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Schmuckszene Barcelona
(Erschienen im November 1999 in der GZ - Goldschmiede Zeitung)

Barcelona ist eine verlockende Reisedestination. Ein absolutes „must“ für Architekturfans, das Entzücken jedes urbanen Flanierers und eine Wohltat für schlechtwettergeplagte Nordeuropäer. Die Katalanen fühlten sich durch ihre ganze Geschichte hindurch stets als wahre Europäer. Mehr Frankreich zugehörig als dem Spanien, das sie umgab. Dieses Selbstverständnis teilt sich dem Besucher ganz still und leise mit. Man stellt nach ein paar Tagen fest, daß einem die Lebensart der Katalanen eigentlich sehr vertraut vorkommt. Man fühlt sich in dieser Stadt schnell wie zu Hause. Außer daß zu Hause selten so schönes Wetter ist und einfache Dinge wie Brot mit Tomaten nicht so gut schmecken.

 

Teil einer Artikelreihe über die Schmuckszenen bedeutender Städte. Weitere Artikel aus dieser Reihe:

- Amsterdam
- Barcelona
- Florenz
- Helsinki
- London
- München
- New York
- Paris
- Zürich

 

Wechselvolle Geschichte

Die Zeitrechnung der Bewohner von Barcelona wird heute in zwei Epochen aufgeteilt, in die Zeit vor der Olympiade und danach. Dieses Ereignis hat die katalanische Stadt nicht nur architektonisch verschönert und mit einigen imposanten Neubauten bereichert, sondern auch mit dem festen Glauben an eine goldene Zukunft und einer weltweiten Popularität zurückgelassen.

Den rasanten Aufstieg von der öden Industriestadt nach vierzig Jahren Diktatur zu einer strahlenden Metropole ist typisch für Barcelona. In ihrer über zweitausend Jahre dauernden Geschichte ist die Stadt immer wieder von Goldenen Zeiten in die absolute Bedeutungslosigkeit abgesunken, um danach von Neuem wie Phönix aus der Asche zu steigen. Entsprechend lassen sich die Perioden erkennen, in denen in Barcelona Schmuck eine Rolle spielte. Die katalanische Stadt war im Mittelalter einer der bedeutendsten Mittelmeerhäfen und herrschte zeitweise über die ganze mediterrane Küste von Valencia bis Sizilien. Es war eine Zeit der merkantilen und kunsthandwerklichen Hochblüte. Die Königshäuser von Katalonien und Aragon hielten sich einen aufwändigen Hofstaat und hatten Beziehungen zu allen anderen europäischen Königshäuser ihrer Zeit. Die größten Klöster und Kirchen Kataloniens wurden zu jener Zeit gebaut. Zeugen des damals florierenden Gold- und Silberschmiedehandwerks finden sich noch heute in einigen Straßennamen im Barri Gótic, der wunderschönen, gotischen Altstadt Barcelonas. Damals waren die katalanischen Gold- und Silberschmiede in ganz Europa für ihre Arbeiten im sakralen Bereich bekannt.

Mit der Verbindung der beiden Herrschaftshäuser von Aragon und Kastilien durch Heirat im Jahre 1479 verlor Barcelona seine Vormachtstellung auf der Iberischen Halbinsel. Die finanziellen Mittel der Stadt waren durch aufwändige Eroberungsfeldzüge aufgebracht und die Ausrichtung der reichen Kastilier auf den Atlantik war zukunftsträchtiger als Barcelonas Schifffahrt auf dem Mittelmeer. In den folgenden zwei Jahrhunderten verlor Barcelona immer mehr seiner Rechte bis es im Zuge der Spanischen Erbfolgekriege (1701-1714) ganz von Madrid abhängig wurde. Barcelona war entmündigt und wurde zur Provinzstadt. Die nächste goldene Ära begann in Barcelona mit dem Zugeständnis im Jahre 1778, am Amerikahandel teilzunehmen. Ein Recht, das ihnen seit 1522 untersagt gewesen war. Die geschäftstüchtigen Katalanen nahmen ihre Chance wahr und verkehrten bald regelmäßig zwischen Europa und Südamerika. Vor allem Textilien – ein traditionelles Gewerbe der Gegend – wurden exportiert. Ein Bereich in dem wenig später die ersten Schritte in die industrielle Fertigung erfolgten.

