Gemischte Gefühle auf der Frankfurter Messe
(Erschienen in Gold'Or
- Ausgabe 4 / 2001)
Die Eindrücke von der diesjährigen
Tendence in Frankfurt sind sehr gemischt. Die Messe selbst
präsentierte sich mit neu gebauten Hallen und einer veränderten
Hallenstruktur. Der Besucherandrang war - wie nicht anders zu
erwarten - eher verhalten. In den Schmuckhallen waren nur wenige
zufriedene Gesichter zu sehen.
Draussen herrschte
strahlender Sonnenschein und fast tropische Temperaturen. In den
Hallen war es merklich kühler. Die angeregte Betriebsamkeit
früherer Jahre wollte sich nicht einstellen. Die Aussteller hatten
sich angesichts der aktuellen Marktschwäche auf einen verhaltenen
Messeverlauf eingestellt. Aber so verhalten hatte sich dies wohl
niemand vorgestellt.
Aber die positiven Nachrichten zuerst. Die neuen Hallen sind
überwältigend. Die Zusammensetzungen in den Hallen ermöglichen
den Besuchern einen direkten Überblick über die anwesenden
Aussteller. Der Star unter den Hallen war eindeutig 4.1. Hier waren
alle Aussteller aus dem oberen, trendorientierten Bereich
versammelt. Beim Durchgang durch die Hallen musste man
unwillkürlich an das Lifestyle Magazin Wallpaper denken. Der Stil,
der in Frankfurt gezeigt wurde, war die schöne neue Wallpaper-Welt.
Schlichtes Design, das von den Klassikern der 50er und 60er Jahren
beeinflusst ist, ist angesagt. Das heisst: mahagonifarbenes Holz,
schlanke, abgerundete Formen und helle Farben. Der Einfluss der
finnischen Designklassiker macht sich bemerkbar. Ein kühles Eisblau
oder klassisches Rot als Akzente sind allgegenwärtig. Eine
Besonderheit dieser Halle war auch die Gruppe von Design-Newcomern,
die hier ausstellten. Die Firma kt.color aus Uster zeigte hier zum
Beispiel die Neu aufgelegten Originalfarben von Le Corbusier, die
der Meister selbst als seine Farbpalette zusammen gestellt hatte.
Im Schmuckbereich waren ganz unterschiedliche Strömungen sichtbar.
Der gezeigte Modeschmuck reflektierte die herrschenden Designtrends.
Dior zeigte ausgeprägten Logo-Schmuck in knalligen Farben. Thomas
Sabo’s neue Kollektion ist auf die elegante Lady zugeschnitten.
Andere Hersteller spielten mit dem poppigen Las Vegas-Stil. Die
breiten Gürtel mit glitzernden Schnallen, die jedem Rockstar gut
anstehen würden, das Flaggenthema und neckische Orden prägten
diesen glamourösen Stil. Die Schmuckhersteller und Goldschmiede
zeigten überwiegend Weiterentwicklungen ihrer bestehenden
Kollektionen. Der Herbsttermin schien in diesem Jahr nicht gut zu
sein für die Einführung neuer Designideen. Eine Ausnahme bildete
Crocus. Das innovative Unternehmen aus Haan präsentierte eine
vollständig neue Kollektion mit dem Namen „Sports“. Ein
Mittelteil aus Metall mit oder ohne Diamanten wird in ein weiches
Kunststoffteil integriert und kann je nach Lust und Laune
ausgetauscht werden. Der äusserst tragbare Schmuck kombiniert einen
sportlichen Lifestyle mit aktuellem Schmuckdesign.
Wie gesagt, die Eindrücke von der diesjährigen Tendence in
Frankfurt sind sehr gemischt. Die Messe Frankfurt selbst hat eine
beeindruckende Leistung gezeigt. Die Messe hat enorm an Kontur und
Übersichtlichkeit gewonnen. Der Markt aber spielt zur Zeit nicht
mit. Das flaue Konsumentenklima gerade in Deutschland lässt keine
Branche aus. Die Schmuckbranche leidet darunter ganz direkt. Das
Szenario ist aus früheren Jahren bekannt. Eine Konsumkrise trifft
immer die Schmuckbranche zuerst. Seit dem 11. September 2001 ist es
noch ungewisser, wie sich diese Situation weiter entwickelt.