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Reich
und chaotisch Um
Florenz und seine Schmuckszene besser verstehen zu können, lohnt es
sich einen Abstecher in die Geschichte zu unternehmen, denn Kunst
und Künstler entwickelten sich immer im Dreieck von Handel, Politik
und Kirche, die das Fundament von Florenz und die Basis für die
Entwicklung der Renaissance bildeten. Trotzdem
war Florenz anfangs des 14. Jh. eine der wichtigsten Städte
Europas. Zwischen 1200 und 1300 verdoppelte sich die Zahl der
Einwohner auf rund 95‘000, was für damalige Verhältnisse eine
sehr bedeutende Stadt war. Florenz war zu jenem Zeitpunkt nicht berühmt
für seine Schönheit oder Kultur, sondern für seine Bedeutung als
Handelsplatz, vor allem im Bereich Banken und Textilien. Die schönste
und bedeutendste Errungenschaft der Florentiner in den Augen Europas
war seine Goldmünze, der Florin, der zum ersten Mal 1252 geprägt
worden war. Andere Städte wie Mailand oder Genua prägten eigene Münzen,
der Florin hingegen wurde zur gesuchten Standardwährung in ganz
Europa. Papst Bonifazius Vlll, der ein strenger Vertreter der
absoluten Macht des Vatikans war und weltlichen Mächten nur eine
untergeordnete Bedeutung beimaß, wird gerne zitiert, um die
Bedeutung von Florenz zu unterstreichen. Er setzte neben die vier
Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft noch ein Fünftes: die
Florentiner, die die Welt zu regieren schienen. Für
die Künste war Florenz schon damals ein guter Nährboden. Die
reichen Florentiner konnten es sich leisten, Bauwerke und
Kunstobjekte in Auftrag zu geben. Die chaotischen, politischen Verhältnisse
inspirierten die Dichter, vor allem Dante und später Boccaccio, die
in ihren unsterblichen Werken ihre Heimatstadt porträtierten. Die
Werte von Stabilität, Unabhängigkeit und republikanischer Freiheit
wurden endgültig im Jahre 1537 abgeschafft, als Cosimo de Medici
zum Regierungschef erhoben wurde. Von da an bis ins 19. Jahrhundert
war Florenz der Regierung der Medici-Dynastie untertan und dies
paradoxerweise in völligem Frieden. Ein großes Traditionsbewußtsein verbindet die Stadt und ihre Einwohner noch heute. Ungeachtet von individuellem oder dynastischem Stolz, hat jede Generation versucht, zum noch größeren Ruhm von Florenz beizutragen. Jede Epoche hat das herausragende Erbe der Vergangenheit akzeptiert und auf eigene Weise - gelungen oder mißraten – versucht, dieses noch zu verschönern. Kultur,
Essen und Shopping Wer
gerne imposante Kunstwerke besucht, feine Italienische Küche schätzt
und etwas für Mode übrig hat, der kann es in Florenz gut ein paar
Tage aushalten. Die Stadt selbst hat knapp 400‘000 Einwohner,
bezieht man die Agglomeration mit ein, kommt man auf etwas mehr als
600‘000 Einwohner. Rund 3.4 Millionen Touristen reisten im
vergangenen Jahr nach Florenz. Beliebt als Reiseziel ist die
Hauptstadt der Toskana vor allem bei den Italienern selbst, die
gerne ihr kulturelles Erbe besuchen. Eine wichtige Besuchergruppe
sind auch die Amerikaner. Für sie gehört der Besuch von Florenz
einfach zu einer Europareise. Neben
den unzähligen Schulklassen, die hier ihre Studienreisen verbringen
und kaum als Schmuckkunden auftreten, gibt es Touristen, die gerade
in Florenz gerne Schmuck kaufen. Ein Phänomen, das auch in vielen
anderen Städten zu beobachten ist, sind diejenigen Kunden, die
Schmuck absichtlich an einem anderen Ort als ihrem Wohnort kaufen.
