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Entsprechend hat sich das Schmuckdesign in den vergangenen Jahren immer mehr den allgemeinen Design- und Modetrends angepasst. Die zweite Hälfte der neunziger Jahre war geprägt von einem minimalistischen Schmuckverständnis. Der schlichte Modestil in neutralen Farben vertrug keine opulenten Schmuckstücke. Weisse Metalle traten zusammen mit Diamanten und lichten Pastellfarben einen Siegeszug an. Strenge, einfache Formen und kleine Formate bestimmten die Gestaltung des Schmucks. Höhepunkt dieser Entwicklung war sicher der kleine Diamantsolitär am Hals, der an der durchsichtigen Gitarrensaite getragen wurde. Weniger ging nicht. Beschwingte Eleganz Kurz vor dem Millennium zeichnete sich dann die Trendwende ab. Die Konsumentinnen und die Modemacher hatten genug von dem «Weniger ist mehr». Die hochgelobte Globalisierung bekam Risse, und der weltumspannende modische Uniformismus wurde schal und langweilig. Eleganz, Individualität, traditionelle Handwerkstechniken: kurz, die inszenierte Kleidung wurde wieder interessant. Damit war der Schmuckbranche auf einmal der Weg offen, klassisch inspirierten, juwelenartigen Schmuck anzubieten. Die Stilrichtung bewegte sich weg vom konstruierten, modernen Design hin zu einer historisierenden, goldschmiedisch-handwerklichen Formensprache. Der Retrotrend ist nicht mehr wegzudenken. Die Zitate vergangener Zeiten sind zahlreicher denn je und gleichzeitig durchdrungen von Modernität und zeitgemässem Esprit. Die jüngsten Modeschauen zeichnen ein Bild von purem Chic, inspiriert von den fünfziger und auch von den späten zwanziger Jahren. Beide Jahrzehnte wurden geprägt von einem klassischen Frauenbild. In beiden Jahrzehnten wurde aber auch radikal modern gedacht. Die Frauen kleideten sich ultrafeminin und waren stets bis in die Haarspitzen gepflegt. Bezeichnend für die fünfziger Jahre ist die Modefotografie jener Zeit. Die Frauen wirken in einem vollkommen künstlichen Ambiente auf gestellte Art natürlich. Sie drücken Anmut und Eleganz aus und wirken stets leicht entrückt. Eine ganz ähnliche Wirkung strahlten viele Models auf den Laufstegen der Mode für diesen Frühling/Sommer aus. Es herrscht eine beschwingte Heiterkeit, gepaart mit fraulicher Eleganz. Die Frauen werden von luftigen Kleidern umspielt. Volants und Rüschen, Schleifen und lose Bänder zeichnen eine romantische Weiblichkeit ohne Wenn und Aber. Gleichzeitig wirken die Frauen immer angezogen. Haut und Hülle stehen in einem delikaten Verhältnis. Frau und Kleid gehen eine Symbiose ein. Die Devise lautet: nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Stoff. Die Lieblingsmaterialien der Modeschöpfer heissen Satin, Mousseline und Crêpe. Mehrlagig durchschimmernd, schillernd und changierend sind die Stoffe, matt und glänzend, verhüllend und entblössend mit raffiniertesten Farbeffekten. Farben sind in diesem Sommer unübersehbar auch beim Schmuck präsent. Erinnerungen an Sorbet-Eis und gefärbten Zucker werden wach. Rosa und Lachs in allen Schattierungen beherrschen die Szene. Daneben stehen leuchtende Farben wie Smaragdgrün, Fuchsia, Ultramarin und Orange. Neutrale Hautfarben und kühles Sommergrau sind wohltuende Alternativen. Metallisch glänzendes Silber, Gold und Kupfer ergänzen die Palette mit einer Prise Glamour. Die Kunst besteht darin, Farben und Materialien in spannende und unerwartete Kombinationen und Proportionen zu bringen. Poesie pur Goldberyll, Heliodor, Morganit: Die Poesie der Edelsteinnamen scheint geradewegs aus dem Epos «Der Herr der Ringe» zu stammen. Genauso mystisch und geheimnisvoll wirken die Edelsteine. Der Zauber des Lichts, die zarte Versuchung der Farbe sind unwiderstehlich. Die Schmuckwelt kann momentan aus dem Vollen schöpfen. Hoch transparente Edelsteine werden meisterlich geschliffen und entwickeln so ihre ganze Schönheit in Glanz und Farbtiefe. Durchscheinende Edelsteine hingegen werden mugelig geschliffen oder ganz fein facettiert und wirken damit noch tiefer und faszinierender. Der