Die Erben der Diamantschleiferkunst
(Erschienen in Gold'Or
- Ausgabe 1 / 2001)
Wer heute an Biel denkt, hat zuerst und
vor allem tickende Zeitmesser vor Augen. Die Stadt zwischen Romandie
und Deutschschweiz ist heute eine Hochburg der Uhrenindustrie. Wenig
bekannt ist, dass Biel bis zum Zweiten Weltkrieg das Schweizerische
Zentrum der Diamantschleifer war. Davon hat sich wenig in die
Gegenwart hinein bewahren lassen. Bei Voegeli & Wirz jedoch wird
die Kunst des Diamantschleifens bis heute gepflegt. Darüber hinaus
bieten die beiden Herren Veraguth als engagierte Diamanthändler
ihren Kunden ein sorgfältig zusammengestelltes Sortiment.
In dritter Generation
Hans Voegeli gründete im Jahr 1918 zusammen mit seinem Bruder und
einem Compagnon eine Diamantschleiferei. Das Unternehmen arbeitete
für Amsterdamer Diamanthändler als Lohnschleifer. Sie erhielten
rohe Diamantkristalle und schickten diese fertig geschliffen
zurück. Diese Aktivität kam mit der Krise der 30er Jahre und den
nachfolgenden Wirren des Zweiten Weltkriegs zu einem abrupten Ende.
Der internationale Diamanthandel befand sich zur damaligen Zeit vor
allem in jüdischer Hand. Die Verfolgungen Nazideutschlands
zerstörten nicht nur die jüdische Gemeinschaft Europas, sondern
auch in besonderem Masse den Diamanthandel. Nach diesem Aderlass hat
das Diamantgeschäft Amsterdams nie mehr die Bedeutung von einst
erlangt. Andere Diamanthandelsplätze haben sich entwickelt,
Antwerpen im Besonderen ist an seine Stelle getreten.
Für die Diamantschleifer in Biel bedeutete dies einen kompletten
Neuanfang nach dem Krieg. Sie begannen damit, Rohmaterial selbst
einzukaufen und die geschliffenen Waren anschliessend auf dem
Schweizer Markt weiter zu verkaufen. Damit wurden sie von
Lohnschleifern zu Diamanthändlern und legten den Grundstein für
ein blühendes Geschäft, das bis in die 70er Jahre hinein
problemlos florierte. Die schwere Ölkrise nach dem grossen
Diamantenboom brachte diese unbesorgte Phase zu einem Ende. Heute
beschäftigt die Firma weniger als zehn Mitarbeiter in der Schweiz.
Effizient, kompetent und bestens organisiert, ist Voegeli & Wirz
ein modernes Diamantunternehmen, das mittels internationalen
Verbindungen jeden noch so glitzernden Wunsch erfüllen kann.
Eine Besonderheit des Unternehmens ist, dass es in den
Räumlichkeiten in Biel immer noch ein Schleifatelier unterhält.
Umschleifarbeiten, Reparaturen und komplizierte Anpassungen an
vorgegebene Fassungen können so direkt vor Ort erledigt werden.
Grosse Serienaufträge werden aus wirtschaftlichen Gründen von
einem eigenen Team von, in der Schweiz ausgebildeten,
Diamantschleifern in Israel geschliffen. Die Kontrolle am Sitz in
Biel garantiert den Kunden einen hohen Qualitätsstandard. Die
schwierige Arbeit des Sortierens und Graduierens wird von
Spezialistinnen und Spezialisten mithilfe von besonderen, auf
Seriearbeit eingerichteten Mikroskopen erledigt. Diese sortieren pro
Tag bis zu je 6'000 kleine und kleinste Diamanten nach Schliff,
Reinheit und Farbe und stellen die Bestellungen der Kunden nach
deren individuellen Wünschen zusammen.
Die Brüder Veraguth sind beide schon als Kinder in das Geschäft
ihrer Familie hineingewachsen. Beide haben Ausbildungen im
kaufmännischen Bereich, haben aber auch gelernt, einen Diamanten
von Grund auf zu schleifen. Das Unternehmen ist Mitglied der
Schweizerischen Gemmologischen Gesellschaft SGG und damit auch im
wissenschaftlichen Bereich immer auf dem neuesten Stand.
Voegeli & Wirz beliefert heute sowohl die Uhren- als auch die
Schmuckindustrie. Die starke Nachfrage nach Uhren mit Diamantbesatz
hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass das überwiegende
Geschäft mit Uhrenfirmen stattfindet. Dieses Verhältnis soll
jedoch durch eine gezieltere Betreuung der Schmuckfirmen und
Goldschmiede ausgewogener werden, denn das Unternehmen ist auf die
Wünsche dieser Kundengruppe bestens vorbereitet.
