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Diamanten,
ganz in Farbe
(Erschienen im Frühjahr 2003 in der Neuen
Zürcher Zeitung - NZZ)
Farbige
Diamanten erobern die Herzen der Schmuckliebhaber. Sie wirken
gleichzeitig edel und individuell, üppig und zurückhaltend,
ausserordentlich und überaus alltagstauglich.
Die Schmuckmacher schwelgen zur Zeit in opulenter Üppigkeit. Ein
wichtiges Stilelement ist das sogenannte „Pavé“. Es handelt
sich dabei um den kunstvollen Besatz einer Metalloberfläche mit präzise
ineinander laufenden Edelsteinen. Das oberste Ziel ist es, eine möglichst
gleichmässige und weich verlaufende Edelsteinoberfläche mit möglichst
kleinen Zwischenräumen zu schaffen. Mehr oder weniger wie ein
Kopfsteinpflaster, dessen französischer Name auch die Technik der
Edelsteinfasser beschreibt. Heute sind der Fantasie der
Schmuckkreateure keine Grenzen mehr gesetzt. Pavés werden in allen
erdenklichen Edelsteinfarben gemacht. Es werden milchige mit klar
durchsichtigen Edelsteinen kombiniert. Raffinierte Farbverläufe
erlauben es, selbst die feinsten Farbschattierungen eines Blütenblatts
oder eines Tierkörpers auszudrücken. Die Experimentierlust der
Goldschmiede macht auch nicht Halt vor der hohen Kunst,
unterschiedlich grosse Edelsteine mosaikartig und ohne Zwischenräume
ineinander zu verarbeiten.
Diese besondere Technik war es,
die einer ganz besonderen Gruppe von Edelsteinen zu selten gekannter
Popularität verholfen hat. Jedes Kind weiss, dass Diamanten weiss
sind und als Inbegriff der Klassik gelten. Heute werden Diamanten in
verschiedensten Farben verarbeitet, vor allem als besagtes Pavé.
Der Anstoss dazu kam bezeichnenderweise aus Genf. Der Juwelier De
Grisogono kam erstmals 1996 mit einer Kollektion von Schmuckstücken
und Uhren auf den Markt, die vollständig mit schwarzen Diamanten
ausgefasst waren. Der Effekt war so begeisternd, dass ein neuer
Trend geboren war. Die italienischen Schmuckmacher nahmen die
Anregung auf und begannen ihrerseits, braune Diamanten zu
verarbeiten. Schmuckstücke, die mit in dieser Technik mit weissen
Diamanten besetzt sind, wirken schnell einmal zu auffällig für den
Alltag. Mit braunen Diamanten präsentiert sich Schmuck herrlich
unprätentiös und gleichzeitig sehr edel. Die braunen Diamanten,
die im Handel unter der Farbe „Champagner“ laufen, haben auch
noch einen anderen Vorteil. Ihr Preis liegt je nach Farbschattierung
ein Viertel bis zur Hälfte unter demjenigen eines vergleichbaren,
weissen Diamanten. Auch die anderen Farben des Diamanten sind stark
gestiegen in der Beachtung des Publikums. Gelb und Cognac sind zwei
Dauerlieblinge, genau wie die rosa Diamanten. Andere Farben des Königs
der Edelsteine sind hingegen so selten, dass sie kaum je in dieser
Art verarbeitet werden können. Natürlich werden farbige Diamanten
nicht nur als Pavé verarbeitet. Auch als grössere Einzelsteine
wirken sie mit ihrer hohen Lichtbrechung und den oft sehr feinen
Farbschattierungen bezaubernd. Auch hier gilt: der wahre Wert
erschliesst sich dem Betrachter nicht auf den ersten Blick und ist
daher umso persönlicher und individueller.
Susan
Sagherian
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