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Basel 2002: Die neue Messe
(Erschienen in Gold'Or  -  Ausgabe 3 / 2002)

Basel 2002 war eine Herausforderung für alle Beteiligten. Neu war vieles an der diesjährigen Messe, nur Produktneuheiten waren dünn gesät.

Das Wichtigste zuerst: Die Messe Basel hat einen Riesenschritt vollbracht. Zum ersten Mal hatte die Riege der grossen, internationalen Firmen die Gelegenheit, sich dem Publikum angemessen zu präsentieren. Die Hallenebene  2.2 ist zur Plattform für exklusive Schmuckmarken geworden. Sie können nun den Kollegen aus der Uhrenbranche ebenbürtig entgegentreten. Nicht alle Stände waren gelungen. Bei einigen Ausstellern hatte man den Eindruck, dass die Standfläche eher optimistisch geplant war. Ein grosser, leerer Stand wirkt einfach anders als ein kleiner, leerer Stand. Bei anderen Ausstellern wurde das Prinzip „grosser Stand – wenig Ware“ zu weit getrieben. Es ist schlicht und einfach uninteressant, als Messebesucher Standwände zu betrachten. Vor allem, wenn die Standarchitektur so konzipiert ist, dass das Innere nicht zum Besuch einlädt. Irgendwann verliert man ganz einfach das Interesse an Produkt und Firma.

Die Aufteilung der Messe in Branchensegmente ist aus Besuchersicht ganz klar zu begrüssen. In diesem Jahr war der Messebesuch noch mit einigem Suchaufwand verbunden. Wenn sich die Besucher aber einmal an die neue Hallenaufteilung gewöhnt haben, dann kann ein Besuchsplan um einiges effizienter geplant werden. Aus Ausstellersicht hingegen entstehen für einige Branchensegmente klare Herausforderungen. Wer bis anhin vom Bonus der Vermischung mit anderen, attraktiven Ausstellern profitierte, der muss sich in Zukunft über die eigene Attraktivität neue Gedanken machen. Andererseits hatte zum Beispiel die Edelsteinindustrie in diesem Jahr die Gelegenheit, sich in ihrer ganzen Vielfalt und Stärke zu präsentieren. Dies kam den Ausstellern zugute.

Als nicht sonderlich nützlich erwies sich der neue Messekatalog. Die Registerfunktion ist auf einen Katalog, der während des Messebesuchs eingesetzt wird, ausgerichtet. Das Gewicht des Werkes allerdings verbietet einen solchen Gebrauch von vornherein. Im Einsatz als Nachschlagewerk hingegen erweist sich das Register als zu umständlich. Nach wie vor fehlt der Messe ein durchgängiges Flair. Breite Gänge, wertige Teppiche, Ruheinseln zwischen den Ständen werden nur selektiv eingesetzt. Den hochwertigen Sortimenten der Aussteller in Halle 3.0 wurde mit der Hallengestaltung nicht Rechnung getragen. Dazu kommt, dass die meisten Hallen schlicht zu dunkel waren. Nach einigen Stunden Messebesuch stellte sich unweigerlich ein klaustrophobisches Gefühl ein.

Trends und Neuheiten

Das Ergebnis der Trendsuche in Basel liess sich nach einigen Tagen in wenige Worte fassen: Nichts Neues, aber viel Schönes. Das heisst vor allem, dass sich bestehende Trends in diesem Jahr verstärkten. Ganz allgemein feiert die Goldschmiedekunst momentan ein Comeback. Vor einigen Jahren suchte die Branche ihr Heil in modernen, branchenfremden Techniken und Materialien. Heute findet die Rückbesinnung auf die Tradition statt. Der Goldschmied als Kunsthandwerker hat wieder Hochkonjunktur. Damit steht die Schmuckbranche einmal mehr in einem grösseren Kontext. Das Interesse an traditionellem Handwerk und der Authentizität, die davon ausgeht, lässt sich auch in anderen Bereichen feststellen. Nicht nur richtet sich der Blick der Trendforscher momentan zurück in die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts oder in die Renaissance. Es lässt sich auch eindeutig ein Trend feststellen, der die Menschen wieder ein handwerkliches Hobby wie Stricken ergreifen lässt.

Was also war zu sehen? Viel Pavé in Weiss aber auch in Farbe oder Multicolor auf geschwärztem Metall. Viel Fauna und Flora in dreidimensionalen, naturalistischen oder leicht stilisierten Formen. Neu und sehr überzeugend waren Juwelenerdbeeren, die zum Anbeissen schön waren. Kreuze sind einmal mehr unumgänglich. Neu daran sind die vielfältigen, barocken Formen. Auch Elemente des klassischen Juwelenschmucks waren in Parüren zu sehen. Ringe zum Beispiel präsentierten sich als moderne Adaptionen des klassischen Mittelsteins mit Entourage. Ohrringe als Hänger mit beweglich montierten Edelsteinen.

Farbe hat sich im Schmuck ganz klar durchgesetzt. Leuchtende Farbpavés in rot, blau, gelb, orange, grün waren kombiniert mit neutralen Pavés in weiss, schwarz und braun. Farbsteine in den gleichen Farben werden in modernen, lichtintensiven Schliffen eingesetzt. Besonders reizvoll ist die Verwendung von Mittelsteinen und farblich verlaufendem oder kontrastierendem Pavé. Aufgrund der zufriedenen Gesichter im Kreise der Edelsteinfirmen darf man davon ausgehen, dass diese Farbigkeit auch im kommenden Jahr tonangebend sein wird. Koralle, Türkis und Bernstein sind die Materialien des aktuellen Sommers. Sie passen perfekt zum aktuellen, romantischen Modethema und werden wohl auch im Winter noch kräftig an Popularität zulegen.

Interessant und zukunftsweisend waren Edelsteine mit interessanten Farbeffekten. Unvergesslich bleibt der Turmalin in lachsrot mit einem feinen olivfarbenen Rand, der ein fantastisches Farbspiel entwickelte. Sensationell die Kombination von schillerndem grün-orangem Sphalerit mit Sphen in einer Brosche der Firma Lançon.

Auch bei den Perlen war Farbigkeit ein Thema. Perlenränge werden in unterschiedlichen Perlfarben assortiert. Hochwertige Tahitizuchtperlen werden mit goldenen und weissen Südseezuchtperlen kombiniert. Andererseits werden Süsswasserperlen attraktiv eingefärbt. Gold, bronze, oliv oder auch jeansblau waren interessante Farbtönungen und werden dem Perlenmarkt mit Sicherheit neue Impulse verleihen.

Das Fazit der Messe 2002? Die Schmuckbranche hat die Herausforderung der Messemacher angenommen. Die Aussteller haben sich hochwertig und zeitgemäss präsentiert, sowohl mit ihren Ständen wie auch mit ihren Sortimenten. Andererseits hat die Messeleitung die Herausforderung der Schmuckbranche angenommen und einen riskanten Schritt gewagt. Für beide Seiten waren diese Schritte unausweichlich. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich der verdiente Erfolg auf  breiter Ebene einstellt.


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