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Über die Freude, Freude weiter zu geben
(Erschienen in Gold'Or -  Ausgabe 2/2003. Das Interview führte Susan Sagherian)

Gilbert Albert hat in seiner langen Karriere etwas erschaffen, was wohl wenigen Schmuckmachern seiner Generation gelungen ist. Er hat seine Kreativität in einen unverkennbaren Stil verwandelt. Im Gespräch lernt man den Haute Joaillier als lebhafte, liebenswürdige, äusserst humorvolle aber auch ernsthafte Persönlichkeit kennen.

Gold’Or: Herr Albert, wie würden Sie die Situation in der Schmuckbranche von damals beschreiben, als Sie als junger Goldschmied ins Berufsleben einstiegen?

G. Albert: Es gab eigentlich nur Schmuck für sehr reiche Leute und dieser sah mehr oder weniger überall gleich aus.

Gold'Or: Sind Sie trotzdem von Anfang Ihren eigenen Visionen gefolgt?

G. Albert: Ja, mein Lehrer an der Ecole des Arts Décoratifs, Herr André C. Lambert, sagte zu mir: „Wenn Du etwas erreichen möchtest, dann mache etwas Anderes.“ Diesen Rat habe ich mir zu Herzen genommen.

Gold’Or: Sie haben Ihre Laufbahn ursprünglich in der Uhrenbranche begonnen. Wie konnten Sie dort Ihre Ideen umsetzen?

G. Albert: Das war eher schwierig. Die Uhrmacher, die mir mit ihren Lupen immer wie Zyklopen vorkamen, hatten sehr klare Vorstellungen, wie eine Uhr auszusehen hatte. Rund oder eckig auf jeden Fall. Dazu kam noch die verlangte Präzision in der Umsetzung.

Gold’Or: Es ist Ihnen aber trotzdem gelungen, Zeichen zu setzen. Einige Ihrer Kreationen für Omega und Patek Philippe sind noch heute berühmt. Sie haben sich aber trotzdem für den Schmuck entschieden und 1962 Ihr eigenes Atelier eröffnet. Wie behält man während über 40 Jahren seinen Ideenreichtum?

G. Albert: Dafür gibt es bestimmt zwei Gründe. Zum einen ist das die Hauptquelle meiner Inspiration, die Natur. Ihr Formenreichtum ist unendlich und hört nicht auf, meine Kreativität zu beflügeln. Auch der Reichtum der edlen Materialien hat mich immer fasziniert. Es ist ein tägliches Vergnügen, immer neue Kombinationen von edlen und auch scheinbar weniger edlen Materialien zu kreieren. Diese Freude mit anderen zu teilen, davon werde ich wohl bis ans Ende meines Lebens nie genug haben.

Gold’Or: Sie wurden sehr bekannt mit Ihren Schmuckkreationen, die mit Käfern besetzt wurden. Wie kamen Sie zu diesem besonderen Material?

G. Albert: Eines Tages erhielt ich Besuch von einer Dame, die mir Skarabäen aus Brasilien zeigte. Ich war begeistert von der edelsteinartigen Schönheit der Käfer und beschloss, einige davon zu kaufen. Sie kosteten mich ein Vermögen. Danach zeigte ich die Käfer einem Spezialisten, der mir lachend erklärte, dass Skarabäen eine sehr häufige Käferart sind, die weltweit in rund 200 Spezies vorkommen. Ich habe später einen Sammler getroffen, der zwei prächtige Exemplare besass, die er mir nach langem Zögern verkaufte. Auch diese für einen viel zu hohen Preis. Nach langem Suchen fanden wir dann heraus, dass diese Käfer in China auf Farmen gezüchtet werden. Um die Käfer im Schmuck verwenden zu können, mussten wir ein Verfahren entwickeln, um die Käfer mit einem Schutzüberzug zu versehen.

Gold’Or: Herr Albert, beschreiben Sie uns Ihre Arbeitsweise?

G. Albert: Zunächst einmal kreiere ich ein Grundthema für meine Kollektion. Das letzte Thema, mit dem ich mich befasst habe, kommt von den Weinbergen rings um Genf. Die geschwungenen Formen der Weinrebe und die kleinen Blumen, die sich im Frühling bilden, wurden zum Leitthema unserer neuen Kollektion. Wenn diese Formelemente einmal bestehen, setze ich auf einer Büste die Einzelstücke auf. Hier treffen die Formelemente mit den Edelsteinen und anderen Schmuckmaterialien zusammen. Sobald das Stück fertig aufgesetzt ist, wird es von unseren Goldschmiedemeistern weiter bearbeitet. Es wird ein Abdruck gemacht, danach werden die Einzelteile beweglich miteinander verbunden. Das fertige Stück ist dann von allen Seiten perfekt. Jedwelche Mechanik verschwindet und ist auch auf der Hinterseite des Stücks unsichtbar.

Jede Kollektion enthält neben den Einzelstücken auch Seriestücke. Diese werden unter dem Aspekt einer kosteneffizienten Fertigung entwickelt. Die verschiedenen Einzelteile sind grösser und daher weniger aufwändig in der Fertigung.

Gold’Or: Man könnte also sagen, dass Sie ähnlich wie ein Couturier arbeiten. Die Haute Joaillerie wird direkt am Modell modelliert, die „Prèt-à-Porter-Stücke“ werden dann für eine breitere Produktion davon abgeleitet. Vor kurzem haben Sie eine neue Attraktion für Genfbesucher geschaffen, das „Musée des Cabinotiers“. Wie kamen Sie dazu?

G. Albert: Mit dem Umzug in dieses Gebäude (eine ehemalige Produktionsstätte von Gay Frères, Anm. der Redaktion) haben wir einerseits einen unglaublichen Schatz an alten Dokumenten und Werkzeugen vorgefunden. Andererseits hatten wir die nötigen Räumlichkeiten, um diese Zeitzeugnisse in adäquater Form auszustellen. Dazu kommt, dass ein Besucher von Genf sehr viele Informationen über die Uhrmacherei finden kann, kaum aber etwas über die Geschichte der Goldschmiede und anderen Schmuckhandwerker dieser Stadt. Als passionierter Goldschmied war es mir auch ein Anliegen, dieses Andenken an vergangene Generationen von Schmuckhandwerkern zu bewahren. Sie haben uns ihre Werke, ihre Werkzeuge und ihr Wissen hinterlassen. Die Besucher können diese Tradition in unserem Museum erleben.

Gold’Or: Sie pflegen aber noch eine andere Tradition der „Cabinotiers“ weiter. Sie machen immer wieder Schmuckstücke, die mit einem Augenzwinkern die Welt kommentieren.

G. Albert: Ja, die Genfer Goldschmiede haben immer gerne Scherze gemacht. Meine Schmuckstücke sind eigentlich nichts anderes, als schmuckgewordene Goldschmiedescherze.

Gold’Or: Sie schauen auf ein sehr langes Leben als Goldschmied und Kreateur zurück. Wie sehen Sie Ihre Zukunft und diejenige Ihres Unternehmens?

G. Albert: Zunächst einmal werde ich mich mit der gleichen Freude mit meinem Beruf beschäftigen. Schmuck zu machen, ist mein Leben. Ich habe aber auch das Glück, mit engagierten, langjährigen Mitarbeitern zusammen zu arbeiten. Unter der Führung von Roman Büchi, meinem engsten Mitarbeiter, werden sie mein Lebenswerk fortsetzen.

Gold’Or: Herr Albert, wir bedanken uns für dieses Gespräch.


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