Der rege Handel verhalf der Stadt und vielen seiner Bürger zu großem Reichtum. Daraus folgte im 19. Jahrhundert eine rege Bautätigkeit, bei der viele der herrschaftlichen Bürgerhäuser gebaut wurden, die so typisch für Barcelona sind. Auch Schmuck war wieder gefragt und nicht zufällig entstanden in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts die ältesten, heute noch tätigen Juweliere Barcelonas. 1888 fand die erste Weltausstellung statt, in deren Gefolge sich Barcelona unter die führenden Städte des Jugendstils einreihen konnte. Der Modernisme, die Katalanische Version des Jugendstils revolutionierte alle Bereiche des Designs, auch den Schmuck. Antoni Gaudí schuf seine revolutionären Bauwerke und prägt die Stadt damit bis heute. Die Katalanischen Goldschmiede waren von Neuem in der ganzen Welt berühmt für ihr außerordentliches Können und erhielten 1925 in Paris auf der Exposition des Arts Décoratifs Auszeichnungen für ihre Arbeiten. Auch die zweite Weltausstellung in Barcelona im Jahre 1929 trug zum internationalen Ruhm der hiesigen Goldschmiede bei.

Kreativer Schmelztiegel

Das Barcelona der Jahrhundertwende war ein Anziehungspunkt für kreative Köpfe. Sie mischten sich mit der Halbwelt im überbordenden Nachtleben Barcelonas, aber auch mit Revoluzzern und Anarchisten aller Art. Während des Ersten Weltkriegs, in dem Spanien neutral war, kamen dazu noch eine Menge von Flüchtlingen, unter denen Leute wie Sonia und Robert Delaunay waren. Der Krieg verschärfte allerdings auch die sozialen Gegensätze und führte zu Unruhen. Die Dreißiger Jahre waren noch einmal eine Blütezeit der Künste in Barcelona. Mirò, Dalì und Picasso gehörten zu den einflußreichsten Künstlern, aber auch Architekten brachen zu neuen Ufern des künstlerischen Ausdrucks auf. Eine Handvoll Goldschmiede ließ sich von den Malervorbildern anstecken und schuf Schmuck, der den Zeitgeist aufnahm. Im surrealistischen Stil etwa arbeitete der Maler und Schmuckkünstler Manuel Capdevila. Alfons Serrahima und Aureli Bisbe nahmen die geometrischen und puristischen Einflüsse des Rationalismus zum Vorbild. Die folgenden Jahre des Francoregime waren eine graue Zeit. Barcelona wurde zum „Manchester Spaniens“ eine triste Industriestadt, die vom regierenden Bürgermeister nach Kräften verschandelt wurde. Nach dem Tod des Diktators bewiesen die Katalanen einmal mehr ihre Vitalität. Die lange unterdrückte, katalanische Kultur und die kunsthandwerkliche und architektonische Tradition explodierte im Willen, eine neue lebendige Stadt zu kreieren. Eine eigentliche Designverrücktheit erfaßte die Bewohner. Der typische postmoderne, punkige, comicartige Hightech-Stil des modernen Barcelona entstand. Die lange vernachlässigten historischen Gebäude wurden liebevoll restauriert, Plätze der Begegnung geschaffen und Kunstwerke für den öffentlichen Raum in Auftrag gegeben.

Barcelona und seine Frauen

Schon sehr früh in der Geschichte hatten Katalanische Frauen viele Rechte und öffentliche Aufgaben. Im Jahr 1249 erhielten sie das Recht Grundbesitz zu erben. Sie waren in allen Bereichen der florierenden Textilfertigung in leitender Funktion tätig. Es war auch nichts Außergewöhnliches zu dieser Zeit, daß die Katalanischen Könige während Feldzügen die Regierungsgewalt ihren Frauen übergaben.

