines Schmuckstücks achten muss. Viele der Kundinnen im mittleren und höheren Preisbereich kaufen Schmuck selbst ein, reisen zudem viel und regelmässig und können daher das Schmuckangebot auf internationaler Ebene vergleichen.

Dazu gibt es eine Reihe weiterer, guter Nachrichten für den Schmuckhandel in New York. Hier findet der ernsthafte Schmuckkunde oder -sammler das grösste und vielseitigste Angebot ganz Amerikas. Das hat zur Folge, dass überdurchschnittlich viele „grössere“ Schmuckkäufe in New York getätigt werden. Auch die Entwicklung in der Mode arbeitet für die Schmuckwelt. Nach einer Zeit der kompletten Schmuckabstinenz im Zuge des „Grunge Looks“ anfangs der Neunziger Jahre, gehört Schmuck seit etwa zwei Jahren wieder zur Garderobe. Heute ist es soweit, dass die New Yorker Kundinnen eher auf einen grossen Urlaub verzichten, als auf den Schmuck, auf den sie ein Auge geworfen haben. Es geht aber noch weiter. Was das Kunstsammeln in den Achtziger Jahren war, ist heute das Sammeln von Mode - sprich Haute Couture - und Schmuck! Um es mit den Worten eines New Yorkers auszudrücken: Schmuck ist hip and cool.

Preiskampf Kontra Exklusivität

Wenn man die New Yorker Schmuckszene beobachtet, erhält man einen Eindruck davon, in welche Richtung sich der Schmuckeinzelhandel in Europa dereinst auch bewegen könnte. Es lassen sich zur Zeit vor allem zwei klar definierte Richtungen erkennen. Kommerzieller Massenschmuck und Diamanten werden in New York an Orten wie der 47th Street verkauft. Das Zentrum des New Yorker Diamanthandels ist gleichzeitig ein riesiger Schmuckmarkt, wo Konsumenten direkt einkaufen können. Auf der Länge eines Häuserblocks reihen sich die Händler aneinander und versuchen, sich gegenseitig die Kunden vor der Nase wegzulocken. Es geht dabei nur noch um den Preis. Der Konsument kann die Angebote beliebig vergleichen und kauft da, wo es am billigsten ist.

Die andere Richtung heisst Exklusivität. Schmuck wird als Namens- oder Markenprodukt in eigenen Boutiquen oder Corners verkauft. Die Palette reicht von Juwelenstücken über Silberschmuck bis zum von Künstlerhand gestalteten Modeschmuck. Die Konsumenten suchen hohe Qualität in Verarbeitung und Materialien und eigenständiges Design. Sie kaufen Schmuck als Ausdruck ihrer Persönlichkeit und Individualität. Wer wahrhaft exklusiv sein möchte, der lässt sich seinen Schmuck von einem der bekannten Schmuckdesigner anfertigen oder folgt dem Beispiel vieler VIP’s und kauft antiken Schmuck.

New Yorker Erfolgsstories

New York hat zwei Juweliere hervorgebracht, die international tätig und weltberühmt sind. Tiffany, der in seinen berühmten blauen Verpackungen alles anzubieten hat, was das luxuriöse Herz begehren könnte und Harry Winston, der die wertvollsten Edelsteine dieser Welt in Juwelenschmuck verwandelt und damit die Hollywoodstars schmückt.

Tiffany ist eine Legende und das nicht erst seit Holly Golightly im Film „Breakfast at Tiffany’s“ im Jahre 1961. Charles Lewis Tiffany gründete das Unternehmen 1837 zusammen mit seinem Partner John B. Young mit der Eröffnung eines Geschäfts für Papeterie und Geschenkartikel. 1851 begann Tiffany eine exklusive Zusammenarbeit mit dem damals berühmtesten New Yorker Silberschmieden John C. Moore und legte damit den Grundstein für das bis heute andauernde Silbergeschäft des Hauses. Tiffany arbeitete von Anfang an als Erster in Amerika mit der in England verwendeten Silberlegierung 925/1000, die später zum United States Sterling Standard wurde. Zusammen mit Auszeichnungen für seine Silberkollektionen auf den Pariser Weltausstellungen gewann Tiffany auch viele Königshäuser als Kunden und konnte so sein Unternehmen auf internationaler Ebene weiter ausbauen.

