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Das
Gold des Nordens
(Erschienen in Tres'Or
- Ausgabe 1 / Oktober 2002)
Bernstein gehört zur
Tradition der polnischen Stadt Danzig. Nirgends sonst ist die Magie
dieses einzigartigen Materials besser zu spüren.
Zahllose
Geschäfte in der historischen Altstadt von Danzig bieten Bernstein
an. Nicht überall, aber an einigen Orten nimmt einen der Bernstein
gleich beim Eintreten gefangen. Man nimmt den intensiven Duft des
Bernsteins wahr. Der feine, aromatische Harzgeruch erinnert an
Fichtenwälder und an wertvolle Öle. Der frische und unendlich
reine Duft weckt die Illusion, man könne die urzeitlichen Wälder
riechen, von denen der Bernstein stammt.
Für Bernsteinnovizen ist die grosse Vielfalt des Bernsteins die nächste
Überraschung. Honigfarbene, klare Varianten treffen auf cremig
goldene bis zitronenfarbene, die das Licht nur durchschimmern
lassen. Undurchsichtiger Bernstein, dessen Farbspiel an ein
Leopardenfell erinnert, liegt neben milchig weissem bis fast
schwarzem Bernstein. Beim Berühren spielt der Bernstein seinen
letzten Trumpf aus. Er fühlt sich warm an und sein Gewicht ist überraschend
leicht. Es ist ein Material, das man gerne nahe am Körper und am
liebsten auf der Haut trägt. Das übrigens empfehlen die
Bernsteinspezialisten aus Danzig wärmstens. Sie glauben an die
heilende und schmerzstillende Wirkung von Bernstein.
Seit Jahrtausenden begleitet Bernstein die Menschheitsgeschichte.
Die ältesten, bearbeiteten Bernsteinstücke stammen aus einer Zeit
vor 11‘000 -9‘000 v. Chr. Sie wurden in England gefunden und der
bearbeitete Bernstein stammte aus den reichen Vorkommen des
Baltikums. Er wurde, wie das bis heute vorkommt, an die Küste
angeschwemmt.
Funde aus dieser Zeit sind sehr selten. Einige Jahrtausende
später, zu einer Zeit um 3'100 –2‘500 v. Chr. herrschte bereits
ein reger Handel mit Bernsteinobjekten und –schmuck über das
Baltikum und weite Teile Skandinaviens und Europa hinweg.
Später betrieben die Etrusker und Römer einen schwungvollen Handel
mit Bernstein. Der Kaiser Nero schickte sogar einen Gesandten ans
Baltische Meer, um die Quelle des Bernsteins zu finden. Bernstein
war so beliebt, dass er schon fast industriell in luxuriöse Objekte
und Schmuck verarbeitet wurde. Die Römerinnen liebten es überdies,
kleine Handschmeichler aus Bernstein bei sich zu tragen.
Die ganz grosse Blütezeit der Bernsteinverarbeitung dauerte vom 17.
bis ins 19. Jahrhundert. In dieser Zeit entstanden herausragende
Werke. Die technischen Möglichkeiten erlaubten ganz neue
Bearbeitungen des wertvollen Materials. Es entstanden zum Teil sehr
grosse Einlegearbeiten, bei denen Bernstein zusammen mit Elfenbein,
Meerschaum und Knochen verarbeitet wurde. Später wurden ganze Altäre
oder Möbelstücke mosaikartig mit meisterhaft zusammengefügtem
Bernstein überzogen.
In diese Zeit fallen auch die ersten Arbeiten am berühmtesten
Bernsteinwerk aller Zeiten, dem Bernsteinzimmer. Friedrich l. von
Preussen gab 1701 den Auftrag, einen Bankettraum seines Berliner
Palastes mit Bernsteinpaneelen auszukleiden. 100'000 Bernsteinstücke
wurden benötigt, um die Wandvertäfelungen mit Blumenranken, Wappen
und Profilen zu schmücken. 1717 schenkte Friedrich I. Peter dem
Grossen das Bernsteinzimmer, als Erinnerung an den Vertrag zur
Preussisch-Russischen Allianz von 1716. Elisabeth, die Tochter des
Zaren, nahm sich des Werks an und liess im Palast von Tsarskoje Selo
einen Raum speziell für die Bernsteinpaneele errichten.
1941
verschwanden die wertvollen Tafeln auf dem Transport nach
Deutschland für immer. Heute wird das Bernsteinzimmer nach gebaut.
Mit Hilfe von Fotografien des ursprünglichen Zimmers wird es Stück
für Stück von Meistern zusammengesetzt. Bis 2003, dem dreihundertjährigen
Jubiläum von St.Petersburg, soll das Zimmer originalgetreu wieder
hergestellt sein.
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