Concept Design Logo

Home  Beratung Seminare Trendforschung Publikationen  Susan Sagherian Kontakt  English Website


Interkulturelles Zukunftsprojekt
(Erschienen in Gold'Or  -  Ausgabe 3 / 2001)

Drei Schweizer Goldschmiede sind an einem Entwicklungsprojekt der Helvetas beteiligt. Christine Buser und Roger Weber , beide Inhaber der Aarauer Schmuckwerkstatt und Baba Rüegg, Mitinhaberin des Zürcher Designerladens Xess + Baba, helfen traditionellen Tuareg-Silberschmieden in Agadez, Niger, marktfähiges Design für den Versandhandel von Helvetas zu entwickeln.

Fünfzehn Stunden dauert die Busfahrt von Niamey, der Hauptstadt des Wüstenstaates Niger, nach Agadez, dem einstigen Handelszentrum an der Karawanenstrasse von Tripolis zum Tschadsee. Im Süden liegt die Sahara, im Norden der Sahel, mit anderen Worten Wüste, soweit das Auge reicht. Ankommende Reisende finden sich wieder in einer Stadt, die geprägt ist, von traditionellen Lehmbauten. Stolz ist die Stadt auf das mit 27 Metern höchste Lehm-Minarett der Welt. Es muss nach jedem Regenguss restauriert werden. Ein Fall, der in dieser Gegend allerdings nicht oft eintrifft.

Agadez ist die Heimat der Tuareg, dem alten, stolzen Nomadenvolk. Seit die Karawanen seltener geworden sind und auch die Touristen mehr und mehr ausbleiben, ist es für sie schwierig geworden, ein Auskommen zu finden. Ein Gewerbe, das nach überlieferten Traditionen noch heute besteht, ist das Silberschmieden. Das berühmte Kreuz von Agadez in der Tuareg-Tradition dürfte den meisten schon einmal begegnet sein. Die Kontakte zwischen der Helvetas, der Schweizer Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und den Silberschmieden von Agadez haben schon fast Tradition. Seit zwanzig Jahren kommt Hada Ahmed, der Präsident der lokalen Silberschmiedekooperation in die Schweiz, um in Schulen und auf Märkten sein Handwerk zu präsentieren. Die Produkte aus Agadez werden auch fast schon so lang in der Schweiz verkauft. Irgendwann jedoch kam der Zeitpunkt, an dem das Interesse an den Schmuckstücken der Tuareg zurückging. Der Moment war gekommen, um mit Initiative und Innovation neuen Schwung in das Handwerk zu bringen.

Eine erste Zusammenarbeit zwischen den Schweizer Goldschmieden und Hada Ahmed fand in der Schweiz statt. Techniken wurden ausgetauscht und die Schweizer Goldschmiede begannen aus dem traditionellen Formenkanon zeitgemässe Designs zu entwickeln. Drei Entwürfe gingen schlussendlich in Produktion und wurden den Kunden von Helvetas präsentiert. Der Erfolg war ermutigend und so war der nächste Schritt eine Reise nach Agadez, um vor Ort mit den Werkstätten zu arbeiten. Im Lauf zweier Wochen sind nun noch einmal zwanzig Modelle entstanden, die in Zukunft gefertigt werden sollen. Die Schwierigkeiten waren oft unerwarteter Natur. Ein Silberkünstler in Agadez lernt zum Beispiel nicht, mit zeichnerischen Entwürfen zu arbeiten. Die Schweizer Goldschmiede mussten also mit dreidimensionalen Modellen kommunizieren. Auch wird das Prinzip einer geraden Linie nicht überall auf der Welt gleich strikt gehandhabt.

Die Frage stellte sich natürlich für alle Beteiligten, inwiefern das Eingreifen von Schweizer Goldschmieden in die traditionelle Arbeitsweise von Tuareghandwerkern an modernen Kolonialismus grenzt. Hada Ahmed meint dazu: „Man darf eingreifen, denn wir wollen von Euch lernen und uns verbessern.“ Tobias Meier, Leiter des Versandhandels von Helvetas Schweiz, ist sich der Wirtschaftsmisere der Tuareg in Agadez bewusst und geht die Situation auf pragmatische Art an. Sein Ziel ist es, der Region eine längerfristige Einnahmequelle zu sichern. Da hat es, nach seinen Worten, keinen Wert, traditionellen Schmuck zu fertigen, wenn dieser nicht mehr gefragt ist. Baba Rüegg sieht die Situation wiederum mit anderen Augen. Sie sagt: „ Absicht ist nicht, die Tuaregs zu bevormunden. Genau das Gegenteil soll versucht werden. Das künstlerische Potential der traditionellen Silberschmiede ist gross.“ Christine Buser und Roger Weber ihrerseits haben beim Studium alter Tuaregschmuckstücke festgestellt, dass die Silberschmiede früher in der Tat sehr kreativ waren. Diese Kreativität ist allerdings verloren gegangen, als immer mehr Touristen mit einfachen Imitationen  bedient wurden. Ihr Ziel ist es, in der Zusammenarbeit diese Kreativität wieder zu fördern und so in einigen Jahren selbstbewussten Schmuckkreateuren in Agadez zu begegnen.

(Mehr Informationen zum Thema bei Helvetas, St. Moritzstrasse 15, Postfach, 8042 Zürich, Telefon 01-368 65 65, Fax 01-368 65 80, Internet: www.helvetas.ch)


Home  Beratung Seminare Trendforschung Publikationen  Susan Sagherian Kontakt  English Website

Copyright © 1998-2007 Concept Design, Susan Sagherian