Auch heute sind die Frauen Barcelonas überaus dynamisch und selbständig. In der Francozeit begannen die Frauen, aktiv ins Berufsleben einzusteigen. Etwa fünfzig Prozent aller Frauen sind heute im Erwerbsleben tätig. Sie sind eine sehr interessante Schmuckkundschaft, denn sie kaufen Schmuck für sich selbst. Vom Stil her könnte man die durchschnittliche Barcelonin als Mailänderin Spaniens bezeichnen. Sie hat einen schlichten und klassischen, gehobenen Chic mit der Neigung, auch mal aus dem allzu Konventionellen auszubrechen. Sie kauft den Schmuck nicht unter dem Aspekt der Investition. Nach den Worten von Señor Carles, dem Präsidenten des Katalanischen Goldschmiedeverbands, schaut sie zuerst auf das Design, dann auf den Preis und als Drittes auf die Qualität eines Schmuckstückes.

Ein glücklicher Umstand für die Schmuckgeschäfte in Barcelona sind die vielen – vor allem religiösen - Feiertage. Sie bieten regelmäßig Gelegenheit zum Tragen und Verschenken von Schmuck. Barcelona ist generell eine wunderbare Shoppingstadt. Auf den Stadtgebiet selbst leben 1.5 Mio. Einwohner, das gesamte Einzugsgebiet umfaßt 2.8 Mio. Einwohner. Der Einzelhandel profitiert dazu noch von den rund 7 Millionen Besuchern, die Barcelona jedes Jahr besuchen.

Gaudí’s Enkel

Der Einfluß Antoni Gaudì’s ist in Barcelona allgegenwärtig. Da sind einerseits seine prächtigen Gebäude und der großzügige Parc Güell, andererseits seine große Unvollendete, die Kathedrale Sagrada Familia, eines der Wahrzeichen Barcelonas. Da ist aber auch sein stilistischer Einfluß auf die heutigen Kreativen, den man kaum übersehen kann. Gaudì hatte zu seiner Zeit das große Glück, immer wieder aufgeschlossene und reiche Auftraggeber zu finden. Sein Werk war zur gleichen Zeit jedoch auch Zielscheibe von Spott und Unverständnis seiner Zeitgenossen. Erst spätere Generationen fingen an, die avantgardistischen Bauwerke in ihrer vollen Bedeutung zu erfassen.

Eines der berühmtesten Gebäude Gaudí’s ist die Casa Milà und steht an Barcelonas Prachtstrasse, dem Passeig de Gràcia. Im Volksmund heißt das Haus La Pedrera, (der Steinbruch, wegen seiner Naturstein-Struktur). Das Haus weist alle Merkmale Gaudì’scher Baukunst auf. Kühne Linienführung, revolutionäre Bautechnik und phantastische Dekors. Heute befindet sich im Untergeschoß des Hauses ein Museumsshop. Das Geschäft bietet nicht nur die üblichen Postkarten, Bücher oder sonstigen Souvenirs an. Vielmehr hat sich das Geschäft darauf spezialisiert, Kunsthandwerk zu zeigen, das auf hochstehende Art mit dem Werk Gaudì’s kommuniziert. Unter anderem findet man auch Schmuck, der einerseits vom Geschäft in Auftrag gegeben oder aufgrund seiner formalen Nähe zum Werk des Architekten ausgesucht wurde. Man findet vor allem Spanische Namen in den Vitrinen. Enric Majoral zum Beispiel mit seinem aus feinen Silberschälchen zusammengesetzten Schmuck. Aureli Bisbe, ein Altmeister der Goldschmiedeszene Barcelonas hat sich für seinen Schmuck von den Deckenreliefs der Casa Milà inspirieren lassen. Andere Namen umfassen die Composada Joiers, Nona Lopez, Tina Peitx und viele mehr.

