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Rückblick und Vorschau
(Erschienen in Gold'Or  -  Ausgabe 3 / 2003)


So schnell wird diese Messe nicht verdaut sein. Nicht von den Ausstellern, nicht von den Besuchern und erst recht nicht von denjenigen, die nicht an der Messe teilnehmen durften. Zu gross war der Schrecken, der einen befällt, wenn eine ganze Industrie so unübersehbar zur Vollbremsung gezwungen wird.

Schade. Schade vor allem, weil im Laufe der vergangenen Jahre viele Firmen aufgerüstet und investiert haben. Jetzt wäre für sie eigentlich der Moment zum Abheben gekommen. Man hätte ihnen und ihren Kunden den Rückenwind einer günstigen Wirtschaftslage gerne gegönnt. Schade auch deshalb, weil nach so langer Zeit endlich die Medien den Schmuck entdeckt haben. Noch nie gab es eine solche Vielzahl an Schmuckeditorials in den Zeitschriften wie heute. Schade zuletzt auch deshalb, weil die Trendentwicklung dem Schmuck so überaus zugetan ist. Noch immer ist kein Ende der verspielten, farbigen Üppigkeit abzusehen, die dem Schmuck eine perfekte Bühne abgibt.

Trends waren in Basel Mangelware. Die anhaltende Konsumflaute ist nicht sehr förderlich für Neuentwicklungen. Dies ist den Herstellern nicht übel zu nehmen. Niemand ersetzt gerne Kollektionen, die noch nicht einmal richtig vermarktet werden konnten. Ausserdem sind die Trends sehr stabil. Radikale Veränderungen sind nicht absehbar. Was war nun wirklich neu? Zu beobachten war ein eigentliches „Down-Marketing“. Mehrere Firmen haben in Basel Kollektionen präsentiert, die in tieferen Preissegmenten als sonst üblich für die jeweiligen Firmen angesiedelt waren. Unübersehbar war der Versuch, in einer schwierigen Zeit Schmuckkunden trotz kleineren Budgets zu bedienen. Ob diese Strategie mittelfristig Erfolg haben wird, muss sich erst noch zeigen. Viele Firmen haben es in den vergangenen Jahren dank beharrlichem Marketing und klarer Positionierung vom Hersteller zum Namensprodukt gebracht. Diese Firmen, die durchaus einem Kreis von Schmuckfans bekannt sind, haben aber noch lange nicht die Markenkraft einer internationalen Marke. Daher sind Diversifizierungen in unterschiedlichen Preissegmenten immer eine heikle Sache. Zu schnell verliert ein Unternehmen das Prestige und die Exklusivität in den Augen von vermögenden Insiderkreisen, wenn plötzlich die breite Masse Zugang zu einer Marke hat oder eben nur noch Produkte auf Sparflamme entwickelt werden. Dazu kommt noch, dass in diesen tiefen bis mittleren Preislagen immer auch die grösste Konkurrenz anzutreffen ist.

Auf Produktebene waren einige Dinge zu beobachten. Die Farbe Rosa war in Gestalt von herrlichen Conch-Perlen fast allgegenwärtig. Vielfach wurden sie als Einzelstücke zu Juwelen verarbeitet. Sensationell hingegen waren einige grosse Parüren mit ganzen Sammlungen der seltenen Perlen. Sie waren für jeden Schmuckkenner eine Augenweide. Die absoluten Stars der Saison waren Schwarz, Türkis und Korallenrot. Daneben kündigte sich der nächste, grosse Edelsteintrend an: Jade. Herrliche Stücke waren schon jetzt zu sehen. Interpretiert wurden sie im Stil des Art Deco, gekreuzt mit einer gehörigen Portion China. Die strengen und doch überaus dekorativen Formen liegen perfekt im Zeitgeist. Gebändigte Opulenz in grafischer Strenge, ausgeführt in bester Goldschmiedetradition. Noch immer aktuell ist der kreative Umgang mit Farbe. Herrliche Farbkombinationen bot zum Beispiel der Genfer De Grisogono, der unter anderem Türkis mit Smaragden zusammen verarbeitete. Er war es auch, der ein anderes Kultmaterial einführte: Galuchat, das unvergleichlich luxuriöse Rochenleder. Dieses und Imitationen davon werden ohne Zweifel die Branche erobern. Die Edelsteinhändler boten zum seit langer Zeit wieder vermehrt Cabochons an. Interessant daran war vor allem, dass offenbar eher hochwertige Materialien in dieser Schliffart verarbeitet wurden. Viele Steine fielen auf durch ihre hohe Transparenz und intensive Farbe

Nebst Jade – in Kombination mit Schwarz und Weiss - kündigen sich vor allem zwei Farbthemen für den kommenden Winter an. Bordeauxrot wird eine zentrale Rolle in Mode und Interieur spielen. Der satte, warme Farbton wird sowohl in Verbindung mit Grau und Schwarz, als auch zusammen mit anderen Rottönen auftreten. Neben Bordeaux werden auch alle Arten von Brauntönen aktuell sein. Vom weichen, warmen Cognac angefangen über Orangebraune Töne bis zu Braun in allen Schattierungen sind alle Kombinationen zu erwarten. Die Einflüsse aus China werden ganz sicher weiterhin eine Rolle spielen. Daneben sind auch die Vintage- und Folkloreeinflüsse nach wie vor tonangebend im Schmuckbereich.


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