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Italiens Schmuckwelt
(Erschienen in Gold'Or  -  Ausgabe 1 / 2002)


Die Italiener werden weltweit für ihren überragenden Geschmack geschätzt und bewundert. Italien hat aber nicht nur in den Bereichen Mode und Möbeldesign international etwas zu sagen, sondern auch im Bereich Schmuck. Neben Deutschland und Frankreich, sind die Italiener die wichtigsten Lieferanten von Schweizer Schmuckfirmen.

Die Italienische Schmuckindustrie hat ein langes und reiches Erbe. Ihre Wurzeln reichen weit in die Renaissance hinein, als die Goldschmiede in Florenz eine wahre Glanzzeit erlebten. Sie waren universale Künstler und betätigten sich nicht nur in ihrem erlernten Beruf, sondern auch als Maler, Bildhauer und sogar Architekten. Dass die Werke von Goldschmieden damals ganz ungewohnte Dimensionen annehmen konnten, beweisen die vergoldeten Bronzetüren des Battistero von Andrea Pisano und später von Lorenzo Ghiberti. Die riesigen Türen sind in einzelne Bildtafeln aufgeteilt, deren feine Details die Hand des Goldschmieden verraten. Der berühmte Perseo mit dem Kopf der Meduse auf der Piazza della Signoria stammt von Benvenuto Cellini, dem herausragenden Goldschmied und Bildhauer des 16. Jh. Viele Altaraufsätze in den Kirchen sind ebenfalls unter Mithilfe von Goldschmieden entstanden. Im Museo degli Argenti im Palazzo Pitti in Florenz bringt eine Sammlung sakraler Gegenstände, Tafelgeräte, Objekte und Schmuck aus den Händen Florentiner Goldschmiede deren überragendes Können dem heutigen Betrachter näher.

Noch heute ist Florenz  und seine Umgebung ein Zentrum der Schmuckfertigung. Lebendiges Zeugnis der grossen Goldschmiedetradition legt das Unternehmen Torrini ab. Es wurde 1369 gegründet und befindet sich seither ununterbrochen in der Hand der Familie Torrini. Es ist damit eines der ältesten Familienunternehmen der Welt überhaupt. Der Ponte Vecchio – seit 1593 per Dekret von Cosimo de Medici in der Hand der Goldschmiede – hat neben billigen Massenwaren auch feine, alteingesessene Juweliergeschäfte zu bieten.

Neben der Toskana ist das Veneto ein Zentrum der Schmuckindustrie. Padua, Valenza und vor allem Vicenza sind Heimat für viele, mittelständische Familienbetriebe. Die Vielfalt reicht vom industriellen Grossproduzenten bis zum handwerklich-künstlerischen Kleinstbetrieb. Die Produkte fangen bei Standardketten am Meter an und enden beim wertvollen Schmuckunikat mit Markennamen. Die Atomisierung der Branche soll allerdings nicht über die internationale Bedeutung der italienischen Schmuckindustrie hinweg täuschen. Hinter Indien ist Italien weltweit der zweitgrösste Schmuckproduzent. Der Schmuckexport allein generierte im Jahr 2000 einen Wert von rund 5.7 Milliarden Euro. Die Vielfalt und das aktuelle Flair der italienischen Schmuckkollektionen haben den Weg zu dieser internationalen Präsenz ermöglicht. Auch Italien selbst ist traditionell ein grosser Schmuckmarkt. Für italienische Frauen gehört Schmuck ganz selbstverständlich zur Garderobe und viele Touristen nehmen eine Italienreise zum Anlass für einen Schmuckkauf. Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Italien liegt je nach Quelle bei 20'000 bis 25'000 Geschäften. Deren Umsatz entsprach im vergangenen Jahr etwa 5.2 Milliarden Euro.