Die Sicherheit, etwas Anderes zu haben als die Nachbarn, spielt
sicher eine Rolle. Rein emotionale Gründe können einen Einfluß
haben. Das Prestige einer besuchten Stadt trägt unter Umständen
zum Prestige des erworbenen Schmuck bei oder man will anonym bleiben
und auf keinen Fall beim Einkauf angetroffen werden. Für
die vielen Schmuckgeschäfte in Florenz gehören die Touristen zu
den wichtigsten Kunden. Die traditionsbewußten, alten Florentiner
Familien haben in vielen Fällen so viel Schmuck im Familienerbe, daß
wenig Bedarf nach Neuem besteht. Eine interessante Käufergruppe
stellen hingegen die vielen Textilfabrikanten in den Vororten von
Florenz dar. Die modebewußten Frauen kaufen denn auch gerne den
Schmuck der Italienischen Trendsetter wie Pomellato, Pasquale Bruni,
La Nouvelle Bague oder Bulgari. Der
Goldschmied als Künstler Die
Anfänge der Goldschmiedekunst in Florenz lassen sich schwer
datieren. Fest steht, daß spätestens die Herstellung des Florins
ab Mitte des 13. Jh. Goldschmiede beschäftigte. Die Archive
belegen, daß es um 1300 in Florenz 72 Gilden gab, die für ihren
jeweiligen Berufsstand Zulassungsbedingungen und Regelungen
aufstellten. Nur die Künstler, von denen viele ihre Ausbildung als
Goldschmiede begannen, um dann als Maler, Bildhauer oder sogar
Architekt zu arbeiten, organisierten sich zur damaligen Zeit nicht
in einer gemeinsamen Gilde. Zu übergreifend und weit gefaßt waren
die künstlerischen Disziplinen, daß sich keine verbindlichen
Regeln aufstellen ließen. Erst
später organisierten sich die Goldschmiede und stellten klare,
verbindliche Regelungen auf, um Betrug zu verhindern. Zum Beispiel
war man als Goldschmied verpflichtet, nur Gold zu verwenden, das
eine höhere Legierung hatte als Münzgold. Es war untersagt,
Glasimitationen von Gemmen in Schmuckstücke zu fassen und
Edelsteine durften nicht mit Folien unterlegt werden. Eigentümlich
erscheint uns heute das Verbot, im gleichen Schmuckstück Perlen von
Süsswassermuscheln neben solchen von Meeresmuscheln zu verwenden. Daß
die Werke von Goldschmieden damals ganz ungewohnte Dimensionen
annehmen konnten, beweisen die vergoldeten Bronzetüren des
Battistero von Andrea Pisano und später von Lorenzo Ghiberti. Die
riesigen Türen sind in einzelne Bildtafeln aufgeteilt, deren feine
Details die Hand des Goldschmieden verraten. Viele Altaraufsätze in
den Kirchen sind ebenfalls unter Mithilfe von Goldschmieden
entstanden. Das Museo degli Argenti im Palazzo Pitti bietet darüber
hinaus die Gelegenheit, eine Sammlung sakraler Gegenstände,
Tafelgeräte, Objekte und Schmuck aus den Händen Florentiner
Goldschmiede zu bewundern. Wer
von Florenz und seiner Goldschmiedekunst spricht, kommt um einen
Namen nicht herum: Benvenuto Cellini. Er war eine der überragenden
Persönlichkeiten des 16. Jh. und stand als angesehener Goldschmied,
Bildhauer und Architekt in den Diensten von Fürsten und Päpsten im
In- und Ausland. Gleichzeitig zog sich eine Spur von Gewalt durch
sein Leben. Wohin er auch kam, er war in Kürze in Raufereien und
Duelle verwickelt und scheute selbst vor Mord nicht zurück.
