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Vom Herrenschmuck zum Männerschmuck

(Erschienen in männerforum  -  30 / 04)

Wer sich an seinen Grossvater oder Urgrossvater erinnert, hat vielleicht einen distinguierten Herrn mit Siegelring und Uhrkette vor Augen. Wer an seinen Vater denkt, sieht mit grosser Wahrscheinlichkeit einen sportlich-gepflegten Mann mit Armbanduhr vor sich. Söhne hingegen tragen mit ziemlicher Sicherheit ziemlich coolen Schmuck vom Ring bis zum Bodypiercing.

Schmuck steht immer im Kontext seiner Zeit. Das Tragen von Schmuck hat sich entsprechend im Laufe der Zeit gewaltig verändert. Einstmals war es das Privileg der Könige, Adeligen und des Klerus, Schmuck zu tragen. Schmuck als Symbol der Macht hatte oftmals Kultcharakter. Die Kronjuwelen des Feindes zu erobern, bedeutete nicht nur Reichtum, sondern vor allem die Übernahme seiner Macht. Mit dem Aufkommen einer reichen Bürgerschicht wurde das Schmucktragen jenseits der adeligen Kreise normal. Die „Herren“ zeigten sich in der Öffentlichkeit stets gepflegt. Schmuck gehörte zur Garderobe und symbolisierte gesellschaftlichen Status und Reichtum. Es war klar, was „man“ trug. Schmuck hatte weniger persönlichen als formellen Charakter. Diese Zeit ging spätestens mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieg zu Ende. In den Nachkriegsjahren ging es dann erst einmal um ganz andere Dinge als um Schmuck. Erst in der Hippiezeit war Schmuck wieder ein Thema, vor allem ethnischer Schmuck war bei Männern und Frauen gleichermassen beliebt. Nach dieser Zeit aber war auch den Blumenkindern nicht mehr danach zu Mute. Schmucktragende Männer wurden schief angesehen und in aller Regel als Tunten verschrien. Die Armbanduhr wurde zum Kultobjekt. In Auktionen wurden Fantasiepreise für bestimmte Uhrenmodelle bezahlt. Die Swatch machte Uhrenträger zu Uhrensammlern. Für den Schmuck hingegen war erst mal eine ganze Generation Männer verloren.

Junge Männer von heute sind in erster Linie Individualisten. Sie sind in einer Zeit aufgewachsen, in der gesellschaftliche Normen in den Hintergrund getreten sind. Wer in den Siebziger und Achtziger Jahren geboren wurde, hatte wenig Konventionen zu beachten. Im Gegenteil, Jugendliche und junge Erwachsene müssen darum kämpfen, in der Welt der unendlichen Möglichkeiten ihren eigenen Weg zu finden. Vielfach haben ihre Eltern bereits alles ausprobiert und lassen sich deshalb nicht so schnell von irgendetwas schockieren. Über Kleidung, Auftreten und nicht zuletzt über Schmuck drücken sie deshalb ihre individuelle Persönlichkeit aus.

Junge Männer von heute haben aber auch mächtig Druck von den Frauen. Gepflegtes, gutes Aussehen ist in der heutigen, von visuellen Eindrücken überladenen Welt, einfach unerlässlich. Die Frauen sind selbstbewusst geworden und schauen Männer heute kritischer an. Was für sie selbstverständlich geworden ist, nämlich Pflege, gute Figur und tolle Kleidung, verlangen sie auch von den Männern. Schmuck gehört wiederum zum Auftritt, denn Schmuck ist attraktiv und symbolisiert Charakter und Stil.

Was aber tragen junge Männer? Vieles, aber nicht alles. Die Lieblingsfarbe der Männer ist heutzutage eindeutig Silber. Ob es sich dabei um Platin, Weissgold, Silber, Stahl oder Titan handelt, ist nicht so wichtig. Männerschmuck muss vor allem gross und maskulin sein. Eine Prise Machogefühl und jede Menge Selbstbewusstsein muss der Schmuck rüberbringen. Ob Stein- oder Muschelketten, Silber- oder Stahlschmuck oder doch Gold wie ein Musikstar, ist eine Frage des Typs. Kleine, verschämte Goldkettchen mit noch kleineren Anhängerchen dran sind hingegen selbst bei kleinen Jungs definitiv abgesagt.

