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Schmucktrends
2003 -
Der
schönste Schmuck seit langem
(Erschienen im Frühjahr 2003 in der Neuen
Zürcher Zeitung - NZZ)
Die
Panzer rollen, die Wirtschaft stagniert und die Börse befindet sich
im freien Fall, während die Rate der gewaltsamen Kriminalität
weiter steigt. Wir befinden uns im Jahr 2003 in schwierigen Zeiten.
. Dies ist ein Pamphlet für den schönsten Schmuck seit vielen
Jahrzehnten. Ein Pamphlet für die Freude am Leben und am Schönen.
Es
ist ein ehernes Gesetz, dass die Echtschmuckbranche als Erste
leidet, wenn sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert und
als Letzte davon profitiert, wenn sie wieder besser wird. Dies ist
auch jetzt wieder der Fall. Die Konsumenten sind tief verunsichert
oder ganz konkret von der sinkenden Wirtschaft mit
Arbeitsplatzverlust betroffen. Ihre Konsumzurückhaltung ist daher
auch durchaus verständlich und nachvollziehbar. Die Luxusbranche
– und die Schmuckbranche im Speziellen – muss sich daher schon
seit 2001 mit einer stark gesunkenen Nachfrage und deren
Konsequenzen beschäftigen. Die Zukunftsaussichten sind auch nicht
sehr gut. Die meisten Branchenvertreter sehen erst für 2005 einen
deutlichen Aufschwung voraus.
Und trotzdem: die Zeiten waren eigentlich schon lange nicht mehr so
gut für den Schmuck wie jetzt. Alle Trendzeichen deuten auf eine
Neubewertung des Schmucks im Kontext von Mode und Design. Schmuck
und Kleidung gingen über viele Jahrzehnte getrennte Wege. Heute
treffen sie sich wieder. Die Rede ist nicht mehr davon, dass das
Eine das Andere stört. Vielmehr beschäftigen sich Mode- und
Schmuckschöpfer mit der delikaten Balance beider Elemente. Die
angesagten Stilrichtungen sind kaum denkbar ohne Schmuck und
zelebrieren die überschäumende Freude an Farbe und Dekoration.
Auch die wichtigsten Gesellschaftstrends bestätigen den
Schmucktrend für breitere Bevölkerungsschichten als jemals zuvor.
Die Demokratisierung des Luxus hat die Masse erreicht und gerade
deshalb kündigt sich eine weiter gehende Verfeinerung und
Sublimierung am oberen Ende der Luxusskala an. Selbst die Männer,
die in unseren Breitengraden über Generation Schmuckabstinent
waren, beginnen sich neu für das Thema „Schmücken“ zu
interessieren.
Die Vergangenheit
als Schatztruhe
Die
Welt des Konsums ist an den Punkt der Übersättigung gekommen.
Sowohl in der Mode, wie auch im Interieur und ganz besonders beim
Schmuck wenden sich die Konsumenten immer mehr von
massengefertigten, seelenlosen Produkten ab. Es keimt die Sehnsucht
nach einzigartigen Produkten mit einer Seele und wenn möglich einer
Geschichte. Der Begriff „Vintage“ ist seit einiger Zeit Synonym
für diesen Trend, der einen ganz direkten Einfluss auf die
Schmuckwelt hat. Die Vergangenheit ist denn auch gleich in
mehrfacher Sicht Inspiration für die heutigen Schmuckschöpfer. Das
Schmuckdesign ist stark von alten Goldschmiedetechniken geprägt.
Die Formensprache lehnt sich an die grossen Zeiten des
Juwelenschmucks zwischen 1850 und 1960 an. Blumen- und Tiermotive
spielen eine wichtige Rolle. Die Materialwahl entspringt der
gleichen Zeit. Raffinierte, funkelnde
Farbedelsteine in intensiven Farben leuchten auf geschwärztem
Metall. Die Kombination könnte nicht märchenhafter sein. Selbst
modernste Formen erhalten damit einen Hauch Vergangenheit. Überhaupt
sind Metalle sehr oft kunstvoll verfremdet und künstlich gealtert.
Selbst opulente Schmuckstücke erhalten so das richtige Mass an Zurückhaltung
und können ohne Weiteres im Alltag getragen werden. Eine Bestätigung
für diesen Trend liegt auch in der Tatsache, dass antiker Schmuck
gesucht ist wie lange nicht mehr. Das Schöne an den alten
Originalen ist ihre Geschichte, die ihnen eine absolute Einmaligkeit
verleihen.
Kosmopolitisches
Schmuckerbe
Neben
der Europäischen Schmucktradition gibt es zur Zeit auch eine
Vielzahl anderer Einflüsse. Traditioneller Schmuck aus fast allen
Weltgegenden spielt in die derzeitige Schmuckgestaltung eine Rolle.
Traditioneller Trachtenschmuck aus Zentral- und Osteuropa weckt
ebenso viel Interesse wie ethnischer Schmuck aus Afrika, Polynesien
oder Amerika. Das märchenhafte Erbe der Maharadschas und die
zauberhaften Jadeschnitzereien aus China inspirieren gleichermassen
die Schmuckdesigner. Auch hier sehen wir die Parallele zur Welt der
Mode und des Design. Aus dem Erbe der verschiedensten Kulturen
entsteht ein neuer, kosmopolitischer Stilmix. Entscheidend ist die
stilistische Ausgewogenheit der Kreationen. Hierin besteht auch die
grosse Herausforderung an die heutigen Schmuckmacher: Schmuck zu
kreieren, der gleichzeitig den Zeitgeist trifft und doch über die
Mode hinaus zeitlos schön ist.