Cellini’s notorischer Lebenswandel führte zu häufigen, abrupten
Ortswechseln und ebenso vielen Unterbrüchen in seinem Werk. Das
Leben von Benvenuto Cellini und das seiner Zeitgenossen ist uns
durch seine von ihm selbst verfaßte Autobiographie gut überliefert,
obwohl die eine oder andere Information wohl eher mit Vorsicht zu
genießen ist. Überaus interessant ist Cellini’s Fachbuch für
Goldschmiede und Bildhauer. Er vermittelt uns darin das gesamte,
technische Wissen seiner Zeit. Torrini
– die Geschichte einer Dynastie Im
Schatten des Wahrzeichens von Florenz – der Kathedrale S. Maria
del Fiore befindet sich das Geschäft der Familie Torrini. Die
Geschichte des Familienunternehmens läßt sich bis ins 14. Jh. zurückverfolgen,
als im Jahre 1369 ein gewisser Jacopus Turini de la Scharperia sein
Firmenzeichen eintragen ließ: ein halbes vierblättriges Kleeblatt
mit einer Spore. Das Kleeblatt sollte dem Geschäftsmann Glück
bringen, während die Spore auf Turini’s ursprüngliches Handwerk
als Waffenschmied hinwies. Für die kommenden hundert Jahre war die
Herstellung von Rüstungen, Helmen, Sporen und alles weitere, was
ein Edelmann brauchte, die Hauptbeschäftigung des Unternehmens. Mit
dem zunehmenden Reichtum der Florentiner wandelten sich die Bedürfnisse
und die Produktion verlagerte sich mehr und mehr in Richtung von
Schmuck und Dekorationsobjekten. Heute
wird das Unternehmen von Herrn Franco Torrini geleitet, der das
Unternehmen im Wissen um dessen große Tradition führt. Die
Schmuckstücke und Objekte des Hauses werden nach alten, überlieferten
Methoden im eigenen Atelier von Hand gefertigt. Eine Besonderheit
stellt die Kollektion „Oro nativoâ“
dar. Die Schmuckstücke werden in einer geheim gehaltenen
Goldlegierung hergestellt und nach der Fertigstellung in „Cellini-Wasser“
getaucht. Diese Verarbeitung gibt dem Schmuckstück eine reiche,
tiefe Goldfarbe. Die Methode wurde vom Hause Torrini aufgrund von
Dokumenten von Benvenuto Cellini entwickelt und über Generationen
verfeinert. Wer
Florenz einige Tage auf sich wirken läßt, versteht, warum es für
ein so alteingesessenes Haus wie Torrini kaum denkbar ist, mit der
Florentiner Tradition zu brechen. Zu allgegenwärtig ist die große
Vergangenheit der Renaissance. Trotzdem wirkt der Stil des Hauses
keineswegs verstaubt, sondern bezieht immer aktuelle Zeitströmungen
mit ein. Neben Schmuck und Silberobjekten bietet Torrini heute auch
Uhren, Accessoires und ein Parfum an. Ironischer
Respekt vor der Klassik Florenz
als Stätte weit zurückgreifender Reminiszenzen erlaubt aber auch,
ganz Neues zu schaffen. In dieser Stadt, in der „die Menschen in
sich Leere schaffen, um sich mit unsagbarem Staunen zu füllen“
haben vor zwanzig Jahren Lea und Leopoldo Polli ihre Firma „La
Nouvelle Bague“ gegründet. Wer
das Paar an ihrem Firmensitz im antiken Palazzo Bombicci Pontelli am
Ufer des Arno besucht, kommt nicht umhin, sich von der Begeisterung
für die reiche, Florentiner Vergangenheit anstecken zu lassen.
Umgeben von klassischer Architektur und hohen freskenbemalten Wänden
begreift man Leopoldo Polli, wenn er sagt: „Unsere Beziehung zu
Florenz geht nicht alleine aus der großen und unübertroffenen
Florentiner Goldschmiedekunst hervor, sondern beruht auf dem
geradezu lebenswichtigen Einfluß, den diese Stadt auf Künste,
Architektur und Kultur ausgeübt hat und noch ausübt. Hier stand
die Wiege des Neuen Menschen der Renaissance, und hier entspringt
die Quelle, aus der wir unsere Kreativität schöpfen, um der
Gegenwart Gestalt zu verleihen.“ „La
Nouvelle Bague“ steht für ein Universum der Formen und Farben.