Der Symbolanhänger am Lederband um den Hals ist eigentlich schon zum Klassiker geworden. Diese Anhänger aus Silber oder Stahl sind grossflächig, ethnisch inspiriert und haben den Charakter eines Talisman. Ob witzig, geheimnisvoll, martialisch oder ganz einfach schön, sie enthalten alle eine Botschaft. Die Alternative dazu sind einzeln oder zu mehreren aufgefädelte Edel- oder Schmucksteine. Die Symbolik steckt hier in den geheimnisvollen Kräften des Steines. Ketten sind spätestens mit dem Rapper P.Diddy oder dem Komiker Ali G wieder salonfähig geworden. Breit, lang und wenn möglich sogar in Gold gehören sie für alle Möchtegern-Stars und Freizeitrapper unbedingt zum Look.

Auch Ringe sind für viele Männer zum ständigen Begleiter geworden. Wiederum gilt das Motto: gross, breit und massiv. Vielfach tragen die Bandringe aufwändige Gravuren, die an keltische Muster oder die Tattoos der Maoris erinnern. Schlichte Stahlringe mit Diamant sind eine zeitgemässe Version des klassischen Solitärs. Wer keinen Ring tragen mag oder aus beruflichen Gründen auf dieses Schmuckstück verzichten muss, kann natürlich einen Schmuck am Handgelenk tragen. Ob Armreif oder Armspange ist eine persönliche Entscheidung. Wer die Kette nicht am Hals tragen mag, kann mit einem breiten Kettenarmband auftrumpfen.

Ohrschmuck ist nach wie vor ein Thema. Es gab allerdings Zeiten, in denen eindeutig mehr Männer Ohrschmuck trugen als heute. Das Bekenntnis von David Beckham zum „Knopf im Ohr“ hat im vergangenen Jahr ein kurzes Revival ausgelöst. Es ist aber wahrscheinlich eher so, dass viele Männer vor dem Ohrlochstechen zurückschrecken. Womit wir beim Thema Körperschmuck im allgemeinen sind. Zu bestimmten Jugendkulturen gehört das Tragen von Piercings noch immer zum guten Ton. Ausserhalb dieser Gruppen hat dieser Trend jedoch deutlich nachgelassen.

Die bisher beschriebenen Schmuckstücke haben alle einen sehr persönlichen Charakter. Wie aber schmückt sich ein Mann für den Businessalltag? Was passt zu Anzug und Krawatte? In der heutigen Zeit gehört ein gepflegtes Erscheinungsbild einfach dazu. Vielfach entscheidet der Auftritt über Erfolg oder Misserfolg im Berufsleben. Schmuckaccessoires sollen deshalb immer geschmackvoll und dezent wirken. Besonders geeignet dafür sind - neben der ausgesuchten Armbanduhr - Manschettenknöpfe. Über Material und Ausführung entscheidet der Geldbeutel. Der Stil sollte vor allem zum Gesamteindruck der Kleidung und zur Persönlichkeit des Trägers passen. Krawattenklammern sind eher etwas in den Hintergrund getreten, aber sicher eine gute Alternative für Männer, die keine Doppelmanschetten mögen. Natürlich gibt es immer Männer, die gar keinen Schmuck tragen wollen. Für sie eignen sich stilvolle, persönliche Accessoires wie Schlüsselringe oder Moneyclips.

Die Schmuckmöglichkeiten sind für Männer heutzutage schier unbegrenzt. Schwieriger wird es manchmal, das Passende zu finden. Manche Schmuckgeschäfte vernachlässigen die jungen Schmuckkäufer und bieten nichts Spannendes an. Mehr Glück hat man oftmals bei Goldschmieden. Gerade junge Schmuckschaffende verstehen die Bedürfnisse und die individuellen Wünsche der Männer oftmals sehr gut. Es ist allerdings zu erwarten, dass das Schmuckangebot für Männer in der Zukunft vielfältiger und interessanter wird. Das ganz grosse Revival der geschmückten Männer kommt erst noch.


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