Schmucktrends Sommer
2003
Der
Sommer 2003 steht noch einmal ganz im Zeichen von Türkis und
Koralle. Diese beiden Edelmaterialien erleben seit zwei Jahren ihr
Revival. Nach den – aus Schmucksicht - farblosen Neunzigern,
begann mit dem neuen Jahrtausend eine neue Ära der Farbigkeit im
Schmuck. Türkis und Koralle zeichneten sich sehr schnell als
Publikumslieblinge ab. Einerseits waren sie immer Bestandteil des
traditionellen Folkloreschmucks in fast allen Kulturen. Andererseits
passen sie herrlich in die Trendwelt, die von den 50ern und 60ern
inspiriert wird. Dazu kommt neu Perlmutt. Der zarte Schimmer und die
vielen Farbnuancen passen hervorragend zur Sommermode und gebräunter
Haut. Wer es etwas edler möchte, dem sei die Kombination von
Perlmutt mit Südseezuchtperlen in verschiedensten Farbtönen
empfohlen. Perlen sind nach wie vor ein grosses Schmuckthema. Die
Vielfalt der angebotenen Perlen ist so gross wie nie zuvor. In
unterschiedlichsten Farben, Formen und Zusammenstellungen lässt
sich grundsätzlich für jedes Budget etwas finden. Auch ein
Sommermuss ist die Kombination von Schwarzweiss im Schmuck. Je nach
Stil und Budget kann das die Kombination von schwarzen und
weissen Diamanten oder die nicht minder luxuriöse Version in
Südseezuchtperlen sein. Es kann aber auch das wesentlich modischere
schwarze Kreuz am schwarzen Rosenkranz sein.
Moderne
Schmuckklassiker
Neben
den absoluten Musts dieses Sommers gibt es natürlich eine Vielzahl
weiter führender Entwicklungen. Die allgemeine Stilrichtung des
Ornamentalen bleibt es mit Sicherheit noch einige Zeit erhalten. Die
Freude an der Dekoration, der Einmaligkeit eines Edelsteins oder
einer Perle wird nicht aufhören. Ebenso fantastisch und überwältigend
ist die grosse Meisterschaft der Schmuckmacher, ganze Schmuckobjekte
mit Edelsteinen in zartesten Farbverläufen zu besetzen. Da kommt
die ganze Pracht und Faszination des Juwelenschmucks zum Ausdruck.
Ungeahnte Farbkombinationen sind plötzlich möglich. Orange
Mandaringranate treffen auf olivgrüne Peridote. Goldgelbe Diamanten
verlaufen über Cognac zu tiefem Braun. Schwarze Diamanten treffen
auf leuchtende Smaragde oder tiefrote Rubine. Eine Reminiszenz an
den Einfluss Chinas auf die aktuelle Designwelt ist die
Wiederentdeckung von Jade in all ihren Schattierungen von Weiss über
Orange, Flieder zu klassischem Grün und Schwarz. Die Rückkehr von
Blau in Mode und Design wird ihren Niederschlag finden in
Kreationen, die Türkis, Saphir, Lapis Lazuli, Chalcedon und
Aquamarin verbinden. Schon jetzt
kündigt sich eine neue Lieblingsfarbe der Schmuckwelt an.
Gelb wird uns in die Zukunft geleiten. Die Schmuckwelt kombiniert
schon heute Citrin mit Rauchquarz und Bergkristall. Gelbe Saphire
und Berylle leuchten um die Wette und Bernstein wird noch mehr zum
Liebling der Schmuckfans werden.
Am Ohr werden nach wie vor Ohrhänger getragen. Je nach Mut und Stil
der Trägerin fallen sie etwas feiner oder opulenter aus. Auf den
Laufstegen kamen XL-Modelle zum Zug, die in ihrer Üppigkeit jeden
Halsschmuck ersetzten. Das Augenmerk der Schmuckkreateure liegt noch
immer auf dem Hals. Fantasievoll gefädelte Ketten mit Anhängern,
die an Bettelarmbänder erinnern, sind hochaktuell. Der Formen- und
Farbenreichtum kennt hier keine Grenzen. Bei den Ringen stehen
ausdrucksvolle Einzelstücke mit einem Farbedelstein oder einer
Perle im Zentrum. Der Ringkörper selbst wird raffiniert geschlungen
und meist vollständig mit Edelsteinen ausgefasst. Auch das uralte
Thema der Schlangenringe taucht wieder auf. Aus als Halsschmuck und
Broschen sind die ewigen Verführer wieder anzutreffen. Anhänger in
Kreuzform sind nach wie vor im Trend. Die Formen reichen hier vom
gleicharmigen Schweizer Kreuz über das „Gothic“-inspirierte,
schwarze Kreuz bis zum schwermütigen, byzantinischen Prunkstück.
Die Zeiten sind schwierig. Die Aussichten nicht unbedingt gut. Aber
Schmuck kann das Wohlbefinden steigern. Jeden Tag zu jeder Zeit. Ein
Blick genügt.
Susan
Sagherian
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