Email, Gold und Diamanten verbinden sich zu Schmuckstücken, die in
sich Einflüsse von Gewesenem und Heutigem vereinen. Embleme der
Klassik werden mit einem ironischen Augenzwinkern interpretiert,
kombiniert und in ein visuelles Gedicht an eine moderne Frau
umgesetzt. Diese Frau steht übrigens immer im Vordergrund. Ihre
Weiblichkeit, ihr Selbstbewußtsein und ihr Sinn für das Edle und
Wertvolle wollen die Pollis mit ihren Kreationen ansprechen. Zusammen
mit Lea und Leopoldo Polli sind mehr als dreissig interne
Mitarbeiter und hundertzwanzig der besten Goldschmiede, Fasser und
Emailleure mit der Herstellung und dem Vertrieb der Kollektion beschäftigt.
Jedes Erzeugnis von „La Nouvelle Bague“ wird ausschließlich von
Meistern handgearbeitet, die über eine Art „Florentiner Erbgut“
verfügen, um die Vorstellungen und Entwürfe des Hauses umzusetzen.
So werden in Diskussionen um neue Modelle nicht selten Einzelheiten
von Gebäuden und Kunstwerken zitiert, um die genauen Proportionen
oder Formverläufe eines Schmuckstücks zu charakterisieren. Daß
Schmuck nur ein Element der „La Nouvelle Bague“-Welt ist, zeigt
das Geschäft an der Via Tornabuoni in Florenz. Die ganze
Architektur und Einrichtung des Ladens atmet den Geist seiner Schöpfer.
Prächtige Farben, edle Materialien und kontrastierende Oberflächen
lassen die Räume wie überdimensionale Schmuckschatullen wirken.
Ihre Inspirationen holen sich die Pollis denn auch nicht bei den
Goldschmieden, sondern in den unterschiedlichsten Kunstformen und
Zeitzeugnissen. Ihr jährlich zwei Mal erscheinendes Magazin „Momenti“
ist ein Beweis für die Offenheit und Neugierde des Ehepaares, die
Schmuck nicht um seiner Selbst willen, sondern in einem größeren,
künstlerischen und emotionalen Umfeld schaffen. Eleganz
„alla Fiorentina“ Neben
„La Nouvelle Bague“ ist an der Via Tornabuoni die ganze Elite
der Italienischen Schmuckmarken vertreten. Von der Piazza degli
Antinori her kommend, findet man rechterhand das Geschäft von Frau
Roberta Schiavina Tamai und ihrem Sohn Andrea. Der große
Verkaufsraum dieser Pomellato-Boutique ist einen Besuch wert. Den
hohen Raum schmückt ein antikes Deckenfresko. Die betont
schlichten, modernen Möbel kreieren ein Ambiente von edelstem,
Italienischem Chic, in dem der Schmuck der Mailänder Trendmarke
bestens zum Tragen kommt. Schräg
vis-à-vis befindet sich die kleine Boutique mit dem Namen
Franconeri, die Uhren von Rolex und den Schmuck von Pasquale Bruni führen.
Eine sehr glückliche Kombination, da sich beide Marken an eine
prestigebewusste Kundschaft in Italien richten. Auch die
International bekanntesten Schmuckmarken Bulgari und Damiani sind
mit eigenen Boutiquen an der Via Tornabuoni vertreten. Neben den
Italienischen Größen sind hier selbstverständlich auch die
Internationalen Marken vertreten. Cartier, Chopard (an der Via della
Vigna Nuova) und Tiffany bei Settepassi, einem alteingesessenen
Florentiner Juwelier. Besondere
Beachtung verdient das Geschäft von Mario Buccellati. Obwohl in
Mailand ansässig, hat die Firma schon 1929 seine Filiale in Florenz
eröffnet. Mario Buccellati’s Nähe zu Florenz ist aber auch
handwerklicher Art. Noch heute werden alle Schmuckstücke und
Objekte des Hauses meisterhaft in bester Florentiner Tradition von
Hand gefertigt. Beim Betrachten der Unikate hat man den Eindruck,
die Goldschmiede des Hauses hätten Gold und Silber in kostbare
Stoffe wie Spitzen, Damast und Seidenbrokat verwandelt. Die
Anfänge der Firma gehen in
das Jahr 1919 zurück, in dem Mario Buccellati das Geschäft seines
Lehrmeisters in Mailand übernimmt. Der junge Mann bringt überschäumende
Kreativität und eine solide handwerkliche Ausbildung in sein
Unternehmen ein. Seine Liebe gilt den alten Goldschmiedetechniken.