Die Nase im Wind der Zeit

Wer in Barcelona trendigen Schmuck Internationaler Marken sucht, ist bei Rosa Bisbe am richtigen Ort. Die dynamische Tochter des bekannten Schmuckdesigners Aureli Bisbe hat insgesamt drei Geschäfte in Barcelona. Ihr Hauptgeschäft befindet sich im eleganten Stadtviertel um den Garten Jardins Eduard Marquina. Sie führt Markennamen wie Pasquale Bruni, Centoventuno und Pianegonda aus Italien, Feeling und Schoeffel aus Deutschland und einen Mix von trendigen und hochwertigen Uhrenmarken. Dazu kreiert das Team von Rosa Bisbe regelmäßig eigene Schmuckkollektionen mit ganz persönlicher Handschrift. Zum hundertsten Geburtstag des berühmten spanischen Poeten Federico García Lorca im vergangenen Jahr schuf sie eine Reihe von Schmuckstücken mit Gravuren seiner Texte und einem gezeichneten Gedicht an die Schauspielerin Margarita Xirgu, das er ihr 1935 gewidmet hatte. Rechtzeitig zum großen Jahreswechsel erscheint zudem eine Millenniumskollektion. Rosa Bisbe’s Kunden sind zu achtzig Prozent Frauen, die arbeiten und dementsprechend ihren Schmuck für sich selbst kaufen. Nur etwas ältere Frauen würden sich Schmuck schenken lassen, meint sie.

In ihrer Nähe befindet sich das Geschäft des bekannten Barceloniner Juweliers Puig Doria, sowie die Galerie von Nuria Ruiz, die unter anderen Werke von Michael Zobel zeigt.

Das Schmuckphänomen von Barcelona

Wer den Damen in Barcelona auf den Hals oder das Handgelenk schaut, entdeckt immer wieder ein kleines, rundliches stilisiertes  Bärchen. Sieht man eine Dame mit ihrer Tochter, so tragen beide das bewußte Bärchen, die Mama in Gold, die Tochter in Silber. Es handelt sich dabei keineswegs um das Wappentier Barcelonas, auch nicht um ein dreizehntes Sternzeichen. Vielmehr handelt es sich um das Markenzeichen einer Schmuckfirma, die im unweit von Barcelona gelegenen Manresa ihren Firmensitz hat. Das Familienunternehmen Tous existiert schon seit 1920. Sein Siegeszug in ganz Spanien geht allerdings auf die vergangenen zehn Jahre zurück.

Tous trat an, das Luxusgut Schmuck zu demokratisieren. Sie stellten fest, daß zu dieser Zeit den Kundinnen nur traditioneller, hochpreisiger oder billiger Massenschmuck angeboten wurde. Tous wollte seinen Kundinnen aber zeitgemäßen, erschwinglichen Schmuck anbieten. Sie richten sich an Frauen, die jung im Geist sind, egal welchen Alters. Besonders interessant an der Erfolgsgeschichte des Unternehmens ist, daß der Schmuck zuerst von Schulmädchen entdeckt wurde, deren Mütter alsbald zu Kundinnen bei Tous wurden.

Das Sortiment von Tous umfaßt Silber, Gold-, Diamant-, Farbstein- und Perlschmuck, sowie Lederaccessoires. Den größten Erfolg hat die Firma mit dem Bärchen, das in allen Kollektionen immer wieder auftritt. Daneben gibt es noch eine Anzahl weiterer Motive, wie Margeriten, Tulpen, Herzen, Fische und andere. Die Wiedererkennbarkeit des Tous-Stils hat dazu geführt, daß die fröhlichen Anhänger zu einem eigentlichen Statussymbol in Barcelona wurden.

