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Geborene
Überlebenskünstler
Die Wahrheit ist, dass die Generation der 25-40jährigen auf die heutige
Zeit bestens vorbereitet ist. In ihre Lebensspanne fällt die
Entwicklung von Taschenrechnern und Computern. Sie sind
selbstverständlich mit den Medien und Kommunikationssystemen, die heute
die Welt regieren, aufgewachsen. Dementsprechend wertfrei und
ungezwungen gehen sie damit um. Die Unternehmer der New Economy gehören
samt und sonders in diese Generation. Damit nehmen sie nicht nur an der
wachsenden Dynamik der Globalisierung unmittelbar teil, sie sind zum
Teil direkt für sie verantwortlich.
Der Begriff der Desillusion wird oft im Zusammenhang mit Generation X
verwendet. Das trifft ganz sicher zu. Sie mussten oftmals am eigenen
Leib erleben, wie die Ideale der Familie an der Wirklichkeit zerbrachen.
Sie waren oftmals Schlüsselkinder von doppelverdienenden oder
geschiedenen Eltern. Sie erlebten am Beispiel des Kommunismus die
Auflösung von ideologischen Systemen, misstrauen aber den Blüten des
Kapitalismus genauso. Wo Menschen und natürliche Ressourcen des Geldes
wegen ausgebeutet werden, dreht sich die Generation X angewidert ab.
Ideologisches Gedankengut fällt bei dieser Generation grösstenteils
auf unfruchtbaren Boden. Sie wissen zu gut, dass die Realität
vielschichtig ist und einfache Lösungen für komplexe Problemstellungen
nicht mehr taugen. Deshalb reagieren viele von ihnen mit Misstrauen
(gegenüber Autoritäten), Abwendung (in der Politik) oder offenem
Zynismus.
Überhaupt ist das Mehrschichtige und Komplexe eine Spezialität der
Generation Xler. Sie leben die typischen fragmentierten Leben der
heutigen Zeit. Sie jonglieren zeitgleich den Berufsaufbau, Freizeit und
Familiengründung. Sie schaffen es aber auch, virtuelle und reale Welten
miteinander in Einklang zu bringen. Keine andere Generation vor ihnen
ist in einer so voll medialisierten Welt aufgewachsen wie sie. Ikonen
aus Film und Fernsehen gehören zu ihren gemeinsamen Kindheits- und
Jugenderinnerungen. Diese vermischen sie munter und nach Belieben mit
Vergangenem, Futuristischem, Folkloristischem und ganz banalen,
alltäglichen Dingen. Dieser ekklektizistische und kreative Ansatz ist
zu einem Stilmerkmal der Gegenwart geworden und widerspiegelt die
individuelle Lebenseinstellung der Generation X.
Dieser ausgeprägte Individualismus führt auch bei Vielen dazu, dass
sie sich irgendwann selbständig machen oder, dass sie Arbeitsplätze
suchen, in denen die persönlichen Bedürfnisse des Einzelnen gelebt
werden können. Titel und Positionen sind angesichts der Freiheit, seine
Arbeit selbst zu gestalten, zweitrangig. Ausserdem lässt sich so Arbeit
und Privatleben für viele ausgewogener und individueller gestalten.
Dies ist ein Anspruch, den diese Generation verteidigt: Harte Arbeit ja
gerne, aber auch die Zeit, um die Früchte davon zu geniessen. Der
Aspekt des Hedonismus ist wichtig. Spass und Genuss ist ein wichtiger
Massstab für die Generation X. Gerade beim Konsum gewinnt diese
Komponente einen hohen Stellenwert. Unangenehme Einkaufserlebnisse
werden immer mehr zum „Einmal-und-nie-wieder“.
Kritische Konsumenten
Die Konsumenten zwischen 25-40 Jahren sind vor allem kritische
Konsumenten. Wenn es um Lebensmittel geht, sind sie - sofern dies
finanziell kein Problem ist - gerne bereit, einen Aufpreis für
biologische Nahrungsmittel zu bezahlen. Umweltfreundlichkeit, Ökologie,
Nachhaltigkeit und soziale Verträglichkeit sind andere Kriterien, die
bei dieser Generation über Kauf oder Nichtkauf eines Produkts oder
einer Marke entscheiden. Sie bevorzugen zeitsparendes Einkaufen, wenn es
um den täglichen Bedarf geht und das zu Zeiten, die sie mit ihrem
ausgefüllten Terminplan in Einklang bringen können. Ein besonderes
Kennzeichen dieser Generation ist auch, dass spirituelle Aspekte auf
ihren Konsum Einfluss nehmen. Ein Produkt, das ethisch-ökologisch
einwandfrei ist, der Seele gut tut und darüber hinaus um elf Uhr nachts
eingekauft werden kann, ist ihre absolute Idealvorstellung.