Tiffany schuf sich aber auch im Schmuckbereich einen Namen. Das Haus begann sehr früh mit Designern im Silberbereich zu arbeiten und betrieb sogar eine eigene Designschule. Auch Gemmologen gehören schon seit über hundert Jahren zum Team. Aus dieser Konstellation gingen einige Innovationen hervor. Ein Beispiel dafür ist der bekannte Tiffany-Solitär mit seinen sechs Griffen, der 1886 erstmals auf den Markt kam. Bis heute sind berühmte Designernamen mit Tiffany verbunden. Jean Schlumberger bezauberte und inspirierte in den Fünfziger und Sechziger Jahren die ganze Welt mit seinen Juwelenkreationen. Elsa Perettis sinnliche Naturformen und Paloma Picassos farbenfrohe Kollektion prägen das heutige Sortiment Tiffany’s und werden international in über 100 Geschäften verkauft.

Edelsteine waren schon immer eine Leidenschaft des Hauses. Im Jahre 1848 kaufte Tiffany an einer Auktion bedeutende Teile der Französischen Kronjuwelen und bekam von der Presse den Übernamen „Charles Tiffany, König der Diamanten“. Seltene Edelsteine wie der berühmte gelbe Tiffany-Diamant von 128.54ct trugen genauso wie die beiden Neuentdeckungen Tansanit und Tsavorit zur Berühmtheit Tiffany’s bei.

Audrey Hepburn vor den Schaufenstern Tiffany’s wird uns genauso unvergesslich bleiben wie Marylin Monroes Lied „Diamonds are a girls best friend“, in dem Harry Winston als Diamantspezialist besungen wird. Harry Winston ist seit 1932 an der Fifth Avenue No.718 ansässig. Das Motto des Hauses heisst „Seltene Juwelen dieser Welt“ und so präsentieren sich auch die Produkte des Hauses. Weltberühmte Diamanten sind durch die Hände der Winstons gegangen. Der blaue Hope zum Beispiel oder der Diamanttropfen, mit dem Richard Burton Elizabeth Taylor beschenkte (obwohl dieser von Cartier verkauft wurde, war er zuvor von Winston geschliffen worden).

Wie andere Topjuweliere kämpft auch Harry Winston heute um eine breitere Kundenbasis. Die Liste der prominenten Kunden und die burgartige Fassade des Geschäftes flössen zwar Ehrfurcht ein, animieren aber nicht eben zum Spontankauf. Ein neues Kommunikationskonzept soll nun den Kontakt mit Harry Winston auf eine lockerere Ebene herunterbringen und die Schranken der Exklusivität lockern. Auch in Zukunft sollen nur überdurchschnittlich zahlungskräftige Kunden angesprochen werden, die das Seltene und Klassische suchen. Sie sollen dies aber in einer zeitgemässeren und freundlicheren Atmosphäre tun können.

Fifth Avenue

Die Fifth Avenue ist Sitz für eine ganze Reihe weiterer, internationaler Schmuckgrössen. Nummer 653 ist seit dem Jahre 1917 Sitz von Cartier. Pierre Cartier hatte das Haus von dem Bankier Morton F. Plant auf eher ungewöhnliche Weise erworben. Plant’s Frau Mae hatte schon seit längerem ein Auge auf eine doppelrangige Perlenkette im Wert einer Million Dollar bei Cartier geworfen, welche dann im Tausch gegen den Palazzo im Renaissancestil in den Besitz der Familie Plant wechselte. Pierre Cartier war schon 1907 nach New York gekommen, um die reichen, Amerikanischen Kunden des Pariser Starjuweliers besser bedienen zu können.

Andere internationale Topnamen wie Asprey & Garrard, das Englische Traditionshaus, Mikimoto, die Japanische Zuchtperlenlegende und H. Stern sind mit ihren neusten – und überraschend trendigen - Kollektionen vertreten. Bulgari und Van Cleef & Arpels tragen ebenfalls zum internationalen Schmuckflair der Fifth Avenue bei. Das ist aber noch nicht alles, was den Schmuckinteressierten an dieser Einkaufsmeile erwartet. Die grossen, New Yorker Warenhäuser haben ihrerseits ein beachtliches Schmucksortiment anzubieten.

Schaufenster der Schmuckwelt

Jedes Warenhaus kann mit einer mehr oder weniger grossen Schmuckabteilung aufwarten. Besonders vielfältige Kollektionen bieten Saks Fifth Avenue und Bergdorf Goodman an.