Aktuelle Schmuckkunst beim „weißen Kubus"

Das leuchtend weiße Gebäude des MACBA (Museu d’Art Contemporani de Barcelona) ist Teil des Plans der Stadtregierung, aus dem einstmals von Arbeitern und zwielichtigen Gestalten bewohnten Stadtviertel Raval (links der Ramblas gelegen) ein kulturelles Zentrum zu machen. Um das Museum herum entstanden zahlreiche Galerien, unter anderem das Forum Ferlandina. Die Besitzerin Beatriz Würsch hat in den vergangenen drei Jahren in ihrer atmosphärischen Galerie einen Ort für zeitgenössischen Schmuck in Barcelona geschaffen. Rund fünfzig Künstler aus fünfzehn Ländern sind bei ihr vertreten. Mit regelmäßigen Ausstellungen versteht sie es überdies, eine ständig wachsende Anhängerschaft für neuen, unkonventionellen Schmuck zu interessieren. Beatriz Würsch – als Schweizerin seit zehn Jahren in Barcelona ansässig - sagt im Gespräch, daß Barcelona eine lebendige, südländische Stadt  mit viel Temperament ist. Der zwischenmenschliche Kontakt fällt leicht und die Menschen sind interessiert und neugierig. Eigenschaften, die ihr in Verkaufsgesprächen entgegenkommen, denn oft müssen ihre Schmuckstücke erst erklärt werden. Unermüdlich bringt sie ihren Kunden das Prinzip vom Schmuck als tragbarem Kunstwerk näher und erklärt, warum es nicht immer gleich Gold mit Diamanten zu sein braucht.

Spanische Schmuckmoderne

Das kleine, aber feine Geschäft von Joaquin Berao verrät schon von außen den Geist seines Erfinders. Ruhige Linien, mediterrane Farben und Modernität kennzeichnen das preisgekrönte Geschäft. Auch der Schmuck des Designers folgt dieser Linie. Schlichte, weiche Linien, sinnliche Volumina und eine starke, zeitgemäße Formensprache prägen seine Kollektion. Joaquin Berao fing schon vor fünfundzwanzig Jahren in Madrid an, Schmuck zu machen und verkauft seine Kreationen mittlerweile auch im Ausland in Mailand und Tokyo.

Katalanische Goldschmiedetradition

Das International bekannteste Traditionshaus Barcelonas ist Masriera. 1985 wurde das Unternehmen von einem anderen Topjuwelier, dem Hause Bagués gekauft, aber unter eigenem Namen weitergeführt. Die Anfänge von Masriera gehen auf das Jahr 1839 zurück, als das Unternehmen vom Goldschmiedemeister Josep Masriera i Vidal gegründet wurde. Die Masrieras waren eine sehr kreative Familie, die sich neben dem Goldschmiedehandwerk auch der Malerei widmeten. Sie betrieben ebenfalls eine Gießerei, in der Skulpturen entstanden, unter anderem auch der Columbus, der noch heute am Ende der Ramblas in Barcelona steht.

Der Enkel des Firmengründers Lluís Masriera i Rosés war der Erste, der Jugendstilschmuck in Spanien zeigte. Er hatte sich bereits als junger Mann in Ausland beruflich weitergebildet, unter anderem in Genf, wo er Emailtechniken beherrschen lernte. Nach einem Besuch in Paris, wo er die Werke von René Lalique kennengelernt hatte, begann er in Barcelona eine eigene Kollektion im Stil des Modernisme zu entwerfen. Gleichzeitig arbeitete er an den erlernten Emailtechniken und entwickelte das typische transluzente und opake Email, das unter dem Namen „Barcelona Email“ berühmt werden sollte. Am 21. Dezember 1901, am Tag an dem die Juweliere traditionsgemäss ihre Weihnachtsdekoration einrichteten, traten die Masrieras mit ihrer neuen Kollektion an die Öffentlichkeit. Ihre Libellen, Schmetterlinge, Blumen und Feen waren die große Sensation Barcelonas und machten Masriera zum Topjuwelier Barcelonas.