Es ist aber auch das Format eines Geschäfts, das diese Generation mehr
oder weniger anlockt. Grossverteiler werden wo immer möglich umgangen,
auch klassische Warenhäuser gehören nicht unbedingt zu ihren
Lieblingsgeschäften. Sie kaufen eindeutig lieber im Fachgeschäft oder
der Boutique ein oder dann gleich beim Discounter oder einem Factory
Outlet. Diese Chance wird von vielen Fachgeschäften nicht wahrgenommen.
Denn natürlich erwarten die Generation Xler etwas. Dazu gehört ein
Sortiment, das jungen Erwachsenen etwas anbietet. Dazu gehört eine
Atmosphäre, die sie anspricht. Das fängt bei der Musik an und betrifft
ganz besonders die Kommunikation. Diese Kunden wollen nicht irgendwelche
Allgemeinplätze aufgetischt bekommen. Das Verkaufspersonal muss
vielmehr kompetent auf individuelle Wünsche eingehen können. Darüber
hinaus hängt der Erfolg eines Fachgeschäfts auch davon ab, wie das
Unternehmen generell kommuniziert. Verfügt es über eine
Internetpräsenz, entsprechen Prospekte und andere Unterlagen dem
Geschmack dieser Generation?
Als Kinder einer Zeit, die finanzielle Notlagen nicht mehr erlebt haben,
sind sie kultivierte Konsumenten mit einem mehrheitlich teuren
Geschmack. Sie sind gross geworden mit Fernsehwerbung und lassen sich
daher nicht so leicht etwas vormachen. Normalerweise wissen sie ganz
genau, was sie wollen und kaufen daher auch preisbewusst ein. Auch wenn
sie viel Geld ausgeben, wissen sie, warum sie es tun. Sie haben das
Angebot vor dem Kauf geprüft und kaufen so gezielt ein. Das stimmt im
Besonderen für die Männer dieser Generation. Wenn es allerdings um
Freizeitvergnügen geht, können sie auch leichtsinnig sein. Sowohl für
Auswärtsessen wie auch für andere Aktivitäten geben sie gegenüber
anderen Generationen überdurchschnittlich viel Geld aus. Das
Feierabendbier hat ausgedient, Wodka und Zigarre ist angesagt.
Das Segment der 25-40jährigen liegt bei ca. 25% der Gesamtbevölkerung.
Die Unter-30jährigen leben mehrheitlich in Zweipersonen-Haushalten. Die
Ausgaben pro Haushalt dieser Gruppe liegt bei rund SFr 5'600 pro Monat.
Diejenigen über dreissig leben mehrheitlich in Dreipersonen-Haushalten
und geben pro Haushaltung durchschnittlich rund SFr 7'500 pro Monat aus.
Individueller Tagesschmuck
Es ist nicht einfach, dieser Generation Schmuck zu verkaufen. Sie sind
sehr anspruchsvoll auf jeder Ebene. Zuerst einmal wollen sie als
ausgeprägte Individuen wahrgenommen und behandelt werden. Dann suchen
sie Schmuck, der zu ihnen passt und bei jeder Gelegenheit getragen
werden kann. Luxus für den Alltag, der zuallererst ihnen selbst
gefällt. Was die anderen denken, ist zweitrangig. Die Frauen dieser
Generation wählen und kaufen ihren Schmuck sehr oft selbst. Ganz
wichtig ist die Atmosphäre. Zu feine Geschäfte, in denen nicht laut
gesprochen werden darf, entsprechen nicht ihren Vorstellungen.
Stundenlanges Warten auf Bedienung auch nicht. Argumentation, die an
ihnen vorbei zielt, scheucht sie mit Sicherheit wieder aus der
Ladentür. Ausserdem wissen sie genau, dass sie als Konsumenten am
längeren Hebel sitzen. Sind sie irgendwo nicht zweihundertprozentig
überzeugt, gibt es in unmittelbarer Nähe ein anderes Geschäft.
Eine besondere Chance haben hier Goldschmiede. Sie stehen für
Individualität und verbreiten in ihren Geschäften oft eine
ungezwungene Atmosphäre, die den Generation Xlern entspricht. Vielfach
sind sie in etwa der gleichen Altersgruppe und verstehen sich schon
daher auf Anhieb. Auch Markenschmuck hat eine Chance. Marken zelebrieren
ihre Produkte als Lifestyle-Objekte und das spricht an. Verglichen mit
den älteren Generationen ist ihr verfügbares Einkommen nicht ganz so
hoch. Kleine Kinder veranlassen viele Mütter über einen gewissen
Zeitrahmen nur Teilzeit oder gar nicht zu arbeiten. Entsprechend tief
ist das Budget für Anschaffungen wie Schmuck. Wer es aber schafft,
dieser Generation den richtigen Schmuck im richtigen Umfeld zu
präsentieren, hat sie auch noch als Kunden, wenn ihre Kinder grösser
sind und das eigene Unternehmen fest am Markt etabliert ist.
(Quellen: viewpoint no 6, BfS, JMI
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