Feinste durchbrochene Geschmeide, deren Oberflächen ziseliert und
graviert werden und selbst Fassungen kunstvoll verziert werden, prägen
den Stil des Hauses. Mario Buccellati selbst meinte: „Man mag
meinen Schmuck oder man mag ihn nicht, aber er ist auf jeden Fall
klar erkennbar.“ Seine besondere Liebe galt feinen Stoffen, Blättern,
Sternen und Schneekristallen Das
Haus entwickelte schon bald engen Kontakt mit der Mailänder Scala,
wo die Schmuckstücke des Goldschmiedes regelmäßige Auftritte
hatten. Aber nicht nur die Besucherinnen der Oper trugen gerne Mario
Buccellati’s Schöpfungen. Viele berühmte Opernstar kauften und
sammelten seine Werke. Arturo Toscanini gehörte genauso zu seinen
Kunden wie Maria Callas. Im 1953 eröffneten Geschäft an der Fifth
Avenue in New York empfing er Kunden aus der Filmwelt. Orson Wells
und Frank Sinatra kauften bei ihm. Für den Film „The Adventurers“
mit der Schauspielerin Candice Bergen wurde er beauftragt, den
passenden – echten - Schmuck zu gestalten. Die Arbeiten dafür
beschäftigten die Goldschmiede über ein Jahr. Auch die
Schauspielerin Capucine, die in Federico Fellini’s „Satyricon“
spielte, trug Buccellati-Schmuck. Heute wird das Unternehmen in
zweiter Generation von Mario’s Sohn Lorenzo und dessen Frau
Claudia geführt. Einen guten Überblick über das Schaffen des
Hauses Mario Buccellati vermittelt das 1998 im Leonardo Arte-Verlag
erschienene Buch „Mario Buccellati“. Die
Goldschmiedebrücke Der
Ponte Vecchio ist ein Wahrzeichen von Florenz. Keiner, der nicht
mindestens einmal seinen Fuß darauf setzt, wenn er die Stadt
besucht. Als Besucher ist man erschlagen von Schmuck. Man sieht
Kilometer von Goldketten und Myriaden von kleinen, billigen Anhängern.
Aber den Ponte Vecchio hochnäsig unter dem Stichwort
„Industrielle Massenware“ abzulegen , würde dem Monument nicht
gerecht. Auch hier lohnt sich ein kleiner Abstecher in die Historie. Der
Ponte Vecchio – die Alte Brücke
– trägt ihren Namen zu recht. Seit jeher führte der Weg nach Rom
über diese Brücke und daher lassen sich die frühesten Spuren bis
in die Zeiten der römischen Siedlung zurückverfolgen. Im Jahre
1216 wird an dieser Stelle eine Steinbrücke erwähnt und bereits im
14. Jh. ist die Reihe der Läden in der Mitte unterbrochen (da, wo
heute die Büste Benvenuto Cellini’s steht), um einen Ausblick auf
den Fluß zu gewähren. 1333 wird die Brücke vom Hochwasser
weggeschwemmt, aber schon 1345 wieder aufgebaut. Seither hat die Brücke
alle weiteren Überschwemmungen unversehrt überstanden und selbst
Hitler’s Befehl, sie zu sprengen, hat der zuständige Offizier
ignoriert. Im
14. Jh. beherbergte die Brücke Läden aller Art. 1442 jedoch wurden
die Geschäfte per Dekret den Metzgern übergeben. 1565 ließ Cosimo
de Medici einen privaten Korridor anlegen, der von den Uffizien,
seinem Amtssitz über die Brücke zum Palazzo Pitti, seinem Wohnsitz
führte. Der überdachte Fußweg, vom Architekten Vasari gebaut, führte
über die Geschäfte auf der linken Seite des Ponte Vecchio. Bis
1593 duldete der Fürst die Metzger auf der Brücke, dann wurden ihm
die Gerüche auf seinen Spaziergängen wohl zuviel. Er ließ die
Metzger hinauswerfen und die Goldschmiede einziehen, die seit damals
die Brücke innehaben. Die
Anbieter von Schmucksouvenirs sind auf der Brücke ein Phänomen
neueren Datums. Bis vor einigen Jahren war der Ponte Vecchio eine
Ansammlung von feinen, alteingesessenen Juwelieren. Wer sich die Mühe
nimmt und sich in der Menschenmenge direkt an die Schaufenster vorkämpft,
stellt fest, daß davon noch heute Einige hier ansässig sind.