Aber selbst die Arbeit als Juweliere, Maler und Skulpteure füllte die Masrieras nicht aus. Sie gründeten zusätzlich ein Theater, wo Lluís selbst Regie führte. Für sein Bühnenmodell für das Stück „Sota l’ombrel-la“ (Unter dem Regenschirm) gewann er an der Weltausstellung in Paris eine Auszeichnung. Auch eine Zeitschrift gründete der nimmermüde Geschäftsmann. Sie nannte sich „Estilo“ und wurde in ganz Spanien und Südamerika verkauft. Damit nicht genug, war er zeit seines Lebens Vorsitzender verschiedenster Verbände und Interessengruppen. Er verstarb 1958.

Der Schmuck von Masriera wird nach wie vor gefertigt. Der Stil ist noch immer dem Jugendstil verpflichtet. Die zierlichen Motive mit dem durchscheinenden Email werden wie früher in Handarbeit hergestellt, signiert und numeriert. Freunde findet der romantische Schmuck auf der ganzen Welt unter Schmuck- und Kunstsammlern. Heute wird der Masriera-Schmuck in den beiden Geschäften der Firma Bagués verkauft. Beide sind in historischen Gebäuden an bester Lage untergebracht. Eines liegt an den Ramblas, der Flaniermeile Barcelonas, das andere am Passeig de Gracia in einem Jugendstilhaus, der Casa Amatller.

Reise in die Vergangenheit

Noch ein paar Jahre älter als Masriera ist die Joieria Sunyer. Ramon Sunyer gehörte zusammen mit seinem damaligen Partner Jaume Mercadé zu denjenigen Goldschmieden, die auf der Weltaustellung in Paris im Jahre 1925 ausgezeichnet wurden. Das charmante Geschäft an der Gran Via de les Corts Catalanes, das sich noch immer im Besitz der Familie Sunyer befindet, ist unverändert im Stil der Jahrhundertwende eingerichtet. Nach wie vor wird Schmuck gefertigt und im eigenen Geschäft verkauft. Wer Glück hat, kann jedoch in den Räumlichkeiten hinter dem Ladengeschäft eine Reise in die Vergangenheit antreten. Die alte Werkstatt der Gold- und Silberschmiede ist noch vollständig erhalten. Unzählige Stanzwerkzeuge und Gipsabdrücke und die alten Maschinen stehen und liegen noch so, als hätten die Arbeiter von damals gerade eben aufgehört zu arbeiten. Man vermeint fast, einen Zeitsprung gemacht zu haben. Auch im Keller steht noch eine riesige Stanzmaschine vollständig mit allem, was es braucht, um Silberbestecke herzustellen. Ein unglaubliches Zeitzeugnis, das hoffentlich dereinst in irgendeiner Form bewahrt werden kann.

Katalanische Kreativität und Europäischer Geist

Barcelona hat heute den Rang einer kreativen Metropole Europas. Nicht nur in Architektur und Design kann man gespannt sein auf die Zukunft. Auch im Schmuckbereich ist Einiges zu erwarten. Die International bekannte Massana-Designschule vermittelt ihren Schmuckstudenten eigenständiges Arbeiten im experimentellen Rahmen. Der Verband der Katalanischen Goldschmiede bildet Jahr für Jahr hervorragende Goldschmiede und Fasser aus. Eine neue Elite von jungen Schmuckmachern im Spannungsfeld von traditionellem Handwerk und innovativem Design entsteht. Der Europäische Geist, die erstarkende Katalanische Kultur und die geschäftstüchtige Seele der Barceloninen lassen auf eine neue, eigenständige Schmuckkultur in Barcelona hoffen. Ein Kreis schließt sich. Junge Schmuckmacher sind im Begriff, sich im  Barri Gòtic anzusiedeln. Just da, wo im Mittelalter die berühmten Katalanischen Goldschmiede gearbeitet hatten.

Mit freundlichen Grüßen aus Barcelona

Susan Sagherian


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