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Die Schmuckwelt des Gilbert Albert
(Erschienen in Gold'Or  -  Ausgabe 2 / 2003)


Das Unternehmen Gilbert Albert hat sich in den vergangenen vierzig Jahren kontinuierlich weiter entwickelt. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland haben dazu geführt, dass der Name Gilbert Albert in der schmuckinteressierten Öffentlichkeit einen grossen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Jetzt ist das Unternehmen daran, eine internationale Distribution aufzubauen.

Samstagnachmittag an der Rue de la Corratrie. Im ältesten Geschäft von Gilbert Albert, dem Genfer Schmuckkünstler, herrscht Hochbetrieb. Die Verkaufstische sind gut besetzt mit Kunden, die sich beraten lassen. Eben kommt eine russische Delegation die Treppe herunter. Das Team ist in Genf, um den letzten Schliff zu bekommen, denn sie sollen in Kürze die erste Gilbert Albert-Boutique in Moskau eröffnen. Roman Büchi, Geschäftsführer von Gilbert Albert wird immer wieder gerufen, wenn es sich um besondere Kundenwünsche handelt.

Gilbert Albert, der seit über vierzig Jahren im Geschäft ist, hat es so gut wie kaum ein Anderer geschafft, einen eigenen Stil zu entwickeln. Wer seine Handschrift mag, kommt immer wieder. Gründe dafür gibt es viele. Seine Stücke atmen rundherum das Können eines passionierten Goldschmiedes. Von jeder Seite sind seine Schmuckkreationen vollendet ausgeführt. Selbst die Verschlüsse sind sorgfältig in das Design integriert und meisterlich ausgeführt. Kaum ein anderer geht so virtuos mit Schmuckmaterialien um wie er. Feinste Farbedelsteine treffen auf leuchtende Käfer. Mineralien werden mit Diamanten und Perlen kombiniert. Selbst versteinerte Dinosaurier-Häufchen verwandelt der Schmuckmagier mit einem Augenzwinkern in zauberhaften Schmuck.

Seine Schmuckkollektionen werden immer durchgängig konzipiert. Ausgehend von Haute-Joaillerie-Kreationen, die in mehreren hundert Arbeitsstunden entstehen, werden dann die seriell produzierten „Prèt-à-Porter-Stücke“ entwickelt. Die formalen Elemente sind die gleichen wie beim Einzelstück. Die Produktion hingegen vereinfacht, die Materialien etwas weniger üppig. So werden die Schöpfungen erschwinglich. Seit 1965 bekannt - und oft kopiert – ist das System „Bille“. Das Spiel mit der Kugel ist nach wie vor beliebt und wird von Gilbert Albert konsequent weiter geführt. Immer neue Trägerschmuckstücke entstehen und auch die Vielfalt der „Bille“ nimmt laufend zu. Die Frauen hat dieses Prinzip schon immer fasziniert. Das Schmuckstück, das zur Garderobe oder zur Stimmung passt, war und ist überzeugend.

Was bislang nur in den eigenen Geschäften in Genf und Zürich, sowie an einigen wenigen Verkaufspunkten im Ausland erhältlich war, soll in Zukunft rund um die Welt angeboten werden. Das Ziel ist, mit engagierten Partnern eine enge Zusammenarbeit aufzubauen. Einiges ist im vergangenen Jahr in die Wege geleitet worden. Zunächst einmal kehrt Gilbert Albert nach vielen Jahren der Abwesenheit wieder an die Basler Messe zurück. Ein Stand in der Prestigehalle mit insgesamt 36 Vitrinen ist geplant. An der Weltmesse will sich das Unternehmen mit seiner ganzen Produktvielfalt präsentieren, um den Messebesuchern einen Überblick über das vielfältige Schaffen von Gilbert Albert zu vermitteln.

Wie die Zusammenarbeit im Ausland vorstellbar ist, zeigt das Beispiel Moskau. Anfang März hat Gilbert Albert in der russischen Hauptstadt die erste Boutique im Ausland eröffnet. Das Geschäft ist gut gelegen und befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Tiffany und internationalen Modemarken. Die Eröffnung der Boutique fällt zusammen mit der zeitgleich stattfindenden Einzelausstellung von Gilbert Albert im Kreml. Die Einladung, dort auszustellen, erhielt der Genfer Goldschmied von Frau Elena Gagarina, der Tochter des berühmten Astronauten. Sie ist als „general director of the Kremlin Museums Moscow“ tätig. Schon einmal war Gilbert Albert im Kreml zu Gast. 1991 war er der erste lebende Künstler nach Fabergé, der seit 1917 seine eigene Ausstellung dort ausrichten durfte.

Diese Expansion wird erst möglich durch das grosse Team des Unternehmens. Insgesamt beschäftigt Gilbert Albert 42 Personen. Davon sind 19 Personen im Atelier tätig. Sämtliche Produktionsschritte, ausser dem Giessen, werden im Haus ausgeführt. Hier sitzen auch die Meister, die die Einzelstücke der Kollektion in minuziöser Handarbeit anfertigen. Das Haus verfügt ebenfalls über eine Dekorationsabteilung mit zwei Mitarbeitern. Hier werden die ständig wechselnden Dekorationselemente für alle Verkaufspunkte hergestellt. In der Administration arbeiten insgesamt fünf Personen, im Verkauf sind es zwölf Mitarbeiter. Das Unternehmen wird von Gilbert Albert persönlich, seiner Frau Françoise, seinem Schwager Philippe Grangier und Roman Büchi geleitet. Roman Büchi hat vor zwanzig Jahren als Goldschmied bei Gilbert Albert begonnen und begleitet das Unternehmen seither ununterbrochen.

Die Neunziger Jahre standen der üppigen Formensprache von Gilbert Albert eher kritisch gegenüber. Schlichte Formen, neutrale Farben, weiss in weiss und kleine, zarte Schmuckstücke waren angesagt. Die Zeiten haben sich geändert. Sinnlichkeit und Individualität sind wieder da. Der aktuelle Trend zu Farb- und Formenvielfalt und die neu erwachte Liebe zu kunsthandwerklich hochwertigen Produkten, sprechen wieder stark für den Stil des Genfer Schmuckkreateur. Dazu kommt noch etwas Anderes: Gilbert Albert versteht es, die Liebe und Leidenschaft zum Handwerk und die Jahrhunderte alte Tradition der Goldschmiede fortzuführen. Wer einmal in seine Welt eingetaucht ist, kommt nicht mehr davon los.


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