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Herr und Frau
Cool
Sie sind umweltbewusst. Sie lieben Technologie und verstehen sie besser
als jede Generation vor ihnen. Sie sind Politikern gegenüber sehr
kritisch eingestellt. Institutionen begegnen sie mit Skepsis. Gegen
traditionelle Werbung sind sie wasserdicht. Ihre familiären Wurzeln
sind mehr und mehr gemischtrassig oder multinational. Ihre Mütter sind
überwiegend berufstätig, oft alleinerziehend. Der Lebensansatz der
jungen Generation ist entsprechend praktisch und realitätsbezogen. Sie
haben ein relativ pessimistisches Gesellschaftsbild, aber eine
mehrheitlich optimistische Grundhaltung bezüglich ihrer eigenen
Zukunft. Sie wissen allerdings auch sehr genau, dass sie sich anstrengen
müssen, wenn sie ein angenehmes, erfolgreiches Leben führen wollen.
Entsprechend sind viele Junge heute bereit, ihr Schicksal in die eigenen
Hände zu nehmen. Ihre Zukunft sehen sie als selbständige Unternehmer
in den Technologie- und Informationsbranchen. Sie gehen auch
selbstverständlich mit Aktienanlagen um. Laut Untersuchungen verfügten
1999 bereits 8.4% der Jugendlichen im deutschsprachigen Raum über
Aktien. Das damit verbundene Risiko ist ihnen voll bewusst und wird auch
akzeptiert.
Andererseits spiegeln die Kinder der Baby Boomer-Generation deren
Verhalten in einem gewissen Sinn. Nicht umsonst werden sie auch „baby
boom echo“ genannt. Wie damals wachsen sie in einem stabilen
politischen Umfeld auf und sie repräsentieren eine etwa gleich hohe
Bevölkerungsschicht. Generation Y folgt dem Pillenknick und ist daher
eine mächtige Kraft, mit der in Zukunft gerechnet werden wird. In den
USA übersteigt die Zahl der Generation Y ihre Vorgängergeneration je
nach Zählmodus um bis zu 50%.
Nicht umsonst ist Teenie-Kultur seit den 60er Jahren erstmals wieder
allgegenwärtig. Boys und Girls-Gruppen folgen sich in schöner
Regelmässigkeit in den Charts, nicht ohne vor ihrem Verschwinden noch
kräftig abzusahnen. Seriöse und weniger seriöse Medien beschäftigen
sich mit der Psyche Heranwachsender. Im Unterschied zu ihren Vorgängern
der Generation X werden die aktuellen Teenager von den Trendforschern
nicht als zynisch und sauertöpfisch eingestuft, sondern im Gegenteil
als sonnige, humorvolle Zeitgenossen. In den 80er Jahren waren die
Teenager in den Medien mit Nachrichten von Drogenmissbrauch, Verbrechen
und ungewollten Schwangerschaften vertreten. Die heutige Jugend glänzt
mit Ausnahmen mit einem Saubermann-Image. Sex, Crime & Rock’n Roll
scheinen nicht mehr zuvorderst auf ihrer Bedürfnisskala zu stehen. Ihre
Ideale sind auf ihre eigene Art wieder sehr bürgerlich.
Womit also beschäftigen sich die Jungen heute? Zu einem grossen Teil
mit dem Computer. Sie sind damit aufgewachsen. Laut Demoscope haben 80%
aller Haushalte mit Kindern in der Schweiz einen Computer. Dieser Anteil
liegt erheblich höher als bei Haushalten ohne Kinder. Dabei verwenden
die Jugendlichen den Computer für Lernprogramme,
Informationsbeschaffung und Computerspiele. Das Internet ist eine der
wichtigsten Informationsquellen für sie, neben ihrem Freundeskreis.
Fernsehen und Radio rücken daneben eher in den Hintergrund. 28% der
amerikanischen Jugendlichen geben an, dass sie ohne Fernsehen leben
könnten, ein Leben ohne Computer kommt hingegen nur für 23% in Frage.
