Verhaltene Stimmung
(Erschienen in Gold'Or
- Ausgabe 3 / 2001)
Die VicenzaOro 2 war in diesem Jahr
geprägt von besorgten Gesichtern einerseits und unverhohlenem
Ärger andererseits. Die Besorgnis galt der rapiden Verlangsamung
aller Geschäftsverläufe für die italienischen Anbieter. Der
Ärger galt der Messe, die von ihren Ausstellern diesen immer
weniger attraktiven Sommertermin verlangt.
Nichts mehr
scheint zu gehen. Gespräche mit den Ausstellern und mit Vertretern
der italienischen Fachpresse zeigten, dass der Schwung der Jahre
1999 und 2000 spätestens mit dem letztjährigen Weihnachtsgeschäft
zu einem rapiden Halt gekommen war. Die beunruhigende Tatsache war
vor allem, dass kaum jemand verschont wurde von zum Teil erheblichen
Umsatzeinbrüchen. Der italienische Einzelhandel bekundet schon seit
längerem grosse Mühe. Mit 20'000 Geschäften ist dieser Markt
enorm. Jetzt scheint der Moment für eine massive Ausdünnung
unausweichlich gekommen zu sein.
Auf die bange Frage nach dem Warum für die aktuelle Misere auf dem
internationalen Schmuckmarkt, können nur vage Antworten gegeben
werden. Die anhaltende Unsicherheit auf den internationalen
Finanzmärkten spielt sicher eine Rolle. Die Wirtschaften der USA
und Japan, traditionell gute Absatzmärkte von italienischen
Schmuckherstellern, haben sich verlangsamt. Die hohen Öl- und
Benzinpreise schnüren Käufern aus der Mittelschicht die
verfügbaren Einkommen ab. Man kommt aber gleichzeitig nicht darum
herum, der Branche den Spiegel vorzuhalten. Der Abstand zwischen
internationalen Luxusgüteranbietern und der Schmuckbranche wird
immer grösser. Kommunikation und Marketing kamen in der
Schmuckbranche immer an letzter Stelle. Das rächt sich jetzt. Wer
jetzt noch Geld ausgibt im Luxussegment, will wirklich nur das
Allerbeste. Oder etwas von einem berühmten Markennamen. Am besten
beides. Auf keinen Fall setzt er oder sie den Fuss über die
Schwelle des nächstbesten Juweliers. Die Spielregeln für unsere
Branche schreiben längst nicht mehr wir, sondern die Strategen der
grossen, internationalen Luxuskonzerne wie Prada, Gucci, LVMH oder
Richemont.
Der Stimmung entsprechend waren die Neuheiten in Vicenza dünn
gesät. Es gab aber doch eine Handvoll Trends aufzuspüren. Ganz im
Sinn der kommenden Wintermode präsentierte sich ein neuer
grafischer Stil in Schwarz und Weiss. Der Kontrast wurde oftmals
noch dramatisiert mit Rot. Dies scheint auf den Winter hin die
Kombination schlechthin zu sein. Überhaupt liessen sich wieder da
und dort kräftige Primärfarben entdecken. Ein Revival der ewigen
Klassiker Rubin, Saphir und Smaragd kündet sich an. Gold als edle
Neuheit war noch immer sparsam vertreten. Der nach wie vor gut
laufende Weissgold-Trend verzögert dessen Eintritt in den Markt. Im
sehr hochwertigen Sektor waren jedoch goldene Pavés, goldene
Südseezuchtperlen und grosser Gelbgoldschmuck mit wirkungsvollen,
facettierten Oberflächen zu sehen. Besondere Erwähnung verdient
die einzig wirkliche Neuheit der Messe. Pasquale Bruni präsentierte
die Kollektion „Accendimi“ (Zünd mich an). Die Streichhölzer
des Mailänder Designers als Symbol für Geistesblitze und
Leidenschaft werden ohne Zweifel die Kauflust der Kundinnen
entfachen.