Saks Fifth Avenue hat im Erdgeschoss eine erstaunliche Bandbreite von Schmuckkollektionen im Sortiment. Die Trendsetter Italiens, wie Antonioni, Pasquale Bruni, La Nouvelle Bague, K di Kuore, Rinaldo Gavello etc. sind vollständig mit ihren neusten Kollektionen vertreten. Daneben ist die Amerikanische Elite mit David Yurman, Robert Lee Morris und Barry Kieselstein-Cord zu sehen. Elizabeth Rand zeigt ihre zauberhafte Kollektion. Ihre perfekt gearbeiteten Schmuckstücke sind mit erstklassigen Farbsteinen (wie mir gesagt wurde, alle aus Idar-Oberstein) gefasst und sehen aus, wie wenn sie direkt einer Märchenwelt entstammen würden.

Das offene Raumkonzept bei Saks erlaubt kaum einem Kunden, in Musse ein Schmuckstück zu probieren, ohne ab und zu von einem anderen vorbeirauschenden Kunden einen Ellbogen im Kreuz einzufangen. Das aktuelle und trendorientierte Angebot ist jedoch allemal ein Besuch wert.

Die Atmosphäre bei Berdorf Goodman ist ganz anders. Sobald man die Schmuckabteilung betritt, versinkt man in weichen Teppichen. Viele Schmuckkollektionen werden in eigenen Nischen präsentiert. Der Rahmen ist kleiner und intimer. Gleich am Eingang stehen sich zwei sehr bekannte Amerikanische Namen gegenüber.

Linkerhand findet man die Kollektion von Angela Cummings. Nachdem sie siebzehn Jahre für Tiffany gearbeitet hatte, wagte sie 1983 den Schritt in die Unabhängigkeit. Ihre künstlerische Handschrift offenbart sich in jedem Schmuckstück. Ihre Kreationen atmen Weiblichkeit, Schönheit und sind aller Leichtigkeit zum Trotz, technisch höchst anspruchsvolle Schöpfungen. Besonders verblüffend sind ihre Einlegearbeiten. Auf gewölbten oder unregelmässigen Flächen werden verschiedenste Schmucksteine in komplexen Mustern eingelegt. Oft sind die Steine reliefartig gestaltet und erzeugen erstaunliche Effekte, wie z. Bsp. ein Korbgeflecht oder ein Knoten.

Rechterhand befindet sich der Raum von Barry Kieselstein-Cord. Seine Schöpfungen, so meint man, entspringen direkt aus einer mittelalterlichen Welt von Fabeltieren. Seine bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Tierfiguren erhalten durch das von ihm verwendete, matte Grüngold einen ganz eigenen Charakter. Seine Schmuckstücke sind eigentlich Miniaturskulpturen, die man am Körper tragen kann. Barry Kieselstein-Cord kann auf eine illustre Fangemeinde verweisen. Die Liste seiner VIP-Kunden lässt auf jeden Fall kaum einen Star aus der Film- oder Musikszene aus.

Daneben bietet Bergdorf Goodman eine ganze Reihe weiterer Kollektionen. Da ist zum Beispiel Angela Pintaldi mit ihren grossflächigen, der Natur scheinbar direkt entsprungenen Kreationen, die aber eine ungeheure Aura entfalten. Temple St. Clair Carr’s phantastische, von antiken Vorbildern inspirierte Schmuckstücke sind etwas für Personen mit starker Persönlichkeit. Tamara Comolli‘s „Always Diamonds“-Kollektion und Tropfenringe haben südländischen Charme und bestechen durch das durchdachte Design.

New York’s Trendküche

Soho ist da, wo Mode und Kunst aufeinander treffen und die neusten Trends entstehen. In den Sechziger Jahren war dieses Industriequartier bereits zum Abbruch bestimmt und konnte nur dank des Protests der dort lebenden Künstler gerettet werden. Heute ist Soho der Ort, wo Kunstgaleristen, Graphiker, Modedesigner und Schallplattenfirmen ihre Firmensitze haben. Wer etwas auf sich hält und es sich leisten kann, wohnt in einem der riesigen „lofts“ in Soho. Der Charme der alten Industriegebäude mit ihren gusseisernen Abdeckungen und der gepflasterten Gehsteige ist unwiderstehlich und erinnert an unzählige Filme, die im New York der Jahrhundertwende spielen.

