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Elterngeneration wider
Willen
Irgendwie können sie es noch immer nicht glauben, erwachsen zu sein.
Schliesslich sind sie ja die Generation, die einmal dem Motto „Trau
keinem über 30“ nachlebten. Und nun sind sie selbst bei den
Fünfzigern angelangt und mancher fragt sich wohl noch ab und zu, was er
denn werden will, wenn er mal gross ist.
In der Vergangenheit war der fünfzigste Geburtstag ein Zeitpunkt, zu
dem die Kinder endgültig das Haus verliessen und noch zehn bis
fünfzehn Arbeitsjahre anstanden, bevor man sich zur Ruhe setzte. Das
gilt nicht mehr. Obwohl auch unter den Baby Boomers viele ihre
Elternpflichten schon hinter sich gebracht haben, gibt es nicht wenige,
die erst spät Eltern wurden und deshalb noch schulpflichtige Kinder im
Haus haben. Sie sind die erste Generation, denen es aus finanzieller und
gesellschaftlicher Sicht möglich war, die Familiengründung
aufzuschieben. Ganz entscheidend für diesen Wandel war auch die
Erfindung der Pille in den Sechziger Jahren, die den Frauen die
Entscheidung über den „eigenen Bauch“ erlaubte. Typisch für diese
Generation ist es auch, geschieden und wiederverheiratet zu sein. Nicht
wenige haben zwei, wenn nicht drei Familien mit unterschiedlichen
Partnern gegründet. Ihre Kinder wachsen damit auf, ihr Elternhaus nicht
einem Ort zu zuordnen, sondern sich verschiedenen Haushalten zugehörig
zu fühlen.
Häufig sind neben den Nachkommen auch noch die Eltern zu versorgen.
Gerade in der Schweiz werden diese Aufgaben vielfach von den Ehefrauen
bewältigt. Aber auch hier gibt es eine wachsende Anzahl von Haushalten,
in denen beide Ehepartner einer regelmässigen Beschäftigung nachgehen
und Familienaufgaben entsprechend anders organisiert werden müssen. Mit
der herrschenden Unsicherheit am Arbeitsplatz, gerade für etwas ältere
Mitarbeiter, ist für viele Familien das Einkommen der Frau zu einem
entscheidenden Faktor geworden. Trotz all diesen Belastungen sind die
Baby Boomers eine optimistische und flexible Generation. Sie passen sich
den dynamischen Veränderungen der Nachkriegszeit bereitwillig an und
machen das Beste aus jeder neuen Situation.
Weltweit grösste Konsumenten
Die Baby Boomers sind eine mächtige Generation. In vielerlei Hinsicht.
Sie übernehmen je länger, je mehr die Schalthebel der Macht. In der
Politik, der Öffentlichkeit und der Wirtschaft sitzen sie mittlerweile
an den entscheidenden Stellen. Manch einer hat dabei eine erstaunliche
Wandlung durchgemacht. Die „Alternativen“ von einst haben sich zu
gestandenen Geschäftsmännern entwickelt. Politisch Aufmüpfige haben
Einsitz in den oberen Gremien der Staatspolitik genommen. Deutschlands
Aussenminister Joschka Fischer ist dafür ein besonders herausragendes
Beispiel. Die Einkommen dieser Generation sind entsprechend im eher
höheren Bereich anzusiedeln. Das verfügbare Einkommen darf aufgrund
der überwiegend guten Wirtschaftslage der vergangenen Jahre und der
Tendenz zu doppelverdienenden Haushalten als ganz beträchtlich
eingeschätzt werden. Dazu kommt, dass die Zeit der grossen Erbschaften
begonnen hat.
Auch zahlenmässig sind die Baby Boomers eine wichtige Generation. 1998
umfasste die Bevölkerungsgruppe der 40-64jährigen 32% der Schweizer
Bevölkerung. Das lässt den Schluss zu, dass unser Segment der
40-55jährigen auf mindestens ein Viertel der hiesigen Bevölkerung
geschätzt werden darf. Die Tendenz der nächsten Jahre ist steigend. In
den USA umfassen die zwanzig Jahrgänge nach Ende des Krieges 76
Millionen Menschen.
