Goldhandwerk - eine Chance für die Branche
(Erschienen in Gold'Or
- Ausgabe 3 / 2001)
Die nüchternen 90er Jahre sind vorbei
und die Wirtschaftslage in der Schweiz ist so gut wie lange nicht
mehr. Gute Voraussetzungen für die Schmuckbranche dürfte man
annehmen. Für einige Firmen trifft das auch durchaus zu. Ein nicht
unerheblicher Teil des Marktes tut sich jedoch sehr schwer. Wo liegt
das Problem und wie könnte es behoben werden, fragen sich viele.
Instantlösungen sind nicht zu erwarten. Das Ei des Kolumbus gibt es
ebenso wenig.
Worum es geht
Goldhandwerk will eine Marketingorganisation für Goldschmiede und
das Goldschmiedehandwerk im Allgemeinen sein. Damit ist eigentlich
das Wichtigste schon gesagt. Als solche will sie vor allem
Öffentlichkeitsarbeit betreiben, d.h. in Konsumentenmedien
informieren. Goldschmiede sind eine Gruppe, deren kleinster,
gemeinsamer Nenner die Individualität ist. Daher kann das Produkt
nicht die Basis für einen gemeinsamen Auftritt sein. Gemeinsame
Geschäftspraktiken und -ethik aber sehr wohl. Der Begriff
Fachgeschäft ist beliebig dehnbar. Deshalb ist es sinnvoll, sich
über gewisse „Gebote“, die von den Mitgliedern der
Marketingorganisation eingehalten werden, von anderen zu
unterscheiden. Gegenüber dem Kunden schafft man damit eine
Vertrauensbasis, die gerade in unserem Bereich die
Grundvoraussetzung für jeglichen Verkauf bildet.
Die Gesetze der Luxusbranche - zu der die Goldschmiede ohne Zweifel
gehören - werden heute leider ausserhalb der Schmuckbranche
bestimmt. Den Goldschmieden bleibt eigentlich nur die Wahl, diese
Gesetze anzunehmen oder für sich eine Nische zu finden, in der sich
ein komfortables Auskommen realisieren lässt. Am besten kombiniert
man beides miteinander. Auf bessere Zeiten zu warten, ist heute
jedoch klar keine Option mehr. Der Beitritt zu einer
Marketingorganisation ist genau betrachtet eine solche Kombination.
Jeder Einzelne profitiert von einem professionellen Marktauftritt
ohne seine Individualität aufgeben zu müssen.
Wer aktiv ist, wird wahrgenommen. Diese banale Weisheit bewahrheitet
sich, wo immer man hinschaut. Warum sind gewisse Branchen
erfolgreicher als andere? Weil sie es verstehen, das Interesse des
Konsumenten zu wecken. Diese Eigenverantwortung muss jede Firma und
Branche selbst zeigen. Hier hat die Schmuckbranche mit wenigen
Ausnahmen zu lange eine vornehme Zurückhaltung geübt. Es gilt, die
eigenen Marktchancen zu verbessern. Die Konkurrenz ist vielfältig
und wird fortlaufend zahlreicher. Die Schmuckbranche steht davor,
ins Markenzeitalter einzusteigen. Firmen innerhalb und ausserhalb
der Branche gehen diesen Weg. Uhren- und andere internationale
Luxusmarken lancieren eigene Schmuckkollektionen. Mode, Elektronik,
Sport und die Freizeitindustrie haben es alle auf das freie,
verfügbare Einkommen der Konsumenten abgesehen. Wenn die
Goldschmiede auch in Zukunft etwas von diesem Kuchen abschneiden
wollen, dann müssen sie gegen diese Konkurrenz antreten. Dazu kommt
noch ein weiterer Aspekt. Wenn das Goldschmiedehandwerk eine Zukunft
haben soll, muss diese heute vorbereitet werden. Junge Menschen
müssen für sich eine Chance in diesem Beruf sehen. Sonst sind sie
wohl oder übel gezwungen, etwas anderes zu erlernen.
Worum es nicht geht
Es geht nicht um Gleichmacherei. Im Gegenteil. Die Individualität
der Goldschmiede ist genau ihre Chance im Konkurrenzkampf mit
Kettengeschäften und Marken. Diese Vielfalt soll dem Kunden auch
vermittelt werden. Es geht auch nicht um Verbandsmeierei. Eine
Marketingorganisation zu bilden heisst, Synergien zu nutzen. Man
legt die Mittel vieler Einzelner zusammen und kann so Leistungen
ermöglichen, die jedem allein nie zur Verfügung stehen könnten.
Die Marketingorganisation ist Dienstleister seiner Mitglieder.
Welche Dienstleistungen neben der Öffentlichkeitsarbeit und dem
gemeinsamen Auftritt noch erbracht werden, hängt von den konkreten
Bedürfnissen der Mitglieder selbst ab. Sie können über gemeinsame
Einkaufstätigkeiten, Austausch von Materialien, öffentlichen
Auftritten oder Events bis zu Schulungen gehen. Natürlich kostet
das Alles etwas. Aber es soll auch als konkreter Mehrumsatz wieder
zurückkommen. Andere Branchen haben vorgemacht, dass man gemeinsam
stark sein kann. Es gibt keinen Grund, warum dies den Goldschmieden
nicht auch gelingen sollte.