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Ein Winter voller Kontraste
(Erschienen in Gold'Or  -  Ausgabe 4 / 2003)


Ein wundervoller, heisser, unendlich langer Sommer liegt hinter uns. Der Herbst hat sich angekündigt und mit ihm die Frage, was in der vor uns liegenden Saison in Schmuck und Mode angesagt ist. Die gute Nachricht ist, dass sich keine revolutionären Stilbrüche ankündigen. Die Verlangsamung der Wirtschaft und das zaghafte Kaufverhalten der Konsumenten haben eindeutig die Lust am Neuen gedämpft. Den Herstellern kann das nicht übel genommen werden. Die Neuheiten von Anfang Jahr haben in vielen Fällen noch nicht den Weg zum Konsumenten gefunden. Ganz ohne Aktualisierung kommen aber weder Hersteller noch Einzelhändler aus. In Vicenza ging es denn auch mehr um Weiterentwicklungen als um Neuheiten. Erfolgreiche Kollektionen wurden vertieft und um neue Farbvarianten ergänzt. Es zeigte sich auch einmal mehr die Stärke der Italienischen Hersteller, wichtige Modetrends in den Schmuck einfliessen zu lassen. Das grosse Modethema Schwarz-Weiss war allgegenwärtig. Auf den Laufstegen in Paris, Mailand, London und New York wurde der scharfe Kontrast in allen erdenklichen Variationen von ultrasportlich-grafisch bis klassisch-elegant ausgespielt. Im Schmuck ist es ähnlich. Ob Pavé, Perlen, grosse Einzelsteine, Email oder Silberschmuck; in allen Preis- und Stilkategorien ist der Farbkontrast präsent. Der Kontrast allein genügt jedoch nicht. Als Abrundung wird Schwarz-Weiss sowohl in Mode als auch im Schmuck mit starken Farben kombiniert. Koralle und Türkis sind nach wie vor omnipräsent. Jade bestätigt sich als Trend und wird uns ohne Zweifel ins kommende Jahr begleiten. Daneben könnte auch Lapis Lazuli wieder an Bedeutung gewinnen. Die starke blaue Farbe wurde in vielen Modekollektionen als Akzent verwendet. Bei den klassischen Edelsteinen war vor allem Rubin sehr präsent. Auch Saphir wurde verschiedentlich verwendet. Der Smaragd hat es aber nach wie vor schwer, den Weg zurück in die Gunst der Branche zu finden. Formal herrscht noch immer eine ornamentale Formensprache vor. Vom Schmuckstück, das von der Tradition der Indischen Maharadschas geprägt ist, über chinesisch angehauchte Edelsteingravuren bis zum historisierenden Juwelenstück zeigt dieser Trend eine breite Präsenz. Der ornamentale Trend zeigt sich aber auch in einer Reihe von grafisch konzipierten Schmuckstücken. Sie wirken vordergründig schlicht und geometrisch. Starke Farbkontraste und grosse Formate lassen aber auch diese Schmuckstücke äusserst dekorativ wirken. Wichtig ist, dass Schlichtheit und Geometrie nicht falsch verstanden werden. Sie werden heute nicht mehr im unterkühlten Stil der 80er und 90er Jahre eingesetzt. In einer Zeit, in der selbst funktionale Sportmode ultrafeminin daherkommt, muss schlichter Schmuck einen eindeutig weiblichen und eleganten Zug haben.

Die Frage ist nun, wie die vor uns liegende Weihnachtszeit verlaufen wird. Wunder sind keine zu erwarten. Die vorsichtig optimistischen Äusserungen der Wirtschaftsauguren werden die Konsumenten noch nicht zu einer Kehrtwende ihres zögernden Kaufverhaltens bewegen können. Es gibt eigentlich nur eine Chance: den Kunden ein zeitgemässes, aktuelles Schmuckbild präsentieren. Diejenigen Kunden, die sich entgegen aller widrigen Zeiterscheinungen noch für Schmuck interessieren, sollen den Eindruck einer lebendigen, wachen und optimistischen Branche erhalten. So lange die Menschen Schmuck kaufen, glauben sie an die Zukunft. Diesen Glauben sollte die Branche unterstützen.


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