Etliche der Alteingesessenen können auf eine rund hundert Jahre
andauernde Präsenz zurückblicken. Ein Beispiel ist die Firma
Fratelli Piccini. Das Unternehmen wurde 1903 von Pirro Piccini gegründet.
Sein Sohn Armando zeigte schon in jungen Jahren ein großes,
zeichnerisches Talent. Er absolvierte eine Lehre als
Edelsteingraveur und Goldschmied und arbeitete, wie seine beiden Brüder
auch, im Atelier des Vaters. Fratelli Piccini verkaufte bald nicht
nur die von Armando entworfenen Schmuckstücke aus dem eigenen
Atelier, sondern auch antiken Schmuck. Das
Haus kann auf eine ganze Reihe berühmter Kunden zurückblicken.
Nicht nur die einheimische Prominenz, die Familien Antinori,
Guicciardini, Serristori, Ricasoli, sondern auch Amerikanische
Filmstars kauften hier ein. Clark Gable, Ingrid Bergman und Bette
Davis gehörten unter anderen zum illustren Kreis der Liebhaber.
Armando Piccini’s Kreativität war nicht nur bei den Kunden
beliebt. 1958 wurde ihm mit der Verleihung des International Diamond
Awards für eine von ihm gestaltete, handgefertigte Puderdose
Internationale Anerkennung zuteil. 1993 schenkte er aus Anlaß des
Neunzigsten Firmenjubiläums dem Museo degli Argenti eine Sammlung
seiner meisterhaften Edelsteingravuren. Heute
ist Armando Piccini achtzig Jahre alt. Trotz seines hohen Alters läßt
er es sich nicht nehmen, regelmäßig am Firmensitz vorbeizuschauen.
Das Geschäft ist nach wie vor in Familienbesitz. Seine Nichte Laura
führt das Geschäft zusammen mit ihrer Tochter Elisa. Noch immer
wird hier Schmuck im eigenen Atelier nach eigenen Entwürfen
hergestellt und noch immer kommen Kunden aus Amerika nach Florenz,
um sich bei Fratelli Piccini ihren Schmuck fertigen zu lassen. Ehre
der Tradition Das
Schmuckdesign entspringt in Florenz einer unkomplizierten, wenn auch
tief empfundenen Verehrung für die Tradition des
Goldschmiedehandwerks. Der souveräne Einsatz der über Jahrhunderte
entwickelten Techniken ist die Basis. Eleganz und Chic der modebewußten
Italiener sind die Zutaten, die Frau selbst ist der Maßstab für
das Schmuckdesign. Italienische Frauen stehen mit großem Selbstbewußtsein
zu ihrer Weiblichkeit und wollen diese auch mit Schmuck ausdrücken.
Was diesem Anspruch nicht genügt, wird einfach nicht wahrgenommen. Über
Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten. Über Raffinesse,
Reichtum, Phantasie und Können hingegen schon. Beim Betrachten der
Schmuckstücke von Torrini, La Nouvelle Bague oder Mario Buccellati
wird einem wieder einmal bewußt, wie großartig das Handwerk eines
Goldschmiedes ist. Es wird einem auch bewußt, wie wenig polierte Flächen,
glatte Kanten und geometrische Formen vieler, heutiger Schmuckstücke
mit dieser Tradition zu tun haben. Mit
freundlichen Grüßen Susan
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