Daneben lesen sie auch überraschend viel. Wenn sie Sport treiben, dann
vor allem neue Trendsportarten wie In-Line-Skating, Biking, Snowboarden
und ähnliche. Ansonsten haben sie die gleichen Probleme und Sorgen wie
jede andere Generation Jugendlicher vor ihnen. Sie erreichen die
Pubertät, haben Pickel und Probleme mit ihrem sich rapide verändernden
Aussehen, verlieben sich zum ersten Mal und hassen ihre Eltern.
Wahrhaftig, unverblümt und ehrlich
Generation Y repräsentiert eine beeindruckende Konsumentengruppe.
Zahlen der Werbeagentur Young Media zeigen, dass der Deutsche
Jugendmarkt der 14-25jährigen in etwa 55 Milliarden DM entspricht. Ein
Viertel der 16jährigen in der Schweiz jobbt heute, um das Taschengeld
von durchschnittlich 100 Franken nebst Geldgeschenken von Verwandten
noch aufzubessern. In den USA gaben die Jugendlichen der Generation Y
1998 die stattliche Summe von 141 Milliarden US$ aus, was rund US$ 80
pro Person pro Woche entspricht. Über ihren Eigenkonsum hinaus
beeinflussen die Jugendlichen auch ganz andere Marktsegmente. Einer
Studie von "Bravo“, dem grössten, deutschen Jugendmagazin
zufolge, fliessen die Wünsche und Vorstellungen der Jugendlichen zu 25%
in die Entscheidungsfindung ein, wenn ein Produkt für die Familie
angeschafft werden soll. Wird ein Produkt für die Jugendlichen gekauft,
liegt ihre Beeinflussungskraft zwischen 65% und 90% - je nach
Warengruppe. Gerade bei hochwertigen Konsumgütern scheint ihr Einfluss
besonders gross zu sein. US-Forschungen belegen, dass die so genannten
„Skippies“ (School Kids with income and purchasing power) einen
Kaufeinfluss in doppelter Höhe ihrer persönlichen Geldmittel haben.
Diese Relation dürfte auf die Schweiz weitgehend übertragbar sein.
Die Konsumwelt ist ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens der
heutigen Jugendlichen und es ist offensichtlich, dass sie sich
vergleichsweise intensiver mit Marken- und Werbewelten auseinandersetzen
als Erwachsene. Für Brigitte Ruetsch Keller von Institut für Marketing
und Unternehmensführung der Universität Bern steht fest: „Der
Markenkosmos bildet sich bereits in frühesten Jahren und wird ständig
erweitert und detaillierter.“ In der Phase der Orientierung,
Markenauswahl und faktischen Entscheidung seien Jugendliche daher ideale
Multiplikatoren. Gleichzeitig entstehen Präferenzen, die oft im
späteren Erwachsenenleben fortbestehen. So werden Marken zu
Generationen übergreifenden Phänomenen. Was diese Marken entsprechend
in eine beneidenswerte Marktposition bringt.
Die Frage allerdings ist, welche Marken zu diesen Gewinnern gehören
werden. Wer diese Generation umwirbt, muss sich auf ihre Spielregeln
einlassen. So schwierig das auch ist. Nicht nur sind sie junge Menschen,
die im Zuge der Selbstfindung von heute auf morgen ihre Meinung und
ihren Stil radikal wechseln. Sie sind auch ein abgebrühtes
Werbepublikum. Werbebotschaften, die schreien: „Kauf mich“ stösst
sie ab. Werbung, die auf jung macht und sich mit aufgesetztem „Szene-Slang“
anbiedert, wird schlicht ignoriert. Imagewerbung und sülzige
Botschaften empfehlen sich ebenso wenig. Viel mehr geht es darum, echte
Bedürfnisse der Jugendlichen mit ehrlichen Argumenten anzusprechen und
das Ganze mit Witz und Humor zu kommunizieren. Dabei schauen die jungen
Konsumenten ihren Anbietern streng auf die Finger. Ökologisches und
soziales Engagement wird erwartet. Wer sich da etwas zu Schulden kommen
lässt, wird ganz schnell geächtet. Davon kann zum Beispiel Nike ein
Lied singen. Werbung findet überdies am besten dort statt, wo die
Jugendlichen sind. Das Internet ist dafür ideal. Daneben lohnt es sich,
da zu werben, wo die Jugendlichen ihre Freizeit verbringen, bzw. deren
Aktivitäten zu sich zu holen und zu fördern.