Kein Wunder, dass in dieser inspirierenden Gegend auch interessanter Schmuck entsteht. An der Ecke von West Broadway und Prince Street steht die Galerie von Sally Hawkins. Das Haus ist berühmt für seine Fassadenmalerei mit dem Titel „West Broadway Boogie“ und ein beliebter Treffpunkt in Soho. Sie präsentiert die Werke von Bill Schiffer, einem Bildhauer, Maler und Schmuckmacher. Er war es auch, der die Fassade gestaltet hat und seinem Schmuck so zum richtigen Rahmen verhalf. Bill Schiffer’s Schmuck hat zwei Hauptrichtungen. Er gestaltet einerseits glitzernden, farbenfrohen Schmuck aus Swarovski-Steinen, der direkt von seiner Malerei und der Pop Art beeinflusst ist. Seine Silber- und Goldkollektion andererseits ist geprägt von seiner Arbeit als Bildhauer. Die schmeichelnden, komplexen Formen erscheinen tatsächlich wie Kleinstskulpuren. Bill Schiffer kreiert Schmuck und Kunst aus der gleichen Motivation heraus. Sein Ziel ist, nach seinen eigenen Worten, Kunstwerke zu machen, die auf selbstverständliche Art die Trägerin schmücken, etwa so wie ein Bild an eine dafür bestimmte Wand passt. Im Fall des Schmuckstückes wird die Trägerin zur Wand für den Künstler.

Eng verknüpft mit Soho ist der Schmuck von Robert Lee Morris. Der Designer, der in Deutschland, Japan und Brasilien aufwuchs, liebt Metalle über alles und sieht sich selber als Nachfahre der frühesten Metallschmiede des Kupferzeitalters. Er studierte in seiner Jugend so ziemlich alles, was ihm sein College anbieten konnte, bevor er zu seinen kreativen Fähigkeiten fand. R.L. Morris hat niemals eine Goldschmiedelehre gemacht, sondern brachte sich das Arbeiten mit Metall selbst bei. Seine frühen Arbeiten in Holz, Leder, Kupfer und Messing stiessen auf grosses Interesse bei den wichtigen Modemagazinen und ein Besuch in seiner 1978 eröffneten Galerie ArtWear gehörte zum Pflichtprogramm für Trendjäger und Stilisten. Modedesigner wie Donna Karan, Calvin Klein, Karl Lagerfeld, Geoffrey Beene und Kansai Yamamoto baten ihn darum, Modeschmuckkollektionen für Sie zu entwerfen. Für Elizabeth Arden kreierte er Kosmetikverpackungen.

Robert Lee Morris‘ Handschrift lässt sich leicht erkennen. Seine organischen, von der Natur inspirierten Formen haben eine ursprüngliche Kraft, die ihnen magische Energie zu verleihen scheint. Im Jahre 1995 ehrte das New York’s Fashion Institute of Technology den Designer zum Anlass seines 25-jährigen Firmenjubiläums mit einer grossen Retrospektive. Erst seit kurzem arbeitet er mit edlen Materialien, wie Platin (dem absoluten Trendmaterial in New York), Gold, Diamanten und Perlen. Erfolg ist ihm auch auf diesem Gebiet sicher. Sein zweiseitig tragbares Platincollier mit Diamanten und Perlen gewann bereits den ersten Preis beim Amerikanischen Platinwettbewerb und die Umsätze in seiner 1995 eröffneten, hellen, und freundlichen Robert Lee Morris Gallery in Soho sind kontinuierlich am Steigen.

Soho bietet auch dem Schmuckpoeten Ted Muehling Raum. Seine Inspirationen kommen direkt aus der Natur, werden dann aber von ihm auf subtilste Weise abstrahiert. Eiformen, Muscheln, Tannenzapfen oder eine Spargelspitze finden ihre Entsprechung in Gold, patiniertem Silber oder  Bronze.

Reinstein/Ross entführt seine Besucher in eine ganz andere Welt. Byzantinische Pracht, granulierte Oberflächen, feine Farbedelsteine und das aprikosenfarbene Gold, das Susan Reinstein, die Designerin selbst legiert, sind die Wahrzeichen dieser kleinen, indisch inspirierten Galerie an der Prince Street.