Lieblingsstein der Saison ist ohne Zweifel der Mondstein. Sein zartes, seidiges Schimmern ist der perfekte Ausdruck des heutigen Schmuckstils. Diesen überaus tragbaren Edelstein gibt es in verschiedenen Farbtönen vom zarten Grau über ein mattes Abricot bis zu einem changierenden Weiss. Rosa, die Lieblingsfarbe dieses Sommers, kann in der Schmuckwelt auf verschiedenste Art interpretiert werden. Rosaquarze versprühen einen mädchenhaften Charme mit ihrer leicht milchigen Erscheinung und haben fein facettiert einen ganz besonderen Reiz. Morganit, der rosafarbene Beryll, hingegen besticht mit seiner klaren Brillanz und eleganten Farbnuance. Rosa Saphire finden zurzeit vor allem in aufwendigen Pavéflächen Verwendung. Dort werden sie in anspruchsvollen Farbverläufen eingesetzt. Bei den Goldfarben setzt sich der Rosatrend ebenfalls durch. Rosé- und Rotgold werden immer beliebter. Jade gehört ebenfalls zu den Favoriten der Saison. Der faszinierende Edelstein erlebte im vergangenen Jahr ein weltweites Revival. Das wiedererwachte Interesse am Art déco und an der chinesischen Ästhetik verhalf der Jade zu neuer Popularität. Die Farbpalette ist bezaubernd. Von Weiss über Zartgrün bis zu Lavendel begeistert sie die Liebhaberinnen feiner Pastelltöne. Das klassische Jadegrün hingegen ist für Frauen mit Mut zum Farbakzent bestimmt. In diese Kategorie fallen auch die starken Pinktöne des Rubellits oder das Orange des Mandaringranats. Mit den Farbsteinen schimmern in diesem Sommer die Perlen um die Wette. Kaum eine Schmuckart ist besser geeignet als die Perle, um Weiblichkeit und Eleganz auszudrücken. Die Vielfalt der Perlen wächst von Jahr zu Jahr. Neben der klassischen weissen Perle spielen vor allem rosa- oder lachsfarbene Süsswasserzuchtperlen eine wichtige Rolle. Sie schmeicheln ausnahmslos jeder Frau, unabhängig vom Hauttyp. Die Formen der Perlen sind unendlich vielfältig. Ob rund und klassisch oder barock unregelmässig, ob stäbchenförmig oder als Herz, die diversen Spielarten der Perlenzüchter überraschen immer wieder von neuem. Auch die grauen bis schwarzen Tahiti-Perlen finden immer mehr Liebhaberinnen. Das einstige Luxusprodukt hat sich in den vergangenen Jahren weltweit einen immer grösseren Kundenkreis erschlossen und ist in der Zwischenzeit auch für eine breitere Kundschaft erschwinglich geworden. Zarte Geschmeide So unverhohlen weiblich und feenhaft war der Schmuck seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Erinnerungen an die Wirkung von Jugendstilschmuck werden wach, gleichzeitig klingen Zitate aus den fünfziger Jahren an. Heute entsteht in den Ateliers der Goldschmiede Juwelenschmuck im besten Sinn des Wortes, bar jeglicher Antiquiertheit. Das Zusammenspiel von Farbedelsteinen, Perlen und diamantbesetzten Elementen ist typisches Merkmal des aktuellen Schmuckstils. Zu den Favoriten zählt beweglicher, hängender Ohrschmuck. Im Englischen werden sie «chandelier earrings» genannt, also Kronleuchter-Ohrschmuck. Das Wort trifft den Charakter dieses Stils perfekt: Feine Edelsteintröpfchen baumeln an winzigen Ösen in einem verspielten Gitter von diamantbesetzten Goldranken. Die alltagstaugliche Version besteht aus einfachen Ohrhängern mit Perlen oder Farbsteintropfen in allen erdenklichen Versionen. Die Ranken setzen sich um den Hals fort. Zarte Colliers umschmeicheln den Hals wie ein feines Muster. Alternativ kommen verspielte, romantische Anhänger in Frage. Die ewigen Favoriten - Kreuz und Herz - sind nach wie vor nicht wegzudenken. Sie erhalten jedoch in diesem Sommer Konkurrenz von Schmetterlingen und Schleifen. Die Ringe sind die Ausnahme von den zierlichen Geschmeiden. Auch hier werden Anleihen an traditionelle Ringarten gemacht, aber sie werden immer sehr zeitgemäss interpretiert. Ringe werden am liebsten mit einem grossen Stein im Zentrum getragen. Die Ringkörper werden angenehm rundlich gestaltet, damit sich das Schmuckstück wie ein Handschmeichler anfühlt. Susan Sagherian |
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