Erschwingliche Individualität
Die Schmuckbranche hat traditionell wenig anzubieten, wenn es um junge
Konsumenten geht. Diese Nische haben Anbieter wie Esprit, Chiemsee und
andere Modemarken in der Zwischenzeit erfolgreich besetzt. Nicht zuletzt
deshalb, weil sie erfahrene Marken im Umgang mit dem Jugendsegment sind.
Als solche haben sie gelernt, die Lebensart der Teenager zu studieren.
Das scheint ein banaler Einstieg zu sein, der allerdings oft ignoriert
wird und gar nicht so leicht ist. Als Geschäftsinhaber gehört man zu
einer älteren Generation, die in vielen Fällen nicht einmal die
eigenen Kinder versteht. Geschweige denn, ihre Bedürfnisse ansprechen
kann.
Wer den Schritt hin zu jüngeren Kunden wagen will, sollte einige
Grundregeln im Gedächtnis behalten. Jugendliche wollen ihre
Individualität zum Ausdruck bringen. Schmuckstücke, die eigene
Interpretationen zulassen, sind daher besonders geeignet. Ideal sind
auch Produkte, die dank der verwendeten Steine wirkliche Einzelstücke
sind. Nicht vergessen sollte man, dass heute junge Männer und junge
Frauen Schmuck tragen. Es genügt also nicht, nur eine Gruppe
anzusprechen. Das Preisniveau ist auch mehr oder weniger gegeben.
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass die geballten finanziellen
Kräfte der gesamten Familie oftmals erstaunliche Anschaffungen möglich
machen.
Wer die Entscheidung trifft, jungen Schmuck anzubieten, sollte dies
deutlich kommunizieren. Irgendwo eine verschämte Schublade mit ein paar
lieblosen Ringen lässt das Projekt von Anfang an scheitern. Die jungen
Leute sollen von aussen sehen, dass das Geschäft Schmuck für sie
führt. Eine Theke, an der bedient wird, nimmt die Schwellenangst und
lässt einen unkomplizierten Kontakt zu. Kommt es zu einem Gespräch,
ist es wichtig, sie ernst zu nehmen und kompetent zu beraten. Nicht von
oben herab, aber auch nicht zu salopp. Nicht zu vergessen ist, dass
Generation Y ihre Informationen entweder übers Internet oder über
Freunde bekommt. Wer nicht im Internet ist, existiert ganz einfach nicht
für sie. Darin liegt auch eine Chance für Goldschmiede, denn wie Mary
Slayton, die Direktorin für Konsumforschung bei Nike sagt: „Das
Fernsehen fördert die Einheitlichkeit, das Internet hingegen die
Vielfalt.“ Die Jungen spielen eine Vorreiterrolle. Ihre Ansprüche
sind die Massstäbe für Verkauf und Marketing von morgen. In diesem
Sinne sollte die heranwachsende Generation Y von Schmuckanbietern ein
ernst zu nehmendes Segment werden.
(Quellen: viewpoint no 6,
Handelszeitung vom 8.12.99, David Plotz for Slate, Generation Y in
Business Week, Demoscope, The Cyber-Journal of Sport Marketing, Young
Media)
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