Stuart Moore’s „gallery of designer jewelry“ bringt den Minimalismus Europäischer Schmuckdesigner nach Soho. Kollektionen wie z. Bsp. Niessing, Christian Bauer, Henrich + Denzel oder Humphrey sind hier vertreten. Daneben gibt es eine kleine Kollektion des Hauses mit hochwertigen Edelsteinen und Diamanten. Der architektonische Schmuckstil widerspiegelt sich in der Gestaltung der Galerie. Der Architekt Peter Gluck  gestaltete einen offenen, weissen Raum mit freistehenden Vitrinen, für die ein spezielles Beleuchtungssystem entwickelt wurde. Durch eine Glasscheibe kann der Besucher den Goldschmieden bei der Arbeit zusehen.

Unzählige weitere Galerien und Accessoireshops in Soho bieten Schmuck an und laden ein, auf Entdeckungsreise zu gehen. Man kann hier zum Beispiel New York’s chicstes Accessoire „MicroCord“, den kleinen Solitär an der unsichtbaren, feinen Angelschnur, antiken, Indischen Schmuck, romantische Halskettchen mit kleinen Edelsteinkugeln oder Indianische Federamulette finden.

Die Träume der „Uptown Girls“

„New York Uptown“ bezeichnet die Gegend zwischen 59th und 110th Strasse, westlich und östlich des Central Park. Im Osten des Parks sind die eleganten Einkaufsstrassen Fifth Avenue, Madison Avenue und Park Avenue gelegen. Auch die grossen und berühmten Museen New Yorks sind dort zu finden. Eine ideale Umgebung also für seriöses Shopping, wenn man viel Zeit und Geld hat. Eine ideale Umgebung auch für den Juwelier, der sich an ein anspruchsvolles und finanzstarkes Publikum wendet.

Diese Kunden lieben zum Beispiel den Schmuck von Henry Dunay. Sein Schmuck wird in fünfundzwanzig Städten Amerikas vom Nobelkaufhaus Neiman Marcus vertreiben. Obwohl er in New York nur ein Büro und sein Atelier hat, hat er auch hier eine treue Fangemeinde. Sein grosszügiger Schmuck, der bekannt ist für seine herausragende Oberflächentextur und feinste Edelsteine, wird international bewundert und gesammelt.

David Webb ist ein anderer Name, den die New Yorker bestens kennen. Seine Tierkollektion „menagerie“, die Klassiker wie Pandas, Delphine, Frösche, Zebras und Schmetterlinge enthält, schmückt ganze Generationen von reichen New Yorker Ladies. Seine andere Spezialität ist die Kombination von edlen und unedlen Materialien, wie zum Beispiel Muscheln, Koralle und Bergkristall. Daraus entsteht exquisiter Schmuck, den man durchaus auch tagsüber tragen kann und der wohl gerade aus diesem Grund so viele Liebhaber hat.

J. Mavec & Company‘s kleines Schmuckparadies ist gleich vis-à-vis des Whitney-Museums gelegen. Janet Mavec zeigt hier nicht nur herausragenden Antikschmuck, sondern auch Schmuck des Karlsruhers Otto Jakob und von Gabriella Kiss. Die Kombination antiken Schmucks mit den Arbeiten zeitgenössischer Kreateure überzeugt auf Anhieb. Otto Jakobs Werke haben die märchenhafte Aura, die augenblicklich an den von Zwergen geschmiedeten Zauberschmuck aus den Nibelungen denken lässt. Gabriella Kiss hingegen versteht es, Insekten, Blätter oder Walnüsse in delikatesten, überaus femininen Schmuck zu verwandeln. Beider Inspirationen basieren auf antiken Vorbildern, die sie aber auf feinfühlige Weise in die heutige Zeit projizieren.

New York‘s Schmuckangebot ist vielseitig und anspruchsvoll. Markennamen bilden sich heran und werden dank professioneller Marketingarbeit auch früher oder später bei uns Fuss fassen. Dieser Artikel kann nur einen kleinen Ausschnitt dessen beschreiben, was dieser riesige Markt anzubieten hat. Daher mein Rat an Sie: Wer heute beobachten will, wie der Schmuckeinzelhandel in der Zukunft in unseren Märkten funktionieren wird, der macht mit Vorteil von Zeit zu Zeit einen Abstecher nach New York. Amerika ist nur scheinbar weit entfernt von Europa.

Mit freundlichen Grüssen aus New York

Susan Sagherian


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