Vom Tagesbedarf bis zum Spezialwunsch
Das tägliche Brot eines Diamanthändlers sind runde
Brillantschliffe. Sie sind mit grossem Abstand die
meistgeschliffenste Form des Diamanten. Im Moment trifft dies in
noch grösserem Masse zu. Pavéflächen und ausgefasste Linien auf
Uhren und Schmuck sind voll im Trend. Abgesehen vom Princessschliff,
der sich momentan ebenfalls grosser Beliebtheit erfreut, sind alle
anderen Schliffformen eher etwas in den Hintergrund getreten.
Bei diesen Klassikern liegen denn auch die Stärken von Voegeli
& Wirz. Brillantschliff, Princess, Baguetten, Carrés und
Trapeze in Grössen bis zu 0.75ct sind in Biel immer in grossen
Mengen am Lager. Neben den fünf Standardsortierungen in gängigen
Marktqualitäten, kann auch auf spezielle Sortierungswünsche des
Kunden eingegangen werden. Auch zertifizierte Einzelsteine sind
immer am Lager in Biel, können aber auch innert nützlicher Frist
zu kompetitiven Preisen auf dem internationalen Markt besorgt
werden. Dies gilt genau so für besondere Schliffformen und
Qualitäten, die nicht vorrätig sind.
Ein besonderes Anliegen der Bieler Diamantspezialisten ist es, jede
Bestellung der Schmuckindustrie gleichentags auszuführen. Ihre
Kunden sollen nicht länger als vierundzwanzig Stunden auf ihre
Waren warten müssen. Dabei wird im Hause Voegeli & Wirz den
unterschiedlichen Bedürfnissen von Uhrenfirmen und
Schmuckherstellern Rechnung getragen. Die Ersten brauchen oft grosse
Mengen einer einzigen Diamantgrösse, die Zweiten jedoch vielfach
kleine und kleinste Mengen unterschiedlicher Diamanten. Auf beide
Bedürfnisse ist das Team von Voegeli & Wirz bestens
vorbereitet.
Wort des Jahres: „Konfliktdiamanten“
Das Thema war im Sommer plötzlich in aller Munde: „Konfliktdiamanten“.
Die Praxis, nämlich mit Edelsteinen Waffenkäufe zu finanzieren,
hat die Weltöffentlichkeit aufgerüttelt. Die UNO, internationale
Menschenrechtsorganisationen und die Politiker beschäftigten sich
auf einmal mit den unsauberen, unethischen Geschäften. Die
kriegerischen Auseinandersetzungen in Sierra Leone lösten eine
heftige Diskussion über dieses bis dahin unbeachtete Kapitel der
Diamantindustrie. Anfang Juli verhängte der Uno-Sicherheitsrat ein
Embargo über die Ausfuhren von Rohdiamanten aus dem
kriegsversehrten Sierra Leone.
De Beers garantiert seinen Kunden schon seit März dieses Jahres,
dass seine Diamanten aus „konfliktfreien Gebieten“ stammen. In
Zukunft sollen die eigenen Steine mit dem Monogramm DTC - für
Diamond Trading Co. - versehen und unter dem neuen Qualitäts- und
Reinheitssiegel „Forevermark“ vermarktet werden. In Antwerpen
nahm man den dortigen Weltdiamantenkongress im Juli zum Anlass,
einen 9-Punkte-Plan zu präsentieren. Auf jeder Handelsstufe sollen
künftig die Diamanten von Zertifikaten über Herkunft und legitime
Verkaufs- und Ankaufstellen begleitet, Einzelheiten in Datenbanken
gespeichert werden. Fachleute sind sich einig, dass diese Massnahmen
Sinn machen, solange die Diamanten im Rohzustand vorliegen. Kommen
sie aber bereits geschliffen auf den Markt, ist ihnen ihre Herkunft
nicht mehr anzusehen.
Wir sprachen mit Stephan Veraguth über das Thema „Konfliktdiamanten“.
Gold’Or: Herr Veraguth, wie beurteilen Sie die Thematik um die
Konfliktdiamanten?
Diese Thematik sollte die Schweiz ganz besonders beschäftigen,
gehört sie doch zu den wichtigsten Diamant-Drehscheiben der Welt.
Die Schweiz ist ein beliebt-berüchtigter Hafen von verschiedenem
Strandgut, Erwünschtem und Unerwünschtem. Die UNO hat im
Frühsommer lobenswerte und absolut nötige Sanktionen ausgesprochen
und die Schweizer Regierung hat ein paar Monate später diese
Handelsrestriktionen übernommen. Nach dem moralischen Aspekt ist es
nun auch offiziell untersagt, Diamanten aus Konfliktregionen zu
importieren. Wir unsererseits kaufen oder bearbeiten keine Rohwaren,
von welcher wir nicht genau wissen, ob diese offiziell in die
Schweiz eingeführt wurde und aus welcher Provenienz und Quelle sie
stammen.