Das Besondere an dieser Konsumentengeneration ist, dass sie zwar
äusserlich älter werden, im Herzen aber jung bleiben. Ihr „Pflichtkonsum“
umfasst den täglichen Konsum, kann aber auch leicht Putz- und
Kindermädchendienste mit einschliessen. Daneben sorgen sie sich sehr um
ihre Gesundheit und die Fitness. Ihr „Verwöhnkonsum“ ist besonders
ausgeprägt. Diejenigen, die die Kinderphase bereits hinter sich haben,
verwirklichen jetzt alle langgehegten Träume. Luxuskäufe wie
hochwertige Musikanlagen, schnittige Autos, teure Labelmode und sicher
auch Schmuck gehören dazu. Daneben pflegt diese unkonventionelle
Generation auch Vergnügen wie den Besuch von Open-air-Konzerten, das
Erlernen einer Trendsportart wie Inline-Skating oder Snowboarden,
aufwendige Reisen mit der ganzen Familie oder die Mitgliedschaft im
Golfclub.
Starke Vorbilder und Idole
Eine besondere Eigenheit dieser Generation sind ihre starken und
unkonventionellen Vorbilder in der Öffentlichkeit. Es muss ein gutes
Gefühl sein, wenn die Musikgruppen, denen man als Jugendlicher
zujubelte, auch heute noch zu den ganz Grossen der Musikszene gehören.
Es ist Balsam für die Seele, wenn gleichaltrige Schauspieler und
Schauspielerinnen noch immer Kinomagneten sind. Es ist beruhigend, wenn
die eigene Generation in öffentlichen Aufgaben das Heft in der Hand
hält. Und für die Frauen ist es motivierend, zu sehen, dass Familie
und Beruf nicht einander ausschliessende Lebensformen sein müssen. Noch
motivierender ist es, dass Frauen auch um die Fünfzig noch durchaus
attraktiv sein können.
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Berühmte Baby Boomers
Bill Clinton, Bill
Gates, Oprah Winfrey, Steven Spielberg, Moritz Leuenberger, Joschka
Fischer, Richard Geer, Michael Douglas, Mick Jagger, Paul McCartney,
Tina Turner, Roger Schawinski |
Individualisten
der ersten Stunde
Die Baby Boomers waren die Individualisten der ersten Stunde. Damals
begann ein Prozess der nicht mehr umkehrbar ist. Die Freiheit des
Einzelnen wurde mit dem wachsenden Wohlstand der Nachkriegszeit
möglich. Die grossen Institutionen wie Staat, Kirche und Familie
verloren gerade auch mit Hilfe der 68er-Generation ihren Einfluss.
Dieser kämpferische Individualismus ist auch heute noch vielen
Vertretern dieser Generation eigen. Sowohl den Frauen, wie auch den
Männern. Wir haben es also keineswegs mit ältlichen, traditionell
orientierten Konsumenten zu tun. Ihre Einstellung ist viel mehr
anspruchsvoll, kritisch, betont individuell und vergnügungsorientiert.
Sie orientieren sich aus Prinzip mehr am jugendlichen Geschmack als an
demjenigen ihrer Eltern.
Das macht sie sicher nicht zu einfachen Kunden. Die ganz jugendlichen
Sachen erfüllen vielleicht nicht mehr alle Anforderungen, aber
langweilig und altmodisch darf es auf keinen Fall sein. Viele
Marktsegmente müssen sich da etwas einfallen lassen. Auch die
Modebranche wird sich je länger je mehr mit jugendlichen Kundinnen um
die Fünfzig mit entsprechenden „Realmassen“ (nicht Traummassen)
auseinandersetzen müssen.
Für die Schmuckbranche liegt bei dieser Konsumentengeneration viel
Potential. Die erfahrenen Kundinnen können sich jetzt Wünsche
erfüllen, die für Jahre von Familienausgaben in den Hintergrund
gedrängt wurden. Biographisch gesehen ist bei diesen Kundinnen alles
möglich. Von der Frau, die sich endlich die heissersehnte
Akoyaperlenkette kaufen möchte, die ihre Mutter der Schwester vererbte,
über die überzeugte Frauenkämpferin, der Schmuck immer etwas suspekt
war, bis zur Frau, die jetzt ihren ganz individuellen Schmuck im Trend
der Zeit sucht. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie in den meisten
Fällen die finanziellen Möglichkeiten für einen hochwertigen
Schmuckkauf haben. Beratung ist das oberste Gebot. Wer es versteht,
diese Kundinnen richtig anzusprechen, hat alle Chancen eine
langjährige, gute Kundin zu gewinnen.
(Quellen: viewpoint no six)
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