Eleganz und Glamour
(Erschienen in Gold'Or
- Ausgabe 2 / 2001)
Die Messe in
Vicenza eröffnet alljährlich den Messereigen und, wie immer beim
Start in ein neues Jahr, erwarten die Besucher gespannt die
Neuheiten. Die Italiener tragen in dieser Hinsicht eine besondere
Last. Sie sind bekannt für ihre modischen und tragbaren Kreationen.
Der Winter 00/01 hat in der Mode einen neuen, opulenten Stil in die
Damenmode gebracht. Klassisch inspirierte Eleganz einerseits und
sündhaft luxuriöser Glamour andererseits ist auf den Strassen
angekommen. Damit ist die Umkehr vom Minimalismus der 90er Jahre
endgültig Realität geworden. Vielleicht waren deshalb die
Erwartungen der Besucher in Vicenza noch etwas höher als in anderen
Jahren. Alle waren gespannt darauf, was die Italienischen Designer
zu den neuen Modetrends vorschlagen würden.
Die Messe selbst wartete mit Neuigkeiten auf. Die Halle G, die in
früheren Jahren ein bunter Mix von Ausstellern gewesen war,
präsentierte sich in diesem Jahr als neue Luxushalle mit den
grossen Markennamen der italienischen Schmuckindustrie. Die
Aussteller aus dem Maschinensektor hingegen waren ganz in nahe
gelegene Hallen ausquartiert worden. Diese Veränderungen erlaubten
den Besuchern eine bessere Übersicht über die verschiedenen
Sektoren des Handels und mancher Hersteller wartete mit einem tollen
neuen Stand auf. Unübersehbar waren aber auch die zum Teil
frappanten Niveauunterschiede innerhalb der Branche.
Auf Produktebene aber waren neue Trends eher spärlich gesät. Die
Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten des laufenden
Jahres und die überwiegend schlechten Weihnachtsverkäufe scheinen
die Kreativität der Designer etwas gedämpft zu haben. Entsprechend
war noch viel Weissgold mit Diamantpavé zu sehen. Dieser Trend ist
in vielen Märkten nach wie vor sehr stark präsent. Vor allem
deshalb, weil viele Konsumenten erst jetzt so richtig auf den
Geschmack des Weiss-in-Weiss kommen. Auf jeden Fall als Neuheit
bezeichnen darf man eine stark aufgerauhte, schimmernde Oberfläche,
die vor allem im Silberbereich oft zu sehen war. Daneben wurde sie
aber auch im Weiss- und Gelbgoldbereich eingesetzt und wirkte vor
allem in der Kombination mit glatt polierten Flächen. Trendmässig
ist sie die Antwort auf die vielen Lurexgewebe, die im Modebereich
zur Zeit en vogue sind. Glimmernde und schimmernde Effekte im
Textilbereich werden uns auch in den Winter begleiten, deshalb lohnt
es sich, ein Auge auf diese neue Oberfläche zu behalten.
Der Trend zum Gelbgold, der sich in allen Bereichen von Design, Mode
und Accessoires so stark zeigt, war in Vicenza nur zögernd
aufgenommen worden. Zu sehen waren einige herausragende, überbreite
Armbänder mit gewobener Struktur, die an die eleganten 50er Jahre
erinnerten. Andererseits zeigten sich wieder vermehrt grossgliedrige
Ketten, die im Lauf der 90er Jahre vollkommen von der Bildfläche
verschwunden waren. Sie sind wieder da und passen perfekt ins Bild
der figurbetonten Anzüge und der voluminösen Frisuren im
glamourösen Stil dieses Sommers. Überhaupt spielen die Colliers
eine wichtige Rolle in diesem Jahr. Die Y-Colliers sind zu neuen
Klassikern geworden und tauchen in den verschiedensten Varianten in
allen Marktsegmenten auf. Die auffallende Variante davon ist das
V-Collier mit seinem Dekolleté füllenden Mittelteil. Andere
trendige Collierformen sind die üppigen Ketten mit grossen Gliedern
und breite Kropfbänder mit schimmernder, textiler Struktur. Das
Zeug zum Tagesklassiker hat das Wasserfall-Collier aus vielen feinen
abgestuften Ketten.
Ringe waren ebenfalls ein grosses Thema. Hier zeigten die Italiener
auch ihre Lust an der Farbe. Über weite Strecken bleiben sie bei
ihren ewigen Lieblingssteinen Citrin, Amethyst, Blautopas und
Peridot. Besonders ansprechend und neu war die Kombination gelber
Edelsteine mit weissem Metall. Diese frische Kombination könnte die
Herzen der Schmuckkäuferin sehr schnell erobern. Nicht nur
verbindet sie den Weisstrend mit dem neuen Gelb, sondern spielt auch
perfekt mit den Modefarben wie Korallenrot, Türkis, Schwarz und
Weiss. Violett und Lila bleiben uns in allen Bereichen bis in den
Winter hinein ebenfalls erhalten. Deshalb dürfte auch der Amethyst
seine Liebhaberinnen finden. Peridot seinerseits spricht die
Trendsetterinnen an. Sein saftiges Gelbgrün ist die Modefarbe von
Morgen und wird im kommenden Winter eine wichtige Rolle spielen. Der
blaue Topas passt vor allem in seiner etwas dunkleren, eisigen
Variante gut zu den Farben des Sommers und zum Revival der 80er
Jahre.
Alle diese Farbsteine waren normalerweise in Weiss gefasst. Wer
allerdings wirkliches Trendbewusstsein zeigen möchte, wählt Gelb-
oder sogar Rotgoldfassungen. Die Palette der Rot und Pinktöne war
ein anderes Lieblingsthema in Vicenza, oft als Pavé verarbeitet.
Überraschend modern wirkten Ringe in klassischem Stil. Das
traditionelle Thema der Entourage war in manchen Kollektionen
zu sehen. Wer einen schlichten Stil bevorzugt, für den gab es viele
schnörkellose Ringe mit grossen Farbedelsteinen. Ein wegweisender
Trend waren einige Ringe in grosszügig organischen Formen, die ganz
ohne Steine auskamen. Sie spielen mit dem Thema der metallischen
Oberflächen, das uns im nächsten Winter in allen Bereichen
beschäftigen wird.