Gold’Or: Wie gehen Sie im Rahmen Ihrer Unternehmung mit dem
Thema um?
Noch bevor die Schweiz die Sanktionen der UO offiziell annahm,
haben wir mit unseren Lieferanten das Gespräch gesucht. Das
Resultat ist, dass wir heute ausschliessen können, dass sich in
unserer Ware Diamanten aus sanktionierten Staaten befinden. Wir
kaufen ausschliesslich von DTC-Quellen oder aus Beständen, welche
in GUS-Staaten geschürft und geschliffen wurden. Aus diesem Grund
sind wir in der Lage, auf jeder Auswahl und Rechnung mit Gewissheit
eine entsprechende, schriftliche Garantie abzugeben.
Gold’Or: Ist Ihnen bekannt, ob das Thema „Konfliktdiamanten“
schon einen spürbaren Einfluss auf das Verbraucherverhalten hatte?
Im Gegensatz zu den USA, wo die Konsumenten durch die Medien auf
dieses Thema sehr viel mehr sensibilisiert wurden als es in unseren
Breitengraden der Fall war, ist die Öffentlichkeit in der Schweiz
weniger informiert und schätzt dadurch vermutlich das Problem
weniger brisant ein. Es gab ein paar Berichte in Tageszeitungen und
auch SF DRS griff das Thema in einem Beitrag auf, doch damit war das
Thema von den Schweizer Medien mehr oder weniger ad acta gelegt
worden. Wir glauben nicht, dass jetzt aus diesem Grund Diamanten im
Detailhandel weniger gut oder nicht verkäuflich sind. Ein viel
grösseres Hindernis ist im Moment sicher der zu hoch bewertete
US-Dollar, der die Verbraucherpreise bald ins Unerschwingliche
treiben wird.
Gold’Or: Im Bereich Diamanten hat es im Kreis der Fachleute
einige Schlagzeilen gegeben. Behandlungsmethoden wie die GE
POL-Methode und Rissfüllungen, Imitationen wie der Moissanit haben
doch in vergangenen Monaten für Unsicherheit gesorgt. Wie stellen
Sie sicher, Ihren Kunden unbehandelte Ware anbieten zu können?
Unsere Verbindungen im Diamanteinkauf werden über Jahre hinweg
im täglichen Geschäft geprüft und als hervorragend befunden. Dies
ist eine gewachsene Vertrauensbasis, welche von keiner Seite mit
irgendwelchen Machenschaften aufs Spiel gesetzt werden will.
Zusätzlich wird bei uns jeder Stein, ob 0.6mm im Durchmesser oder
fünf Karat schwer, unter 20facher Vergrösserung gemmologisch
untersucht. Dies ist für uns und unsere werte Kundschaft der
grösstmögliche Schutz. Darüber hinaus lassen wir für alle
Diamanten über einem halben Karat ein Zertifikat von renommierten
und unabhängigen Labors erstellen.
Gold’Or: Garantieren Sie auch für die von Ihnen verkauften
Diamanten?
Wie bereits erwähnt, finden Sie auf allen unseren Auswahlen und
Rechnungen folgende schriftliche Garantie: "Wir bestätigen,
dass oben erwähnte Diamanten nicht aus Konfliktländern stammen,
welche momentan unter dem Begriff „conflict diamonds“
beschrieben, und von der UNO sanktioniert sind. Weiter bestätigen
wir, dass diese Diamanten von uns nach bestem Wissen und Gewissen
eingekauft, graduiert und als echt und unbehandelt eingestuft worden
sind". Hinter dieser Deklaration stehen wir und
übernehmen die Verantwortung gegenüber unserer Kundschaft.
Gold’Or: Was raten Sie Einzelhändlern und Goldschmieden im
Umgang mit verunsicherten Kunden?
Gerade wegen der verschiedenen von Ihnen angesprochenen
Problemkreisen wird es immer wichtiger, dass der Diamanteinkäufer
sich der Quelle seiner Diamanten - roh oder geschliffen - bewusst
ist. Wir finden es eminent wichtig, dass nur bei bekannten,
reputierten und auch juristisch problemlos erreichbaren Anbietern
eingekauft wird. Diese können bei einer eventuellen Unsicherheit
oder Beanstandung ohne Weiteres konsultiert und - sollte der Fall
eintreten - auch problemlos zitiert werden. Doch wie wir uns selbst
auch jeden Tag von Neuem sagen: Vertrauen ist gut und nötig,
Weiterbildung und Kontrolle ist aber weit besser und äusserst
wichtig.
Herr Veraguth, wir danken
Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch mit Stephan Veraguth führte Susan Sagherian für Gold’Or.