Nach einem fulminanten Geschäftsabschluss im Jahr 2000 haben sich die Vorzeichen in der Schmuckbranche gekehrt. Nach der Euphorie des Milleniums und der Aktienwelt, die manchen zu einem Schmuckkauf animierten, ist nun wieder Normalität eingekehrt. Diese wird beherrscht von globalen Luxuskonzernen und dem Zauberwort Branding. Was in anderen Bereichen längst realisiert ist, steht der Schmuckbranche jetzt bevor. Die Wandlung der Industrie vom namenlosen Schmuckproduzenten zum Markenanbieter. Gerade in Italien hat diese Wandlung einige weltweit bekannte Namen hervorgebracht. Bulgari und Damiani gehören zu den weltgrössten Schmuckmarken. Pomellato, Pasquale Bruni, La Nouvelle Bague, Chimento und Pianegonda haben es ebenfalls geschafft, beim Konsumenten einen Bekanntheitsgrad aufzubauen. Sie stehen einer Konkurrenz gegenüber, die sich aus Mode- und Uhrenmarken zusammensetzt und die mit geballten finanziellen und marketingtechnischen Kräften auf den Schmuckmarkt drängen. Diesen Kräften entgegen zu wirken, wird für einen grossen Teil der Branche schwierig sein. Als Produzenten im Hintergrund werden sie gezwungen sein, die Bedingungen des Marktes anzunehmen, die von anderen gemacht werden. Echte Chancen haben kleine, kreative Firmen, die den grossen Marken ihre Individualität entgegenhalten können.

Italiens Internationale Bedeutung im Schmuckgeschäft prägt in grossen Teilen die Wahrnehmung der Konsumenten von Schmuck schlechthin. Innovationen basieren nicht auf radikalen Neuansätzen, für die Deutsche Schmuckmacher bekannt sind. Innovation ist für Italienische Designer immer eine Neuentwicklung aus der Tradition heraus. Aktuelle Bezüge zur Mode und den allgemeinen Designtrends geben den Kreationen ihren unverwechselbaren italienischen Chic. Die Schmucktrends in diesem Winter folgen dieser Linie. Diamanten und Perlen, Weiss- und Gelbgold spielen mit der Kombination von Weiss und Gelb. Diese Kombination war vor einigen Jahren sehr aktuell und ist im Laufe der minimalistischen 90er Jahre von der Bildfläche verschwunden. Was damals das Spiel von Metallfarben war, ist heute komplexer und sehr viel juwelenhafter. Weisse und goldfarbene Südseezuchtperlen, sowie weisse und gelbe Diamanten sind luxuriöse Materialkombinationen. Ihr edles Flair wird vom Metall nur zart unterstrichen. Im Sommer zu leichten, fliessenden Kleidern getragen, hat diese Kombination einen erfrischenden Charakter. Die Wintermode wird sie auf überaus harmonische und elegante Weise abrunden. Neben den luxuriösen Klassikern Diamant und Perle hat die Welt der Edelsteine im Gelbbereich noch einiges mehr zu bieten. Citrine in allen Farbschattierungen, die gelben Vertreter der Edelsteinfamilien Turmalin, Beryll und Saphir und Bernsteine zeigen ein weites Spektrum von Zitronengelb bis Cognac.

Das Schwarz-Weiss-Thema ist gegenwärtig in der Mode omnipräsent. Bei den italienischen Schmuckdesignern war diese Kombination ebenfalls ein grosses Thema. Auch hier lockten Perlen. Weisse Perlen aller Provenienzen treffen auf graue bis schwarze Tahitizuchtperlen und passen perfekt zu den geometrischen Mustern, die uns die Modedesigner vorstellen. Weisse, polierte Metallflächen kontrastieren reizvoll mit schwarzem Email. Schwarze Diamanten locken mit ihrer unergründlichen Schönheit. Der Kontrast wurde oftmals noch dramatisiert mit Rot. Dies scheint im Winter die Kombination schlechthin zu sein. Überhaupt liessen sich wieder da und dort kräftige Primärfarben entdecken. Ein Revival der ewigen Klassiker Rubin, Saphir und Smaragd kündigt sich an. Die zarten Pastellfarben der beiden vergangenen Jahre haben Lust auf mehr Farbe gemacht. Ebenfalls aktuell sind intensive Orange- und Olivtöne. Mandaringranate und Feueropale, sowie Peridote sind faszinierende Vertreter dieser Farben.

Weissgold und alle anderen weissen Metalle stehen nach wie vor hoch in der Gunst der Schmuckträgerinnen weltweit. Eine Besonderheit ist die Liebe der italienischen Designer zum Silber. Sie verstehen es, aus dem lange verkannten Edelmetall modische Accessoires zu kreieren. Daneben feiert Gelbgold ein Revival. Breite, grossgliedrige Ketten und voluminöse Ringe, die mit ganz wenig Edelsteinen auskommen sind die Favoriten der Saison. Grosszügige Formen und facettierte Oberflächen sorgen für den nötigen Glamour. Grafische Elemente, die an die 60er und 70er Jahre erinnern, sind ideale Grundelemente für Ketten, Armbänder und grossflächige Anhänger.


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